Am Mittwoch jährt sich der Tag der Eröffnung der Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen nun schon bereits zum neunten Mal, für Anwohner gerade auch in Mainz bedeutet das: Neun Jahre Fluglärm, kaum noch benutzbare Gärten und Balkone, schlaflose Nächte und hohe Luftverschmutzung. Das Bündnis der Bürgerinitiativen „Kein Flughafenausbau – Für ein Nachtflugverbot“ ruft zum 9. Jahrestag erneut zum Protest auf – und fordert ein energisches Umsteuern von der Hessischen Politik: Es brauche eine Korrektur der bisherigen Flughafenpolitik mit Reduzierung statt weiterem Wachstum des Luftverkehrs, einen Verzicht auf Kurzstreckenflüge – und einen Baustopp für das Terminal 3.

Neun Jahre Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen. - Foto: Fraport
Neun Jahre Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen. – Foto: Fraport

Am 21. Oktober 2011 wurde die neue Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen von Betreiber Fraport mit Pomp, Trompeten und Ehrengast Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeweiht, neun Jahre und mehr als 300 Montagsdemos später kämpft die Region immer noch gegen die Bahn, die ganzen Teilen der Region erheblich mehr Fluglärm brachte. Der Bau der Nordwestlandebahn löste die größte und am längsten andauernde Protestbewegung in der Bundesrepublik aus. „300.000 Menschen in der Region leben unter einem Lärmteppich, kritisierte Thomas Will (SPD), Landrat des Kreises Groß-Gerau bei der 300. Montagsdemo im November 2019, „die Region wird unbewohnbar, und dagegen müssen wir uns wehren.“

Nicht die Politik und nicht Fraport – es war die Corona-Pandemie, die die regelmäßigen Montagsdemos am Frankfurter Flughafen einstweilen stoppte, doch zum 9. Jahrestag soll wieder protestiert werden: Das Bündnis der Bürgerinitiativen ruft für den 21. Oktober um 17.00 Uhr vor der Paulskirche in Frankfurt zum Protest unter dem Motto auf: „Schluss mit Flughafenausbau! Schluss mit Klimazerstörung und Umweltzerstörung!“ Die Belastungen, die der Ausbau des Flughafens für die Anwohner des Flughafens in Frankfurt
und in der gesamten Region mit sich gebracht hätten, seien „bis heute ein ungelöstes
Problem von enormer Bedeutung und höchster Dringlichkeit“, betonen die Fluglärmgegner.

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Protest bei der 300. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen seit Eröffnung der Nordwestlandebahn im November 2019. - Foto: gik
Protest bei der 300. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen seit Eröffnung der Nordwestlandebahn im November 2019. – Foto: gik

„Fliegen ist das umweltfeindlichste Verkehrsmittel mit ganz besonders klimaschädlichen Auswirkungen“, heißt es im Demoaufruf weiter. Doch alle Maßnahmen zur spürbaren Reduzierung von Fluglärm und Schadstoffen hätten sich in den vergangenen Jahren „letztlich als wirkungslos erwiesen oder als substanzlose Versprechungen, denen nach nunmehr 9 Jahren keiner mehr glaubt.“ In den neuen Luftreinhaltungsplänen in Hessen und ebenso bei allen Klimazielen „wird der Luftverkehr nahezu ausgeblendet“, kritisieren die Aktivisten.

Zudem habe gerade auch die Coronakrise gezeigt, „dass das Bild vom Flughafen als ‚Herzmuskel für die Wirtschaft‘ und die Behauptung, er sei unverzichtbare und tragende Säule für den den Wohlstand der Stadt und der Region nicht der Realität entspricht“, so das Bündnis weiter. Tatsächlich war in der Coronakrise der Flugverkehr teilweise um bis zu 90 Prozent eingebrochen, die Fraport schloss die Nordwestlandebahn über Monate hinweg ganz – und öffnete sie erst Anfang Juli wieder. Fluglärmgegner hatten das damals scharf kritisiert: Es gebe gar nicht genug Bedarf für die Landebahn, für eine Nutzung gebe es gar keine Notwendigkeit. Gerade teilte die Deutsche Flugsicherung mit, man rechne auch für den Rest des Jahres nur mit 40 Prozent des alten Luftverkehrs – eine vollständige Erholung sei nicht vor 2025 zu erwarten.

In der Coronakrise wurde die Nordwestlandebahn zum Parkplatz für ungenutzte Flieger. - Foto: Lufthansa/ Oliver Roesler
In der Coronakrise wurde die Nordwestlandebahn zum Parkplatz für ungenutzte Flieger. – Foto: Lufthansa/ Oliver Roesler

Angesichts des langanhaltenden Einbruchs des Luftverkehrs sehen sich die Landebahn-Gegner nun in ihrer alten Kritik bestätigt: „Die Landebahn Nordwest hätte nie gebaut werden dürfen“, betont das Bündnis der BIs – die Bahn sei überflüssig. Zum 9. Jahrestag fordert das Bündnis deshalb nun alle hessischen Politiker auf, die bisherige Flughafenpolitik zu korrigieren. Statt weiteren Wachstums des Luftverkehrs sei die Reduzierung das Gebot der Stunde, Kurzstreckenflüge müssten gestrichen, die Hubfunktion des Frankfurter Flughafens aufgegeben werden.

Zudem fordern die Fluglärmgegner einen Stopp des Weiterbaus von Terminal 3, „allein schon um Fehlinvestitionen von Steuermitteln in Milliardenhöhe zu vermeiden.“ Die Fraport hatte im Juni angekündigt, das umstrittene dritte Terminal werde erst mindestens ein Jahr später fertig, die ersten Passagiere mindestens ein Jahr später fertig werden als geplant, die ersten Passagiere werden wohl erst im Sommer 2025 im Hauptgebäude abgefertigt. Kritiker hatten von Anfang an moniert, das Terminal sei überflüssig, Fraport operiere mit falschen Zahlen – die Prognosen für die Steigerung der Passagierzahlen seien völlig überhöht und schon nach dem Bau der neuen Nordwestlandebahn nicht eingetreten.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Bilanz der Proteste gegen den Flughafenausbau und dem Bau der Nordwestlandebahn haben wir ausführlich in dieser Reportage von der 300. Montagsdemo im November 2019 aufgeschrieben. Mehr zur Verschiebung beim Bau des Terminals 3 könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen, die jüngste Prognose der Deutschen Flugsicherung findet Ihr hier.

 

 

 

3 KOMMENTARE

  1. Wachsen bis zum Platzen. Und die Blase ist geplatzt, dank Corona nur früher. In der Einsicht, dass der Zenit des Flugwahnsinns überschritten ist, speckt Lufthansa als Hauptkunde von FRA dauerhaft ab. Aber der mehrheitlich „Volkseigene Betrieb“ Fraport speckt unverdrossen weiter auf. Wozu ein neues Riesenterminal mit Billig- und Luxusteil von der zusätzlichen Kapazität eines mittelgroßen Flugplatzes? Da entsteht nach der am Bedarf vorbei fehlgeplanten Nordwestbahn eine Bauruine zu Lasten des Steuerzahlers, auch der Nichtflieger. Und der wortbrüchige grüne Hauptverantwortliche Tarek Al Wazir schweigt sich aus. Mehr unter dem Link http://www.lerchenberg-info.de/fluglaerm.html

  2. Jetzt wäre die Zeit um vernünftige, Lärm reduzierte Anflugverfahren in Platznähe zu entwickeln. Ideen gibt es genug die in gemeinsamen AGs offen untersucht und umgesetzt werden können.

  3. Antwort an Mike Morr:
    Genau das Gegenteil wird praktiziert, nämlich Flachstartverfahren um pro Start einen einzigen Eimer Kerosin einzusparen. Es geht nur um Reibach. Menschen sind Störfaktor mit dem demokratischen Recht wegzuziehen. Die Wirtschaft hat sich die Politik zur Beute gemacht, Ausgerechnet Malu hat schon versucht, die kleine Luftverkehrsabgabe juristisch zu kippen und ist mitverantwortlich für die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Förderung des Luftverkehrs mit Steuermitteln, auch der Steuer der Nichtflieger.

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