Das Flugaufkommen am Frankfurter Flughafen bleibt auch 2021 weiter auf einem Rekordtief, die Luftverkehrswirtschaft im zweiten Jahr der Corona-Pandemie weiter tief in der Krise – und eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. 2,5 Millionen Fluggäste verzeichnete der Frankfurter Flughafen gerade einmal im ersten Quartal 2021 – das waren 77,6 Prozent weniger als 2020 und sogar 83,2 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Die Hoffnungen des Flughafenbetreibers Fraport ruhen nun auf der anziehenden Impfkampagne und den Sommermonaten, doch bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) heißt es: Auch 2021 werde der Luftverkehr auf niedrigem Niveau bleiben, mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau rechne man gar erst 2025.

Auch 2021 bleiben die Flugzeuge am Frankfurter Flughafen mehrheitlich am Boden. - Foto: Fraport
Auch 2021 bleiben die Flugzeuge am Frankfurter Flughafen mehrheitlich am Boden. – Foto: Fraport

Lange kannte die Entwicklung am Frankfurter Flughafen nur eine Richtung: aufwärts. Ob bei Flugbewegungen oder Passagierzahlen, Flughafen-Betreiber Fraport feierte einen Rekord nach dem anderen, vor allem 2019 wurde zum Jahr des ungebremsten Wachstums. Dann kam die Corona-Pandemie, und im ersten weltweiten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 brachen die Passagierzahlen in Frankfurt um bis zu 95 Prozent ein – weltweit stand der Flugverkehr praktisch still.

Wirklich erholt hat sich die Luftfahrt davon bis heute nicht: Gerade einmal 18,8 Millionen Reisende zählte Deutschlands größter Flughafen Frankfurt im Jahr 2020 am Ende noch, das waren 73,4 Prozent weniger als vor der Coronakrise. Nun meldete der Airport zwischen Januar und März 2021 gerade einmal 2,5 Millionen Fluggäste, das waren 77,6 Prozent weniger als 2020, und 83,2 Prozent weniger als 2019. Zum Vergleich: Allein im Juni 2019 nutzten knapp 6,6 Millionen Passagiere den Frankfurter Flughafen. Auch 2021 aber läuft der Flugbetrieb weiter auf Sparflamme, die Nordwestlandebahn in Frankfurt ist nach wie vor Parkplatz für nicht benötigte Flieger.

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Ein Airbus am Frankfurter Flughafen wird mit Fracht beladen. - Foto: Fraport
Ein Airbus am Frankfurter Flughafen wird mit Fracht beladen. – Foto: Fraport

Allein die Fracht ist weiter im Aufwind: mit 565.497 Tonnen verzeichnete man in Frankfurt sogar einen Zuwachs von 21,6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2020. Der aktuelle Zuwachs sei aber hauptsächlich auf den interkontinentalen Frachtverkehr zurückzuführen , analysiert Wolfgang Heubner vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm, es gebe weiter eine starke Nachfrage von pharmazeutischen Produkten sowie Schutzausrüstungen. Auch sei durch den angespannten Verkehr der Seefracht einiges auf die Luftfracht verlagert worden, mehr als 1.200 Frachtflüge seien mit Passagiermaschinen ausgeführt worden, schreibt Heubner in seiner Monatsanalyse weiter.  Im März hatte das Containerschiff „Ever Given“ tagelang den Suezkanal blockiert, und so einen massiven Stau im Frachtgütertransport verursacht.

Frankfurt ist jedoch nicht der einzige Flughafen in der Krise, der Einbruch trifft die gesamte Branche: 1,46 Millionen Flüge koordinierte die Deutsche Flugsicherung 2020 noch im Luftraum über Deutschland, das waren 56,2 Prozent weniger als noch 2019, als 3,3 Millionen Flüge über Deutschland abgewickelt werden mussten. Das Rekordtief fiel nur deshalb so moderat aus, weil der Frachtverkehr in der Coronakrise nur um rund 20 Prozent einbrach.

Blick auf ein Terminal am Frankfurter Flughafen samt Flugzeugen von oben. - Foto: Fraport AG
Blick auf ein Terminal am Frankfurter Flughafen samt Flugzeugen von oben. – Foto: Fraport AG

Fraport hatte sich in der Folge einen strikten Sparkurs verordnet, der Konzern-Umsatz sackte 2020 um rund 54 Prozent auf gerade noch 1,68 Milliarden Euro ein, das bedeutete am Ende ein Minus von 690 Millionen Euro. Man habe durch ein striktes Kostenmanagement, Kurzarbeit und den fortschreitenden Stellenabbau den operativen Aufwand am Standort Frankfurt um rund 28 Prozent reduziert, teilte die Fraport nun in ihrer Jahresbilanz mit. Durch die Streichung betrieblich nicht zwingend notwendiger Ausgaben spare man jährlich zwischen 100 und 150 Millionen Euro, auch wurden Investitionen reduziert oder aufgeschoben – so soll das umstrittene Terminal 3 nun erst 2025 fertig werden.

Dazu treibt die Fraport den Abbau von insgesamt rund 4.000 Stellen weiter voran, das soll rund 250 Millionen Euro im Vergleich zu 2019 sparen. Das Abbauziel sei bereits fast vollständig erreicht, teilte die Fraport nun mit: Zum 1. April 2021 hätten bereits etwa 3.900 Beschäftigte das Unternehmen „durch Abfindungen, natürliche Fluktuation und weitere Maßnahmen“ verlassen. Dazu waren im ersten Quartal des Jahres weiter rund 80 Prozent der Stammbeschäftigten der Fraport AG und der wesentlichen Konzern-Gesellschaften am Standort Frankfurt zu durchschnittlich etwa 50 Prozent in Kurzarbeit.

Leere Abflughalle des Terminal 1 am Frankfurter Flughafen. - Foto: gik
Leere Abflughalle des Terminal 1 am Frankfurter Flughafen. – Foto: gik

Der Spardruck wird auch weiter hoch bleiben, eine schnelle Rückkehr zur Normalität im Flugverkehr ist nicht zu erwarten, auch wenn Fraport-Chef Stefan Schulte versuchte, Hoffnung zu verbreiten: „Wir gehen davon aus, dass wir den Tiefpunkt nun überschritten haben“, betonte Schulte. Die Impfkampagnen in Deutschland und anderen Ländern nähmen deutlich Fahrt auf, die Reiselust sei ungebrochen, dazu stünden Testkonzepte zur Verfügung. „Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer wieder deutlich steigende Passagierzahlen sehen werden“, sagte Schulte.

Doch für 2021 rechnet selbst die Fraport nur mit einem Passagieraufkommen von weniger als 20 und höchstens 25 Millionen. Und das Vor-Corona-Niveau von 2019 werde wohl erst wieder in vier Jahren, im Jahr 2025 erreicht. Heubner forderte angesichts solcher Zahlen, der Bau des Terminals 3 müsse endlich auf den Prüfstand, die Politik den Bau stoppen. „Die vorliegenden Zahlen zeigen auf, dass es noch eine lange Zeit dauern wird, bis wir die Corona Krise einigermaßen überwunden haben“, betonte der Fluglärmgegner. Hinzu komme, dass das Thema Klimaschutz auch bei immer weiteren Teilen der Bevölkerung ankomme, eine Rückkehr auf die Verkehrszahlen von 2019 werde wenn überhaupt, noch viele Jahre dauern.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Krise im Luftverkehr im Zuge der Coronakrise lest Ihr hier bei Mainz&.

1 KOMMENTAR

  1. Wieder ein beeindruckender Beitrag mit fundierten Zahlen. Quo vadis FRA? Der Flugverkehr hat den Zenit überschritten. Begonnen hat die Krise mit der Stillegung der unwirtschaftlichen Concorde, aktuell ist der zu groß geratene A 380 im Sinkflug. Dazu kommt die Panik, wie es mit der Treibstoffproblematik und der Klimabelastung weitergehen soll. Ohne hochenergetische Flüssigtreibstoffe geht nichts, elektisch schon gar nicht. Selbst Wasserstoff ist wegen raumfordernder Hochdrucktanks oder Ultratiefkühlung keine überzeugende Lösung. Also verbleibt nur die Illusion synthetischer Treibstoffe, deren Generierung extrem kompliziert und energieaufwendig ist. Mehr als therapeutiosche Dosen zum Apothekerpreis sind nicht zu erwarten. Eine Herstellung im eigenen Land ist ohnehin nicht möglich. Dies beginnt man einzusehen und erwartet in 10 Jahren gerade mal die Beimischung von 2% umweltverträglicherer Treibstoffe. Klimaneutral ist das dennoch nicht, denn die Emissionen in Flughöhe sind weitaus wirksamer als am Boden, weil es keine biologische Assimilation, keine ozeanische Aufnahme und keine mineralische Bindung geben kann. Der heutige Flugverkehr ist ein Auslaufmodell. Dass dennoch unverantwortlich am Wachstumswahn festgehalten wird, erklärt sich mit dem Unfehlbarkeitsanspruch der Verantwortlichen. Am Ende löhnt der Steuerzahler.

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