Die Stadt Mainz will noch im April ein Pilotprojekt zum Testen von Kitakindern starten: Geplant sei ein Projekt zu Testungen von Kitakindern an einzelnen Kitas mit ausgewählten Gruppen, teilte die Stadt vergangenen Freitag mit. Man prüfe derzeit unterschiedliche Testmethoden – darunter das Durchführen von Schnelltests durch mobile Profiteams, aber auch den Einsatz sogenannter Lolli-Tests. Die werden in Köln bereits seit dem 8. März in dem Projekt “Kita Testung Köln” (Kiko) eingesetzt. Derweil tobt weiter Streit um eine Testpflicht in Schulen – das Land Hessen führte nun ab dem 19. April eine strikte Testpflicht ein: Ein negatives Testergebnis ist dann für Schüler wie für Lehrkräfte die Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht.

Mit der neuen Virus-Mutante sind die Infektionen bei Kindern stark gestiegen, nun sollen Coronatests in Kitas erprobt werden. - Foto: gik
Mit der neuen Virus-Mutante sind die Infektionen bei Kindern stark gestiegen, nun sollen Coronatests in Kitas erprobt werden. – Foto: gik

Für das Kita-Personal gibt es bereits seit Ende Januar Schnelltests, für Kita-Kinder aber gibt es solche Tests bislang nicht – gerade für kleine Kinder sind die bisher verbreiteten Schnelltests per Rachenabstrich oder Nasenloch-Bohrerei nicht zumutbar. Nun aber kommen Tests per Lolli auf den Markt: Dabei lutschen die Kleinen an einer Art Lutscher und hinterlassen so eine Speichelprobe, die anschließend im Labor ausgewertet und auf das Coronavirus untersucht werden kann – das geschieht sogar mit der hochsensiblen PCR-Methode.

Bislang betonte die Politik stets, Kinder seien von dem Coronavirus nicht gefährdet und würden das Virus auch nicht weitertragen, mit der dritten Welle hat sich das grundlegend geändert: Die neue britische Virus-Mutante B.1.1.7 breitet sich gerade unter Kindern und Jugendlichen stark aus, sogar unter kleinen Kindern gibt es nun Infektionen, die oftmals aber ohne alle Symptome verlaufen. Das macht die Entdeckung der Infektionen und damit auch das Unterbinden von Ansteckungsketten besonders schwierig – auch Kinder, so die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaftler, stecken durchaus andere Kinder und auch Erwachsene an.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Derzeit mehren sich die Meldungen von Eltern, die von ihren Kindern infiziert wurden und zum Teil dann selbst schwer erkranken – die Kinder wiederum steckten sich bei Freunden aus der Schule oder der Kita an. Seit März kommt es so zu einem laut Gesundheitsamt erheblichen Infektionsgeschehen: Seit Anfang Januar seien in der Stadt Mainz und im Landkreis Mainz-Bingen insgesamt 69 Schulen von Corona-Fällen betroffen gewesen, teilte das Gesundheitsamt ganz aktuell am Dienstag mit. In den Schulen habe es sich dabei “fast immer um Einzelfälle gehandelt”, betonte der Leiter des Gesundheitsamtes, Dietmar Hoffmann, weitere Übertragungen seien nur selten gewesen nur selten habe es eine weitere Übertragungen gegeben.

Anders sehe das in Kitas aus, räumte Hoffmann ein: Seit Januar seien in Stadt und Landkreis insgesamt 62 Kitas von Corona-Infektionen betroffen gewesen, teilte das Gesundheitsamt weiter mit, “darunter waren auch einige größere Ausbrüche”, hieß es weiter. Vergangene Woche waren in Mainz 12 Kitas von Corona-Infektionen betroffen, 21 Pädagoginnen und 23 Kinder waren infiziert, weitere 43 Erzieherinnen sowie 226 Kinder in Quarantäne. Aktuell sind den neuesten Angaben zufolge im Landkreis Mainz-Bingen fünf Schulen und acht Kindergärten von Coronavirus-Infektionen betroffen, im Mainzer Stadtgebiet sind es neun Schulen und sieben Kindergärten.  Sowohl in den Schulen als auch in den Kitas sei die britische Mutante B.1.1.7 der vorherrschende Typ

Stadt Mainz entwickelt Modell zur Erprobung von Kita-Tests

Mit Schnelltests gegen die dritte Welle in Schulen - Tests mit der Lolli-Methode werden nun auch bei Kitakindern erprobt. – Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Mit Schnelltests gegen die dritte Welle in Schulen – Tests mit der Lolli-Methode werden nun auch bei Kitakindern erprobt. – Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Nun will die Stadt regelmäßige Tests bei Kita-Kindern erproben: “Wir haben uns entschlossen, ein Projekt zur Testung von Kindern in städtischen Kitas zu starten, weil wir uns bewusst sind, wie wichtig unsere Kitas für die Eltern und für die Kinder sind”, sagte Sozialdezernent Eckard Lensch (SPD) in einer Mitteilung Ende vergangener Woche. Die Tests sollten zusätzliche Sicherheit geben. Ziel sei, so viel Betreuung anbieten zu können wie möglich. “Es muss uns allen bewusst sein, dass sich trotz zahlreicher Maßnahmen Infektionen leider nicht zu einhundert Prozent vermeiden lassen werden”, betonte Lensch.

Für das Kita-Personal arbeite man in Mainz mit der Johanniter Unfallhilfe (JUH) zusammen, die während der Arbeitszeit in den Kitas die Beschäftigten einmal wöchentlich kostenlos teste, sagte Lensch weiter. Inzwischen kämen dazu auch Selbsttests zum Einsatz, alle Testangebote seien freiwillig – das werde auch für die Kinder gelten. Für die prüfe man derzeit unterschiedliche Testmethoden – darunter das Durchführen von Schnelltests durch mobile Profiteams, aber auch den Einsatz sogenannter Lolli-Tests. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte noch am Donnerstag gesagt, Lolli-Tests seien derzeit noch nicht zugelassen.

Kölner Kita-Test-Projekt mit Lollies

Lollitest bei Kita-Kindern: Ausschnitt aus dem Video des Projektes "Kiko Köln". - Foto: gik
Lollitest bei Kita-Kindern: Ausschnitt aus dem Video des Projektes “Kiko Köln”. – Foto: gik

Doch das ist so nicht ganz richtig: Lolli-Tests sind sehr wohl durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen, jedoch derzeit noch nicht zur Eigenanwendung für Laien, sondern nur zur Durchführung durch medizinische Teams. In Köln wurde denn auch schon zum 8. März das Projekt “Kita Testung Köln” (Kiko) gestartet, an 32 Kitas sollten hier vier Wochen lang Tests mit Hilfe der Lolli-Methode durchgeführt werden. Die Kinder wurden dabei zweimal pro Woche getestet, indem sie 30 Sekunden lang an einem Tupfer wie an einem Lolli lutschten – die Auswertung erfolgte in diesem Projekt im Pool, das heißt, alle Proben einer Kitagruppe wurden gemeinsam ausgewertet. Trat dabei ein positives Ergebnis auf, mussten alle Kinder dieser Kita-Gruppe erneut getestet werden.

Die eingesetzt Lolli-Methode sei im Institut für Virologie der Uniklinik Köln entwickelt und validiert worden, heißt es auf der Homepage des Projektes weiter: Die Methode könne ab einer gewissen Viruslast mit einer Sensitivität von 95 Prozent SARS-CoV-2 Infektionen entdecken. Das Projekt war zunächst auf vier Wochen angelegt, Ergebnisse hat die Stadt Köln bisher noch nicht vorgestellt.

Rheinland-Pfalz: Einhelliges Drängen auf Testpflicht

Für Streit sorgt derweil, dass sich Rheinland-Pfalz bislang weigert, bei den Selbsttests in Schulen eine Testpflicht einzuführen – Schulleiter berichten von höchst unterschiedlicher Teilnahme, die stellenweise ganze 40 Prozent betrage. Man setze erst einmal auf Freiwilligkeit, wiegelte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPED) noch Ende vergangener Woche ab. Derweil fordern neben den Gewerkschaften GEW, VBE und dem Philologenverband inzwischen auch die Schüler selbst eine Testpflicht: Die Landeschülervertretung sprach sich vergangene Woche ebenfalls für eine Testpflicht für Schüler und sämtliches schulisches Personal aus.

Ohne Test kein Unterricht: Das gilt ab kommender Woche in Hessen. - Foto: Mainz&
Ohne Test kein Unterricht: Das gilt ab kommender Woche in Hessen. – Foto: Mainz&

“Ich schütz dich und du schützt mich. Aber das funktioniert nicht, wenn sich nicht alle testen lassen und dann unerkannte Corona positive Menschen mit im Unterricht sitzen”, kritisierte Landesvorstandsmitglied Colin Haubrich – und schließlich sei auch die Maskenpflicht zum erfolgreichen Instrument in der Pandemiebekämpfung geworden. “Eine Testpflicht ist in den Augen der LSV nicht nur vertretbar, sondern unabdingbar”, betonte Haubrich. Mittelfristig müsse aber eine Lösung zur Durchführung dieser Tests gefunden werden, die nicht auf Kosten der Unterrichtszeiten gehe und dennoch korrekte und zuverlässige Ergebnisse liefere.

In Hessen Testpflicht an Schulen: Voraussetzung für Präsenzunterricht

Hessen führt derweil nun ebenfalls eine Testpflicht für Schüler ein: Nach dem Ende der Osterferien ab dem 19. April werde der Präsenzunterricht in Hessen durch eine Testpflicht abgesichert, teilte Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) mit. Das sei die Konsequenz aus den weiter steigenden Infektionszahlen insbesondere durch die neue Virusmutante. Ab dem 19. April werde demnach ein negatives Testergebnis der Schüler sowie der Lehrkräfte Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht. “Die Testverpflichtung ist derzeit unerlässlich für einen sicheren Schulbetrieb”, betonte Lorz. Darin hätten ihn auch die Rückmeldungen der Pilot-Schulen, die den Ablauf der Selbsttests vor den Osterferien erprobt hätten, bestätigt.

Die Schüler und Lehrkräfte können für den Nachweis zwischen einem kostenfreien Bürgertest außerhalb der Schule oder den ebenfalls kostenfreien Antigen-Selbsttests in der Schule wählen, der Nachweise darf aber nicht älter als 72 Stunden sein. Wer keinen Test vorweisen könne oder diesen nicht in der Schule mache, müsse zu Hause im Distanzunterricht beschult werden. Nach den Osterferien werden zudem in Hessen die Schulen nicht wieder komplett in den Präsenzunterricht zurückkommen wie in Rheinland-Pfalz: Die Jahrgangsstufen 1 bis 6 werden weiterhin im Wechselunterricht, die Jahrgänge ab Klasse 7 im Distanzunterricht und die Abschlussklassen im Präsenzunterricht beschult.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Kölner Testprojekt Kiko in Kitas könnt Ihr hier im Internet nachlesen. Aerosolforscher warnten gerade, die große Gefahr für eine Corona-Infektion lauere in den Innenräumen – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

Werbung

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein