Seit Anfang Oktober 2025 ist die Abfahrtsrampe an der Autobahn A643 aus Richtung Wiesbaden nach Mainz-Mombach voll gesperrt – und das wird auch erst einmal so bleiben: „Es gibt in der Abfahrtsrampe statische Defizite“, sagt die Autobahn West GmbH des Bundes – und die seien so schlimm, dass jeder Lkw ein Sicherheitsrisiko darstelle. Alle Versuche, die Lkws an der Befahrung zu hindern, seien aber fehlgeschlagen, die Rampe so umzubauen, dass nur Pkws sie nutzen könnten, seien nicht möglich. Damit wird wohl erst ein Neubau der Vorlandbrücke das Problem lösen – und der ist weiter nicht in Sicht.

Die Schiersteiner Autobahnbrücke ist fertig - doch der Anschluss auf Mainzer Seite der A643 lässt weiter auf sich warten. - Foto: Autobahn GmbH
Die Schiersteiner Autobahnbrücke ist fertig – doch der Anschluss auf Mainzer Seite der A643 lässt weiter auf sich warten. – Foto: Autobahn GmbH

Die Vorlandbrücke der A643 im Anschluss an die Schiersteiner Brücke ist seit Jahren marode und müsste dringend erneuert werden – nur: Sinn mache das nur in Zusammenhang mit dem Ausbau der Autobahn zwischen der Schiersteiner Brücke und Mainz-Gonsenheim, heißt es bei der zuständigen Autobahn GmbH des Bundes, und genau dieser Ausbau kommt seit 15 Jahren nicht voran. Während der Bund einen sechsspurigen Ausbau will, blockiert ein breites Bündnis in Mainz aus Umweltverbänden sowie politischen Parteien wie Grünen und SPD den Ausbau und beharrt auf einer „4+2“-Lösung.

Doch der Zustand der alten Vorlandbrücke aus den 1960er Jahren hat sich offenbar weiter verschlechtert: Am 8.Oktober 2025 sperrte die Autobahn GmbH des Bundes die Abfahrt an der A643 in Richtung Mainz-Mombach komplett für den ganzen Verkehr – wegen statischer Gründe. Seither ist der Ärger in Mainz groß, Pendler klagen über massive Staus und lange Umwege, der Mainzer OB und der Landrat des Kreises Mainz-Bingen appellierten an den Bund, die Abfahrt wenigstens für Pkws wieder zu öffnen.

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Autobahn GmbH: Statische Problem groß, jeder Lkw ein Problem

Doch daraus wird vorerst nichts werden: „Das ist ja alles nicht zum Spaß, dass wir das angeordnet haben“, sagte nun der Sprecher der Autobahn West GmbH, Maximilian Angst im Gespräch mit der Internetzeitung Mainz&: „Es gibt in der Abfahrtrampe statische Defizite, die sind inzwischen so schlimm, dass da einfach kein einziges Fahrzeug über 3,5 Tonnen drüber fahren sollte – weil das sonst ein enormes Sicherheitsrisiko darstellt.“

Das Luftbild der Vorlandbrücke samt Mombacher Ausfahrt zeigt genau die derzeitige bauliche Konstruktion - und die Probleme. - Foto: Autobahn GmbH
Das Luftbild der Vorlandbrücke samt Mombacher Ausfahrt zeigt genau die derzeitige bauliche Konstruktion – und die Probleme. – Foto: Autobahn GmbH

Man habe ja ein halbes Jahr lang versucht, die Abfahrtsrampe nur für Lkw zu sperren, doch das habe nicht funktioniert, berichtete Angst weiter. „Die Polizei hat das auch immer wieder situativ kontrolliert und sanktioniert“, doch man habe feststellen müssen, dass sich an das Abfahrtverbot einfach nicht gehalten wurde. Da sei wohl auch Vorsatz im Spiel gewesen, denn es seien hauptsächlich „nicht auswärtige Lkw, sondern Lkw mit Mainzer Kennzeichen“ gewesen, die das Verbot missachteten. „Wir hatten eine Vielzahl von Verstößen, und vor allem ist kein Lerneffekt eingetreten“, betont Angst.

Nachdem ein letzter Appell auch nichts gefruchtet habe, sei nichts anderes übrig geblieben, als die Rampe zu sperren. „Wenn die Ansage lautet: Null Schwerverkehr, dann sind eben auch ein paar zu viel – und es waren eben nicht nur ein paar“, betonte Angst. Und warum kann die Rampe nicht so umgebaut werden, dass sie eben nur von Pkws befahren werden kann?  „Bauliche Maßnahmen wurden geprüft“, versichert Angst, „aber es ist einfach nicht möglich.“

 

Sperrung der Rampe nur für Lkw: Wegen Konstrukt nicht möglich

Schuld sei die besondere bauliche Konstruktion der Vorlandbrücke Eine sogenanntes Höhenportal, das Fahrzeuge ab einer bestimmten Höhe stoppen würde, sei an der Stelle nicht möglich, sagt Angst – denn parallel zu der Ausfahrt verlaufe ja auch noch die reguläre Hauptstrecke. Würde nun ein Lkw in die Absperrung reindonnern, etwa weil er nicht rechtzeitig bremsen könne, „könnten die Trümmer in den laufenden Verkehr nebenan fliegen, deswegen kommt das an der Stelle nicht in Frage“, erklärte der Sprecher.

Blick auf die Anschlussstelle Mainz-Mombach von oben. - Foto: Autobahn Gmbh
Blick auf die Anschlussstelle Mainz-Mombach von oben. – Foto: Autobahn Gmbh

Auch die Möglichkeit einer Fahrzeugwaage im Boden, die bei der Anfahrt das Gewicht des Fahrzeuges prüft, habe man natürlich erörtert, das Problem dabei: Sei ein Fahrzeug zu schwer, werde die Ausfahrt bei diesen Systemen blockiert – etwa durch eine Schranke. Nur: „Dann bräuchte man einen Extra-Fahrstreifen, damit der Lkw sich wieder auf die Hauptfahrbahn einfädeln kann“, sagt Angst – und dafür fehlt an der Stelle einfach der Platz: „Wir müssten sicher stellen, dass der Lkw da nicht abfahren kann – und wo soll er dann hin?“

Auch würde das Wieder-Einfädeln komplett den fließenden Verkehr auf der Brücke ausbremsen und erneut erhebliche Staus generieren, „das löst das Problem nur sehr bedingt“, sagte Angst weiter. Tatsächlich zeigen Luftbilder das bauliche Problem genau: Während der Verkehr von der fertigen neuen Schiersteiner Brücke in einer Verschwenkung auf die alte Mainzer Vorlandbrücke gelenkt wird, hängt die Mombacher Abfahrtsrampe quasi in der Luft – genau hier fehlt der Anschluss einer neuen Vorlandbrücke und damit auch der Platz für Ausweichmanöver.

 

Autobahn GmbH: Sperrung auch mit Stadt Mainz abgestimmt

Bei der Autobahn GmbH betont man zudem, die Sperrung sei weder „plötzlich“ erfolgt, noch ohne Abstimmung: Es habe „über mehrere Monate hinweg“ enge Abstimmungen unter anderem mit der Verkehrsdirektion Mainz, den Polizeiautobahnstationen, der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Mainz sowie den Rettungsdiensten gegeben. Die Konsequenzen einer erfolglosen Lkw-Ausbremsung seien „allen eingebundenen Stellen bekannt“ gewesen.

Die Rampe bleibt also gesperrt, und das „bis auf Weiteres“, wie es bei der Autobahn GmbH heißt – das heißt: Bis zu einem Neubau der Vorlandbrücke und der angrenzenden Autobahn. Neuigkeiten gibt es dazu keine: Man arbeite weiter an einer Lösung für einen sechsspurigen Ausbau der A643 mit geringerem Flächenbedarf, danach werde geprüft, ob diese weiterentwickelte Variante mit den Anforderungen der EU-Kommission zum Artenschutz – insbesondere im „Großen Mainzer Sand“ – kompatibel sei.

Der Bereich der weiterführenden Vorlandbrücke von Mombach aus in Richtung Mainz-Gonsenheim soll demnächst auch noch einmal extra verstärkt werden, um dem Verkehr Stand zu halten: Für die Hauptstrecke sei derzeit „eine Unterstützungskonstruktion“ in Planung, das sei „weit fortgeschritten“ – wann die Umsetzung erfolgen könne, darüber will die Autobahn GmbH gesondert informieren.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Problemen mit der gesperrten Abfahrtsrampe nach Mainz-Mombach sowie der Vorgeschichte könnt Ihr ausführlich hier bei Mainz& nachlesen. Die Autobahn GmbH hat zudem eine Infoseite mit Fragen und Antworten eingerichtet, Ihr findet sie hier im Internet.