Die Earth Hour 2017 ist vorbei und hat vielfach Diskussionen ausgelöst: Ist die Licht-Aus-Aktion sinnvoll als Zeichen für den Klimaschutz und sollte weitergehen? Oder ist sie doch nur eine Stunde, die nichts bewirken kann und gleich wieder vergessen ist? In diesem Jahr hatte sich Mainz dafür entschieden, länger als üblich die Lichter an 40 berühmten Bauwerken der Stadt auszuschalten – zwei Stunden wurden der Dom, die Opel-Arena oder auch das Rathaus nicht angestrahlt. Die Aktion ruft in Erinnerung, dass jeder einzelne Mensch auf unserem Planeten dazu aufgefordert ist, etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Heller Platz, dunkler Dom: Bei der Earth Hour 2017 hieß es zwei Stunden Licht aus für den Klimaschutz. – Foto: cibo

Um 20.30 Uhr schaltete Mainz vergangenen Samstag die Lichter mehrerer Sehenswürdigkeiten für zwei Stunden komplett aus. Zeitgleich versammelten sich rund 140 Teilnehmer auf dem Leichhof und begaben sich auf eine 90-minütige Stadtführung im Dunkeln unter dem Motto „Mainz mal anders“ mit der Autorin Stefanie Jung. Dabei passierten die Mainzer zehn Orte, die plötzlich im Dunkeln lagen. Manche Gebäude fielen dadurch auf den ersten Blick gar nicht so auf. Es fehlte einfach an Licht, das die Details der Gebäude und Denkmäler nachts verdeutlicht.

Die Earth Hour wurde 2007 in Sydney vom World Wildlife Fund (WWF) ins Leben gerufen, um auf das Problem des Klimaschutzes und der CO2-Einsparungen hinzuweisen. „Es geht bei der Earth Hour nicht um eine konkrete Einsparung, sondern um ein Symbol“, erklärte Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) zur Beteiligung der Stadt Mainz. Ziel sei es in diesem Jahr aber auch gewesen, „den Masterplan Klimaschutz breiter zu streuen“ und die Bürger darauf aufmerksam zu machen. Schließlich will man bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen in der Stadt um 95 Prozent und den Energieverbrauch um 50 Prozent senken. „Das schaffen wir als Stadt nicht alleine, dafür brauchen wir jeden Einzelnen“, betonte Eder.

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Die 140 Teilnehmer der Stadtführung machten bei der Earth Hour schon einmal mit, denn ihr Licht zuhause dürfte während der Stadtführung aus gewesen sein, wie auch Klimaschutzmanagerin Tatiana Herda Muñoz auf Twitter feststellte. Und genau das ist das Ziel der „Stunde der Erde“: möglichst viele Menschen zu mobilisieren, sich mit dem Thema Klimaschutz zu befassen und zu schauen, was jeder Einzelne tun kann. Der Klimawandel schade langfristig dem Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen, heißt es beim WWF: „Beinahe jede sechste Tier- und Pflanzenart wird durch den Klimawandel existenziell bedroht.“ Auch um auf solche Fakten aufmerksam zu machen, hat der WWF 2007 die Earth Hour erfunden.

Rathaus im Dunkeln, davor die Führung zum Thema Earth Hour und Klimaschutz. – Foto: cibo

 

Wenn dabei auf der ganzen Welt für eine Stunde die Lichter an bekannten Sehenswürdigkeiten ausgehen, soll also nicht in erster Linie effektiv Energie gespart, sondern ein Zeichen gesetzt werden. Immerhin machten in diesem Jahr 7.000 Städte und 184 Länder auf allen Kontinenten in 24 Zeitzonen mit – laut WWF war die Earth Hour 2017 ein Event mit Rekordbeteiligung und klarer Botschaft.

In diesem Jahr gab es aber gerade auch in den sozialen Netzwerken auch durchaus Kritik an der Aktion: Das bringe doch nichts, hieß es da, das sei doch nur ein „Sich auf die Schulter“-Klopfen – ein echtes Bewusstsein entstehe daraus nicht. „Die Stadt und die Einzelhändler würden gut daran tun, Leuchtreklamen und Fassadenbeleuchtungen bei Nacht dauerhaft zu reduzieren, besonders auch bei den sogenannten „Bio“-Märkten“, schrieb ein Leser auf der Mainz&-Facebookseite – die Lichtverschmutzung sei ein erhebliches Problem für Natur und Mensch.

Ist also die Earth Hour überflüssig? Unsere Kommentatorin – Mainz&-Praktikantin Cindy Boden – meint: Nein. Hier ihr Kommentar dazu. Wir freuen uns, wenn Ihr mitdiskutiert!

Kommentar& auf Mainz&: Das Klima auf der Erde kann kein Land, keine Stadt, kein Mensch alleine schützen – Klimarettung geht nur, wenn so viele wie möglich mit anpacken. Doch oftmals braucht der Mensch erst ein Vorbild oder einen Anlass, der auf ein Problem hinweist. Auf ein Thema aufmerksam machen – genau das will der WWF mit dem Projekt bezwecken. Die teilnehmenden Städte sind zur Earth Hour Vorbilder für den einzelnen Bürger. Ihm soll gezeigt werden, wie der Klimaschutz gemeinsam funktionieren kann. Sei es mit Themenabenden, mit Infoständen oder mit einem Stadtrundgang im Dunkeln, wie Mainz es gemacht hat – Hauptsache der symbolische Akt fruchtet bei den Menschen und zeigt ihnen, welche Gefahren der Erde drohen und wie Schlimmeres verhindert werden kann. Dafür finde ich die Earth Hour eine gelungene Aktion.

Licht aus für den Klimaschutz – bringt es die Aktion Earth Hour? – Fotocollage: gik

Innerhalb eines Jahres kann für den Klimaschutz viel getan werden. Wichtig ist aber, dass man ständig daran erinnert wird. Deshalb findet die symbolische Stunde auch jedes Jahr wieder statt, und das nun schon elf Mal. Manche Kritiker meinen, es bringe nichts, eine Stunde lang aktiv zu sein und dann das ganze Jahr über weiter zu machen wie zuvor. Das aber passt nicht ganz zu Mainz, denn schließlich nimmt nun das Projekt „Masterplan 100% Klimaschutz“ Fahrt auf. Bleibt abzuwarten, was dabei rauskommt 😉

Netzbetreiber und Wissenschaftler wenden gerne ein, es sei sogar schlecht für das Stromnetz, plötzlich so viele Lichter auf einmal auszuschalten. Aber wenn es dadurch gelingt, viele Menschen zu erreichen, die dann über das Klima und seine Veränderungen nachdenken, ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung. Gemeinsam die Erde für die nächsten Generationen schützen – ein globales Ziel, das bei jedem Einzelnen mit Fahrrad fahren, Licht und Strom sparen sowie weniger Plastiktüten zu benutzen beginnt. Hoffentlich wird die diesjährige Rekordbeteiligung im nächsten Jahr weiter überboten.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Earth Hour 2017 findet Ihr hier bei Mainz&, weitere Informationen zum „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ könnt Ihr auf dieser Mainz&-Seite nachlesen.

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