Heftige Nachrichten aus der Luftfahrtbranche: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) rechnet nicht mit einer schnellen Erholung des Luftverkehrs in Deutschland. Die Erholung des Luftverkehrs in der Corona-Krise sei ins Stocken geraten, für 2020 rechne man bis Dezember mit nur noch rund 45 Prozent des Vorkrisenniveaus, teilte die DFS mit. Eine Rückkehr zum Verkehrsaufkommen wie in 2019 werde voraussichtlich sogar erst 2025 wieder erreicht.

Düstere Aussichten für die Luftfahrtbranche: Die Deutsche Flugsicherung rechnet nicht mit einer schnellen Erholung. - Foto: gik
Düstere Aussichten für die Luftfahrtbranche: Die Deutsche Flugsicherung rechnet nicht mit einer schnellen Erholung. – Foto: gik

Grund für die negative Prognose: der weiter stagnierende Reiseverkehr. In den Monaten Juni bis August habe sich der Reiseverkehr innerhalb Europas noch erholt, in den Sommermonaten habe es wieder einen Verkehrsanstieg gegeben, teilte die Flugsicherung mit. Das habe sich aber durch die jüngsten Verlängerungen und Ausweitungen von Reisebeschränkungen: Es sei nun wieder mit einer deutlich geringeren Nachfrage nach Flügen zu rechnen. Auch seien für das vierte Quartal 2020 keine Impulse aus dem Interkontinentalverkehr zu erwarten, auch eine Erholung des Geschäftsreiseverkehrs sei nach wie vor nicht abzusehen.

Mit dem weltweiten Shutdown zur Eindämmung der Coronakrise in den Monaten Februar und März war der Flugverkehr weltweit eingebrochen, am Frankfurter Flughafen hoben zeitweise nicht einmal mehr zehn Prozent der sonst üblichen Passagierflüge ab. Mit den Lockerungen im Juni erholte sich der Reiseverkehr zwar ein wenig, viele Menschen meiden aber weiter Flüge aus Angst vor Ansteckungen. In ihrer aktuellen Prognose geht die DFS deshalb davon aus, dass der Verkehr auf dem derzeitigen Niveau weiter stagniert – im August und September 2020 habe die DFS im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur 45 Prozent des Flugaufkommens kontrolliert.

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Immer noch bleiben mehr Flugzeuge am Boden, als in die Luft zu starten. - Foto: Fraport
Immer noch bleiben mehr Flugzeuge am Boden, als in die Luft zu starten. – Foto: Fraport

„Bei diesen Verkehrszahlen wird es vorerst bleiben, denn es gibt bislang keine Anzeichen für einen nennenswerten Aufschwung“, sagte DFS-CEO Klaus-Dieter Scheurle. Damit werde sich der Luftverkehr im Corona-Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbieren. Zu Beginn der Krise war die DFS noch davon ausgegangen, dass der Verkehr zum Jahresende wieder langsam ansteigen werde – man rechnete im Dezember schon wieder mit 75 Prozent. „Die steigenden Infektionszahlen und die Test- und Quarantänebestimmungen für Rückkehrer dämpfen den Verkehrsanstieg, den wir seinerzeit erwartet haben“, sagte Scheurle. Das derzeitige Bündel an unterschiedlichen Reisebeschränkungen, Quarantäneregeln und Teststrategien machten den Airlines eine Wiederaufnahme des normalen Flugbetriebs unmöglich.

Bleibe es dabei, werde die DFS 2020 voraussichtlich rund 1,5 Millionen Flüge nach Instrumentenflugregeln kontrollieren. Das sei im deutschen Luftraum die niedrigste Zahl seit der Wiedervereinigung: 1991 wurden 1,65 Millionen Flüge gezählt. Auch die langfristige Prognose fällt eher pessimistisch aus: Die ersten Covid-19-Impfstoffe würden zwar nach heutiger Einschätzung wohl im Verlauf des Jahres 2021 zur Anwendung kommen, sagte Scheurle – das Reiseverhalten werde sich aber wohl langfristig geändert haben. Man gehe deshalb davon aus, dass das Vorkrisenniveau im Reiseverkehr erst wieder im Jahr 2025 erreicht werden könne.

Verkehrsprognose der Deutschen Flugsicherung für den Luftverkehr 2020. - Grafik DFS
Verkehrsprognose der Deutschen Flugsicherung für den Luftverkehr 2020. Die blaue Linie war die alte Planung, die schwarz-rote ist der Ist-Zustand bzw. die Prognose. – Grafik DFS

Für 2021 rechnet die DFS nun mit einem Verkehr auf 60 Prozent des Vorkrisen-Niveaus, in den darauf folgenden Jahren geht die Flugsicherung von einem stetigen Wachstum um jeweils zehn Prozentpunkte aus. Grundsätzlich sei er zuversichtlich, dass der Luftverkehr auch diese Krise meistern werde, betonte Scheurle der CEO: „Airlines, Flughäfen und Flugsicherungen sind das Rückgrat einer vernetzten Welt.“ Auch bei der weltweiten Verteilung von Impfstoffen gegen das Corona-Virus werde das Flugzeug „einen wesentlichen Beitrag leisten. Für eine Rückkehr zur Normalität sei aber „ein internationales, mindestens aber europaweit abgestimmtes Vorgehen unabdingbar“, fügte er hinzu.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Problemen der Luftfahrtbranche in der Coronakrise lest Ihr hier bei Mainz&.

 

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1 KOMMENTAR

  1. Die Erwartung einer längeren Stagnation ist noch Gesundbeten. Der überbordende Billig-Luftverkehr ist dank Corona vorbei. Zusätzlich gewinnt das Problem unbezahlbarer regenerativer Treibstoffe (sun tu liquid) an Bedeutung. Lufthansa hat das eingesehen und speckt dauerhaft ab, nur Fraport speckt unverdrossen auf. Parallelen zur sogar von der Bahnleitung eingestandenen völligen Fehlplanung Stgt-21 sind unübersehbar.

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