Erdbeben an der Mainzer MEWA-Arena: Unter der Landeshauptstadt Mainz hat tatsächlich gerade die Erde gebebt, allerdings nicht, weil das Schlusslicht in der Fußball-Bundesliga endlich mal wieder ein Heimspiel gewonnen hat. Nein: Die Erdbebendienste registrierten bereits am 07. Januar ein Mini-Erdbeben, das nur wenige hundert Meter von dem Fußballstadion entfernt sein Epizentrum hatte. Das weckt Erinnerungen an das „05er-Erdbeben an Weihnachten des Jahres 2010 – Mainz& hat nachgefragt, was es mit dem Erdrüttler auf sich hatte.

Es war am 7. Januar 2026, als die Wissenschafts-Webseite Erdbebennews.de auf ihrem Facebook-Account „Erdbeben in Deutschland“ Erstaunliches vermeldete: „Im Westen von Mainz registrierte der Erdbebendienst Südwest am Montagabend um 19.44 Uhr ein sehr kleines Erdbeben“, teilte die Seite mit. Noch Erstaunlicher war der Ort des Geschehens: „Kurios für Fußballfans: Das Epizentrum lag nur wenige hundert Meter von der MEWA-Arena entfernt, der Heimspielstätte des FSV Mainz 05“, schrieb der Erdbeben-Beobachter.
Tatsächlich dürfte kaum jemand etwas von dem Erdstoß gemerkt haben: Das Mini-Beben am 7. Januar hatte gerade einmal eine Magnitude von 0.8, wie die Auswertung ergab – damit sei das Beben „natürlich nicht spürbar gewesen, und im Bereich dessen, was mehrmals im Jahr in Mainz und Umgebung registriert wird“, schreibt Erdbebennews.de weiter. Tatsächlich gibt es – meist völlig unbemerkt – mehrere Erdstöße pro Jahr auch unter der Oberfläche von Mainz – Grund ist tatsächlich auch hier der Oberrheingraben.
Seitenbrüche des Oberrheingrabens Ursache für Beben in Mainz
„Der Oberrheingraben ist eine Schwächezone in der Erdkruste, wo es aufgrund der Alpenauffaltung im Süden zu leichten Verschiebungen, und damit auch immer wieder zu Erdbeben kommt“, erklärte Geo-Experte Jens Skapski nun auf Nachfrage von Mainz&. Entlang des Grabens kommt es tatsächlich immer wieder zu Erdbeben, bekannter sind aber die in der Eifelregion oder auch weiter im Süden entlang des Rheingrabens, ein etwas größeres Erdbeben hatte sich Ende Oktober 2025 nördlich von Wiesbaden im Taunus ereignet – das Beben damals war auch bis Ingelheim, Bingen und Heidesheim spürbar gewesen.

Der Westrand des Oberrheingrabens verlaufe etwa entlang einer Linie Osthofen – Bodenheim – Rüsselsheim, erklärte uns Skapski nun, interessant dabei: „Von dort zweigen in Nord-Nord-West-Richtung kleinere Seitenbrüche ab, die genau unter Mainz verlaufen.“ Das Ergebnis: Kleinere Erdstöße gibt es immer wieder auch unter der Landeshauptstadt. Experten zufolge spüren Menschen Erdbeben in der Regel erst ab einer Magnitude von etwa 3, das war auch im Oktober bei dem Beben der Fall: Manche Menschen hörten ein tiefes Grollen und spürten ein leichtes Schwanken.
Das war zuletzt in Mainz an Weihnachten des Jahres 2010 der Fall: Damals sei es „an gleicher Stelle, ebenfalls fast direkt am Station“, zu zwei Beben mit einer Stärke von 3,4 und 2,7 gekommen, erinnert Jens Skapski – diese beiden Beben seien damals in Mainz deutlich verspürt worden. „Das stärkere der beiden trug sogar den Beinamen „05er-Erdbeben“, da damals das Stadion noch im Bau war und entsprechend gewitzelt wurde“, erinnert sich der Erdbeben-Experte.
Weihnachts-Beben von 2010 weckte Mainz aus dem Schlaf
Mit den Bauarbeiten hätten diese Erdbeben aber damals nichts zu tun gehabt: „Es sind leichte, natürliche Verschiebungen in der Erdkruste.“ Das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz wollte es damals genauer wissen, verschickte Fragebögen an die Bürger und wertete schließlich 355 Antworten aus. Das Ergebnis: Das Beben wurde überwiegend in einem Umkreis von etwa 25 Kilometern um das Hypozentrum herum verspürt, einzelne Meldungen kamen aber sogar auch aus Orten, die bis zu 100 Kilometer weit entfernt waren.

„Etwa 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die sich meldeten, haben auch das Nachbeben, das etwa vier Stunden nach dem ersten Beben auftrat, gespürt“, heißt es in dem Bericht des Landesamtes, den Ihr hier im Internet findet. „Etliche Schlafende wurden durch das Beben wach und berichteten, dass ein Zittern bis hin zur Erschütterung von Gebäuden auftrat“, heißt es in dem Bericht weiter. Das erste Beben erfolgte damals um 02.35 Uhr, das zweite um 05.52 Uhr. Auch wurde ein Verrutschen oder Verschieben von Gegenständen und das Knistern von Gebälk wahrgenommen, um das Stadion herum wurde zudem „von starken Geräuschen, ähnlich einem in nächster Nähe vorbeifahrenden LKW, berichtet.“
Auch beim Landesamt für Geologie und Bergbau betonte man damals, es habe sich um „ein natürliches Erdbeben“ gehandelt, ein Beben der Magnitude 3 könne „durchschnittlich alle paar Monate auftreten“ und dann von Menschen in der unmittelbaren Umgebung des Epizentrums auch wahrgenommen werden. „Ungefähr alle zehn Jahre sind überregional wahrnehmbare seismische Erschütterungen mit Magnituden größer 5, die auch leichte Schäden verursachen können, zu erwarten“, so die Experten weiter – ein solches Erdbeben wäre demnach in Mainz bereits überfällig.
Massive Erdbeben in Mainz schon 1733 und 1858: Stärke 7
Tatsächlich habe es stärkere Beben mit einer Intensität der Stufe 7 in Mainz in früheren Jahrhunderten schon gegeben, berichten die Experten weiter – und zwar in den Jahren 858, 1733 und 1858 – damals verursachten die Beben auch größere Schäden. Bei einer Erdbebenstufe 7 gibt es regelmäßig schwere Schäden oder Zerstörungen an Gebäuden, und zwar in einem Umkreis von mehreren Hundert Kilometern – so wie im Jahr 2010 bei dem verheerenden Erdbeben in Haiti.
Das Mini-Beben in Mainz vom 07. Januar war also nur ein kleines Rütteln, aber wer weiß – vielleicht hat der Erdstoß ja den Fußballclub und seine Spieler gerade rechtzeitig zur Rückrunde nach der Winterpause geweckt: „Wer beim Bundesliga-Schlusslicht an Omen glauben möchte, darf sich nun auf den Rückrundenstart freuen“, schrieben die Beobachter von Erdbebennews zur ihrer Beben-Meldung vom 07. Januar, und hatten damit zumindest einen guten Riecher: Am Dienstagabend siegte Mainz 05 nach langer Durststrecke mit 2:1 gegen Heidenheim – und verließ damit endlich den Schlussplatz in der Bundesliga.
Info& auf Mainz&: Mehr zu dem Erdbeben vom Oktober 2025 mit dem Epizentrum im Taunus lest Ihr hier bei Mainz&. Den informativen und unterhaltsamen Facebook-Auftritt der Wissenschaftsseite Erdbebennews.de findet Ihr hier auf Facebook – wir danken für die Infos und die netten Auskünfte!






