Seit heute rollt über die Mainzer Straßenbahngleise ein ungewöhnlicher Gast: Eine rote Straßenbahn vom Typ “Tramlink”. Die hat gleich mehrere Besonderheiten: Der Gast kommt aus Erfurt und ist stolze zwölf Meter länger als die Mainzer Straßenbahnen. Grund für den Austausch ist ein Test: Die Mainzer Mobilität will mit der extra-langen Bahn ausprobieren, ob sich solche Bahnen auch im Mainzer Stadtverkehr einsetzen lassen – diese Frage war vor allem bei der Debatte um die Wiesbadener Citybahn stark umstritten gewesen.

Die leuchtend rote Partnerschaftsbahn aus Erfurt rollt seit dem 1. August durch Mainz. - Foto: Mainzer Mobilität
Die leuchtend rote Partnerschaftsbahn aus Erfurt rollt seit dem 1. August durch Mainz. – Foto: Mainzer Mobilität

Im Juni 2020 hatte der Mainzer Stadtrat einen umfangreichen Ausbau des Mainzer Straßenbahnnetzes beschlossen, die grün-rot.-gelbe Ampel-Koalition setzt vor allem auf das emissionsfreie Verkehrsmittel, um den ÖPNV in Mainz leistungsfähig zu machen. Doch die Straßenbahnen stoßen immer wieder an Kapazitätsgrenzen: Die Mainzer Mobilität würde gerne künftig in Mainz längere und breitere Straßenbahnen einsetzen, um die steigende Fahrgastnachfrage befriedigen zu können.

Das aber ist gar nicht so einfach: Die Mainzer Straßen sind eng, die Kurven oft mit einem engen Radius versehen – und die meisten Haltestellen sind nicht unbedingt lang genug, um längere Bahnen aufnehmen zu können. Zum heftigen Diskussionsthema wurden längere Straßenbahnen im Zuge der geplanten Wiesbadener Citybahn: Die Wiesbadener wollten nämlich sogenannte Doppeltraktion-Bahnen einsetzen, die dann auch über die Theodor-Heuss-Brücke nach Mainz fahren sollten.

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42 Meter lang ist die Tram aus der Partnerstadt Erfurt, 12 Meter länger als die Mainzer Bahnen. - Foto: Mainzer Mobilität
42 Meter lang ist die Tram aus der Partnerstadt Erfurt, 12 Meter länger als die Mainzer Bahnen. – Foto: Mainzer Mobilität

Das aber stieß in Mainz auf heftigen Widerstand: Die SPD-Mainz Altstadt kritisierte im Februar 2019 heftig den geplanten Einsatz von Doppeltraktion-Zügen. Die 70 Meter langen Züge passten nicht in die Mainzer Altstadt, für sie sei keine einzige Mainzer Haltestelle lang genug, schimpfte die SPD damals – und forderte die damalige Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) auf, die Interessen der Mainzer gegenüber den Wiesbadener Expansionsplänen zu vertreten. Die Mainzer Grünen sprachen sich hingegen für den Einsatz der überlangen Züge aus.

Nun gibt es einen neuen Anlauf für längere Züge – allerdings in deutlich moderater Form. Dafür rollt seit dem 1. August eine Testbahn über die Mainzer Schienen: Die leuchtend rote Bahn kommt aus der Mainzer Partnerstadt Erfurt, und kam in der Nacht zum 21. Juli in Mainz an. Die “Partnerstadtbahn” ist 42,49 Meter lang, 2,30 Meter breit und frisch beklebt mit ihrem neuen Namen. Das Fahrzeug ist damit rund 12 Meter länger als die bestehenden Bahnen der Mainzer Mobilität.

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Zwei Teile der Straßenbahn aus Erfurt im Mainzer Depot. - Foto Mainzer Mobilität
Zwei Teile der Straßenbahn aus Erfurt im Mainzer Depot. – Foto: Mainzer Mobilität

Seit 34 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Mainz und Erfurt, und diese werde auch zwischen den beiden ortsansässigen Verkehrsunternehmen gepflegt, betonten die Geschäftsführer der Mainzer Mobilität. Die “Partnerstadtbahn” setzte nun “ein weiteres Zeichen – auch eins in Richtung emissionsfreie Mobilität.”

Die Niederflurbahn vom Typ “Tramlink” ist den Angaben zufolge ein meterspuriges Einrichtungsfahrzeug und hat sieben Schiebetüren zum schnellen Ein- und Ausstieg. Geliefert wurde sie in zwei Teilen, die im Mainzer Straßenbahn-Depot wieder zusammengesetzt wurden. Die Bahn soll nun über einige Wochen im Mainzer Straßenbahnnetz und den Betriebsstätten getestet werden um herauszufinden, welche Herausforderungen längere Fahrzeuge für den Betrieb in Mainz mit sich brächten. Im Fahrgastbetrieb wird die Tram auf der Linie 59 unterwegs sein.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Streit über die extralangen Doppeltraktion-Bahnen könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Mehr zum Ausbau des Mainzer Straßenbahnnetzes findet Ihr hier:

Ampel-Koalition will Straßenbahnnetz in Mainz weiter ausbauen: Heiligkreuz, Alicenbrücke, Innenstadtring

 

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