Es ist die wohl spannendste Ausgrabung, die Mainz seit Langem erlebt hat: Seit die Evangelische Kirche 2013 eine Fußbodenheizung in der unscheinbaren Kirche St. Johannis in der Mainzer Altstadt einbauen wollte, staunt die Fachwelt über die archäologischen Sensationen, die in der Kirche seither zutage traten: Alter Dom zu Mainz, Mauern aus der Merowingerzeit, eine der ältesten Kirchen Deutschlands, Königskrönungen, Jugendstilzeit und der Sarkophag eines verschollenen Erzbischofs. Nun zieht der Grabungsleiter des Alten Doms Bilanz: Am 14. Oktober hält Guido Faccani einen Hybrid-Vortrag im Mainzer Landesmuseum.

Es war im Sommer 2013, als die Mainzer Johannisgemeinde frohgemut in Umbauarbeiten in ihrer Kirche startete – nichtsahnend, was daraus werden sollte: Der Fußboden sollte eine Heizung bekommen, und dann kam alles ganz anders. Die Bauarbeiter gruben, dann wurden Archäologen hinzugezogen – und die fanden eine Sensation nach der anderen: Amtskirche der ersten Bischöfe von Mainz, erbaut auf alten römischen Fundamenten, die erste christliche Kirche in Mainz, der Alte Dom – St. Johannis offenbart seither eine unglaubliche Reise in die Geschichte von Mainz.
Und die wird nun ausgebreitet in einem Vortrag im Mainzer Landesmuseum: Am Dienstag, den 14. Oktober 2025, um 18.00 Uhr wird Dr. Guido Faccani, Kunsthistoriker und wissenschaftlicher Forschungsleiter in St. Johannis, im Landesmuseum Mainz den aktuellen Stand der Ausgrabungsarbeiten präsentieren. Unter dem Titel „Hoffnung, Gewissheit, Zukunft: Archäologie in St. Johannis zwischen 2013 und 2025 und darüber hinaus“ blickt er auf 13 Jahre intensiver Boden- und Bauforschung zurück.
Bilanz einer Grabung: Vortrag Faccani über den Alten Dom zu Mainz
Es dürfte eine große Bilanz werden, denn im September wurden die Ausgrabungen im Alten Dom für beendet erklärt. Letzte Antworten indes wird es noch lange nicht geben: Die bisherigen Ergebnisse hätten zwar „viel Gewissheit gebracht, aber – wie so oft in der Archäologie – nicht die letzte Antwort“, heißt es in der Vorankündigung. Das gilt auch für den spektakulärsten Fund der Grabungsarbeiten, die Öffnung des Sarkophags des Mainzer Erzbischofs Erkanbald: Der Willigis-Nachfolger wirkte im frühen 11. Jahrhundert, sein Grab galt als verschollen – und wurde im Fußboden von St. Johannis wieder gefunden.

Doch die spektakuläre Öffnung des Sarkophags brachte zwar die Erkenntnis, dass hier wohl Erkanbald liegen müsse, Fragen blieben aber auch dabei offen. „Man erhofft sich als Archäologe immer ausgiebig Zeit, um die Befunde adäquat dokumentieren zu können. Dass es gleich 13 Jahre Boden- und Bauforschung in St. Johannis werden würden, damit hatte allerdings niemand gerechnet“, sagt Faccani selbst. Was gelang war indes der Nachweis, dass die Kirche einst der Alte Dom zu Mainz war,. jener Vorgängerbau des großen Mainzer Doms, in dem legendäre Bischöfe wirkten und Könige gekrönt wurden.
In seinem Vortrag will Faccani nun die einzigartigen Befunde zusammenfassen, den Stand der Dokumentation erläutern und zugleich Perspektiven für die Zukunft aufzeigen. Denn die umfangreichen Ergebnisse der Grabungen müssen weiter ausgewertet „und in einen internationalen baugeschichtlichen Zusammenhang gestellt werden – eine Aufgabe, die auch über das Jahr 2025 hinaus von Bedeutung bleibt“, wie es heißt.
Der Vortrag wird als Hybrid-Veranstaltung angeboten: Interessierte können vor Ort im Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49–51, teilnehmen oder sich digital zuschalten. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung war jedoch bis 13. Oktober, 12.00 Uhr, per E-Mail an anmeldung@gdke.rlp.de erforderlich. Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben, der Zugangslink für die Online-Teilnahme wird anschließend zugesandt.
Info& auf Mainz&: Mehr zur Grabungsgeschichte des Alten Dom St. Johannis könnt Ihr ausführlich hier bei Mainz& lesen.






