Die Fragen in den sozialen Netzwerken klingen zunehmend verzweifelt: Wo kann ich denn bloß in Mainz mich abkühlen – wo gibt es einen Strand mit Bad im Rhein? Die Antwort lautet: Gar nicht. Einen Strand mit Sand und Zugang zum Rhein, wo man auch noch bedenkenlos Baden kann – in Mainz Fehlanzeige. Mainz liegt am Rhein, aber die Stadt versäumt es seit Jahrzehnten, ihren Bürgern Möglichkeiten zur Abkühlung, zum Schwimmen und zum Picknicken, zum Grillen & Chillen zu schaffen – von einem Rheinschwimmbad mal ganz abgesehen. Das rächt sich im Corona-Sommer nun bitterlich – ein Mainz&-Kommentar.

Der Mainz-Strand an der Theodor-Heuss-Brücke 2018: Toller Ausblick, aber kein Rhein-Zugang. - Foto: gik
Der Mainz-Strand an der Theodor-Heuss-Brücke 2018: Toller Ausblick, aber kein Rhein-Zugang. – Foto: gik

Corona zeigt wie unter einem Brennglas die Probleme unserer Republik auf, heißt es, nun hat dieses Brennglas auch die Mainzer Gretchenfrage erreicht: Wie hältst Du es mit dem Rhein und seinen Stränden? Welche Strände, wird jetzt so mancher fragen – und genau das ist der (Brenn-) Punkt: In Mainz gibt es keine. Also jedenfalls keine Strände im ursprünglichen Wortsinn des Namens: Sandstrecken am Rheinufer, wo man nicht nur auf das Wasser schauen, sondern auch hineingehen – und sogar dort schwimmen kann. Legal, sicher und stadtnah.

Die Coronakrise zieht die Menschen ins Freie, Outdoor-Aktivitäten boomen – nun kommt auch noch die Hitzewelle hinzu. Wer da in Mainz Abkühlung sucht, hat genau zwei Möglichkeiten: Das Schwimmbad in Mainz-Mombach und das städtische Taubertsbergbad am Hauptbahnhof. Darüber hinaus steht noch das Freibad auf der Maaraue zur Verfügung, das aber schon zum hessischen Wiesbaden gehört. Doch sonst?

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Baden verboten heißt es auch beim Kasteler Rheinstrand. - Foto: gik
Baden verboten heißt es auch beim Kasteler Rheinstrand. – Foto: gik

„Wo kann man in Mainz und Umgebung baden gehen?“ lautete am Freitag angesichts der Hitzewelle die wohl meistgestellte und meist ziemlich verzweifelte Frage in sozialen Netzwerken wie Facebook: „Ich suche und suche, aber ich finde einfach keinen See oder Strand.“ Die Lösung ist so einfach wie bitter: Badeseen sind in der näheren Mainzer Umgebung schlicht nicht vorhanden, die nächsten Seen findet man bei Groß-Gerau, in Langen beim Waldschwimmbad oder südlich bei Gimbsheim, kurz vor Worms.

Doch auch bei Badestränden am Rhein herrscht in Mainz Fehlanzeige: Zwar gibt es den Mainzer Strand an der Theodor-Heuss-Brücke, der mit großem Aufwand und vielen Angeboten Besucher zum Chillen lockt – im Rhein Schwimmen oder auch nur das Wasser berühren, darf man hier nicht. Gleiches am gegenüberliegenden Rheinstrand an der Kasteler Reduit: Obwohl hier der Strand sogar bis in den Rhein hinein führt, ist Baden strengstens verboten – der Rhein ist hier viel zu gefährlich, vor einigen Jahren ertrank hier sogar ein kleines Mädchen beim Spielen im Uferbereich.

Grillen Verboten, heißt es schon seit einigen Jahren auf den Wiesen vor der Mainzer Neustadt. - Foto: gik
Grillen Verboten, heißt es schon seit einigen Jahren auf den Wiesen vor der Mainzer Neustadt. – Foto: gik

Das aber sorgt für Frust gerade in diesen Tagen: Wegen Corona mussten die Schwimmbäder ihre Kapazitäten drastisch reduzieren, viele Bäder dürften ausgebucht sein – und überhaupt: Was, wenn man mit Freunden am Rheinufer Grillen & Chillen will? Nun sollte man meinen, dass die Stadt Mainz die Kapazitäten dafür in den vergangenen Jahren fleißig ausgebaut habe – das Gegenteil ist der Fall. Die beliebten Grillwiesen vor der Mainzer Neustadt wurden gestrichen, das Grillen hier komplett verboten: die Stadt schaffte es nicht, die Bedürfnisse von Anwohnern und grillfreudigen Besuchern gelöst zu bekommen.

Die als Ersatz auf der Promenade vor dem Mainzer Schloss eingerichteten Grillstellen waren von Anfang an ein Rohrkrepierer: Wer mag schon auf einer ungepflegten Pflasterwüste grillen? Entlang des Rheinufers konzentrierte die Stadt so die Grillzonen auf einen einzigen Bereich: den Mainzer Winterhafen. Im Corona-Sommer 2020 wundert man sich nun, dass dieser Bereich überrannt wird, Abstände hier nicht eingehalten werden können und Müllberge zurückbleiben – ja, wo sollen die Leute denn hin?  Der Volkspark leidet unter genau den gleichen Problemen, es ist ein Problem der fehlenden Erholungsflächen – was übrigens nicht rechtfertigt, seinen Müll einfach liegen zu lassen.

Einzige Wiese am Rheinufer zum Grillen & Chillen: Der Winterhafen. - Foto: Stadt Mainz
Einzige Wiese am Rheinufer zum Grillen & Chillen: Der Winterhafen. – Foto: Stadt Mainz

Dabei hat es immer wieder Vorschläge und Ideen gegeben: Ein Badeschiff auf dem Rhein etwa, wie es das vor Jahren für kurze Zeit sogar einmal am Mainzer Rheinstrand gab – niemand mochte die Idee weiter verfolgen. Vor fünf Jahren hieß es einmal, eine öffentliche Liegewiese in Laubenheim an der alten Nato-Rampe sei im Gespräch – realisiert ist sie bis heute nicht, ein Rhein-Schwimmbad ist gar nicht erst im Gespräch. Bei Aufgabe des Weisenauer Steinbruchs wünschten sich nicht wenige, die Stadt möge dort einen Badesee realisieren – nun soll aus dem Gelände eine Bauschutt-Deponie werden.

Fazit: Um die Erholungszonen für seine Bürger hat sich die Stadt Mainz in den vergangenen zehn Jahren oder so schlicht nicht gekümmert – sie wurden reduziert und eingegrenzt, völlig ungeachtet der steigenden Zahl junger Menschen auf der Suche nach einem schönen Abend im Freien, am Rhein. Wer einen Rheinstrand mit Bad sucht, muss nach Oppenheim oder Heidesheim ausweichen, Wiesbaden hat die Rettbergsaue und den kleine Main-Strand bei Kostheim – warum ist so etwas seit Jahrzehnten in Mainz nicht realisierbar? Nun ist Corona, nun drängen die Menschen in Scharen ins Freien – gerüstet ist Mainz dafür nicht.

Baden verboten, Grillen verboten, Chillen verboten: Der Mombacher Rheinstrand ist ein Naturschutzgebiet. - Foto: gik
Baden verboten, Grillen verboten, Chillen verboten: Der Mombacher Rheinstrand ist ein Naturschutzgebiet. – Foto: gik

Stattdessen werden jetzt Erholungssuchende auch noch vom Mombacher Rheinstrand gnadenlos vertrieben – formal natürlich völlig zu Recht: Ein Naturschutzgebiet ist ein geschützter Bereich, Grillende und Partysuchende haben da nichts verloren. Und da viel zu viele Menschen es nicht schaffen, ihren Müll einfach wieder mitzunehmen, ist die Reaktion der Stadt konsequent: Räumung. Doch die Tatsache, dass man Natur radikal vor den Menschen schützen muss, zeigt doch eines nur überdeutlich: Den Menschen fehlen Alternativen, Zonen zum Chillen & Grillen, Areale, an denen man Rhein und Strand genießen kann – legal und entspannt. Von einem Rheinschwimmbad ganz zu schweigen… So entsteht der Eindruck: Mainz vertreibt seine Bürger gerne, es reglementiert, es schimpft – aber wo schafft die Stadt Flächen, Möglichkeiten, Erholungszonen?

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Problemen rund um den Mombacher Rheinstrand lest Ihr hier bei Mainz&. In Laubenheim ist inzwischen übrigens tatsächlich eine Erholungszone am Rhein geplant – was genau, lest Ihr hier bei Mainz&.

 

1 KOMMENTAR

  1. Sie bringen das Dilemma auf den Punkt!
    Für die wachsende Einwohnerzahl wurden sogar die ehdem schon spärlichen Freiräume weiter dezimiert, indem die Stadt Grünflächen für Wohnbebauung verscherbelte, z. B. Hartenbergpark, Wallanlagen (Agrippastraße, Jägerstraße, kleine Windmühlenstraße), Stadtpark (Favorite). Eine Landesgartenschau auf bereits bestehenden Freiflächen aber dann mit Eintritt, wie von Ebling forciert, wird das auch nicht richten.

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