Das Theaterfestival „Grenzenlos Kultur“ ist ja das dienstälteste Festival, bei dem behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen auf der Bühne stehen und im Hintergrund arbeiten. Das allein ist ja schon großartig. Aber in diesem Jahr widmet sich das Festival zudem einem Thema, wie es besser nicht gedacht werden könnte: „Helden und Legenden“ lautet das Motto, es ist das Jahresmotto des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Und die Heldenfrage trifft mitten ins Herz des inklusiven Theaters – hier geschehen alltägliche Heldengeschichten aus dem Herzen der Inklusion.

QUALIT€TSKONTROLLE Regie Rimini Protokoll
Qualitätskontrolle – Foto: Cecilia Glaesker

Und „Grenzenlos Kultur“ erzählt Heldengeschichten: Da ist die querschnittsgelähmte Maria-Christina Hallwachs, die sich in „Qualitätskontrolle“ von Rimini als begnadete Schauspielerin der eigenen Biografie erweist – und gleichzeitig für das Leben und gegen Präimplantationsdiagnostik engagiert. Da spürt das Theater Stap zusammen mit Tibaldus en andere hoeren in „4:3“ Götterlegenden nach und entdeckt als Helden – den Menschen.

Den behinderten Menschen könnten wir vielleicht sagen, denn sind Künstler mit Behinderungen nicht vielleicht per se Helden des Alltags, weil sie ihn überraschend und bravourös meistern? Oder müssen auch sie sich vielleicht auch heldenhaft bewähren? In unserer Gesellschaft, in der behinderte Menschen noch immer viel zu viel ausgegrenzt werden? Müssen behinderte Menschen Helden sein, um ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft einzufordern?

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Mehr als 150 Künstler aus Deutschland, der Schweiz, Belgien und Mosambik reisen in diesem Jahr an, darunter Schauspiel-Prominenz wie Angela Winkler und Samuel Koch und einige der weltweit berühmtesten Theatergruppen wie Rimini Protokoll, das Zürcher Theater HORA und Mitglieder des Berliner Theaters RambaZamba. Das haben wir jetzt vom Staatstheater übernommen, nicht dass Ihr jetzt denkt, wir wären da die Super-Expertin 😉

Internationales Theaterfestival "No Limits" in Berlin 7.11. - 17.11.2013 Panaibra Gabriel Canda / MZ Borderlines Hau Hebbel am Ufer/Hau 3 20131109
Grenzenlose Kultur – mit dem Theater aus Mosambik mit „Borderlines“ buchstäblich – Foto: Michael Bause

Im Mittelpunkt des Programms stehen natürlich Produktionen, in denen Ensembles mit behinderten Künstlern mit denen der „normalen“ Theater- und Performanceszene kooperieren. Heraus kommen oft spannende und berührende Stücke wie etwa die Unterwasser-Rollstuhl-Performance vergangenes Jahr. In diesem Jahr gibt der international renommierte Choreograf Panaibra Canda in „Borderlines“ einen bewegenden Einblick in die schwierige Geschichte seines Landes Mosambik.

Dazu gibt es Kafka und Hamlet, Filme und Lesungen, und natürlich das inklusive Kinder-Kultur-Fest Kraut & Rüben. Am Sonntag, den 13. September findet zudem eine Theaterpädagogische Tagung unter dem Ttiel „Alles in Bewegung“ statt. Es geht um den Umgang mit Bewegung und dem eigenen Körper. Wo fängt Bewegung an? Wo hat sie ihre Grenze – im Kopf oder im Körper? Wann ist Bewegung Tanz? Und natürlich geht es auch darum, wie Bewegung in der inklusiven Theaterarbeit als kreatives Moment genutzt werden kann.

Julia Haeusermann
Julia Häusermann in „Disabled Theater“ – Foto: Hugo Glendinning

Den Auftakt-Vortrag hält Julia Häusermann vom Theater HORA in Zürich, danach gibt es die Aufführung „Ein Bericht für eine Akademie“ des Staatstheaters Darmstadt. Anschließend finden Workshops statt. Am Sonntagabend dann wird mit „Disabled Theater“ von Choreograf Jérôme Bel und dem Zürcher Theater HORA die erfolgreichste Inszenierung mit behinderten Schauspielern weltweit aufgeführt. „Disabled Theater“ war schon auf dem Festival d’Avignon, der Kasseler dOKUMENTA, der Ruhrtriennale und dem berliner Theatertreffen – und tourt seither weltweit.

Der Choreograf Jérôme Bel erzählt darin von seiner ersten Begegnung mit den geistig behinderten Schauspielern des Zürcher Theater HORA. „Dabei kommen uns die HORA-Schauspieler auf eine berührende und mitunter verstörende Weise nah“, heißt es in der Ankündigung. Mit dabei übrigens eine besondere Heldin: Ensemblemitglied Julia Häusermann wurde 2013 beim Berliner Theatertreffen zur besten Nachwuchsschauspielerin des Festivals gekürt.

Info& auf Mainz&: Grenzenlos Kultur, Vol. 17, 9. bis 19. September 2015 in Mainz. Informationen, das gesamte Programm und natürlich auch Karten gibt es hier.

2 KOMMENTARE

  1. Ach liebe gik,
    hätt ich doch gleich ihren schönen übersichtlichen Bericht gefunden,
    dann hätt ich mch nicht mühsam durch die sicher auch gutgemeinten Infos des Mainzer Theaters quälen müsen :-((
    Also großes DANKE an Mainz &

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