Es ist eines der prägendsten Gebäude am Biebricher Rheinufer, doch seit rund zehn Jahren war seine Zukunft höchst ungewiss: Der alte Zollspeicher von Wiesbaden-Biebrich verfiel. Nun aber soll das Ensemble eine neue Zukunft bekommen: Vor einer Woche beschloss der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden den Verkauf des Zollspeichers an das Biebricher Traditionsunternehmen Wilhelm Heckel. Dort fertigt man seit 180 Jahren Holzblasinstrumente, ein Teil des Ensembles soll aber ein öffentliches Kulturzentrum werden.

Das ehemalige Zollamtsgebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und in den 1950er Jahren durch einen wuchtigen, 5-geschossigen Zollspeicher ergänzt. Als die Zollbehörden im Jahre 2005 in den nahe gelegenen Industriepark Kalle-Albert umzogen, verloren die beiden Gebäude ihre Funktion – seither steht der große Komplex am Biebricher Rheinufer leer. Die Stadt Wiesbaden kaufte das Gebäudeensemble auf und ließ anschließend den angrenzenden Lagerschuppen und die Lagerhalle abreißen, das machte den Weg entlang des Rheinufers wieder frei.
Zeitweise gab es sogar ein Restaurant mit Außengarten direkt am Rheinufer, doch insgesamt war die Zukunft des Ensembles lange unklar, nun endet eine mehr als zehn Jahre lang andauernde Hängepartie, wie die Stadt Wiesbaden selbst einräumt. Am 27. Januar 2026 segnete der Magistrat der Stadt den Verkauf des alten Zollspeichers ab.
Kowol: Erhalt historischer Bausubstanz, Perspektive für Rheinufer
Käufer ist eine Traditionsfirma aus Biebrich, das dürfte ein Glücksfall für die Stadt sein. Denn die Firma Heckel, „ein weltweit agierendes Familienunternehmen in mittlerweile siebter Generation, beabsichtigt, ihren Firmensitz und Produktionsstandort für hochwertigste Holzblasinstrumente in den Zollspeicher zu verlegen“, teilte die Stadt Wiesbaden nun mit. Mit dem Verkauf an das Biebricher Traditionsunternehmen hofft man nun auf einen wichtigen Schritt zur Reaktivierung des Areals.

„Mit dem Verkauf des Zollspeichers an ein traditionsreiches Biebricher Unternehmen schaffen wir eine zukunftsfähige Perspektive für das Rheinufer“, sagte Baudezernent Andreas Kowol (Grüne): „Diese Lösung für das Zollensemble verbindet den Erhalt historischer Bausubstanz und unternehmerisches Engagement am Standort mit einer städtebaulichen Aufwertung im Sinne unseres Rhein-Main-Ufer-Konzeptes. Ich sehe darin eine große Chance, diesen besonderen Ort wieder mit Leben zu füllen.“
Das angrenzende, denkmalgeschützte Zollamt ist derweil nicht Bestandteil des Verkaufs und bleibt im Eigentum der Landeshauptstadt Wiesbaden. Der Erlös aus dem Verkauf soll in die Entwicklung des Zollamtsgebäudes fließen, das eine „neue, öffentlich wirksame Nutzung“ bekommen soll. Für dieses Gebäude solle nun zeitnah ein eigenständiges, bedarfsgerechtes Nutzungskonzept ausgearbeitet werden, sagte Kowol. Grundlage dafür sollen die Ziele und Leitlinien des Rhein-Main-Ufer-Konzeptes sein.
Firmengründer Heckel erfand einst das Heckelphon
Man wolle „eine qualitätsvolle städtebauliche Einbindung und die Aufwertung des Biebricher Rheinufers“, heißt es weiter. Die Landeshauptstadt Wiesbaden sehe in der Veräußerung des Zollspeichers „eine nachhaltige Lösung sowohl für die Immobilie als auch zur Sicherung des Betriebsstandortes eines seit über 180 Jahren in Biebrich tätigen Unternehmens in Wiesbaden.“ Die Firma Wilhelm Heckel zählt nach eigenen Angaben zu den ältesten Werkstätten des Holzinstrumentenbaus, Firmengründer Johann Adam Heckel wurde 1812 in Adorf im Vogtland geboren.
Gemeinsam mit Hofmusiker Carl Almenräder gründete er 1831 die J. A. Heckel und Carl Almenräder Fagott-Fabrik die bis heute besteht. Nach dem Ausscheiden seines Partners, führte Heckel die Manufaktur alleine weiter, produziert wurden hier Fagotte und Kontrafagotte sowie Klarinetten, Clarinen, Oboen, Flöten, Bassetthörner und Englischhörner. „Der rege Kontakt zu dem Komponisten Richard Wagner gab Wilhelm Heckel die Anregung zum Bau des noch heute hergestellten Heckelphons, das zu seinen erfolgreichsten Entwicklungen zählt“, heißt es auf der Firmenwebseite: „Unzählige weitere Erfindungen im Bereich der Holzblasinstrumente kennzeichnen seitdem unsere Firmengeschichte.“
Info& auf Mainz&: Mehr zur Geschichte des alten Zollspeichers in Wiesbaden-Biebrich findet Ihr hier im Internet.






