„Mainz& politisch“: Am Mittwoch jährte sich der Jahrestag des Massakers der Hamas in Israel zum dritten Mal. Am 07. Oktober 2023 stürmten Terrortruppen aus Gaza durch die Grenze, mordeten in Kibuzzen und auf dem Nova-Filmfestival und schlachteten mehr als 1.200 Frauen, Männer und Kinder auf barbarische Weise ab. Doch seither findet eine unsägliche Täter-Opfer-Umkehr statt, bei der Palästinenser auf einmal den Status heldenhafter Freiheitskämpfer zugeschrieben bekommen – und Israel ein Völkermord angedichtet wird, den es nicht gibt.

Gleichzeitig explodiert in Deutschland eine neue Antisemitismus-Welle – und Juden in Berlin verstecken wieder ihr Leben und ihre Existenz. Genau darum ging es am 07. Oktober in der Sendung von Markus Lanz – es wurde eine erschreckende Bilanz eines Deutschlands, das dabei ist, die wichtigste Botschaft nach 1945 zu vergessen: Nie wieder. Eine sehr persönlich Kolumne von Mainz& zu einer speziellen Mentalitätswende in Deutschland.

„Sag lieber Irland statt Israel“

„Wir sagen lieber Irland in der Öffentlichkeit statt Israel. Lieber den Ball flachhalten.“ Lieber dem Kind sagen, dass man jüdische Lieder nicht auf der Straße singt, sondern heimlich, zuhause. Lieber das Kind im Westen Berlins auf eine jüdische Schule schicken, auch wenn das 40 Minuten Fahrzeit bedeutet. „Weil man einfach Angst um seine Kinder hat.“
Sascha Chaimowitz, Leiter des ZEITMagazins, am Mittwochabend in der ZDF-Sendung Markus Lanz. - Screenshot: gik
Sascha Chaimowitz, Leiter des ZEITMagazins, am Mittwochabend in der ZDF-Sendung Markus Lanz. – Screenshot: gik

Das sagte Sascha Chaimowitz, Leiter des ZEITMagazins, und er berichtete es ganz faktisch als Alltag von Juden in Berlin am Mittwochabend bei Markus Lanz. Wohl gemerkt: wir reden nicht über das Jahr 1933 – wir reden über das Jahr 2026.

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Juden in Deutschland gehen wieder in Deckung.
Juden in Deutschland müssen wieder verstecken, dass die Juden sind.
Juden in Deutschland fühlen sich nicht sicher – weil sie Juden sind.

Das ist die Lage im Jahr 2026, und mich erschüttert, das zutiefst. Juden in Deutschland haben wieder Angst, aber sie haben nicht etwa Angst vor der in Teilen rechtsextremen AfD – sie haben Angst vor den Linken. Die Bedrohung gegen Juden in Deutschland kommt heute in erster Linie von islamistischen Gruppierungen, von Zugewanderten aus dem arabischen Raum und dem Nahen Osten. Von Muslimen, die von Kind auf gelernt haben, dass Juden zu töten sind. Von Anhängern der Hamas, zugewandert aus Gaza.

Naiver Pali-Hype und „Widerstands“- Romantik

Und sie werden unterstützt von einem linken Spektrum, das völlig verblendet Narrative und Parolen von einem „Widerstand der Palästinenser“ und einem „Völkermord in Gaza“ (den es nicht gibt) nachbetet, Ja: nachschreit. Und zwar OHNE jegliche Ahnung von den historischen Zusammenhängen. Unter Ignoranz aller Fakten. In völlig wirrer Verklärung der Terrororganisation Hamas, deren Propaganda ungemein erfolgreich war: sie hat nämlich erreicht, dass es weite Teile im linken Spektrum gibt, die die Hamas überhaupt nicht mehr als Terrororganisation sehen, sondern als irgendwie romantisierte Widerstandsgruppe.

Linke, und ja: auch Grüne und manche Jusos laufen da mit Palästinensertuch um die Schultern stolz durch Berlin, aber auch durch andere Städte in Deutschland, grölen Parolen an Universitäten und auf Demonstrationen wie „Yallah, Yallah Intifada“, weil es schick und „in“ ist – und ohne auch nur im Ansatz zu verstehen, was sie da tun. Wann ist das passiert? WIE ist das passiert?

Im Jahr 2026, am 7. Oktober, erzählt ein jüdisch-stämmiger Journalist im deutschen Fernsehen, wie er sein Judentum, seine Identität und seine Verbindung zu Israel versteckt, verheimlicht und mit Codewörtern verschleiert. Er erzählt es als faktischer Alltag der gesamten jüdischen Gemeinde in genau jener Stadt, die die Hauptstadt des Holocausts ist: Berlin. Eine Stadt, in der die Partei „Die Linke“ gerade mit 25,7 Prozent stärkste Kraft wurde. Ein Partei, die – nachweislich! – zu rund 50 Prozent von arabischstämmigen Migranten gewählt wurde, und seither Schlagzeilen macht mit Verbindungen ins Clan-Milieu, zu palästinensischen Großfamilien und in antisemitisch geprägte Pali-Milieus.

Kriminelle Clan-Chefs, Palästinenser-Funktionäre, Antisemitismus

In der Wahlnacht feierten bei der Linken in Neukölln der Chef des Remmo-Clans ebenso wie Palästina-Aktivist Ibrahim Ibrahim, den der Tagesspiegel „umtriebiger anti-israelischer Funktionär“ und die die BILD „Terror-Unterstützer“ nennt. Ibrahim reklamierte einen großen Anteil des Erfolgs der Linken bei der Wahl für sich („haben aktiv zu diesem Erfolg beigetragen“) und reiste danach nach Istanbul – zu einer Konferenz mit Hamas-Leuten. Ibrahim wird der Terrororganisation PFLP zugerechnet, die einen arabischen Nationalismus mit marxistisch-leninistischen Ausrichtung vertritt und das Existenzrecht Israels ablehnt.

Frau auf der spontanen SPD-Demo am Dienstagabend in Berlin. - Foto: SPD
Frau auf der spontanen SPD-Demo am Dienstagabend in Berlin. – Foto: SPD

Die Linke toleriert diese Strömungen nicht etwa nur am Rande, sondern sie hofiert sie geradezu – weil sie davon profitiert. Weil sie mit den Stimmen der arabischen Community und einer in großen Teilen antisemitisch eingestellten Bevölkerung aus „Palästina“, Syrien, und so weiter gerade eine Wahl gewonnen hat. Es ist doch kein Zufall, dass sie einen Bundestagsabgeordneten in ihren Reihen hat, der Clans aus dieser Community „Brüder“ nennt, und von Ihnen zur Hochzeit eingeladen wird – und der im Bundestag seltsame Anfragen zu Clan-Kriminalität stellt. Deren Verfolgung gleichzeitig als „Rassismus“ kritisiert wird.

Und all das gibt es nicht erst seit gestern: Seit Monaten, wenn nicht Jahren, fällt die Linke gerade in Berlin mit einer großen Nähe zu palästinensischen Terrorgruppen auf, wiederholt kam es auf Veranstaltungen und  Parteitagen zu antisemitischen Äußerungen und Vorfällen – im Oktober 2024 traten der ehemalige Linken-Kultursenator Klaus Lederer gemeinsam mit vier weiteren prominenten Berliner Politiker aus der Partei Die Linke aus – vor allem wegen des grassierenden Antisemitismus in ihrer Partei.

Antisemitismus als „kultureller Code“ einer linken Szene

Konsequenzen hatte das alles nicht. Man wolle den Antisemitismus-Streit „aufarbeiten“, hieß es damals – geschehen ist: nichts. „Mittlerweile gehört Antizionismus für immer breitere Teile der Linken zum identitären Marker der Gruppenzugehörigkeit, der nicht mehr hinterfragt wird“, schreibt eben jener Klaus Lederer nun zum dritten Jahrestag des Hamas-Massakers in der Jüdischen Allgemeinen: Antisemitismus sei zu einem „kulturellen Code“ geworden, Teil eines linken „Pauschalangebots“, eine Art linke Wohlfühl-Area, in der vor allem wichtig ist, dass man „auf der richtigen Seite“ steht – Aufklärung verschwindet „hinter affektiver Mobilisierung und ideologischem Missionseifer“.

Und so habe gleich nach dem Massaker des 7. Oktober 2023 ein großer Teil „der sich für fortschrittlich haltenden globalen Linken“ damit begonnen, „mit großer Leidenschaft, die Taten zu leugnen, zu relativieren und zu »kontextualisieren«, wenn sie nicht sogar offen für die Mörder Partei ergriffen.“ Das Ergebnis: Eine selbstgerechte „Pali-Bewegung“, ein regelrechter Palästina-Hype, der in völlig faktenfreiem Rausch von „Völkermord“ und „Widerstand“ faselt – und in der es keinerlei Mitgefühl oder gar Eintreten mehr gibt für das Land, für das gerade Deutschland Verantwortung trägt wie kein anderes Land auf der Welt: Israel.

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass das 90 Jahre nach dem schlimmsten Völkermord der Geschichte an den Juden noch einmal möglich sein würde. Und noch ein Satz zum angeblichen Völkermord in Gaza: Gerade erst hat das palästinensische Gesundheitsministerium selbst die Zahl veröffentlicht, nach der es seit dem 07. Oktober 2023 mehr als 74.000 Tote im Gazastreifen gegeben haben soll. Das ist übel und schrecklich, keine Frage. Aber der Gaza-Streifen hat 2,1 Millionen Einwohner, und unter den Toten waren rund 25.000 Hamas-Kämpfer. Ein Völkermord, der aus 50.000 Menschen besteht – also 2,3 Prozent der Bevölkerung? Echt jetzt?

Manipulierte Bilder, suggerierter Völkermord ohne Faktenbasis

Der Militärexperte und Blogger U.M. Osint, der zehn Jahre lang Soldat der Bundeswehr und NATO und Unteroffizier einer nachrichtendienstlichen Spezialeinheit war, spricht in dem Zusammenhang von „Framing und Priming“: Per Framing werde der Deutungsrahmen verschoben, etwa so: „Spricht man ständig über ‚Kriegsverbrechen‘, wird der Rezipient irgendwann so überzeugt sein, dass Bilder einen Nachweis zu zeigen scheinen, die diese Schlussfolgerung gar nicht zulassen.  (…) Beim Priming werden implizite Gedächtnisinhalte aktiviert: Spricht man dauernd von einem Völkermord und zeigt dann Bilder von zerstörten Häusern, wird der Rezipient dies als Beweis für einen Völkermord sehen. Obwohl die beiden Dinge nichts miteinander zu tun haben.“

Blogpost von U.M. Osint zur Zerstörung in Gaza. - Screenshot: gik
Blogpost von U.M. Osint zur Zerstörung in Gaza. – Screenshot: gik

Genau so funktioniert die Propaganda der Hamas, sie funktioniert über gesteuerte Bilder aus dem Gaza-Streifen – die niemals neutral sind und immer von Hamas-zugelassenen Journalisten gedreht werden -, und die zeigen praktisch ausschließlich Zerstörung und Tod, angeblich hungernde Kinder und verkrüppelte Menschen, oder Überlebende in unmenschlichen Zeltstädten. Was sie nicht zeigen: Es gibt in Gaza noch heute völlig intakte Städte, boomende Märkte mit überquellendem Lebensmittelangebot und Einkaufsstraßen mit Cafés – Gaza ist mitnichten die komplette Trümmerwüste, als die es uns bis heute in den deutschen Nachrichtensendungen präsentiert wird. Wer mehr wissen will, dem sei eindringlich die Auswertung von U.M. von Luftbildern aus Gaza empfohlen.

Und ausgerechnet an einem 07. Oktober verhandeln Grüne und SPD in Berlin mit dieser modernen, antisemitisch geprägten, Terror verharmlosenden Linken über die Frage, wie viel Antisemitismus denn im Jahre 2026 noch genehm ist, wenn es nur um die Macht geht. Wie das ausgehen wird? Man wird ein paar wachsweiche Distanzierungen von Antisemitismus verabschieden, eine Stabsstelle gegen Antisemitismus gründen und ein paar NGOs mehr Gelder in den Rachen schmeißen – genau so kam es am Mittwoch übrigens. Und dann wird man eine Koalition machen, weil „so ein bisschen Antisemitismus“ doch gar nicht so schlimm ist, nicht wahr?

Für SPD und Grüne gilt keine Brandmauer nach Links – warum?

„Warum wird über die Linke keine Verbotsdebatte geführt?“, fragte gerade Jasper von Altenbockum in einem hervorragenden Kommentar in der FAZ? Und konstatiert: „Die SPD-Führung will ihren Koalitionspartner auf einen Kurs festnageln, den sie für sich selbst nie gelten lassen würde. Deshalb muss die CDU einen Eid auf die Brandmauer gegen die AfD ablegen, die SPD hingegen kann in Berlin mit der Linkspartei tun und machen, was sie will.“ Denn: Für SPD und Grüne gilt keine Brandmauer.

Sendung von Markus Lanz am 07.10.2026 mit Grünen-Chef Felix Banaszak. - Foto: gik
Sendung von Markus Lanz am 07.10.2026 mit Grünen-Chef Felix Banaszak. – Foto: gik

„Die SPD und die Grünen sind drauf und dran, eine Politikerin zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin zu wählen, die linksextremistische Strömungen in ihrer Partei nicht etwa bekämpft, sondern benutzt“, schreibt Altenbockum weiter, und mit Blick auf die Linken-Frontfrau Elif Eralp: „Eralp ist die Galionsfigur einer Bewegung, die Sympathien für linken und islamistischen Terror pflegt, ‚Respekt‘ vor organisierten Verbrechern hat, migrantischen und linksradikalen Antisemitismus kultiviert und Antikapitalismus in Form von Enteignung praktizieren will.“

Auch der Berliner Linkspartei gehe es „um die Systemfrage, auch ihr geht es um eine andere Republik, wenn man sie noch so nennen will, und auch sie unterminiert die Institutionen, die das Land tragen: Eigentum, Polizei, Justiz, Minderheitenschutz.“ Würde an Rhetorik, Taktik und Ideologie der Linkspartei dieselben Maßstäbe angelegt wie an die AfD, „dann müsste eine Verbotsdebatte geführt werden“, konstatiert Altenbockum, „doch weit gefehlt: Linkenpolitiker gehören zum Inventar der Morgenmagazine; Linkenpolitiker bestimmen, wer sich Demokrat nennen darf, wer nicht.“

Grünen-Chef Banaszak und die Relativierung von Antisemitismus

In derselben Lanz-Sendung am Mittwoch saß ein Grünen-Chef namens Felix Banaszak, der noch vor wenigen Wochen laut und deutlich tönte, die Grünen würden niemals eine Koalition mit einer Linken eingehen, die sich nicht klar und deutlich von Antisemitismus distanziere – jetzt sagt er, die Linke sei „eine demokratische Partei mit problematischen Elementen“, die man einhegen müsse. Das Einhegen soll so aussehen, dass eine Kommission aus Linken, SPD und Grünen sich trifft und darüber berät, ob ein Vorfall antisemitisch gewesen sein könnte oder nicht – das war’s.

Und Juden in Berlin werden ihr Judentum verheimlichen, und über Auswanderung nachdenken. 93 Jahre nach 1933.

„Ich kann gar nicht, wie viel Fressen, wie ich kotzen könnte.“

Das sagte der Impressionist Max Liebermann, und er sagte den Satz am 30. Januar 1933 in Berlin, am Vorabend der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler. Die SPD zitierte diesen Satz allen Ernstes am Dienstagabend als Reaktion auf die Wahl des ersten Landtagspräsidenten der AfD in Sachsen-Anhalt. Boris Pistorius marschierte voller Empörung durchs Brandenburger Tor zum Bebelplatz in Berlin, wo die Nationalsozialisten einst Bücher verbrannten, im Schlepptau eine Crowd selbstgerecht-empörter Sozialdemokraten.

Boris Pistorius und die selbstgerechte Empörung der SPD

Bei der scheinbar so spontanen Demonstration trugen die Sozialdemokraten seltsam professionell-gedruckte Schilder, vielleicht hat man die bei der SPD serienmäßig für den jederzeit anschaltbaren Empörungsmodus im Schrank liegen – oder dieser Aufmarsch der Sozen war gar nicht so spontan, wie man uns glauben machen wollte. Wieder einmal marschierte die SPD „gegen Rechts“, beschwor den Untergang von Demokratie und Republik, man sang gar pathetisch die Nationalhymne – während man gleichzeitig über eine Koalition mit den Linken in Berlin redet.

 

Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einer Spontan-Demo der SPD am 06. Oktober 2026 gegen die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. - Foto: SPD
Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einer Spontan-Demo der SPD am 06. Oktober 2026 gegen die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. – Foto: SPD

Oh ja, es sind erst „Vor-Sondierungen“, nicht wahr? Nun, die gehen jetzt in Sondierungen über. Danach folgen Verhandlungen. Und dann die Regierungsmacht. Es war ein gewisser Willy Brandt, der 1933 vor den Nationalsozialisten, den Judenfeinden, erst nach Oslo und dann nach Schweden floh – ich war praktisch stündlich darauf, dass seine Statue in der Parteizentrale der SPD, dem Willy-Brandt-Haus in Berlin, vom Sockel steigt und seine Nachfahren rechts und links ohrfeigt.

Wenn die politische Mitte zum Steigbügelhalter von Antisemiten wird, von Menschen, wegen denen sich Juden in Deutschland nicht mehr sicher fühlen – dann verrät sie alles, was in diesem Land seit 1945 eigentlich an Werten und als politischer Konsens galt.

Und nichts, wirklich gar nichts, erschüttert mich gerade mehr als das.

Info& auf Mainz&: Die ganze Sendung von Markus Lanz 07.10.2026 findet Ihr hier im Internet und natürlich in der ZDF-Mediathek. Zu Gaza, Linksextremismus und Islamismus empfehle ich sehr die Blogseite von U.M. Osint, die Ihr hier findet.