Eingangshalle Gutenberg Museum mit Blick auf Innenhof - Foto Kirschstein
Dunkel, altmodisch: Foyer des Gutenberg-Museum – Foto: gik

Es ist das Weltmuseum der Druckkunst, die Wiege des modernen Buchdrucks: das Gutenberg-Museum in Mainz. Eigentlich sollte es Touristen aus dem In- und Ausland in Scharen nach Mainz ziehen. Doch das Haus stammt aus den 1960er Jahren, die Ausstellungsräume sind düster, die Präsentation, nun sagen wir: leicht veraltet. Das Gutenberg-Museum wird weder seinem Ruf noch seinen Exponaten gerecht. Doch Direktorin Annette Ludwig will das ändern: Gutenberg 2020 lautet ihr plan für einen Neustart. Es ist ein ambitioniertes Projekt – dem vor allem eines fehlt: das Geld.

„Wir müssen uns neu aufstellen“, sagt Ludwig resolut, und gibt unumwunden zu: „Das Haus ist schwierig zu begreifen, die Haustechnik veraltet, Abteilungen stehen nebeneinander, aber man weiß nicht recht warum.“ Druckerpressen, Grafiken, eine Papiersammlung und mehr Bücher, als man zählen kann,  darunter natürlich eine original Gutenberg-Bibel, mit der vor mehr als 560 Jahren die Revolution des Buchdrucks begann. Die Exponate des weltberühmten Museums, sie werden unter Wert präsentiert.

Gutenberg Museum - Buch Weltkarte - Foto GM
Wundervolle alte Bücher, der Schatz des Gutenberg-Museums – Foto: GM

„Wir wollen ein lebendiges Museum werden, Maschinen zum Sprechen bringen, neue Elemente integrieren“, sagt Ludwig: „Aus einem Haus stummer Bücher wird ein Haus, das Geschichten erzählt.“ Gutenberg-Museum 2020 heißt das Konzept, das aus der altertümlichen Wissensschau ein „Gutenberg-Quartier“ machen soll. In einem Museum der Zukunft „hängt nicht mehr alles an der Wand“, sagt Ludwig, „es ist Partizipation und Interaktion mit dem Besucher.“ Die Exponate sollen neu geordnet werden entlang der Themenstränge Ästhetik, Zeitläufe, Ökonomie, Kommunikation und Technologie.

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Da liegt die Schrifttafel der Sumerer neben einem modernen Tablet und zeigt ungeahnte Parallelen auf – bei beiden wird das Alte weggewischt, das Neue von Hand aufgebracht. Maschinen wie die alten Druckerpressen sollen zum Sprechen gebracht werden, neue Elemente integriert werden. Urheberrecht und E-Book-Debatte, eine Schauwerkstatt, die große Bibliothek, die zum Wissensspeicher werden soll – die Idee sind schon mal da. „Wir benötigen ganz dringend die Anbindung an die Gegenwart“, sagt Ludwig und erklärt, derzeit höre die Ausstellung 1920 auf – aus Mangel an Möglichkeiten. Unglaublich.

Gutenberg Museum - Moving Types - Foto GM
Ausstellung Moving Types 2011 im Gutenberg-Museum – Foto: GM

Und es ist ja nicht so, als könne das Gutenberg Museum Modernes nicht: Die Ausstellung Moving Types 2011 wurde bundesweit viel beachtet, sie zeichnete die Verwendung von „Schrift in Bewegung“ von den Anfängen des Films bis zum modernen Tablet nach. Ein Computermuseum wolle man nicht werden, betont Ludwig: „Aber wir haben Bestände, die wir noch nie gezeigt haben.“ Andere Museen hätten eine wunderbare Architektur aber nur bescheidene Exponate, „bei uns ist es genau umgekehrt.“

Damit sich das nun endlich ändert, ruft das Museum nun einen Ideenwettbewerb mit anschließendem Architekturwettbewerb aus. Dazu wird es eine europaweite Ausschreibung für Architekturbüros geben, und heimlich hoffen sie in Mainz wohl auf einen der renommierten Museums-Visionäre. Man erarbeite derzeit die Grundlagen und checke die Statik, dann sollen sich in einem ersten Schritt 30 Büros miteinander messen und Ideen für das Museum entwickeln. Eine Jury soll dann die zehn geeignetsten Vorschläge auswählen, ein zweites Preisgericht schließlich den Siegerentwurf küren.

Gutenberg Museum in Mainz mit Innenhof - Foto Kirschstein
Hof bebauen, Museumsgebäude aufstocken – mehr Platz fürs Gutenberg-Mueseum – Foto: gik

Das komplizierte Verfahren folgt vor allem einem Grund: dem schnöden Geld. 6,4 Millionen Euro stellt die Stadt Mainz derzeit zur Verfügung, man ist stolz auf diese Summe. Doch etwas mehr als eine Million Euro ist bereits ausgegeben, für dringende Renovierungen. Für die Neubaupläne wird das restliche Geld natürlich nicht einmal ansatzweise reichen: Der jetzige Museumsbau soll um ein Stockwerk aufgestockt, der Innenhof bebaut und zum neuen Herzstück des Museums werden. 2.000 Quadratmeter mehr soll das Gutenberg Museum einmal bekommen, 3.000 Quadratmeter hat es jetzt.

Das Weltmuseum der Druckkunst hat das Pech, ein Museum in städtischer Trägerschaft zu sein – und die Stadt Mainz ist Pleite. Das Land habe sich bisher zu finanzieller Hilfe nicht geäußert, sagt Ludwig – warum eigentlich nicht? Bei einem Weltmuseum…?

Gutenberg Presse
Ein besserer Rahmen für Gutenbergs Presse – Vision 2020 – Foto: gik

Das Gutenberg-Museum hofft und wirbt deshalb nun bei solventen Bürgern um Unterstützung. Bürgerschaftliches Engagement habe das Museum einst im Jahre 1900 aus der Taufe gehoben, nun suche man Menschen, die bereit seien, in die Zukunft zu investieren, sagt Ludwig. Man träumt von dem, was das Frankfurter Städel vormachte: einen Museumsneubau, ermöglicht durch bürgerschaftliches Engagement.

Trotz des Geldmangels soll 2017 Baustart sein, das Konzept sieht klugerweise vor, die einzelnen Teile nach und nach zu realisieren – dann, wenn Geld da ist. Und nein, man werde das Gutenberg-Museum in der Bauzeit nicht schließen, betont die Direktorin. Man sei kein Museum im Wartestand, sagt Planer Michael Frank: „Gutenberg muss ab und zu den Kopf einziehen, aber es wird gehen.“

Info& auf Mainz&: Mehr Informationen zum Gutenberg-Museum findet Ihr auf dieser Homepage.

 

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