Vor einem Jahr startetet die Stadt Mainz eine groß angelegte Werbekampagne für mehr Rücksicht und weniger Böllern rund um das Mainzer Tierheim sowie den Wildpark in Mainz-Gonsenheim – sie wurde unerwartet erfolgreich. Nun appellierte die Stadt Mainz gemeinsam mit dem Tierheim erneut, gemeinsam für einen friedlichen Jahreswechsel zu sorgen – auch für die Tiere. Rund um Tierheim und Zoo gilt auch weiter: „Hier bitte nicht böllern!“ Dazu gelten weitere Verbotszonen rund um Krankenhäuser und Altenheime, Kirchen und die Altstadt. Derweil reißt die Debatte um ein Böllerverbot nicht ab, die DUH befürchtet gar eine „beispiellose Eskalation“.

Goldregen in der Silvesternacht 2024 über Mainz: Die Deutschen zünden weiter fleißig privates Feuerwerk. - Foto: gik
Goldregen in der Silvesternacht 2024 über Mainz: Die Deutschen zünden weiter fleißig privates Feuerwerk. – Foto: gik

Die Deutschen mögen vom Böllern nicht lassen, doch jedes Jahr gibt es deutschlandweit schwere bis tödliche Unfälle durch die individuelle Böllerei. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz warnt denn auch in diesem Jahr erneut vor einem leichtsinnigen Umgang mit Silvesterknallern – und vor allem vor illegalem Feuerwerk. „In Deutschland dürfen nur geprüfte und zugelassene Feuerwerkskörper verkauft und verwendet werden“, warnt das LKA: „Nicht zugelassene, nicht sicherheitsgeprüfte Feuerwerksartikel – insbesondere aus dem Ausland – sind verboten“, ihr Besitz, die Weitergabe und das Abbrennen sind strafbar.

„Illegales Feuerwerk stellt eine erhebliche Gefahr dar und kann zu schweren Verletzungen wie Hörschäden, Verbrennungen, dem Verlust von Gliedmaßen oder sogar zum Tod führen“, so die Experten weiter. Tatsächlich gab es schon an diesem Wochenende die ersten schweren Verletzungen. Wie immer sollten Feuerwerkskörper deshalb nur in regulären Geschäften oder in seriösen, geprüften Online-Shops gekauft werden – der Verkauf dafür startet offiziell am Montag. Selbstgebautes Feuerwerk ist übrigens besonders gefährlich, da die Risiken nicht abschätzbar sind – auch das ist natürlich strafbar.

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Debatte über Böllerverbot geht weiter: Beispiellose Eskalation?

Ärztepräsident Klaus Reinhardt fordert deshalb nun erneut, das individuelle „wilde“ Böllern an Silvester zu verbieten. Niemand habe etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei müsse untersagt werden, sagte Reinhardt laut ZDF. Die Innenminister von Bund und Ländern seien endlich zum Handeln aufgefordert, um die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei zu schützen“, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das habe „nichts mit Verbotskultur zu tun“, sondern zeuge „von der Einsicht einer reifen Gesellschaft, etwas Gefährliches zu lassen“.

Übrigens: Böllern ist auch rund um Fachwerkhäuser und Kirchen verboten, wie hier im Kirschgarten in der Mainzer Altstadt. - Foto: gik
Übrigens: Böllern ist auch rund um Fachwerkhäuser und Kirchen verboten, wie hier im Kirschgarten in der Mainzer Altstadt. – Foto: gik

Reinhardt verwies dabei erneut auf schwere Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper, auf Knalltraumata bei Kinder und Jugendlichen sowie auf Verletzungen am Augen und Verbrennungen. Das sorge für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen, betonte der Ärztevertreter. Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk widersprach umgehend: Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich „praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk“, erklärte der Verband auf AFP-Anfrage.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnte gar vor einer „beispiellosen Eskalation“ in der Silvesternacht und begründete das mit Importen von Silvesterfeuerwerk: Bis September 2025 seien bereits 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper aus dem Ausland importiert worden, das seien 62 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Dabei sprächen sich 59 Prozent der Menschen in Deutschland für ein Verbot (privater) Böller und Raketen an Silvester aus, behauptet die Umwelthilfe – gefragt sei jetzt der Bund für ein Verbot.

 

Mainz setzt weiter auf Appell: Rund um Tierheim „bitte nicht böllern“

Bei der Stadt Mainz betont man deshalb weiter, die Bundesgesetze gäben noch immer weitergehende Verbotszonen für privates Feuerwerk nicht her. „Die aktuelle Gesetzeslage lässt ein generelles Verbot aus Gründen des Tierschutzes leider weiterhin nicht zu“, sagte Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU). Bei dem Thema bestehe Handlungsbedarf, betonte Matz zudem. Feuerwerksverbotszonen gibt es in Mainz aber durchaus, auch wenn sie vielfach missachtet werden. So ist das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie in der Nähe von Fachwerkhäusern oder anderen brandempfindlichen Gebäuden verboten.

Warben Ende 2024 für Ruhe rund ums Tierheim: OB Nino Haase (parteilos, ganz links) mit Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU, 2. von rechts) und Mitarbeitern des Mainzer Tierheims. - Foto: Stadt Mainz
Warben Ende 2024 für Ruhe rund ums Tierheim: OB Nino Haase (parteilos, ganz links) mit Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU, 2. von rechts) und Mitarbeitern des Mainzer Tierheims. – Foto: Stadt Mainz

Festgestellte Verstöße können übrigens mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden, betonte Matz. Ansonsten bleibe der Stadt Mainz nur der Appell an die Menschen – das aber klappte im vergangenen Jahr ausgesprochen gut. Weil insbesondere rund um das Tierheim Mainz, aber auch den Wildpark in Gonsenheim Böllern an Silvester regelmäßig zu dramatischen Ausnahmezuständen für die Tiere sorgte, startete die Stadt 2024 eine groß angelegte Info- und Plakatkampagne – mit Erfolg: Rund um die neuralgischen Spots blieb es zum Jahreswechsel deutlich ruhiger.

Das soll sich dieses Jahr nach Möglichkeit wiederholen: „Wir bitten wir auch in diesem Jahr darum, im Umfeld des Tierheims, des Wild- und Stadtparks auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern zu verzichten, um die dortigen Tiere nicht unnötig mit Lärm zu belasten“, appelliert die Stadt. Denn während die Menschen das Feuerwerk zum Jahreswechsel als Ritual zelebrierten, litten viele Tiere: „Sie erschrecken sich durch den ohrenbetäubenden Lärm, die grellen Blitze und die unbekannten Gerüche häufig so sehr, dass sie bleibende Schäden zurückbehalten und an den Folgen sterben können.“

Erfolgreiche Werbekampagne für Rücksicht auf Tiere

„Auf Plakaten, Bannern, in der Pressearbeit sowie mittels Infoflyern, auf unserer Website und intensiv auch über Social Media haben wir deutlich gemacht, dass die Tiere unseren Schutz benötigen und dass in den Arealen rund um das Tierheim, den Wildpark und den Stadtpark bitte nicht geböllert werden soll“, appellierte auch Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). Auch für dieses Jahr gelte: „Bitte nehmt Rücksicht!“

Die Werbekampagne der Stadt Mainz gegen Böllern rund um Tierheim und Wildpark geht auch 2025 weiter. Foto: Stadt Mainz
Die Werbekampagne der Stadt Mainz gegen Böllern rund um Tierheim und Wildpark geht auch 2025 weiter. Foto: Stadt Mainz

In diesem Jahr werben denn auch erneut das Helle Großsilber Kaninchen „Karla“, Ziegenbock „Der kleine Mann“ und Papagei Rico stellvertretend für die Tiere des Wildparks Gonsenheim und der Anlagen im Stadtpark für Rücksicht. Mit dabei sind auch Hund Grigore und Taube Hedwig aus dem Tierheim in der Zwerchallee, sie alle fordern auf Plakaten und Flyern auf: „Hier nicht böllern!“ Am Jahresende soll zudem die LED-Werbefläche „GIANT MAINZ“ am Alicenplatz mit den Motiven bespielt werden.

„Gemeinsam für einen friedlichen Jahreswechsel – auch für die Tiere. Ein herzliches Dankeschön an alle Mainzerinnen und Mainzer, die im letzten Jahr so viel Rücksicht gezeigt haben“, sagte Denise Kämpfner aus dem Vorstand des Tierschutzvereins Mainz und Umgebung e.V.: „Wenn auch in diesem Jahr rund um unser Tierheim erneut auf Böller verzichtet wird, können sich Zwei- und Vierbeiner gleichermaßen über einen entspannten Rutsch ins Neue Jahr freuen.“

Info& auf Mainz&: Eine Bilanz zur Silvesternacht 2024-2025 könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.