Wie sich das Bild ändern kann: Über Nacht haben die Mainzer die Maskenpflicht in die Tat umgesetzt, am Montagmittag trugen in der Innenstadt und in den dort fahrenden Bussen nahezu 100 Prozent der menschen einen Mund-Nasen-Schutz. Am Samstag war das noch komplett anders gewesen: maximal zehn bis 20 Prozent der Einkaufenden hielt eine Schutz vor Mund und Nase zur Eindämmung der Corona-Pandemie für nötig. Kaum war die neue Regel erlassen, war praktisch kein Gesicht mehr unbedeckt – getragen werden muss die Maske seit diesem Montag beim Einkaufen, in Geschäften, in Bussen und Bahnen – und neuerdings auf dem Wochenmarkt. Wie sinnvoll das ist, zeigt eine Simulation des SWR.

Mainzer Fußgängerzone, Tag 1 der Maskenpflicht: funktioniert. - Foto: gik
Mainzer Fußgängerzone, Tag 1 der Maskenpflicht: funktioniert. – Foto: gik

Vergangene Woche wurde noch geschimpft und protestiert, an diesem Montag hingegen sind sie auf einmal allgegenwärtig: Bunte Masken, einfache Masken, stylische, medizinische. Die Kunden in den Geschäften, die Verkäuferin, die Fahrgäste im Bus – Masken, wohin man sieht. Am Tag 1 der Maskenpflicht in Rheinland-Pfalz halten sich die Menschen in Mainz zu beinahe einhundert Prozent an das neue Gebot. „Das sind jetzt halt die Regeln“, sagt einer, und zuckt mit den Achseln, „die Politik wird sich was dabei gedacht haben.“

Am Wochenende sah das in den Mainzer Geschäften und auf dem Mainzer Wochenmarkt noch ganz anders aus: Kaum ein Kunde hielt es für nötig, einen Mund-Nasen-Schutz gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu tragen, nicht einmal das Verkaufspersonal war mit Masken ausgestattet. „Ist doch erst ab Montag“, sagt ein junger Mann in einem Supermarkt. Dass sich das Virus nicht an Wochentage halten könnte, der Mann zuckt mit den Schultern. Masken stelle der Betreiber eben erst ab Montag zur Verfügung. Am Mittwoch hatte das Land Rheinland-Pfalz ebenfalls eine Maskenpflicht eingeführt, die fünf Tage Vorbereitungszeit reichten offenbar aus: In der Mainzer Innenstadt ist kein Passant mehr ohne Maske unterwegs. Was vor einer Woche noch höchstens zu zehn Prozent gelang, nun, mit dem Verbot klappt es reibungslos.

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Einkaufen nur noch mit Maske: Die Geschäfte in Mainz setzten das rigoros um. - Foto: gik
Einkaufen nur noch mit Maske: Die Geschäfte in Mainz setzten das rigoros um. – Foto: gik

„Hallo“, ruft die Verkäuferin am Eingang des Kaufhof dem Kunden hinterher, „bitte setzen Sie einen Mundschutz auf!“ Der Mann kramt grummelnd in seinem Rucksack nach der Maske, er hatte es offenbar vergessen. Viele tragen chirurgische Einwegsmasken, viele aber auch bunte Stoffmasken in den verschiedensten Designs, manch einer nutzt es als Statement, um sich als Fußfallfan zu outen oder auch als Fastnachter. Hin und wieder behilft sich jemand mit einem Schal oder einem Tuch, auch das ist ausdrücklich erlaubt.

Im Geschäft nebenan lenken sie die Kunden mit Pfeilen durch den Laden, die Kassiererinnen sind hinter großen Plexiglaswänden geschützt. Masken trägt aber auch hier jeder, „es kommt ja auch keiner ohne Maske rein“, sagt die Kassiererin resolut. Vor der Tür am Höfchen warten die Fahrgäste an der Bushaltestelle, die Maske griffbereit. Maskenträger bevölkern die Busse, ein Kind ohne Maske fällt da schon richtig auf. Nur ein einsamer Fahrgast sitzt mit unbedecktem Gesicht da – vielleicht gehört er zu der Gruppe Menschen, die von einer Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen ausgenommen sind. Vielleicht hat er es auch einfach nur nicht mitbekommen.

Anzeigen an den Haltestellen weisen auf die Maskenpflicht im ÖPNV hin. - Foto: gik
Anzeigen an den Haltestellen weisen auf die Maskenpflicht im ÖPNV hin. – Foto: gik

Wobei das schwer fällt zu glauben: „Maskenpflicht“ steht groß auf allen Anzeigen der an allen Haltestellen, schwer, das zu übersehen. 1.500 Schutzmasken hatte die Mainzer Mobilität am Montagfrüh an zentralen Haltestellen im Stadtgebiet für ihre Fahrgäste ausgegeben, die Aktion des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) sei sehr gut angekommen, hieß es. „Sie wurden uns nicht aus den Händen gerissen, denn die meisten Leute hatten ihre Masken schon dabei“, sagte ein Sprecher am Nachmittag Mainz&.

Im Hauptbahnhof ist entspannter Betrieb, hin und wieder kommt ein Nahverkehrszug an, nicht alle Fahrgäste steigen mit einer Maske aus dem Zug. Die Bahnhofsmitarbeiter schreiten nicht ein – in Rheinland-Pfalz wird in der ersten Woche nur kontrolliert, nicht verwarnt. Der Dönermann hat seine Maske am Kinn hängen, im Kiosk plaudert ein Mann lautstark mit einer zweiten Person – eine Maske ist nicht in Sicht. Doch das sind die wenigen Ausnahmen. „Masken, Desinfektionsmittel, wieder zu haben!“, steht an der Apotheke. Deutschland ist Masken-tauglich gerüstet.

Datensimulation Ansteckungsgefahr während und nach dem Lockdown. - Grafik: SWR data
Datensimulation Ansteckungsgefahr während und nach dem Lockdown. – Grafik: SWR data

Der Schutz vor Mund und Nase soll vor allem dafür sorgen, dass die Tröpfchen beim Sprechen, Husten oder Niesen aus dem eigenen Mund zurückgehalten werden, und nicht andere infizieren können. Die Tröpfcheninfektion gilt inzwischen als der wichtigster Verbreitungsweg für das hochansteckende Coronavirus, das Tragen von Masken gerade in engen Räumen soll diesen Verbreitungsweg stoppen helfen. Wie notwendig das ist, zeigen Daten der Firma Hystreet, die mittels Laser-Messgeräten die Kundenfrequenz in Innenstädten misst. Und danach zeigt sich: Mit dem Tag der Wiederöffnung der Läden am 21. April strömten die Menschen tatsächlich zurück in die Innenstädte.

132 Prozent der üblichen Einkaufsfrequenz registrierte Hystreet gar am ersten Dienstag nach dem Lockdown, für die Mainzer Innenstadt, wie Grafiken des Südwestrundfunks zeigen, an den Tagen danach pendelte sich der Besuch zwischen 70 und 80 Prozent der üblichen Besucherfrequenz ein – damit besuchen bereits fast drei Viertel der Mainzer wieder die Innenstadtläden so, wie vor dem Lockdown – vor der Wiederöffnung hatte die Kundenfrequenz lediglich bei 40 bis maximal 50 Prozent gelegen. Die Mainzer Innenstadt war also auch zu Lockdownzeiten nie wirklich verwaist, jetzt aber kehrte sie fast schon zum Normalzustand zurück.

Ansteckungsrate von Infizierten mit dem Coronavirus mit und ohne Maske. - Grafik: SWR data
Ansteckungsrate von Infizierten mit dem Coronavirus mit und ohne Maske. – Grafik: SWR data

Die Datenanalyse des SWR zeigt aber auch, wie gefährlich dieser stark erhöhte Betrieb ist: Durch die gut gefüllten Fußgängerzonen erhöht sich das Ansteckungsrisko der Menschen untereinander erheblich, weil die Distanzräume einfach wieder wegfallen. In den vergangenen Tagen war zunehmend zu beobachten, dass wieder weniger Abstand gehalten wird, genau das aber erhöhe die Infektionsgefahr wieder erheblich, zeigt eine Datensimulation. Tragen hingegen die Menschen Masken, um andere vor den eigenen Tröpfchen und Viren zu schützen, ist das Ansteckungsrisiko deutlich geringer als ohne Maske, so die Simulation weiter.

Welchen Effekt die Maskenpflicht tatsächlich hat, werden die Infektionszahlen erst in ein bis zwei Wochen wiedergeben – so lange dauert es, bis sich neue Infektionen in der Statistik bemerkbar machen. Dass es notwendig ist, unterstrich das Robert-Koch-Institut bereits am Montag: Eine Woche nach den ersten Lockerungen des Shutdowns ist die Reproduktionsrate in Sachen Coronavirus wieder auf den Wert von 1,0 gestiegen. Damit steckt nun wieder ein Infizierter im Schnitt einen weiteren an – das aber bedeutet: die Zahl der Neuinfektionen sinkt nicht weiter, die absoluten Zahlen stiegen am Montag im Gegenteil wieder leicht an. Am frühen Dienstagmorgen zählte die Johns Hopkins Universität insgesamt 158.758 Infizierte in Deutschland – und mit 6.126 erstmals mehr als 6.000 Tote durch das neuartige Coronavirus.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Maskenpflicht in Rheinland-Pfalz, was gilt und was nicht, lest Ihr hier auf Mainz&, warum auch Virologen inzwischen das Tragen einer Maske befürworten, und welche Studien es dazu gibt, lest Ihr hier bei Mainz&. Die Datenanalyse des SWR zu Ansteckungsraten, Masken und Innenstädten findet Ihr hier im Internet. Alle Informationen, Meldungen und Hintergründe zur Coronavirus Epidemie findet Ihr weiter auf unserer Sonderseite „Alles zum Coronavirus“ genau hier bei Mainz&.

 

 

 

 

 

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