Der Corona-Lockdown hält an, und so staunten die Mainzer in den vergangenen Tagen nicht schlecht: Wo kommen nur all die Flugzeuge am Himmel auf einmal her? Seit dem 5. Februar leiden die Mainzer unter Fluglärm – ein Gefühl, das während der Corona-Pandemie schon fast abhanden gekommen war. Der Flugverkehr ist wegen der weltweiten Pandemie fast zusammengebrochen, im Januar 2021 zählte die Fraport rund 80 Prozent weniger Fluggäste als noch im Januar 2020, vor der Pandemie. Trotzdem: Geflogen wird noch immer, im Januar nutzten immerhin noch 882.869 Passagiere den Frankfurter Flughafen.

Parkende Flieger auf der Nordwestlandebahn in Frankfurt - ist Mitte Dezember ist das wieder so. - Foto:  Lufthansa/ Oliver Roesler
Parkende Flieger auf der Nordwestlandebahn in Frankfurt – ist Mitte Dezember ist das wieder so. – Foto: Lufthansa/ Oliver Roesler

Der Flugverkehr leidet weiter unter der Corona-Pandemie, im Januar 2021 verzeichnete die Deutsche Flugsicherung (DFS) so wenig Flugzeuge im deutschen Luftraum wie noch nie in ihrer Geschichte. Insgesamt wurden im deutschen Luftraum gerade einmal 74.543 Starts, Landungen und Überflüge nach Instrumentenflugregeln kontrolliert, das waren 68,1 Prozent weniger als im Januar 2020 – da zählte die DFS noch knapp 234.000 Flugbewegungen innerhalb eines Monats. „Das Jahr 2021 beginnt noch schlechter, als das vergangene Jahr geendet hat“, sagt DFS-Geschäftsführer Dirk Mahns. Im Dezember managte die DFS noch rund 85.000 Flugbewegungen über Deutschland.

Interessant dabei: am Himmel ganz weit oben wird nicht im gleichen Maße weniger geflogen wie in Deutschland: der prozentuale Anteil der Zahl der Überflüge über Deutschland stieg von 38,9 Prozent im Januar 2020 auf 41,5 Prozent im Januar 2021. „Diese Zahlen machen deutlich, dass der Luftverkehr in Deutschland von der Corona-Krise besonders stark betroffen ist“, sagte Mahns. 2020 wurden im deutschen Luftraum rund 1,46 Millionen Flüge gezählt, das waren 56,2 Prozent weniger als im Vorjahr, als die Zahl der Flugbewegungen noch bei 3,33 Millionen lag.

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Ab und zu landet doch noch mal einer, vor allem Frachtflugzeuge. - Foto: Fraport AG
Ab und zu landet doch noch mal einer, vor allem Frachtflugzeuge. – Foto: Fraport AG

Besonders stark betroffen ist von den vier internationalen deutschen Flughäfen Frankfurt, München, Berlin-Brandenburg und Düsseldorf der bayrische Airport München: die Bayern verzeichnen mit einem Minus von 84 Prozent den größten Verkehrsrückgang. Deutlich geringer seien die Einbußen an den Flughäfen ausgefallen, die einen hohen Luftfrachtanteil haben, so die DFS.

So ging der Flugverkehr in Frankfurt im Januar „nur“ um 63,7 Prozent zurück, das bedeutete noch ganze 13.196 Starts und Landungen. Und während die Passagierzahlen im vergleich zum Januar 2020 um 80 Prozent einbrachen, legte die Fracht in Frankfurt sogar zu: Das Cargo-Aufkommen sei um 18,1 Prozent auf 176.266 Tonnen gestiegen und haben damit den bisher zweithöchsten Wert in einem Januar erreicht, teilte die Fraport mit. Das Cargo-Aufkommen habe unter anderem von der Verschiebung des verkehrsschwachen chinesischen Neujahrs profitiert, das 2020 noch im Januar lag und in diesem Jahr in den Februar fiel.

Die Frachtflieger boomten 2020 am Frankfurter Flughafen. - Foto: Fraport AG
Die Frachtflieger boomten 2020 am Frankfurter Flughafen. – Foto: Fraport AG

Die Fracht sei denn auch im Jahr 2020 „ein Lichtblick“ gewesen, bilanzierte Fraport-Chef Stefan Schulte: Trotz der fehlenden Beiladekapazitäten auf Passagiermaschinen habe der Frankfurt Airport „annähernd das Vorjahresniveau erreicht.“ Gerade während des ersten Lockdowns im März und April 2020 sei der Luftverkehr „von großer Bedeutung gewesen, um die Versorgung der Bevölkerung mit wichtigen medizinischen Gütern sicherzustellen“, betonte Schulte. Dank der Luftfracht sank die Zahl der Flugbewegungen im gesamten Jahr 2020 so auch „nur“ um 58,7 Prozent, das waren immerhin noch 212.235 Starts und Landungen.

Bei den Passagierzahlen sah das ganz anders aus: Mit ganzen 18,8 Millionen Passagiere verzeichnete Frankfurt ein Minus von 73,4 Prozent gegenüber 2020 – das sei so wenig Flugverkehr wie zuletzt 1984 gewesen, sagte Schulte. Mit Beginn der COVID-19-Pandemie sackten die Passagierzahlen ab Mitte März massiv in den Keller, zwischen April und Juni kam der Flugverkehr gar weitgehend zum Erliegen – mit Rückgängen von bis zu 98 Prozent auf Wochenbasis. Im dritten Quartal gab es dann eine leichte Erholung, doch ab September stiegen die Infektionszahlen wieder, die Reisebeschränkungen kehrten zurück – unud die Passagierzahlen brachen erneut ein.

Corona beschert Mainz ungewohnt ruhige Zeiten am Himmel: Fluglärmspuren über dem westlichen Rhein-Main-Gebiet am 04. Februar 2021. - Grafik: DFDL, Screenshot: gik
Corona beschert Mainz ungewohnt ruhige Zeiten am Himmel: Fluglärmspuren über dem westlichen Rhein-Main-Gebiet am 04. Februar 2021. – Grafik: DFDL, Screenshot: gik

Frankfurt erlebe deshalb im Januar 2021 bereits zum 15. Mal in Folge ein Minus bei der Passagierentwicklung, bilanzierte Fluglärmgegner und Flugverkehrs-Beobachter Wolfgang Heubner in seinem monatlichen Bericht. Dabei sei die Anzahl der Passagiere pro Flug weiter gefallen und habe nur noch bei 89,8 Passagieren pro Flug gelegen, das seien 45,9 Passagiere oder 33,9 Prozent weniger pro Flug gewesen im Vergleich zum Vorjahr. „Dieser enorme Abfall erklärt auch die Differenz des geringeren Minusprozentsatzes bei den Flugbewegungen gegenüber den Passagieren“, schreibt Heubner weiter. Damit erwirtschafteten die Fluggesellschaften, wenn überhaupt, auch weiterhin nur sehr geringe Erträge je Flug.

Gleichzeitig weist Heubner auch darauf hin, dass es weiter viele Inlandsflüge gibt – und dass die Pünktlichkeit am Frankfurter Flughafen trotz der geringen Flugbewegungen deutlich zu wünschen übrig lässt: Im Januar 2021 habe die Pünktlichkeit bei gerade einmal 73 Prozent gelegen, 9,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. „Dies ist bei den geringen Flugbewegungen ein sehr schlechtes Ergebnis und spricht für massive organisatorische Mängel“, analysiert Heubner.

Fluglärmspuren über Mainz und dem westlichen Rhein-Main-Gebiet am 14. Februar 2021. - Grafik: DFDL, Screenshot: gik
Fluglärmspuren über Mainz und dem westlichen Rhein-Main-Gebiet am 14. Februar 2021. – Grafik: DFDL, Screenshot: gik

Doch trotz all der Rückgänge, kehrte in Mainz just seit Anfang Februar der Fluglärm zurück: der scharfe Ostwind, der auch die eiskalten Temperaturen nach Deutschland brachte, sorgte für konstante Anflüge aus Richtung West, und damit über die südlichen Mainzer Vororte. Besonders schlimm traf es die Linie Mainz-Hechtsheim oder auch Orte im Rheinhessischen – da die Nordwestlandebahn weiter geschlossen ist, konzentrierten sich die Flieger im Landesanflug auf einzelne Anflugrouten und brachten Dauerschallpegel von 50 Dezibel und mehr mit sich – nachschlagen könnt Ihr das hier beim Deutschen Fluglärmdienst.

Und der Blick in den Flugplan auf der Homepage des Frankfurter Flughafens zeigt zudem: Geflogen wird eben noch immer – am Samstag allein zwischen 5.00 Uhr und 8.00 Uhr morgens gab es rund 28 Flüge, und das aus Destinationen weltweit, von Tokio über Johannesburg und Delhi bis hin zu New York, Budapest und Istanbul. Wie viel weniger das ist, wird aber schnell beim Blick auf die Karte klar: Vergleicht man Fluglärmspuren zwischen 2019 und 2021 ist der Unterschied mehr als deutlich zu sehen. „Die vorliegenden Zahlen zeigen auf, dass es noch eine lange Zeit dauern wird, bis wir die Corona Krise einigermaßen überwunden haben“, bilanzierte Heubner, und kritisierte: Es sei ein absolutes Unding, dass die Unterstützungsmaßnahmen des Bundes für die Flughäfen weiter nicht an Auflagen zum Klimaschutz gekoppelt seien.

„Eine drastische Reduktion des Luftverkehrs ist unabdingbar“, fordert deshalb inzwischen auch das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm am Frankfurter Flughafen. „Die ‚heilige Kuh‘ namens Wachstum in Frage zu stellen, ist auch im Luftverkehr ein absolutes Tabu“, kritisieren die BIs.: „In Anbetracht der klima- und gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Luftverkehrs ist eine solch bornierte Auffassung jedoch unhaltbar und ein ‚Weiter so‘ unverantwortlich.“ Und so hat der sinkende Flugverkehr denn auch eine neue Debatte über lärmärmere Anflugverfahren ausgelöst – am 17. Februar befasst sich die Fluglärmkommission wieder einmal mit gebündelten und höheren Anflugverfahren.

Info& auf Mainz&: Mehr zum drastischen Rückgang im Flugverkehr 2020 lest Ihr hier bei Mainz&, über die erneute Schließung der Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen haben wir hier berichtet. Wie sehr der Rückgang des Flugverkehrs Auswirkungen auf die Belastung mit Ultrafeinstaub hat, haben wir hier aufgeschrieben.

 

 

4 KOMMENTARE

  1. Wer gedankenlos unter hohem Energieeinsatz eingeflogene Avocados aus Peru, Weintrauben aus Indien, Heidelbeeren aus Chile, grüne Bohnen aus Kenia usw. einkauft, darf sich über Fluglärm nicht beschweren. Selbst Billig-Teiglinge zum Aufbacken im Automaten werden teiweise aus China eingeflogen. Also gleich einen Eimer Kerosin auf den Esstisch. Das von allen Steuerlasten befreite Fliegen ist einfach zu billig. Den Schaden tragen alle, auch die Nichtflieger.

  2. Sehr geehrte Frau Kirschstein,
    zunächst recht herzlichen Dank für Ihren guten ausführlichen Bericht. Die Lärm- und Umweltbelastung durch den Flugverkehr verschwindet hinter der Konzentration der Medien auf Corona.
    Ich wäre Ihnen dankbar, wenn bei dem Hinweis auf die Belastung nicht nur der Süden von Mainz (Bretzenheim) genannt wird, sondern besser der gesamte Südwesten mit eingeschlossen wird.
    Die Verdichtung der Anflugrouten erfolgt bereits im Bereich über Oberolm, Lerchenberg und Bretzenheim.

    • Hallo Herr Elsner, also der Süden von Mainz umfasst nach meiner Kenntnis Bretzenheim, Marienborn, Weisenau, Hechtsheim und Laubenheim – und genau so meinen wir das hier bei Mainz& auch, wenn wir das schreiben. Und die angrenzenden Bereiche hatten wir mit dem Bereich „Rheinhessen“ abgedeckt. Dachte ich zumindest so 😉

  3. Sehr geehrte Frau Kirschstein,
    nach meinem schnell hingehusteten Kommentar habe ich Ihre Ausarbeitung erst jetzt gründlich und mit Hingabe gelesen. Als Fluglärm-Umwelt-Klimaaktivist weiß ich nur zu gut, wie viel sorgfältige Recherchearbeit Ihr Beitrag erfordert hat. Ganz großes Kompliment. Andere Printmedien vermeiden alles, was FRA , LH und den Luftverkehr nachteilig darstellen könnte. Im Gegenteil werden die unrealistischen Visionen Synthesekerosin und Wasserstoff bejubelt, um das Volk bei Laune zu halten. Niemals werden die notwendigen Mengen zu erträglichen Kosten produziert werden können und im eigenen Land schon gar nicht. Der Luftverkehr hat den Zenit überschritten. Mehr in meinen Veröffentlichungen unter http://www.lerchenberg-info.de/tipps.html

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