Auch in Mainz bangen viele Ukrainer derzeit um das Leben von Verwandten und Freunden in der Ukraine, eine davon ist Tatjana aus Gonsenheim. Seit 1997 lebt sie hier, doch ihre Familie lebt in Chernihiv im Norden der Ukraine – und genau diese Stadt wurde gerade vor einem Tag heftigen Bombenangriffen durch die russischen Truppen ausgesetzt. Nun sammelt auch Tatjana Windeln, Babynahrung und Lebensmittel für die Menschen in der Ukraine – wie so viele derzeit in Mainz. Das Bündnis Mainzer Hilfsaktionen hat bereits 160 Tonnen Hilfsgüter Richtung Ukraine auf den Weg gebracht, Spenden werden gesammelt mit Hilfe von Fastnachtsorden und sogar die altägyptische Götting Isis hilft mit.

Bericht eines Journalisten der französischen Nachrichtenagentur AFP über Zerstörungen in Chernihiv in der Ukraine. - Screenshot: gik
Bericht eines Journalisten der französischen Nachrichtenagentur AFP über Zerstörungen in Chernihiv in der Ukraine. – Screenshot: gik

Der Krieg in der Ukraine wird mit jedem Tag bitterer und grausamer, angesichts des stockenden Vormarsches der Bodentruppen haben die russischen Truppen begonnen, wahllos die großen Städte im Land zu bombardieren – weder Krankenhäuser noch Kinderheime oder einfach Wohnblöcke werden verschont. „Die Lage ist sehr schlimm“, sagte Tatjana: „Es gibt noch mehr Tote, es wird alles zerstört“. Auch das Haus ihrer Eltern, ein Plattenbau in Chernihiv wurde inzwischen von Bomben schwer beschädigt, ihre Eltern hatten sich in einen benachbarten Keller geflüchtet – „einen Keller haben sie in ihrem Haus nicht, sie stehen im Treppenhaus oder legen sich in die Badewanne“, berichtete die Mainzerin.

Tatjana lebt mit ihrem Sohn seit 1997 in Mainz, ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen – und natürlich ist die Sorge um ihre Eltern riesig. Die seien nun bei ihrem Stiefsohn untergekommen, die Versorgungslage ist unklar. „Die Banken sind zu, die Läden sind ein oder zwei Stunden offen – es wird immer wieder geschossen“, berichtete Tatjana. Die Region droht zunehmend abgeschnitten zu werden –  dass ihre Eltern aus der Stadtherauskommen, ist unwahrscheinlich: „Es ist viel zu gefährlich, jetzt einfach loszufahren“, berichtet sie. Chernihiv liegt genau an der Straße von der ukrainischen Hauptstadt Kiew in Richtung der belarussischen Grenze, es ist exakt die Linie, auf der Konvoi der russischen Truppen in die Ukraine hinein zu gelangen versucht.

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Spenden sortieren für die Ukraine: Helfer packen bei Tatjana (2. von links) mit an. - Foto: gik
Spenden sortieren für die Ukraine: Helfer packen bei Tatjana (2. von links) mit an. – Foto: gik

Am Wochenende organisierte auch Tatjana Hilfsgüter für die Menschen in der Ukraine, sortierte gesammelte Windeln, Babynahrung und warme Pullover in Kisten und Kartons. Es ist vor allem das Bedürfnis, irgendwie zu helfen, dass derzeit so viele Mainzer umtreibt – die Güter in die Ukraine zu bekommen, ist die größte Herausforderung. „Wir haben inzwischen drei Transporter mit 106 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg geschickt“, berichtete am Sonntag Behrouz Asadi, Flüchtlingskoordinator der Mainzer Malteser gegenüber Mainz&. Darunter seien auch tonnenweise Antibiotika, Schmerzmittel und Infusionsmittel gewesen, die die Mainzer Universitätsmedizin für den Einsatz in der Ukraine bereit stellte.

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„Diese Sachen gehen direkt in Krankenhäuser, zunächst im Westteil des Landes, und von dort nach Möglichkeit weiter in den Osten“, berichtete Asadi – er selbst war vergangene Woche mit einem Transport an die polnisch-ukrainische Grenze nach Maydka gefahren. „Wir wollten wissen, wo die Spenden landen und die Sicherheit haben, dass sie gut ankommen“, sagte Asadi, und das sei auch der Fall: Eine Bürgerinitiative aus Ukrainern organisiere von der Grenze den Transport in die Ukraine, das habe reibungslos funktioniert, berichtete er.,

Behrouz Asadi (rechts) beim Entladen eines Transportes mit Hilfsgütern an der polnischen Grenze. - Foto: Mombach hilft
Behrouz Asadi (rechts) beim Entladen eines Transportes mit Hilfsgütern an der polnischen Grenze. – Foto: Mombach hilft

An der Grenze gebe es mehrere Organisationen, die Essen anböten und Zelte für die Geflüchteten bereitstellten, berichtete auch Asadi – die Organisation ist gut. Doch die Menge der Menschen, die aus der Ukraine flüchten, ist weiter groß, fast 1,5 Millionen Menschen sind nach Schätzungen von Hilfsorganisationen bereits aus dem Land geflüchtet, darunter allein 800.000 nach Polen. „Die Menschen sind total verzweifelt, diese Sache wird uns noch jahrelang begleiten“, fürchtet Asadi. Die Fliehenden seien vor allem Mütter und Kinder, viele zutiefst traumatisiert von den schrecklichen Bombenangriffen und Erlebnissen des Krieges. Auch viele unbegleitete Minderjährige kämen allein in den Westen – weil ihre Eltern zurückbleiben und für ihre Land kämpfen wollen.

Und so werden Not und Leid auch in den nächsten Wochen nicht abebben, es würden deshalb weiter Hilfsgüter gesammelt, betonte Asaid. „Gebraucht werden Hygieneartikel, Babynahrung, Taschenlampen, Schlafsäcke und Isomatten, dazu medizinische Güter wie Schmerzmittel, Antibiotika, aber auch Heizlüfter“, sagte er. Angenommen werden die Spenden derzeit weiter am Haus der Kulturen an der alten Portland in Mainz-Weisenau, und zwar täglich zwischen 14.00 Uhr und 18.00 Uhr, „Es sind weitere Transporte geplant“, sagte Asadi, und betont zugleich: Angenommen werden KEINE Kleidung und keine Schuhe, die Spenden sollten bitte vorsortiert und gut verpackt und beschriftet sein.

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Schon an Rosenmontag rollte ein erster Lkw mit Hilfsgütern Richtung polnisch-ukrainische Grenze. - Foto: Mombach hilft
Schon an Rosenmontag rollte ein erster Lkw mit Hilfsgütern Richtung polnisch-ukrainische Grenze. – Foto: Mombach hilft

In Mainz hatte sich bereits am 1. März eine Gruppe von Vereinen zu einem Hilfsbündnis für die Ukraine zusammengeschlossen, dazu gehören neben den Maltesern auch der Ukrainische Verein in Mainz und die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft. Das Ziel: Die Hilfsbereitschaft und die Spenden zu kanalisieren und gemeinsam in größeren Transporten zielgerichtet in die Ukraine zu bringen. „Wir danken jeden einzelnem, der uns bis heute und vielleicht auch weiterhin unterstützt – sei es mit Sachspenden, Geldspenden, Zeit und Tatkräftiger Hilfe oder auch nur mit lieben Worten“, teilte das Bündnis am Wochenende mit: „Wir werden diesen Zuspruch auch in den nächsten Wochen brauchen.“

Denn in den nächsten Tagen und Wochen werden nun verstärkt Geflüchtete aus der Ukraine nach Mainz kommen, am Samstag kamen allein rund 120 Ukrainer neu in die Aufnahmeeinrichtung des Landes in Speyer – die Menschen, die bei Familien oder Freunden untergebracht werden, sind da gar nicht mitgezählt. In Mainz werden deshalb nun Spenden gerade zur Versorgung derjenigen gesammelt, die es demnächst hierher verschlägt. Die Initiative Römisches Mainz startete dazu am Samstag eine Sammel- und Spendenaktion, speziell für Frauen und Kinder, die jetzt nach Mainz kommen.

„Wir haben entschieden, 600 Stadtpläne zu spenden, auf denen die römischen Fundstellen  in Mainz sichtbar sind“, sagte IRM-Vorsitzender Christian Vahl gegenüber Mainz&. Die Stadtpläne hätten normalerweise einen Wert von 5,- Euro pro Stück, abgegeben werden sie nun für eine Spende, deren Höhe man sich aussuchen kann. Das sei bewusst so gewählt, damit auch Menschen mit einem kleinen Geldbeutel, die helfen wollten, die Möglichkeit dazu hätten, sagte Vahl – in 90 Minuten seien am Samstag so 270 Euro zusammengekommen.

Römische Stadtpläne gegen Spenden: Aktion der Initiatives Römisches Mainz am Wochenende. - Foto: Vahl
Römische Stadtpläne gegen Spenden: Aktion der Initiatives Römisches Mainz am Wochenende. – Foto: Vahl

Zu bekommen sind die Stadtpläne gegen Spenden auch weiterhin im Isis-Heiligtum unter der Römerpassage, das sei auch durchaus passend, sagte Vahl weiter: Schließlich sei die altägyptische Göttin Isis die Göttin der Hoffnung gewesen, die mit ihren Tränen Flüsse füllen und ganze Landstriche wieder fruchtbar machen könne. „Das Isis-Heiligtum kann deshalb als Ort der Hoffnung ein guter Ausgangspunkt für eine solche Spendenaktion sein“, sagte Vahl.

Und auch die Mainzer Fastnacht ist weiter pro Ukrainehilfe aktiv: Nach der Meenzer Jägergarde verkauft nun auch der Mainzer Carneval Verein (MCV) Fastnachtsorden zugunsten von Hilfe für die Flüchtlinge aus der Ukraine. Der MCV stelle deshalb seinen Kampagneorden, der zum 5×11. Geburtstag des Mainzer Fastnachtsbrunnens gestaltet wurde, nun für den Kauf zur Verfügung, sagte MCV-Präsident Reinhard Urban am Sonntag: Der Orden könne als Andenken an die Kampagne 2022 und vor allem als Zeichen der Solidarität mit den Ukrainern in der Geschäftsstelle des MCV erworben werden.

Der Herrenorden kostet 44,- Euro, der Damenorden ist für 33,- Euro zu haben, über Geldbeträge, die zusätzlich eingehen, kann eine Spendenquittung ausgestellt werden. „Der Gesamterlös aus dieser Aktion wird in vollem Umfang für die Flüchtlingshilfe in den genannten Grenzregionen gespendet“, betonte Urban. Der Mainzer Carneval-Verein drücke damit „seine Überzeugung aus, dass sich Solidarität in dieser humanitären Extremsituation nicht nur auf Demonstrationen und verbale Bekenntnisse beschränken darf.“

Info& auf Mainz&: Kontakt zur Geschäftsstelle des MCV mit ihren Öffnungszeiten findet Ihr hier im Internet. Mehr zum Bündnis Mainzer Vereine in der Hilfe für die Ukraine lest Ihr auch hier bei Mainz&.  In dem Text findet Ihr auch die Informationen zum Ordens-Kauf der Meenzer Jägergarde zugunsten der Ukrainehilfe. Mehr dazu, welche Spenden derzeit in Mainz für die Ukraine gesammelt werden, und wo Ihr sie abgeben könnt, findet Ihr nun auch hier auf der neu eingerichteten Internetseite der Mainzer Malteser.

 

 

 

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