Auch am zweiten (Werk)tag der Brückensperrung in Mainz ist es im Berufsverkehr zu erheblichen Staus auf den Autobahnen rund um Mainz gekommen. Erneut sorgten erhebliche Rückstaus auf A60, A643 und auf den Autobahnzubringern in Mainz für gehörige Verzögerungen bei Pendlern. Doch so schlimm wie am Montag war die Situation nicht mehr, auch weil erheblich weniger Unfälle passierten. Dennoch: eine echte Entspannung für die kommenden Wochen ist nicht in Sicht. „Irgendwohin müssen die Fahrzeuge ja“, sagte ein Polizeisprecher. Die Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke löst denn auch neue Debatten über neue Rheinbrücken aus – die Junge Union forderte nun noch einmal, Ausnahmeregelungen für Pflegekräfte.

Absperrung an der Auffahrt zur Theodor-Heuss-Brücke. - Foto: gik
Absperrung an der Auffahrt zur Theodor-Heuss-Brücke. – Foto: gik

„Wir hatten glücklicherweise nur zwei Unfälle, die unmittelbar Auswirkungen auf den Verkehrsfluss hatten“, sagte Polizeisprecher Matthias Bockius am Dienstag auf Mainz&-Anfrage. Die Lage am zweiten Werktag der Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke sei insgesamt deutlich entspannter gewesen als am Montag. Alleridngs stauten sich auf dem Mainzer Autobahnring die Pendlerströme im morgendlichen Berufsverkehr noch immer erheblich, an den Zufahrten zur A60 nach Rüsselsheim sowie in Gonsenheim an der Auffahrt zur A643 ging noch immer zeitweise gar nichts mehr.

Doch am Dienstag habe sich der Stau deutlich schneller aufgelöst, hieß es bei der Mainzer Polizei: Bis kurz vor 7.00 Uhr sei der Berufsverkehr ziemlich normal gelaufen, ab kurz nach 8.00 Uhr habe sich die schlimmste Stauphase schon weider aufgelöst, berichtete Bockius. Am Montag hatten sich die Pendler auf den Autobahnen rund um Mainz noch auf eine Gesamtlänge von 45 Kilometern gestaut, zeitweise reichte der Rückstau bis Bingen. 17 Auffahrunfälle auf den Autobahnen und im Mainzer Stadtgebiet sorgten zeitweise für völligen Stillstand. Am Dienstag vermerkte die Polizei „nur“ noch zwei Problemunfälle: Einer auf der A 60 in Höhe des Lerchenbergs, dazu ein Unfall und auf der B9 in Richtung Mainz.

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Seit Sonntagmittag ist die Theodor-Heuss-Brücke in Mainz für den Individualverkehr komplett gesperrt, Pendlern nach Hessen bleiben so nur noch die beiden Autobahnbrücken bei Schierstein und bei Weisenau. „Mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen auf den Autobahnbrücken werden wir auch weiter rechnen müssen“, sagte Bockius deshalb – echte Entwarnung für Pendler gibt es so nicht. „Die Fahrzeuge müssen ja irgendwohin und über den Rhein“, sagte der Polizeisprecher.

Ein Schrankenwärter regelt den Verkehr an der Absperrung zur Theodor-Heuss-Brücke. - Foto: gik
Ein Schrankenwärter regelt den Verkehr an der Absperrung zur Theodor-Heuss-Brücke – manchmal muss eben auch der Bus kurz warten. – Foto: gik

An den Schranken zu den Brückenauffahrten herrschte derweil am Montag lebhafter Betrieb. „Es versuchen schon viele Autofahrer, doch noch ‚rüberzukommen“, sagte Schrankenwärter Michael gegenüber Mainz&. Manch Autofahrer versuche, sich hinter dem Bus durch die Absperrung zu mogeln, andere führen einfach an der Schranke vor – während unseres kurzen Gesprächs tauchte rund ein halbes Dutzend Autofahrer vor der Absperrung auf in der Hoffnung auf Passage. Die Schrankenwärter lassen indes nur Busse, Taxen und Rettungskräfte durch, die Schrankenwärter haben eine elektrische Handbedienung für die Öffnung der Schranke. Besetzt sei die Schranke 24 Stunden lang, berichtete Michael: „Nur wenn der Wärter mal auf die Toilette muss, müssen die Busse halt warten.“

Derweil fällt auf, wie leer die Mainzer Innenstadt nun tagsüber ist: Auf der Rheinallee – immerhin der ansonsten am meisten befahrenen Straßen von Mainz – konnte man in Höhe des Hilton-Hotels am Montagnachmittag um 17.00 Uhr ziemlich entspannt spazierengehen, auf der Kaiserstraße herrschte gar zeitweise gähnende Leere. „Es war heute total ruhig in der Innenstadt“, staunte etwa der verkehrspolitische Sprecher der Mainzer CDU, Thomas Gerster. Das zeige, wie hoch inzwischen der Anteil der täglichen Durchgangsverkehrs durch Mainz sei. „Subjektiv gefühlt sind das locker 60 Prozent“, sagte Gerster – welche Schlussfolgerungen der CDU-Politiker daraus zieht, lest Ihr hier im Mainz&-Interview.

Montagabend, 17.00 Uhr, Berufsverkehr - leere Rheinallee in Mainz. - Foto: gik
Montagabend, 17.00 Uhr, Berufsverkehr – die Rheinallee in Mainz in leer. Die Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke macht’s möglich- Foto: gik

Viele Altstadt-Bewohner wie Gerster berichteten auf den sozialen Netzwerken begeistert, wieviel besser Luft und Lärm in der Mainzer Innenstadt am Montag gewesen seien – das allerdings ging zu Lasten von Stadtteilen wie Gonsenheim, Weisenau oder der Oberstadt. Auch mehren sich nun die Stimmen, die erneut mehr Rheinbrücken fordern: Der Mainzer CDU-Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner hatte schon am Montag via Twitter gefordert, Mainz brauche dringend eine zusätzliche Rheinbrücke in Höhe der Petersaue: Straßen- und Schienennetz müssten so ausgebaut sein, dass der Verkehr auch bei täglichen Engpässen, Reparaturen oder Unfällen laufen könne, forderte Schreiner. Auch die Wirtschaftsverbände erneuerten am Montag vehement ihre Forderungen nach weiteren Rheinbrücken.

Dem schloss sich die Junge Union (JU) an: „Die jetzige Situation mit der Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke zeigt sehr deutlich, dass die Forderung nach einer weiteren Rheinbrücke aktueller denn je ist“, forderte der Mainzer JU-Chef Torsten Rohe: „Es ist Zeit zu handeln!“ Die JU forderte zudem Ausnahmeregelungen für Pflegekräfte für die Fahrt über die Theodor-Heuss-Brücke: „Vor allem die Pflegekräfte in der ambulanten Pflege stehen unter massivem Zeitdruck und sollten daher nicht ausgebremst werden, wenn sie über die Brücke fahren müssen“, sagte JU-Vorstandsmitglied Anna Lehné. Sie arbeite selbst in einem Kasteler Seniorenzentrum und müsse jeden Morgen von der Mainzer Neustadt aus über die Brücke. „Die Fastnachtsspur auf der Theodor-Heuss-Brücke hat gezeigt, wie närrisch wir Mainzer sind“, sagte Lehné: „Aber auch in der fünften Jahreszeit muss Leib und Wohl der Menschen, die Hilfe benötigen, immer an erster Stelle stehen.“ 

Die CDU warb im Kommunalwahlkampf 2019 erneut für zusätzliche Rheinbrücken. - Foto: gik
Die CDU warb im Kommunalwahlkampf 2019 erneut für zusätzliche Rheinbrücken. – Foto: gik

Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), der Sozialflügel in der CDU, warf derweil der rheinland-pfälzischen Landesregierung Versagen bei der Infrastrukturplanung vor: „Seit vielen Jahren ist bekannt, dass eine Vielzahl von Rheinbrücken im Land ein ähnliches Baualter hat und innerhalb eines relativ kleinen überschaubaren Zeitraumes saniert werden muss“, sagte die Infrastruktursprecherin der CDA Rheinland-Pfalz, Gabriele Müller. Deswegen sei es „grob fahrlässig gewesen, dass die SPD-geführte Landesregierung über viele Jahre hinweg nicht daran gedacht hat, entsprechende Kapazitäten für die Zeit der Sanierungsarbeiten zu schaffen.“

Dazu „verweigere“ die Landesregierung die Planung zusätzlicher Rheinquerungen und lasse „die Gemeinden an beiden Seiten des Flusses allein mit Aufgaben, die eigentlich der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse und einer überregionalen Verkehrsinfrastruktur dienen“, schimpfte Müller weiter – werde die Pläne für eine weitere Mainzer Brücke noch die Mittelrheinbrücke oder Brücken bei Bingen oder Oppenheim  kämen voran. „Die Arbeitnehmer, die ihre Arbeitsstellen auf der jeweils gegenüberliegenden Rheinseite erreichen wollen, müssen all überall diese Planungsverweigerung heute ausbaden“, kritisierte Müller: „Jedesmal wenn Brückensanierungen anstehen, fehlt es an Ausweichkapazitäten für den Berufsverkehr.“

Info& auf Mainz&: Alles zu den Ausnahmeregelungen, der Helau-Spur und der Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke lest Ihr hier bei Mainz&, unseren Bericht von Tag 1 der Brückensperrung könnt Ihr hier noch einmal nachlesen. Alle Artikel, alle Debatten rund um die Brückensperrung findet Ihr zudem hier auf unserer Sonderseite.

 

1 KOMMENTAR

  1. ….. und immer immer wieder wird die Rheinallee mit der Rheinstraße verwechselt:
    Die Rheinstraße fängt am Stadtpark bei der Einmündung der Salvatorstraße an und geht bis zur Zeughausgasse an der Ecke vor der Staatskanzlei, dann kommt die Konrad-Adenauer-Allee bis zum Schloss, un ERST AB DANN beginnt die Rheinallee und führt kilometerweit bis zum Mombacher Kreisel.
    Warum diese Schludrigkeit? Sind auch andere Details dieses ansonsten sehr guten Artikels aus den gleichen Gründen anzuzweifeln? Das wäre sehr schade.

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