Gerade erst hatte die Fraport erneut Niedrigstwerte bei Passagieren und Flugbewegungen verkündet, da rüstet man sich am Frankfurter Flughafen für die Rückkehr der Flugreisenden: Die Nordwestlandebahn werde ab dem 1. Juni wieder in Betrieb gehen, teilte der Flughafenbetreiber am Dienstag überraschend mit. Grund sei das für den Sommer erwartete Wiederanlaufen des Reiseverkehrs mit steigendem Flugbetrieb –  angesichts stark steigender Impfquoten hofft die Luftfahrt offenbar auf eine schnelle Rückkehr zu wenigstens etwas Normalität. Auch bei der Lufthansa heißt es: Die Nachfrage nach USA-Flügen sei um 300 Prozent gestiegen. Kritik kommt von Anti-Fluglärm-Initiativen: Es sei schlicht “Unfug”, dass die Landebahn zur Abwicklung von mehr als 600 Flugbewegungen am Tag notwendig sei.

Parkplatz Nordwestlandebahn: Seit Dezember 2020 war das zum zweiten Mal der Fall. - Foto: Lufthansa / Oliver Roesler
Parkplatz Nordwestlandebahn: Seit Dezember 2020 war das zum zweiten Mal der Fall. – Foto: Lufthansa / Oliver Roesler

Vor kurzem erst hatte Flughafen-Betreiber Fraport erneut eine ernüchterte Bilanz des ersten Quartals 2021 vorgelegt: 2,5 Millionen Fluggäste im ersten Quartal 2021 bedeuteten 83,2 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019 – und sogar 77,6 Prozent weniger als im Coronajahr 2020, als der Flugverkehr im März wegen der Corona-Pandemie auf nahezu Null einbrach.  Bislang hat sich der Flugverkehr von der weltweiten Pandemie samt Lockdowns und Reisebeschränkungen nicht wieder erholt – mit gerade einmal 18,8 Millionen Reisenden zählte Deutschlands größter Flughafen Frankfurt im Jahr 2020 73,4 Prozent weniger als vor der Coronakrise.

Doch nun scharren Flughafenbetreiber und Fluglinien mit den Hufen: Die rasant steigenden Impfraten sowie die sinkenden Corona-Inzidenzen schüren die Hoffnung auf einen Sommer, in dem die Menschen wieder verreisen wollen und können – einen Vorgeschmack gab am Dienstag die Lufthansa: In vielen Teilen der Welt sänken die Infektionszahlen und fielen Reiserestriktionen, auch in Deutschland seien erst vor wenigen Tagen die Einreiseregeln angepasst worden, heißt es bei Deutschlands größter Fluglinie: Die Quarantänepflicht sei jetzt zum Beispiel für Menschen entfallen, die bei der Rückkehr aus einfachen Risikogebieten einen negativen Corona-Test vorweisen könnten.

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Ready for Takeoff: Die Nordwestlandebahn in Frankfurt öffnet ab dem 1. Juni wieder (im Bild die Startbahn West). - Foto: Fraport
Ready for Takeoff: Die Nordwestlandebahn in Frankfurt öffnet ab dem 1. Juni wieder (im Bild die Startbahn West). – Foto: Fraport

Die Folge: Die Nachfrage nach Flugtickets bei den Airlines der Lufthansa Group sei deutlich angestiegen. So seien in den vergangenen zwei Wochen wesentlich mehr USA Flüge für den Sommer nachgefragt worden, als in den Vormonaten, Verbindungen nach New York, Miami und Los Angeles verzeichneten ein Buchungsplus von bis zu 300 Prozent. “Die Menschen haben große Sehnsucht nach Urlaub, nach kulturellem Austausch, nach einem Wiedersehen mit Familie, Freunden und Geschäftspartnern”, sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister – und das gelte ganz besonders für Flugreisen zwischen den USA und Deutschland.

Die Lufthansa und ihre Airlines würden deshalb nun ab Juni ihr Flugangebot in die USA weiter aufstocken und wieder attraktive Zielen wie Orlando oder Atlanta anbieten. Auch Urlaubsdestinationen wie die Malediven, das mexikanische Cancún oder Punta Cana  in der Dominikanischen Republik verzeichneten bereits wieder eine stark steigende Nachfrage. “Angesichts der großen Bedeutung des transatlantischen Flugverkehrs für die Weltwirtschaft brauchen wir jetzt eine Perspektive, wie Reisen zwischen den USA und Europa wieder in größerem Umfang möglich werden können”, forderte Hohmeister. Bei sinkenden Infektionszahlen und steigender Impfquote sei eine vorsichtige Öffnung möglich, auch Deutschland brauche jetzt “eine Öffnungsperspektive für den Transatlantik.”

Die Reiseflieger starten wieder, Lufthansa und Fraport rechnen mit deutlich steigenden Flugzahlen im Sommer. - Foto: Fraport
Die Reiseflieger starten wieder, Lufthansa und Fraport rechnen mit deutlich steigenden Flugzahlen im Sommer. – Foto: Fraport

In den vergangenen Tagen hatten bereits mehrere südeuropäische Urlaubsländer wie Italien oder Griechenland ihre Grenzen wieder für Touristen geöffnet, prompt stiegen auch hier die Flugbuchungen an: Zu klassischen europäischen Feriendestinationen verzeichneten Lufthansa und Eurowings eigenen Angaben zufolge in den vergangenen sieben Tagen bereits bis zu drei Mal so viele Buchungen wie in den Wochen zuvor. “Besonders nachgefragt sind Flüge auf die Balearen und die griechischen Inseln”, heißt es bei der Lufthansa weiter. Eurowings habe daher mehr als 500 Zusatzflüge auf den Strecken nach Palma de Mallorca, Ibiza oder Griechenland in den Flugplan aufgenommen.

Die Lufthansa wirbt zudem mit Hygienekonzepten, Maskenpflicht an Bord sowie eingebauten Hepa-Filtern – und mit umfangreichen kostenlosen Umbuchungsregeln für den Fall, dass Urlaubsländer doch wieder in einen Corona-Lockdown gehen müssen.

Der Frankfurter Flughafen-Betreiber Fraport reagierte umgehend – und kündigte am Dienstag an, die Nordwestlandebahn wieder für den Flugverkehr zu öffnen. Die dritte Landebahn im Norden des Flughafens war seit Dezember 2020 stillgelegt und zum zweiten Mal in der Corona-Pandemie zum Flugzeug-Parkplatz geworden. Ab dem 1. Juni sollen hier nun wieder Flugzeuge landen – für Mainz eine schlechte Nachricht: Der Landeanflug auf die Nordwestlandebahn führt direkt über die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt und war vor der Corona-Pandemie eine erhebliche Fluglärmquelle.

Die Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen ist seit ihrem Bau umstritten. - Foto: Fraport
Die Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen ist seit ihrem Bau umstritten. – Foto: Fraport

Bei der Fraport heißt es dagegen, die Nutzung der Piste sei “bei der weiter ansteigenden Zahl der Flugbewegungen für die Sicherstellung eines flüssigen, verzögerungsfreien Flugbetriebs notwendig.” Die Entscheidung zur Wiederinbetriebnahme der Landebahn Nordwest habe man gemeinsam mit der Deutschen Flugsicherung getroffen.

Fluglärmgegner bestritten diese Argumentation schon im Sommer 2020, als die Nordwestlandebahn nach der ersten Stilllegung wieder geöffnet wurde: Die Bahn sei für einen Bedarf von ca. 450.000 Flugbewegungen pro Jahr geplant und genehmigt worden, betonte das Bündnis der Frankfurter Bürgerinitiativen gegen Fluglärm, da die aktuellen Flugbewegungen in Frankfurt weit davon entfernt seien, gebe es keine Notwendigkeit der Nutzung – die Politik dürfe die Wiederaufnahme nicht genehmigen. Die Bahn sei schließlich “nur aus Kapazitätsgründen genehmigt” worden, schimpfte Sprecher Friedemann Scheld, “und nicht zur Lärmverteilung über der Region.”

UPDATE&: Kritik kam am Abend auch von der Mainzer Initiative Klima-, Umwelt- und Lärmschutz im Luftverkehr: Bereits 2007 habe es 492.000 Flugbewegungen gegeben, die über das alte Zwei-Bahnensystem abgewickelt wurden, sagte Vorstandsmitglied Lars Nevian – und Gutachten hätten schon damals eine mögliche Kapazität von 520.000 Flugbewegungen pro Jahr bestätigt, und das ohne die Nordwestlandebahn. “Mit den heutigen Anflugverfahren und Technologien könnte sicher eine noch höhere Anzahl von Flugbewegungen abgewickelt werden”, betonte Nevian: “Es ist daher offensichtlicher Unfug, dass die Landebahn bereits bei mehr als 600 Flugbewegungen am Tag zur Abwicklung des Verkehrs erforderlich wäre.” Fraport wolle wohl vielmehr “davon ablenken, dass der Flughafenausbau eine milliardenschwere Fehlplanung ist.”

Info& auf Mainz&: Mehr zum Einbruch des Flugbetriebs am Frankfurter Flughafen im Jahr 2020 sowie im ersten Quartal 2021 lest ihr hier bei Mainz&. Mehr zur Kritik an der Wiederinbetriebnahme der Nordwestlandebahn im Juni 2020 könnt Ihr hier bei Mainz& noch einmal nachlesen.

1 KOMMENTAR

  1. An Fehlentscheidungen muss erbittert festgehalten werden. Man ist schließlich unfehlbar. Wenn wieder die Hälfte der Landungen über die abseitig gelegene NW-Bahn abgewickelt werden soll, ist auf den beiden Hauptbahnen nichts mehr los. Im Gegensatz zu den Parallelbahnen sind die Rollwege von der NW-Bahn zu den Andockstellen oder zum Vorfeld weitaus länger, im Extremfall bis zu 7 km. Gerade Rollen mit Triebwerkskraft erfordert nicht nur jede Menge Energie sondern ist auch eine der Hauptquellen für Ultrafeinstaub und Stickoxide, wie sogar das FRA-nahe Umwelthaus eingestehen musste.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein