Man könnte wirklich auf die Idee kommen: Die Stadt Mainz will das Marktfrühstück nicht mehr. Und auch keinen Weinstand der Mainzer Winzer. Und überhaupt: Welche Veranstaltungen sind eigentlich in diesem Jahr überhaupt bisher von der Stadt genehmigt? Am 9. April wollen die Mainzer Winzer in die neue Saison für das Mainzer Marktfrühstück starten – eigentlich. Doch elf Tage vor dem Start des Mega-Events sind die Bedingungen für die Durchführung noch immer unklar, und auch der Mainzer Weinstand hat noch immer keinen Standort am Rhein. Echt jetzt, Stadt Mainz? Wollt Ihr noch Feste, Weintreffs und Lebensgefühl – oder lieber doch nicht mehr? Ein Mainz&-Kommentar.

Weingenuss zu Füßen des Mainzer Doms - mehr Mainzer Lebensgefühl geht nicht. - Foto: gik
Weingenuss zu Füßen des Mainzer Doms – mehr Mainzer Lebensgefühl geht nicht. – Foto: gik

Das Mainzer Marktfrühstück ist nicht irgendein Event: Es ist Kult. Mehr noch: Es ist zum Aushängeschild der Stadt Mainz geworden, zum Exportschlager, für das andere Städte Mainz glühend beneiden. Und was macht die Stadt? Seit Jahren ist man nicht in der Lage, Lösungen und ein strukturiertes Umfeld für eines der wichtigsten Markenzeichen anzubieten. Ausreichend Mülltonne, Toiletten, vernünftige Abfahrtwege für die Marktbetreiber ohne Lebensgefahr – all das ist ja nun wirklich kein Hexenwerk. Trotzdem scheitert die Stadtverwaltung Jahr um Jahr an genau diesen, wirklich banalen Anforderungen  – warum?

Am Mittwoch berichteten die Mainzer Winzer, man habe immer noch keine endgültigen Bedingungen und Genehmigungen für das Mainzer Marktfrühstück – elf Tage vor dem Saisonstart. Die Verhandlungen mit der Stadt gestalteten sich schwierig, sagte die Vorsitzende der Mainzer Winzer, Siegrid Lemb-Becker, der Internetzeitung Mainz&. Nach Mainz&-Informationen geht es um kurzfristig immer wieder geänderte Auflagen, es geht um mangelnde Abstimmung zwischen städtischen Ämtern, und um immer höhere Auflagen für Sicherheitsdienste. Und es geht um Auflagen zum Umgang mit Corona, obwohl die Corona-Auflagen in Rheinland-Pfalz praktisch vollständig ab dem 3. April fallen.

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Zuständig ist das Ordnungsamt der Stadt Mainz, dort hieß es noch vor wenigen Jahren selbstbewusst: Feste können wir, kein Problem. Inzwischen ist davon offenbar nichts mehr übrig – ja: Es sind auch keine Feste mehr übrig. Der Mainzer Weinmarkt 2021 – trotz Sicherheitskonzept, Entzerrung und niedrigen Corona-Inzidenzen: abgesagt. Die Mainzer Weintage: nicht mehr genehmigt. Während auch in der Corona-Pandemie die Stadt Wiesbaden Schaustellern Buden und Ausschank-Möglichkeiten eröffnete, auch entlang des Rheinufers, herrschte in Mainz gähnende Leere.

Weingenuss, entspanntes Feiern - in Mainz wird das immer unmöglicher. - Foto: gik
Weingenuss, entspanntes Feiern – in Mainz wird das immer unmöglicher. – Foto: gik

Nun wackelt auch noch das Mainzer Marktfrühstück, und das wäre wirklich ein Tiefschlag in Sachen Attraktivität für Mainz. Auf einmal ist das Ordnungsamt nicht mehr in der Lage, eine seit Jahren eingeübte Veranstaltung organisatorisch abzuwickeln, klare Auflagen mit den Winzern zu besprechen, und eine gute Durchführung zu garantieren. Das ist weder professionell noch im Ansatz verständlich – das Marktfrühstück gibt es seit 1999, mithin seit stolzen 23 Jahren. Wieso fehlt bei der Stadt auf einmal die Kompetenz, eine Veranstaltung zu stemmen, die für die Stadt von enormer Bedeutung ist, ja: die für das Image der Stadt steht wie kaum eine andere?

Feste seien super wichtig, um die Stadt wieder zu beleben, heißt es allenthalben von Seiten des Oberbürgermeisters. Da fragt man sich doch: Warum werden Feste und Events dann nicht ermöglicht? Warum werden Auflagen in immer neue Höhen geschraubt, permanent verändert und kurzfristig wieder über den Haufen geschmissen – nach Mainz&-Informationen ist das kein Einzelfall. Wer Feste verhindern will, handelt genau so. Wer das tut, der schadet Mainz und seinem – bisher – einmaligen Lebensgefühl.

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Mainzer Innenstadt in der Corona-Zeit. - Foto: gik
Mainzer Innenstadt in der Corona-Zeit. – Foto: gik

Es gibt junge Menschen, die wohnen seit zwei Jahren in Mainz, doch das legendäre Lebensgefühl der Stadt kennen sie höchstens vom Hörensagen. Ja, es war Corona in dieser Zeit, doch auch während der Corona-Pandemie gab es Monate, in denen die Inzidenzen niedrig und die Möglichkeiten zum Feiern da waren. Der Mainzer Weihnachtsmarkt hat es gezeigt, er wurde weder zum Corona-Hotspot noch zum Massentreff – und das, obwohl die meisten anderen Städte ihre Weihnachtsmärkte ersatzlos gestrichen hatten. Bändchen-Lösung, strenge Kontrollen, engagierte Schausteller – es hat hervorragend funktioniert.

Und auch der 11.11. wurde – allen Unkenrufen zum Trotz – eben NICHT zum Corona-Ansteckungs-Punkt, ganz im Gegenteil zu Köln übrigens. In Mainz setzten die Fastnachter auf strenge 2Gplus-Regeln, auf Einlasskontrollen und kontrolliertes Feiern – es wurde ein voller Erfolg. Ganz im Gegenteil zum Rosenmontag übrigens. Weiß man bei der Mainzer Stadtspitze eigentlich noch, was man will? Will man sichere, gut organisierte Feste – oder lieber wilde, unkontrollierte Parties mit riesigen Müllhaufen im Anschluss, gegen die man dann mit Verboten vorgeht?

Mainzgefühl pur: Der Weinstand am Fuße des Fischtorplatzes. - Foto: gik
Mainzgefühl pur: Der Weinstand am Fuße des Fischtorplatzes. – Foto: gik

Ich sage klar: mein Mainz ist das nicht mehr. Mein Mainz – das war mal eine lebensfrohe Stadt, die wahrlich zu Feiern wusste. Deren Feste gut organisiert und voll unbeschwertem Frohsinn waren – und zwar für alle Gruppen der Stadt. Mainz, das war mal eine Stadt, die Engagement von Schaustellern, Unternehmern, Innovativen gewürdigt und unterstützt hat – was ist davon noch übrig? Und Mainz war einmal eine Stadt, die Weingenuss zelebrierte und sich über Weingenießende freute – und die in der Lager war, so etwas auch zu organisieren. Viel ist davon nicht übrig.

Das besondere Flair von Mainz – in der Corona-Zeit verschwand es nahezu komplett. Wer jetzt Feste und Möglichkeiten zum Genießen im Freien untergräbt, der wird der Stadt und ihrem Lebensgefühl dauerhaften Schaden zufügen. Quo vadis, Stadt Mainz?

Info& auf Mainz&: Den Artikel zum Kommentar findet Ihr hier bei Mainz&.

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