Seit fast 20 Jahren weist der Bahnhof „Römisches Theater“ in Mainz nun schon auf die sensationellen Römerfunde im Süden der Mainzer Altstadt hin, doch im Bahnhof selbst ist von den Bezug zum antiken Erbe nichts zu sehen. Das würde der Verein „Rettet das Römische Mainz“ gerne ändern – und schlägt nun vor, den Bahnhof zu einem Eingangstor für ein einzigartiges archäologisches Freilichtmuseum zu machen. So könnte ein „Römerpfad“ entstehen, der von dem Bahnhof über die Reste des antiken Bühnentheaters bis zum Drususstein auf der Mainzer Zitadelle führt – und ein neues touristisches Highlight werden.

Das Römische Bühnentheater in Mainz mit dem dahinter liegenden Bahnhof. - Foto: gik
Das Römische Bühnentheater in Mainz mit dem dahinter liegenden Bahnhof. – Foto: gik

Vor fast 30 Jahren begannen oberhalb des Mainzer Südbahnhofs Ausgrabungen, die eine Sensation zutage förderten: Im Hang der Landeshauptstadt unterhalb der Mainzer Zitadelle grub der damalige Landesarchäologe Gerd Rupprecht gemeinsam mit Tausenden Freiwilligen die Überreste eines Römischen Bühnentheaters aus, des größten, das jemals nördlich der Alpen gefunden wurde. Die Reste des antiken Baus wurden jedoch durch die Eisenbahnlinie in Mainz zerschnitten, die Bühne durch den Bahnhof weitgehend zerstört.

2006 wurde der Bahnhof in „Römisches Mainz“ umbenannt, 2013 legte Rupprecht dann persönlich Hand an, und schwang den Vorschlagshammer zum Abriss der Trennmauer zwischen dem Bahnhof und dem antiken Theaterrund. Seither gewährt eine durchsichtige Trennwand den Reisenden den Blick in die Vergangenheit, ansonsten jedoch lässt wenig in dem Bahnhof und auf seinen Bahnsteigen den Bezug zum Namen „Römisches Theater“ erahnen.

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Theater farblich visualisieren, römische Geschütze auf Vorplatz

Das würde der Verein „Rettet das Römische Mainz“ gerne ändern und schlägt nun vor, die Grundrisse des ehemaligen römischen Theaters in Kooperation mit der Stadt und der Deutschen Bahn farblich auf dem Boden zu visualisieren. Das könne ergänzt werden durch Duplikate von Funden, die im Bahnhof und womöglich auch auf den Bahnsteigen ausgestellt werden könnten, so der Verein weiter. Rupprecht, Mitglied des in diesem Sommer gegründeten Vereins, schlägt zudem vor, auf dem Bahnhofsvorplatz Nachbildungen römischer Geschütze wie etwa einer Ballista, Catapulta oder Scorpio zu präsentieren, um die militärische Bedeutung von Mainz visuell darzustellen.

Der Drususstein auf der Zitadelle wurde einst als Ehrenmal für den römischen Feldherrn Drusus errichtet. - Foto: gik
Der Drususstein auf der Zitadelle wurde einst als Ehrenmal für den römischen Feldherrn Drusus errichtet. – Foto: gik

Das antike Mogontiacum wurde einst vom Feldherren Drusus als römische Legionslager am Zusammenfluss von Main und Rhein gegründet und war mehrere Jahrhunderte lang einer der wichtigsten Militärstützpunkte des Römischen Reiches an der Grenze zwischen Germanien und Gallien. An die Geschichte erinnert nicht nur der Kästrich, der seinen Namen von dem alten Legionslager hat, sondern auch der Drususstein, das Ehrenmal für den in Mainz verstorbenen Feldherren Drusus auf der Zitadelle, gleich oberhalb des Römischen Theaters.

Die Geschütz-Nachbildungen vor dem Bahnhof würden auf die militärischen Ursprünge verweisen und wären zugleich ein Hingucker für Touristen und Mainzer. „Vor dem Bahnhof Militär und hinter dem Bahnhof Theater – besser lässt sich auf engstem Raum die Interaktion von Zivilgesellschaft und Militärkultur nicht präsentieren“, sagte Rupprecht nun. Der Verein bietet an, mit eigenen Mitteln Nachbildungen der römischen Geschütze bauen zu lassen, und seine Kompetenz in die Gespräche mit der Stadt und der Deutschen Bahn für eine mögliche Realisierung einzubringen.

 

Bahnhof Römisches Theater als Tor zu Freilichtmuseum?

Der Bahnhof könnte mit einer „touristisch wirksamen Neudarstellung“ zu einem Eingangstor für ein einzigartiges archäologisches Freilichtmuseum werden, findet man bei dem Römerverein: Mit der gerade erfolgten Fertigstellung der Freitreppe zwischen Bahnhof und Zitadelle sowie dem „Facelifting“ des Drusussteins seien „entscheidende Schritte zur neuen touristischen Erschließung dieses Areals erfolgt“, sagte der frühere Mainzer Kulturdezernent Peter Krawietz. Damit seien jetzt die entscheidenden Verbindungsachsen zwischen den römischen Denkmälern geschaffen worden, die jetzt auch zu einer Neugestaltung des Bahnhofbereichs einladen würden.

Beispiele anderer touristisch erfolgreicher Umgestaltungen von Bahnhöfen gebe es zu Genüge, betont man bei dem Verein weiter: So habe Uelzen mit seinem „Tor zur Lüneburger Heide“ gezeigt, wie schnell der von dem Künstler Friedensreich Hundertwasser umgestaltete Bahnhof zu einem Touristenmagneten geworden sei. Auch in Griechenland gebe es etwa in Thessaloniki oder Venizelou Beispiele, wo in den Bahnhof eine römische Hauptstraße mit Marmorpflaster, Säulengängen und angrenzenden Geschäften integriert worden sei. Ein „Römerpfad“ zwischen dem Bahnhof und dem Drususstein könnte auch in Mainz zu eine touristischen Highlight werden.

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