Das geplante Einkaufszentrum an der Ludwigstraße im Herzen von Mainz entwickelt sich ja langsam zu einer Art Ungeheur von Loch Ness: Ab und zu wird mal eine Shopping Mall am Horizont gesichtet, die aber genauso schnell wieder verschwindet – und dann unauffindbar bleibt. Der Bürgerinitiative Ludwigstraße reicht das jetzt. Sie fordert von der Stadt konkrete Informationen zum Stand der Dinge – und einen Plan B.

Karstadt an der Mainzer Ludwigsstraße - Foto: gik
Karstadt an der Mainzer Ludwigsstraße – Foto: gik

Der Investor ECE sollte ja eigentlich eine moderne Shopping Mall an der Mainzer Prachtstraße entwickeln, tatsächlich kaufte ECE auch das Karstadt-Gebäude und teils angrenzende Grundstücke. Doch dabei blieb es, seither ruht das Loch Ness stille. ECE hat Probleme, denn entscheidende Grundstückseigentümer wie das Bistum Mainz und die Besitzer des „China-Pavillions“ am Gutenbergplatz wollen nicht verkaufen.

Trotzdem hatte ECE immer wieder betont, man halte an den Plänen für eine Einkaufszentrum fest, zuletzt war das im November 2014 der Fall. Da legte ECE den städtischen Vertretern auch ein neues „Grobkonzept“ für ein kleineres Einkaufszentrum vor, und die Stadt teilte mit, auch das neue Konzept erfülle „die städtebaulichen Vorgaben der Stadt vollständig.“ Das könnt Ihr hier nachlesen.

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Doch die BI hat erhebliche Zweifel, dass ECE das Projekt tatsächlich noch umsetzt und deshalb Oberbürgermeister Michal Ebling (SPD) aufgefordert, in einer Bürgerinformation über den tatsächlichen Stand der Dinge zu informieren. ECE lasse Jahr um Jahr verstreichen, das Projekt stehe still und die Bürger müssten rätseln, wie es an der Ludwigsstraße weiter gehe, argumentierte die BI Anfang Februar.

Die LU mit ihren vorgelagerten Pavillons: still ruht das Loch Ness - Foto: gik
Die LU mit ihren vorgelagerten Pavillons: still ruht das Loch Ness – Foto: gik

Nun liegt Mainz& der Antwortbrief des OBs vor – und der lehnt eine öffentliche Informationsveranstaltung ab. ECE sei Eigentümer der Karstadt-Immobilie und daher „der zentrale Ansprechpartner der Stadt“, schreibt Ebling. Die Stadt werde das Ergebnis der Grundstücksverhandlungen abwarten, die im Frühjahr 2015 mit einem „positiven Abschluss“ enden sollten.

Danach werde die Stadt mit Investor und Stadtratsfraktionen das Ergebnis erläutern – und danach „den Bürgern ein neues Informations- und Diskussionsangebot“ machen. Man gehe übrigens auf Grund der Grundstückssituation „aktuell von einer deutlichen Verringerung der Gesamtfläche aus“, schreibt Ebling weiter. Interessant… soll an der LU also eine „Shopping Mall light“ entstehen? Die vielleicht besser in die Stadt passt?

Ludwigstraße mit Dom und Deutscher Bank - Foto: gik
Ludwigstraße mit Dom und Deutscher Bank – Foto: gik

Der BI reicht das jedenfalls nicht, sie wirft dem OB ein „mangelndes Bekenntnis zur Transparenz“ vor. „ECE hat die notwendige Stadtreparatur und städtebauliche Aufwertung an dieser sensiblen Stelle der Altstadt bereits um Jahre verzögert“, heißt es in einem zweiten Brief der BI an den OB. Angesichts des „jahrelanger Hinhaltemanövers“, sei es „mehr als fraglich, ob ECE eine Investition in das Karstadtgebäude überhaupt noch für sinnvoll hält und auch tatsächlich plant.“

Die Pläne vom Dezember 2013 seien offensichtlich nicht mehr realisierbar, die Öffentlichkeit habe ein Recht, die neuen Pläne müssten deshalb auch den Bürgern vorgestellt werden. „Wir können Ihrer Einschätzung, ECE sei ‚zentraler Ansprechpartner der Stadt für die weitere Entwicklung des Quartiers‘ nicht zustimmen“, betont die BI. ECE sei jetzt nur noch ein Grundstücksbesitzer unter mehreren, deshalb sei es „vermutlich zielführender, auf alle betroffenen Grundstückseigentümer zuzugehen, um sie für Neuplanungen im Sinne der Leitlinien vom Oktober 2012 zu gewinnen.“

Im Klartext: die BI will einen Neuanfang auf der LU, die Stadt dürfte das scheuen. „Auch und gerade für den Fall“, dass ECE bis Ende des Frühjahrs wieder nicht die notwendigen Grundstücke habe erwerben können, müsse man nun wirklich „von einem endgültigen Scheitern des Projekts“ ausgehen, schreibt die BI. Dann wäre eine neue Bürgerinfo dringend vonnöten, „spätestens im Juni.“ Die BI macht also Druck, verkehrt finden wir das nicht. Denn tatsächlich ist Jahr um Jahr verstrichen – und Nessi taucht mal wieder…

Info& auf Mainz&: Die BI Ludwigsstraße lädt für den 24. März um 19.00 Uhr zu ihrer öffentlichen Versammlung ein, dabei soll ein neuer Koordinierungskreis gewählt werden. Ort ist das Haifa-Zimmer im Rathaus. Mehr zur BI und ihrer Arbeit findet Ihr hier.

1 KOMMENTAR

  1. BI: “… ECE hat die notwendige Stadtreparatur und städtebauliche Aufwertung an dieser sensiblen Stelle der Altstadt bereits um Jahre verzögert. …”

    Ich lach mich schief!
    Von außen sehen Karstadt und Deutsche Bank immer noch 20mal attraktiver aus als der verrottete Pavillon, genannt „Ludwigstraßechinees“, dessen Eigentümer schon seit mehr als 60 Jahren die südwestliche Ecke des Gutenbergplatzes verschandeln lassen. In dem Durchgang zwischen linkem Karstadtgebäude und Pavillon siehts aus wie kurz nach dem Krieg in einem Trümmergrundstück. Und das direkt neben touristischen Highlights.

    Sind die denn so arm, dass sie sich einen attraktiven Neubau nicht leisten können? Nein, wahrscheinlich geht es nur ums Geld scheffeln. Warum sollten sie investieren, solange die Pächter zahlen?

    Soviel zum Thema „ECE verzögert die notwendige Stadtreparatur“.

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