Blackout in Mainz und Wiesbaden: Um 7.21 Uhr fiel am Donnerstagmorgen in der gesamten Region der Strom aus. Ursache waren Wartungsarbeiten in einem Umspannwerk in Wiesbaden-Biebrich, und das löste vor allem auf der anderen Rheinseite ein Chaos aus. In Mainz wurden Ampeln schwarz und mehrere Alarmanlagen durch den Stromausfall ausgelöst, an der Hochschule Mainz löste der Stromausfall einen Amokalarm aus – im Hauptgebäude verriegelten sich dadurch die meisten Türen, die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Unfälle oder Verletzte gab es in Mainz aber keine. In Wiesbaden blieben diverse Aufzüge stecken, an einer Trafostation kam es durch einen Kurzschluss zu einem Brand. Betroffen waren von dem Blackout weite Teile von Wiesbaden und Mainz sowie die Region bis nach Ingelheim – rund 500.000 Menschen dürften betroffen gewesen sein.

Zahlreiche Ampeln fielen am Morgen in Mainz im Berufsverkehr aus – Schuld war ein Stromausfall, verursacht in Wiesbaden-Biebrich. – Foto: gik

Den einen erwischte es vor dem Spiegel, den anderen beim Kaffeekochen, viele auf dem Weg zur Arbeit: Der Stromausfall legte am Morgen weite Teile von Mainz und Wiesbaden lahm. Der Blackout sorgte für zahlreiche Reaktionen in den sozialen Netzwerken, doch in Mainz blieb es zumeist bei Spott und Häme: „Wir waren selbst verwundert, es gab keinen Unfall“, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag Mainz&. Dabei fielen mitten im Berufsverkehr in weiten Teilen des Stadtgebiets die Ampeln aus, die Autofahrer hätten aber „besonnen und rücksichtsvoll“ reagiert. Behinderungen und Verzögerungen über die täglichen Einschränkungen im Berufsverkehr hinaus seien kaum feststellbar gewesen, hieß es weiter.

Der Stromausfall löste allerdings mehrere Alarmanlagen im Stadtgebiet aus, insbesondere bei zwei Banken kam es daraufhin zu Einbruchsalarm. Die Polizei rückte an, konnte die Ursache aber sehr schnell klären. Anders an der Hochschule Mainz, der früheren Fachhochschule: Im Hauptgebäude der Hochschule löste der Stromausfall Amokalarm aus, die Alarmanlage verriegelte daraufhin alle Türen. Mehrere Studenten und Mitarbeiter, die bereits in Hörsälen und ihren Büros waren, wurden eingeschlossen und mussten auf eine Befreiung durch die Polizei warten.

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Polizei-Großaufgebot an der Hochschule Mainz: Der Stromausfall löste Amokalarm aus. Diese Damen und Herren waren allerdings beim Tag der Deutschen Einheit im Einsatz. – Foto: gik

Die Polizei rückte mit einem martialisch gerüsteten Großaufgebot mit Maschinenpistolen, Körperschutz und Helmen an. „Wir müssen in so einem Fall standardmäßig vorgehen“, erklärte Polizeisprecher Rinaldo Roberto, „es könnte sich ja jemand hinter einem Stromausfall verstecken, deshalb müssen wir jeden Alarm ernst nehmen.“

Die Polizei durchsuchte deshalb jede Etage des Gebäudes und überprüfte jeden Raum, zwei Stunden dauerte es, bis alle Eingeschlossenen befreit waren und der Hochschulbetrieb weiter gehen konnte. Die Vorlesungen an der Hochschule Mainz begannen daraufhin erst gegen 11.15 Uhr. Der Stromausfall legte zudem im ganzen Stadtgebiet Computer lahm – und sorgte im Netz trotz Strommangels für viel Spott: „Elektrizität hat seinen Beziehungsstatus gegenüber #Wiesbaden auf ‚Es ist kompliziert‘ geändert“, schrieb etwa ein User namens Captn. Pancakes auf Twitter.

„Ob in Wiesbaden und Mainz wohl gerade Menschen miteinander reden (müssen)?“ fragte Stephan Staiger auf Twitter. Andere wiesen auf die Gefahren von Blackouts hin und darauf, wie abhängig unsere moderne Gesellschaft von Elektrizität ist. Und YoYoYo Hotzenplotz dichtete gar: „Auch die Ampeln gingen nicht mehr, die Polizei regelt den Verkehr, ausgerechnet die Deutsche Bahn, ist heute pünktlich abgefahren.“

Ernstere Folgen hatte der Stromausfall allerdings beim Spezialglashersteller Schott in Mainz: Laut Südwestrundfunk richtete der 20-minütige Stromausfall einen Schaden in Millionenhöhe an. Auch bei Boehringer Ingelheim fiel der Strom auf dem Werksgelände aus, es kam wohl auch hier zu Produktionsausfällen, allerdings in kleinerem Maße.

 

 

2 KOMMENTARE

  1. Beim Amokalarm in der Hochschule wurden alle Türen verriegelt und viele Ḿenschen über Stunden eingesperrt. Dieses Verfahren halte ich für Lebensgefährlich, denn früher oder später wird ein gut vorbereiteter Amokläufer mit ein paar Schüssen einen Alarm auslösen und dann sein Zielgebäude in Brand stecken. Da seine Opfer jetzt eingesperrt wären würde das zu einem kaum vorstellbaren Szenario führen. Deshalb fordere ich umgehend eine Überarbeitung der Amokpläne für Schulen und Hochschulen in Rheinland-Pfalz.

    • Hallo Matthias Herrmann, Danke für den interessanten Kommentar! Wir hatten schon dieselbe Idee, und haben das gestern auch die Polizei gefragt, ob das denn so sinnvoll ist, alle Leute einzusperren. Die Antwort war: Es gehe darum, die Menschen vor dem Amokläufer zu schützen, die Verriegelung erfordere automatisch, weil man den Leuten nicht zutraut, im Krisenfall einen so kühlen Kopf zu behalten, dass sie die Türen selbst verriegeln…. Also wir finden das Verriegeln auch hochgradig gefährlich und meinen, man sollte lieber die Leute besser schulen und ihnen mehr zutrauen.

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