Zeitenwende im öffentlichen Nahverkehr in Mainz: Die Mainzer Mobilität schafft den Ticketkauf mit Bargeld in ihren Bussen und Straßenbahnen ab. Ab dem ersten Quartal 2022 soll in allen Bussen und Straßenbahnen der Bargeldverkauf durch bargeldloses Zahlen ersetzt werden. Das bringe erhebliche Vorteile, heißt es bei dem Unternehmen – unter anderem bei Pünktlichkeit und Sicherheit. Fahrgäste ohne eigenes Bankkonto oder E-Karten-Unwillige haben trotzdem nicht das Nachsehen: Ab Mitte November gibt es eine Prepaid-Bezahlkarte. Die ersten Tests in den Fahrzeugen sollen ebenfalls jetzt anlaufen.

Die Mainzer Mobilität stellt ihren Ticketverkauf komplett auf bargeldlose Automaten um, hier die Unternehmenschefs bei der Vorstellung. - Foto: Mainzer Mobilität
Die Mainzer Mobilität stellt ihren Ticketverkauf komplett auf bargeldlose Automaten um, hier die Unternehmenschefs Jochen Erlhof und Berit Schmitz bei der Vorstellung. – Foto: Mainzer Mobilität

Im Mai hatte die Mainzer Mobilität den Einbau von Fahrkartenautomaten in den Straßenbahnen angekündigt: Bis Jahresende sollten eigentlich alle 41 Straßenbahnen mit modernen Fahrtkartenautomaten ausgerüstet sein, schon das war als Einstieg in den bargeldlosen Ticketverkauf gedacht – ein wichtiger Schritt in Sachen Öffentlicher Nahverkehr: Fahrkartenautomaten gibt es kaum noch, und wenn sind sie oft anfällig für Ausfälle.

Nun geht die Mainzer Mobilität noch einen Schritt weiter: Künftig werde auch in allen Bussen “der bargeldlose Vertrieb möglich sein”, teilte das städtische Unternehmen nun mit, dahinter steckt allerdings mehr als ein “möglich”: Ziel sei es, im ersten Quartal 2022 in den Fahrzeugen der Mainzer Mobilität den Bargeldverkauf durch bargeldloses Zahlen zu ersetzen, heißt es weiter. Damit bricht im kommenden Jahr eine neue Zeit im Öffentlichen Nahverkehr in Mainz an: Statt mit Bargeld beim Fahrer, zahlt der Kunde künftig ausschließlich mit Plastikgeld – wer eine Fahrkarte im Bus oder in der Straßenbahn ziehen will, braucht eine EC-Karte oder eine Alternative.

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So sehen die neuen Ticketautomaten der Mainzer Mobilität aus. - Foto: Mainzer Mobilität
So sehen die neuen Ticketautomaten der Mainzer Mobilität aus. – Foto: Mainzer Mobilität

Die Alternative sollte eigentlich schon im Laufe des Sommers eingeführt werden, nun soll sie im November kommen: Ab Mitte November werde man eine Prepaid-Bezahlkarte anbieten, mit der Fahrkarten an den Automaten sowie in den Straßenbahnen und den Bussen beim Fahrpersonal erworben werden können. Damit könnten auch Fahrgäste ohne eigenes Bankkonto, wie etwa Kinder, künftig bargeldlos zahlen, betont die Mainzer Mobilität. Die Prepaid-Karte ist im Verkehrs-Center der Mainzer Mobilität am Hauptbahnhof erhältlich, auf ihr kann dann zunächst vor Ort ein Guthaben auf die Bezahlkarte gebucht werden, auch sein aktuelles Guthaben kann man dort abfragen. Das wolle man allerdings dann auch zeitnah online ermöglichen.

Es gebe einen starken Trend zum bargeldlosen Zahlen, das zeige sich auch an den Fahrscheinautomaten und im Verkehrs Center, begründet die Mainzer Mobilität ihren radikalen Umbau-Schritt. Das bargeldlose Zahlen bringe erhebliche Vorteile:

  • Verbesserung der Pünktlichkeit durch kürzere Standzeiten an den Haltestellen
  • Besserer Infektionsschutz für Fahrgäste und Fahrpersonal (Reduzierung von Kontakten)
  • Bequemer, schneller und moderner Zahlungsvorgang für Fahrgäste
  • Höhere Sicherheit für das Fahrpersonal durch Wegfall des Bargeldbestands
  • Reduzierung der administrativen und monetären Aufwände durch die wegfallende Bargeldverarbeitung
Bus der Mainzer Mobilität. - Foto: gik
Bus der Mainzer Mobilität. – Foto: gik

So die Argumentation der Mainzer Mobilität. Tatsächlich ist das bargeldlose Zahlen in anderen europäischen Ländern längst Standard, in Schweden etwa sind E-Tickets längst Normalzustand, beim Betreten des Busses wird das elektronische Ticket auf dem Handy – oder eben die Prepaid-Karte – einfach an einen Scanner gehalten. Die lästige Suche nach einem Ticketautomaten oder einer Verkaufsstelle entfällt ebenso wie das Suchen nach Kleingeld oder die umständliche Studie der verschiedenen Ticketkategorien – das ist auch für Touristen eine Erleichterung.

Im November werde nun in den Bussen der Mainzer Mobilität ein Testbetrieb auf sechs Fahrzeugen starten, teilte die Mainzer Mobilität weiter mit: “Fahrgäste erkennen die Fahrzeuge an einem Aufkleber, der im Bereich des Fahrscheindruckers beim Fahrpersonal angebracht ist.” In den Bussen können Fahrscheine dann beim Fahrpersonal per EC-Karte, Kreditkarte, Prepaid-Bezahlkarte und kontaktlosen Handyzahlungssystemen erworben werden. Für eine begrenzte Zeit sei dann aber auch weiterhin die Zahlung mit Bargeld möglich.

Fahrscheinverkauf beim Fahrer - in Mainz künftig nicht mehr mit Bargeld. - Foto: rmv
Fahrscheinverkauf beim Fahrer – in Mainz künftig nicht mehr mit Bargeld. – Foto: rmv

Auch die Straßenbahnen sollen nun endgültig mit leicht bedienbaren und rein bargeldlosen Fahrkartenautomaten ausgestattet werden, verspricht das Unternehmen weiter – eigentlich hatte das schon im Sommer passiert sein sollen. Bisher seien bereits drei Straßenbahnen mit der neuen Technik ausgestattet, teilte die MM weiter mit, wegen der aktuell noch laufenden internen Tests sei auf diesen umgebauten Straßenbahnen aber derzeit noch kein Fahrscheinverkauf möglich. Fahrgäste würden gebeten, vor Fahrtantritt einen gültigen Fahrschein oder Handy Ticket via MM-App zu kaufen.

Im November starte in diesen Straßenbahnen ein mehrwöchiger, öffentlicher Testbetrieb, dann könnten die Fahrgäste Fahrscheine an den drei Automaten erwerben. Anschließend wolle man schrittweise mit dem Umbau aller weiteren Straßenbahnen beginnen, nach aktuellem Planungsstand sollen die Umbauarbeiten nun Anfang 2022 abgeschlossen sein.

Mit Inbetriebnahme der Automaten entfalle dann aber in den Straßenbahnen der Fahrscheinverkauf beim Fahrpersonal, betont die MM, und weist darauf hin: Fahrscheine kann man auch über die App der Mainzer Mobilität kaufen, hier stünden nicht nur die regulären Tickets, sondern auch die Sammelkarten zum Kauf. Steigende Nutzendenzahlen bestätigten hier die leichte Bedienbarkeit und den Komfort, heißt es bei der Mainzer Mobilität weiter. An allen anderen rund 90 Servicepunkten in der Stadt – also an Automaten, in den Vorverkaufsstellen sowie im Verkehrs Center am Hauptbahnhof – erhalten Kunden aber auch weiterhin Fahrscheine gegen Bargeld.

Info& auf Mainz&: Alle Infos zu Tickets und Fahrplänen der Mainzer Mobilität findet ihr hier im Internet, unseren Artikel zu den Fahrscheinautomaten in den Straßenbahnen vom Mai könnt Ihr hier noch einmal nachlesen.

3 KOMMENTARE

  1. Sachde, schade…
    Mensch wollte immer Busfahrer werden: Ein großes Auto fahren und immer die Taschen voller Geld haben! 🙂
    Das ist jetzt vorbei – schei… Digitalisierung.
    Mensch fragt sich, ob der der Homo sapiens der ja den Neandertaler assimilierte, nun audgleichend vom Digitaler ebenso assimmiliert werden wird.

  2. jetzt können ältere menshen keen bus mehr fahren da sie keine ec karte haben ud handy sowieso kaum also muss ich in zukunft nach mainz laufen das ist eine diskriminierung von menschen die wenig haben

    • Das ist schlicht Unsinn: NATÜRLICH haben ältere Menschen EC-Karten – das ist doch Schwachsinn! Mein 99 Jahre alter Vater hat selbstverständlich eine EC-Karte. Und eine Kreditkarte. UND kann sie benutzen. Und eine Prepapid-Karte kann nun wirklich jede und jeder benutzen: Im Center mit Geld aufladen und fertig. Das schafft ja nun echt jeder.

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