Sie sind ein Dauerärgernis und seit den Lockerungen der Corona-Regeln eine Landplage: Pizzakartons. Gerade am Mainzer Rheinufer stapeln sich die Pappaschachteln an den Abenden gleich dutzendfach. Die Stadt Mainz appelliert nun an die Pizza-Picknicker, ihren Müll doch bitte zu entsorgen, auch die Pizzaschachteln. Der Vorschlag der Stadt dabei: Man möge doch die Pizzaschachteln zerkleinern, wenn sie zu groß für die Mülleimer seien – andere Städte sind da schon weiter: In Walluf im Rheingau etwa steht seit dem 21. Mai ein großes, quadratischer Mülleimer für Pizzakartons – wie es sie in den USA schon lange gibt. Mainz& kommentiert: Lösungen gibt es – warum werden in Mainz keine mehr umgesetzt?

Überfüllter Mülleimer am Rheinufer in Höhe Mainzer Neustadt im Juni 2021: Ordentlich hingeräumt, Volumen nicht groß genug. - Foto: gik
Überfüllter Mülleimer am Rheinufer in Höhe Mainzer Neustadt im Juni 2021: Ordentlich hingeräumt, Volumen nicht groß genug. – Foto: gik

Es ist ein Ärgernis, das nur schwer in den Griff zu bekommen ist: Müll am Mainzer Rheinufer. Die Freizeitmeile der Mainzer leider schon seit Jahren unter zunehmender Vermüllung, gerade an den Wochenende bleiben die Reste vieler Parties am Ende der Nacht oft genug achtlos auf den Wiesen und Treppenstufen liegen. Die Stadt reagierte mit Müllscouts, die ehrenamtlich für mehr Umweltbewusstsein wecken, speziell im Winterhafen wurden besonders große Mülleimer aufgestellt – alles vergeblich.

Besonders seit dem Ende des monatelangen Corona-Lockdowns genießen die Mainzer wieder die Abende am Rheinufer, zurück bleiben oft Flaschen, Müllbeutel – und eben Pizzakartons. Die Stadt Mainz appellierte nun am Donnerstag in den sozialen Netzwerken an die Nutzer, gemeinsam für ein „sauberes Mainz“ zu sorgen, und die Pizzakartons doch bitte zu entsorgen. „Vor allem im Sommer stapelt sich der Müll, überfüllte Mülleimer sind keine Seltenheit“, heißt es etwa auf der Facebookseite der Stadt Mainz. Oft aber verstopften Pizzakartons die Entsorgungsbehälter, würden nebendran gelegt oder obendrauf.

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„Sie können mithelfen dieses Müll-Problem zu lösen“, appelliert die Stadt weiter, und rät: „Zerkleinern Sie zum Beispiel die Pizzaschachteln, die zu groß für die Öffnungen der Mülleimer sind.“ Falls der Mülleimer schon zu voll sei, könne man doch zum nächsten gehen, dieser stehe nur ein paar Meter weiter. „Wenn Sie es nicht weit nach Hause haben, können Sie die Kartons auch in Ihrer Mülltonne entsorgen“, bittet die Stadt weiter. Zudem habe der Entsorgungsbetrieb am Rheinufer 52 zusätzliche, 240 Liter große Müllbehälter aufgestellt, darin könne man jede Art von Müll entsorgen – ob Flaschen, Dosen, Pizzaschachteln oder andere Verpackungen von Speisen.

Doch Tatsache ist auch: Die in Mainz üblichen Mülleimer sind für Pizzakartons viel zu klein, in die winzigen Metalleimer passen die Schachteln gar nicht richtig hinein – viele Pizzaesser stapeln deshalb die Schachteln ordentlich neben den Mülleimern oder legen sie brav oben auf den Deckel. Unter dem Facebookpost der Stadt fordern deshalb manche Leser eine Pfandpflicht für Pizzaschachteln, andere kritisieren, es gebe schlicht zu wenig Mülleimer: „Über den ganzen Domplatz z.B. und drum herum nirgendwo ein Mülleimer und wenn, dann irgendwo ganz klein hinten im Eck“, kritisiert da eine Leserin, und betont: „Ich glaube schon, dass die Meenzerinnen und Meenzer bereit sind, ihren Müll zu entsorgen, wenn die Möglichkeit da wäre.“

Mülleimer extra für Pizzakartons: In Walluf weihte Bürgermeister Nikolaos Stavridis (parteilos, Mitte) im Mai so einen Eimer ein. - Foto: VRV Walluf
Mülleimer extra für Pizzakartons: In Walluf weihte Bürgermeister Nikolaos Stavridis (parteilos, Mitte) im Mai so einen Eimer ein. – Foto: VRV Walluf

Tatsächlich gehen andere Städte andere Wege: In Walluf im Rheingau weihte Bürgermeister Nikolaos Stavridis (parteilos) Mitte Mai eine ganz andere Lösung ein – einen quadratischen Mülleimer für Pizzakartons. „Schon vor der Corona-Pandemie waren Pizzakartons ein Problem“, schrieb dazu Stavridis am 19. Mai auf der Facebookseite des Verkehrs- und Gewerbevereins Walluf: „Niemand weiß so richtig, in welche Mülltonne eine ölgetränkte Pappschachtel gehört, an der Käsereste kleben.“ Pizzakartons gehörten in den Restmüll, doch die öffentlichen Abfallbehälter seien für sie oft zu klein. „Es braucht nicht viele der sperrigen Kartons, um aus einem leeren Abfalleimer einen überfüllten zu machen“, sagt Stavridis weiter. Ein halbherzig zusammengedrückter Karton verstopfe aber die Öffnung, auf dem Boden unter dem Eimer sammele sich der Müll – auch am Wallufer Rheinufer „gab und gibt es ein Müll- und ein Pizzakarton Problem.“

Auch in Walluf kämpfte man jahrelang gegen das Problem mit den klassischen Methoden an, nur um herauszufinden: „Es reicht nicht aus, die Leerungsintervalle zu erhöhen, und auf die Bereitschaft von Freiwilligen und Gastronomen zu setzen, den Müll freiwillig zu beseitigen“, lautete Stavridis‘ Bilanz, es bedürfe auch „kreativer und langfristiger Lösungen.“ Es seien die Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde selbst gewesen, die die Idee gehabt hätten, Müllbehälter für Pizzakartons aufzustellen – gesagt, getan: Die Wallufer Firma Ebert Metalldesign fertigte eine eigene „Pizza Box“ an, in der ließen sich die Kartons nun einfach aufeinander stapeln. „Das spart Platz, erleichtert die Leerung und stellt eine umweltgerechte Entsorgung sicher“, betont Stavridis. Der ersten Box solle in den kommenden Tagen eine weitere auf dem Leinpfadplätzchen folgen.

Groß-Mülleimer am Mainzer Winterhafen, die Gefäße gehen unter der Erde noch erheblich weiter. - Foto: Entsorgungsbetrieb Mainz
Groß-Mülleimer am Mainzer Winterhafen, die Gefäße gehen unter der Erde noch erheblich weiter. – Foto: Entsorgungsbetrieb Mainz

„Die Idee ist sicher nicht neu und keine Wallufer Erfindung“, räumte Stavridis ein –  in Amerika gebe es auf vielen Parkplätzen solche Entsorgungsboxen, oft vor Pizzakettenfilialen. In Deutschland sei man aber nun ein Vorreiter, tatsächlich gibt es bislang nur wenige Städte, die zu den viereckigen Müllbehältern gegriffen haben. Ein Einzelfall ist Walluf aber auch nicht: Im fränkischen Kitzingen gibt es seit Ende 2020 eigene Müllbehälter, in die man die Pizzakartons einfach unten reinlegt, im baden-württembergischen Waldkirch gibt es sie schon seit Sommer 2019. „Jeder kann etwas tun, indem er die Abfalleimer benutzt“, schreibt Stavridis noch: „Das Eckige muss ins Eckige.“

Info& auf Mainz&: Den ganzen Post von Bürgermeister Stavridis zu den Mülleimern für Pizzakartons findet Ihr hier auf Facebook, den Post der Stadt Mainz könnt Ihr hier nachlesen. Über das Müllproblem am Rhein und die Müllscouts der Stadt Mainz haben wir schon im Februar 2017 berichtet, hier auf Mainz&. Korrektur&: Der Wallufer Bürgermeister Stavridis ist übrigens parteilos und nicht Mitglied der SPD, das war eine Verwechslung unsererseits, die wir korrigiert haben.

Kommentar& auf Mainz&: Schaut mal, da gibt es eine Lösung…

Ja, Müll am Rheinufer ist ein echtes Problem geworden. Ja, die Stadt hat neue Mülleimer aufgestellt und die Reinigungsintervalle verkürzt – es nützt nur nichts. Denn ja, es gibt immer noch viel zu viele Dödel jeglichen Geschlechts, die – alkoholtrunken oder nicht – ihren Müll einfach liegen lassen oder ihn wegschmeißen. Doch wer mal versucht hat, einen Fett getränkten und Käse-verklebten Pizzakarton (womöglich noch mit Resten drin) an einem lauen Sommerabend am Mainzer Rheinufer loszuwerden, der weiß: Da gibt es ein Problem.

Überquellender Mülleimer am Mainzer Rheinufer: Ordentlich nebenhin gelegt. - Foto: gik
Überquellender Mülleimer am Mainzer Rheinufer: Ordentlich nebenhin gelegt. – Foto: gik

Wenn man nämlich nicht gerade am Mainzer Winterhafen und damit in Reichweite einer der coolen Mega-Mülleimer ist, der sieht sich schlicht mit dem Problem konfrontiert: Nirgends geht er rein. Die alten, oft klapprigen Mülleimer in Mainz sind viel zu winzig, da geht keine Schachtel rein – und wenn man sie reinquetscht, passt nix anderes mehr dazu. Die Konsequenz: Viele Mainzer stapeln die Pizzakartons höchst säuberlich auf oder neben den Mülleimern, und das zeigt doch: Sie wollen ihren Müll ja entsorgen – nur wissen sie schlicht nicht, wie. Und nein, eine fetttropfende Pizzaschachtel quer durch die Stadt nachhause zu tragen, ist eben nicht wirklich eine gute Option – erst recht nicht, wenn man noch irgendwoanders hingehen möchte.

Seit Jahren klagt man in der Stadtverwaltung über das Problem, Lösungen werden aber schlicht nicht angeboten. Dabei gibt es sie, die praktischen rechteckigen Pizzaschachtel-Mülleimer, die Presse hat schon mehrfach über solche Lösungen berichtet. Mit einem kurzen Google-Gang haben wir heute diese Lösung gefunden, das hat geschätzt zwei Minuten gedauert. Und dabei auch noch eine Firma in Walluf gefunden, die diese Mülleimer herstellt. Drüben im Rheingau haben sie’s einfach mal gemacht, der SPD-Parteigenosse verrät bestimmt gerne, wie es ging und was es gekostet hat. Man müsste halt mal den Kopf heben und über die Stadtgrenzen linsen… Das Eckige muss ins Eckige – und für Mainz müssen neue Lösungen her.

3 KOMMENTARE

  1. Witzig! Völlige Zustimmung 🙂
    Mensch mutmaßt, dass das „Problem“ allerdings nicht die Pizzakartons als solche sind!
    Denn, falls es so „oberuncool“ sei, einen „fettigen, ekligen Pizzakarton“ durch die Stadt nach Hause zu tragen – dann solle Mitmensch vielleicht darüber nachdenken (Oh – Uh- Ah) eventuell keine Pizza an Orten zu essen, an denen deren Verpackung nicht sachgerecht unternommen werden könnte. (Das gilt übrigens auch für Getränkeverpackungen, deren sachgerechte Entsorgung ja beschämender Weise gerne in die „bewährten“ Hände prekärsituativ getriebener Mitmenschen gelegt wird. 😐 )
    Die Idee mit dem Pfand auf Pizzakartons ist richtig gut – könnte die Entsorgung dann ja durch die oben angeführten „Flaschensammler“ gleich mit erledigt werden…
    Mensch fühlt gerade. dass er nicht in der Lage wäre, soviele derartiger pizzoider Biopolymerfladen zu verspeisen, wie er gerade speien möchte…

    OK – also doch – Kartonage mitnehmen nach Hause – brav!
    Nur landen die Pizzakartons (Hallo Karl? Sagamoi? Müsst mer des jetzd ned „Pizzenkartons“ heissn?) dann meist unzerissen und gerne noch inclusive der – den kieferorthopädisch gerichteten Zähnchen nicht kaubaren – Rändern, im Papiermüll.
    Das ist also auch keine Lösung, die ohne Mitdenken funtionierte – gell?

    Vielleicht könnten ja Pizza-Foodtrucks (StartUp-Idee gerne geschenkt) mit frisch vor Ort zubereiteten Pizzas und die Truckeigner festangestellten Entsorgungstruppen das Problem entschärfen. Dann schmeckte es auch am Rheinufer gleich viel entspannter 🙂

    Mensch bittet um Verzeihung, hat er aber auch gut reden, denn er hat ja keinen Leidensdruck, käme es ihm doch niemals in den Sinn eine Pizza nicht direkt HEISS, FRISCH und KNUSPRIG geniessen zu wollen!
    Das „Lieferzeug“ (egal was !) und der, übrigens im gleichen, oben schon beschriebenen, fettigen Pizzakarton durch die halbe Stadt ans Rheinufer getragene, nur bestenfalls lauwarm und durch Eigendampfemanation labberig gewordene, Teigling, unterschiedet sich geschmacklich und in seiner Textur nur selten von der ihn/es umhüllenden Kartonage.
    Aber wenn Individuum es so mag…

    P.S.
    Vielleicht entspringt das unachtsame Entsorgen aber auch lediglich der Suche nach Ausdruck einer auctoritaten subversiven Wut jüngerer Individuen über die geschmackliche und qualitativ absurde Realität dieser Lieferprodukte?
    Ein postsubtiles Anprangern der prekären Situation der unzähligen Liefersklaven, letzter und Hilflosigeit gemahnender Ausruf des Mitgefühls in den schäumenden grauen Neeren der obskuren präreligiösen Absurdität des Neoliberalismus – wer zählt die Völker, nennt die Namen…

    Mensch – jetz isses abber mal gut… :-)=)

  2. Es ist so einfach vom Prinzip her, der Verursacher also der derjenige der den Pizzakarton mitgebracht hat nimmt diesen wieder mit und entsorgt diesen Zuhause.Die Verantwortung für die Sauberkeit am Mainzer Rheinufer und anderswo ist nicht nur Sache der Stadt sondern aller Bürger die in dieser leben. Man kann nicht seine eigene Unfähigkeit einfach auf andere übertragen, und mitgebrachten Müll einfach liegen lassen, ist assoziales Verhalten.

  3. Vorschlag:
    Wenn der Abfall auf Kosten aller Steuerzahler, dazu zählt auch die prekäre Flaschensammlerin, die der MwSt nicht entrinnen kann, weggeräumt wird, gibt es Platz für neuen Dreck. Also einfach als Abschreckung liegen lassen, damit die Müllschweine in ihrem eigenen
    Dreck ersticken.

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