In Mainzer Stadtteil Gonsenheim herrscht Entsetzen über eine Farbattacke auf das Gonsenheimer Ehrenmal für die Opfer der Weltkriege: Unbekannte hatten in der Nacht zum Mittwoch das Mahnmal in der Nähe des Juxplatzes mit dicker rosaroter Farbe übergossen und den Schriftzug “Kein Gedenken für Mörder” hinterlassen. Die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU) zeigte sich entsetzt: Das Ehrenmal sei mitnichten eine Verherrlichung von Gewalt und Wehrmachtssoldaten, “wir gedenken hier der Opfer von Terror und Gewalt, und zwar aller Opfer – gerade auch von Juden, von Vertriebenen und der Opfer von Terroranschlägen in der jüngsten Zeit”, sagte Flegel im Gespräch mit Mainz&.

Das Ehrenmal zum Gedenken an Opfer von Krieg und Terror im Mainzer Stadtteil Gonsenheim, mit Farbe beschmiert. - Foto: Flegel
Das Ehrenmal zum Gedenken an Opfer von Krieg und Terror im Mainzer Stadtteil Gonsenheim, mit Farbe beschmiert. – Foto: Flegel

Das Gonsenheimer Ehrenmal steht in unmittelbarer Nähe zum zentralen Juxplatz in dem Mainzer Stadtteil, wann genau es errichtet wurde, ließ sich am Donnerstag zunächst nicht feststellen – wir nehmen gerne Hinweise dazu entgegen. Tatsache ist: gestaltet ist das Ehrenmal in der Ästhetik früherer Kriegerdenkmäler, wie sie etwa auch nach dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde. Auf den Seiten sind Soldaten zu sehen, die gefallene Kameraden halten, Inschriften weisen die Zeit “1939-1945” aus, auf einer Seite prangt der Schriftzug “Im Gehorsam”.

Offenbar veranlasste das unbekannte Täter zu einer Farbattacke auf das Mahnmal: In der Nacht zum Mittwoch, dem 27. Januar, wurde der Steinquader mit rosa Farbe übergossen. Es sehe so aus, als ob jemand “zwei Eimer Farbe über das Denkmal gekippt hat”, sagte die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU), die den Vorgang auf ihrer Facebookseite öffentlich machte. Flegel verurteilte den Angriff scharf als “Schändung durch Geschichtsvergessene”, und betonte: “Dieses Gonsenheimer Ehrenmal gilt allen, die durch Krieg und Terror des Ersten und Zweiten Weltkrieges ihr Leben verloren haben, darunter nicht nur Soldaten, sondern auch Feuerwehrleute und Zivilbevölkerung”, schrieb Flegel. Dass dieses Mahnmal ausgerechnet am Vorabend des Holocaust-Gedenktages geschändet worden sei, sei unfassbar.

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Das Mahnmal im Stil früherer Weltkriegsgedenken nach der Farbattacke. - Foto: Flegel
Das Mahnmal im Stil früherer Weltkriegsgedenken nach der Farbattacke. – Foto: Flegel

Doch das löste einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken aus: “Auf diesem Denkmal für Wehrmacht-Soldaten, Feuerwehrleute und Zivilist*innen wird nicht an den Holocaust gedacht, sondern ausschließlich deutscher Opfer, die den Krieg mitgetragen haben”, schimpfte ein Kommentator auf Twitter – das sei “eine unfassbare Opfer-Täter-Umkehr.” Schließlich werde am Holocaust-Gedenktag “den Opfern der industriellen Menschenvernichtung gedacht und nicht den Mördern in Uniform, die den Holocaust begangen haben!”

Doch Flegel widerspricht vehement: Das Ehrenmal sei heute längst ein Mahnmal zur Erinnerung gegen die Gräueltaten des Krieges, auch der Nationalsozialisten, betonte sie im Gespräch mit Mainz&: “Man bejubelt hier die Krieger? Das ist ganz und gar nicht der Fall”, sagte Flegel: “Das Mahnmal ist in Gonsenheim unser Treffpunkt, wenn wir der Toten durch Gewalt, Terror und Unterdrückung gedenken – und zwar auch der Opfer von Terroranschlägen in der jüngsten Zeit.” Das Mahnmal sei gerade kein Ort der Verherrlichung von Soldaten, hier werde vielmehr auch der Opfer der Anschläge vom 11. September gedacht, von Terroranschlägen wie Hanau oder jüngst in Trier, ebenso der Verfolgung und des Mordes an den Juden im Dritten reich.

Dazu aber erinnere das Mahnmal auch an viele Gonsenheimer, die in den Weltkriegen gefallen seien, erläuterte Flegel weiter: Auf Inschriften seien die Väter und Großväter vieler Gonsenheimer Familien verewigt, für Kinder und Enkel sei das Denkmal deshalb auch ein Ort der ganz persönlichen Erinnerung. Für das Mahnmal engagierten sich deshalb auch Schulen im Ort, es gebe Schüler-Aufführungen an dem Mahnmal, die sich genau mit der Erinnerung an Leid und Tod auseinandersetzten. “Wir gedenken hier der Opfer, um zu mahnen”, betonte Flegel, das Steindenkmal sei ein wichtiger Ort Gonsenheimer Erinnerungskultur.

Die unbekannten Täter hinterließen eine Aufschrift auf dem Gonsenheimer Ehrenmal. - Foto: Flegel
Die unbekannten Täter hinterließen eine Aufschrift auf dem Gonsenheimer Ehrenmal. – Foto: Flegel

Das belegen auch die Reaktionen im Netz: Viele Gonsenheimer zeigten sich entsetzt von der Farbattacke, ein “Unding” sei das, respektlos, unfassbar, niederträchtig – das waren viel benutzte Vokabeln. Allerdings gibt es auch andere Stimmen: Er sehe solche Gedenksteine sehr kritisch, schrieb ein Kommentator der Ortsvorsteherin: Vor allem die Inschrift “Im Gehorsam” impliziere die früher sehr vielzitierte Haltung, nach der man “nur Befehle befolgt” habe. “Ich vermisse den Diskurs, die differenzierte Auseinandersetzung mit unserer Geschichte”, schreibt der Kommentator weiter. Doch das Empfinden vieler Gonsenheimer brachte ein anderer Autor auf den Punkt: “Es ist und bleibt ein Ort der Erinnerung, Trauer & Mahnung, an und für alle Opfer dieses schrecklichen Krieges. Mit einem solchen Ort geht man so nicht um.”

Info& auf Mainz&: Die Zitate stammen von Twitter oder von dem Facebookprofil der Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel, die uns auch die Fotos zur Verfügung gestellt hat – das Profil findet Ihr hier.

1 KOMMENTAR

  1. Hintergrund der von Halbhirnen veranstalteten Besudelung des Ansehens von Gefallenen ist wohl die von der Justiz abgesegnete Aussage, dass “Soldaten Mörder” sind. Das mag stimmen, aber nur bedingt. Seit archaischer Zeit werden von sadistischen Mächtigen Männer unter Todesdrohung gezwungen, bestialisch aufeinander loszugehen. Wer sich geweigert hat, wurde oft hingerichtet. Auf der Walstatt geht und ging zu wie im Schlachthaus. Männer, die so ihr Leben ließen, haben nur überleben wollen und selten aus Lust oder feindlicher Gesinnung gemordet. Wenn sich im Nahkampf zwei “feindliche” Soldaten gegenüberstehen, überlebt nur einer. Man kann das auch Notwehr nennen. Sehr viele Spätheimkehrer haben unter der Last ihrer unfreiwillig begangenen Taten Suizid begangen. Lustmorde kennen wir von den Gladiatorenkampfstätten. Das Volk hat vor Vergnügen gekrischen, auch bei Schinderhannes. Der Mensch ist von Natur aus böse, postulierte schon Immanuel Kant. Und Kain hat Abel erschlagen – wie im wahren Leben. Aber diese Einsichten fehlen den Strohköpfen, die wohl meinten, ein Zeichen setzen zu müssen.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein