Am Mittwoch geht Deutschland in einen verschärften Lockdown, alle Geschäfte außerhalb des notwendigen Bedarfs wie Lebensmittel müssen dann schließen – doch es gibt gute Nachrichten: Einkaufen könnt Ihr trotzdem weiter und dabei auch die lokalen Geschäfte vor Ort unterstützen. Rheinland-Pfalz erlaubt nämlich das sogenannte „Click & Buy“, also Lieferdienste und Online-Shopping und sogar das Abholen der bestellten Waren vor Ort. Das gilt auch für Baumärkte sowie kleine Geschäfte in der Innenstadt, dazu hat das Citymanagement nun den Lieferdienst „Mainz gebracht“ reaktiviert.

Was wird aus der Einkaufsstadt Mainz nach dem Lockdown? Die Sorgen der Einzelhändler sind groß. - Foto: gik
Was wird aus der Einkaufsstadt Mainz nach dem Lockdown? Die Sorgen der Einzelhändler sind groß. – Foto: gik

Am Sonntag hatten sich Bund und Länder auf ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens in vielen Bereichen geeinigt, vor allem der Handel wird ab Mittwoch geschlossen – für die Einzelhändler ist das ein Riesenproblem: „Einige Unternehmen machen jetzt ein Drittel oder ein Viertel ihres Jahresumsatzes, für viele meiner Kollegen ist das eine Katastrophe“, sagte der Mainzer Juwelier Jan Sebastian, der auch Präsident des Handelsverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland ist. Die Auswirkungen auf die Innenstädte seien noch gar nicht abzusehen, eine Pleitewelle durchaus möglich.

„Meine Sorge ist groß“, sagt auch die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) im Gespräch mit Mainz&, „Gastronomie und Einzelhandel haben sich vor dem zweiten Lockdown gefürchtet, und jetzt ist er eingetreten.“ Die Warnungen seien vehement gewesen, dass womöglich viele vor allem der kleinen Läden einen zweiten Lockdown nicht überlebten, nun verzögere sich auch die Auszahlung der Hilfen stark. „Es droht erneut ein Liquiditätsproblem“, warnte Matz – erst im Frühjahr 2021 werde man sehen können, ob die Politik Gastronomie und Handel wirklich in ausreichendem Maße unterstützt habe.

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Die Kunden stürmten am Montag die Mainzer Innenstadt für letzte Einkäufe vor dem verschärften Lockdown. - Foto: gik
Die Kunden stürmten am Montag die Mainzer Innenstadt für letzte Einkäufe vor dem verschärften Lockdown. – Foto: gik

Die Kunden stürmten am Montag und Dienstag Innenstädte und Baumärkte, um kurz vor Toresschluss noch Geschenke und dringend Benötigtes zu erstehen, doch für beide Seiten ist nun ein wenig Abhilfe in Sicht: Das Land Rheinland-Pfalz erlaubt nämlich – im Gegensatz etwa zu Baden-Württemberg – seinen Einzelhändlern nicht nur das gewohnte Online-Shopping mit Zusendung der Ware, sondern auch das sogenannte Click & Buy: Also das Bestellen der Ware im Internet oder per Email und das Abholen der Ware vor Ort am Geschäft.

Der Lockdown ist notwendig, weil die Infektionen mit dem neuen Corona-Virus in den vergangenen Tagen nicht mehr nur auf hohem Niveau stagnierten, sondern sich inzwischen wieder in einen exponentiellen Anstieg begeben haben: In Mainz liegt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen wieder bei 174,9 Infektionen pro 100.000 Einwohner, das ist genau der bundesweite Infektionsschnitt. Im Kreis Mainz-Bingen stieg die Inzidenz auf 145, der Landkreis hatte zuletzt einen Anstieg der Infektionen von rund 40 Prozent zu verzeichnen. Der Lockdown soll nun helfen, die Kontakte endlich deutlich zu reduzieren, andere Bundesländer wie Baden-Württemberg haben deshalb Ausgangssperren und strenge Schließungsregeln für Geschäfte erlassen.

Mittwoch müssen die meisten Geschäfte schließen, viele aber bieten weiter Liefer- oder Abholservice an. - Foto: gik
Ab Mittwoch müssen die meisten Geschäfte schließen, viele aber bieten weiter Liefer- oder Abholservice an. – Foto: gik

Rheinland-Pfalz lässt da mehr zu: Alle Geschäfte, die jetzt für den Lockdown geschlossen würden, dürften Abhol-, Liefer- und Bringdienste einrichten, allerdings nur nach vorheriger Bestellung, hieß es am Dienstag aus der Staatskanzlei. Das gelte auch für Baumärkte: Die müssten zwar schließen, dürften aber ebenfalls einen Abholservice anbieten, sagte ein Sprecher weiter. Man werde aber genau beobachten, ob das zu unerwünschten Menschenansammlungen führe.

Ansonsten gelten ähnliche Regeln wie im Frühjahr: So sind Autohäuser oder Fahrradläden etwa für den Verkauf geschlossen, die Werkstätten dürfen aber weiter arbeiten. Auch Fotostudios dürfen etwa weiter Fotoaufnahmen anfertigen, nicht aber Fotozubehör im Laden verkaufen – per Liefer- oder Abholservice dürfen sie. Auch für Juweliere und andere Handwerksbetriebe gilt: Laden zu, Werkstätten für Reparaturen offen. So werden denn ab Mittwoch viele Einzelhändler weiter in ihren Läden sein – und versuchen, ihren Teil des Online-Handels anzugreifen.

Denn tatsächlich bieten Dutzende wenn nicht Hunderte Mainzer Einzelhändler weiter den Verkauf via Telefon oder Onlineseite an, von der Kleidung über Schuhe bis hin zu Geschenkartikeln, Strümpfen oder Sportbedarf ist alles dabei. Eine ausführliche Liste der Geschäfte und der jeweiligen Einkaufsmöglichkeiten findet man hier im Internet bei der Stadt Mainz. Dazu hat das Mainzer Citymanagement nun den Lieferdienst „Mainz geliefert“ wieder aufgelegt: Im ersten Frühjahrs-Shutdown hatten Velofahrer die Waren kostenlos in die Haushalte geliefert, im Sommer war der Service allerdings wieder eingestellt worden.

Erste Einzelhändler, die mit dem Lieferdienst "Mainz gebracht" kooperieren. - Grafik: Mainz gebracht, Citymanagement
Erste Einzelhändler, die mit dem Lieferdienst „Mainz gebracht“ kooperieren. – Grafik: Mainz gebracht, Citymanagement

Nun wurde der Lieferservice gerade rechtzeitig zum Hauptweihnachtsgeschäft wieder reaktiviert – und erfährt durch den neuen Lockdown zusätzliches Gewicht. „Gerade im so wichtigen Weihnachtsgeschäft möchten wir den Mainzer Einzelhandel unterstützen wo es geht“, betonte Citymanager Dominique Liggins. Mit „Mainz gebracht“ hätten die Kunden die Möglichkeit weiter lokal einzukaufen und damit die Wirtschaftskraft in Mainz zu lassen, auch wenn man nicht physisch in die Stadt gehen wolle. „Dieses Weihnachten zählt es“, betonte Liggins, nur gemeinsam könnten die Mainzer „dafür sorgen, dass unsere Stadt so vielfältig und attraktiv bleibt.“

Für den Transport stehen deshalb nun zwei Lastenfahrräder zur Verfügung, die Logistik wickelt das Unternehmen „Velo Carrier Mainz“ ab. „Ich freue mich, dass wir damit einen weiteren wichtigen Schritt zu einer urbanen City-Logistik gemacht haben“, sagte Liggins. Ein lokaler Lieferdienst könne in Zukunft ein Wettbewerbsvorteil für den Mainzer Einzelhandel werden. „Lokal bestellen, schnell und unkompliziert geliefert, emissionsfrei und verlässlich“, betonte Liggins.

Die Sparkasse Mainz sponsert die Lastenräder und spendiert zudem die ersten 1000 Päckchen, die dann kostenlos ausgeliefert werden – ansonsten kostet der Lieferdienst inzwischen Geld, wie beim Postversand auch. Der Vorteil: Bei normalem Aufkommen kann der Einkauf sogar noch am selbenTag vor der Haustür stehen. „Die Pandemie verändert unseren Alltag und stellt gerade auch den Einzelhandel vor große Herausforderungen,  wirtschaftlicher, aber auch logistischer Natur“, sagte Sparkassen-Vorstand Thorsten Mühl. Die innovative Verknüpfung aus Einzelhandel und dem emissionsfreien Transport von Waren per Lastenfahrrad werde allen helfen, gemeinsam durch die schweren Wochen zu kommen.

Welche Geschäfte überleben die Coronakrise? Vor allem kleine Läden haben zu kämpfen. - Foto: gik
Welche Geschäfte überleben die Coronakrise? Vor allem kleine Läden haben zu kämpfen. – Foto: gik

Inzwischen haben sich auch die ersten Einzelhändler mit dem Lieferdienst „Mainz gebracht“ verknüpft, darunter sind etwa der Kinderladen Wirth, die Destille, Geschäfte wie die Schuh Passion, Kohnoa oder die Kaffeerösterei Müller. Welche Einzelhändler per „Mainz gebracht“ liefern, seht Ihr am besten hier auf der Facebookseite, alle weiteren Infos zu dem Lieferdienst gibt es hier im Internet, eine Händlerliste ist dort allerdings noch nicht einzusehen.

Matz rief denn auch an die Mainzer zur Solidarität mit den Mainzer Einzelhändlern und Gastronomen auf: „Mein Appell an die Mainzer lautet: bestellt bei Euren Lieblingslokalen, kauft online oder per Telefon bei den Einzelhändlern“, sagte die Dezernentin. Es gelte jetzt, „Seite an Seite mit der sehr stark betroffenen Mainzer Wirtschaft gut durch die Krise zu kommen, damit wir nächstes Jahr noch so eine Innenstadt haben, wie wir sie lieben.“

Info& auf Mainz&: Die ganze Liste von Einzelhändlern in Mainz, bei denen ihr telefonisch oder online bestellen könnt, findet Ihr hier im Internet. Auch in den sozialen Netzen verbreiten derzeit viele, wie sie ab Mittwoch noch erreichbar sind – hinsehen!

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