Herr Vohmann ist auf Öl gestoßen, auf der Ölwiese in Mainz-Gonsenheim, wo auch sonst. Nun sprudelt das zähflüssige Nass mitten im Schrebergarten aus der Erde – und prompt geben sich Honoratioren und Hamster, Fernsehreporter und FDP-Dividendenjäger – und sogar die Scheichs aus Katar die Ehre. Die werden mit einer höchst verdrehten Fastnachtssitzung unterhalten, bis der Bohrturm steht, an dem sich natürlich gleich einer festklebt… Was will man machen? Fastnacht natürlich.

Habemus Öl! Kleingärtner Marius Vohmann alias Marius Hohmann stößt auf der Ölwies' auf eine Quelle... - Foto: gik
Habemus Öl! Kleingärtner Marius Vohmann alias Marius Hohmann stößt auf der Ölwies‘ auf eine Quelle… – Foto: gik

Alles redet über die Energiekrise, beim Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) haben sie sie gelöst: Mitten aus der Idylle im Gonsbachtal entspringt auf einmal ein schwarzer, zäher Fluss – Kleingärtner Marius Vohmann ist doch tatsächlich beim Bohren nach einem höchst illegalen Brunnen auf Öl gestoßen. Nun steht die Gonsenheimer Welt Kopf: „Wir brauchen die Energie doch!“, plädiert Kleingärtner Vohmann: „Das ist doch eine Chance! Für Meenz, für Gunsenum … für mich!“

Ja, die Welt steht Kopf, und mitten in Krieg und Krisen legt der Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) feinsten närrischen Kokolores aufs Parkett der diesjährigen Kammerspiele. „Hier auf der Ölwies‘, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, singt Laura Heinz – die Narrenfreiheit ist es definitiv: Mehr als vier Stunden lang brennen die Gonsenheimer Narren ein Feuerwerk an Persiflage, Kalauern und Polit-Kritik ab, nehmen Energiedebatte und Klima-Kleber, Bundes-Turbulenzen und Klimakämpfer auf die Schippe, dass die Lachmuskeln krachen. „Ihr sagt Helau, und alles ist gut?!“, schimpft die Klima-Aktivistin: „Es ist fünf vor 12!!“ Ja, sagt der Fastnachtspräsident: „Fast Nacht…“

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Dabei beginnt alles so idyllisch: Die Friedenstaube Julius Kolumbus sucht ein ruhiges Plätzchen, nachdem Tauben-Bruder Karl aus Katar an den Scheichs und einem Fußballgott ohne Moral, und Cousine Gudrun an Russlands Neuzeit-Zar Putin verzweifelt: „Der Kerl ganz klar ’nen Vogel hat“, konstatiert die Friedenstaube alias Christophe Hinz, dessen Protokoll eher pessimistisch ausfällt: „Gestern Virus, heute Krieg, Gas und Preisanstieg“ – nun, wenigstens ist das Gartenareal auf der Ölwies‘ in Gonsenheim noch ein verträumtes Paradies…

Brandneue Reporterin im Polit-Fach: Chrissy Grom in neuer Rolle. - Foto: gik
Brandneue Reporterin im Polit-Fach: Chrissy Grom in neuer Rolle. – Foto: gik

„Da gräbt und gräbt der gute Mann, und hofft, dass er was finden kann“, konstatiert die Reporterin, die sich ansonsten um Inflation, Doppelwumms und deutsche Wirtschaftskraft sorgt: Christina Grom gibt ihren Einstand als politische Beobachterin des Jahresverlaufs – schwungvoll und gereimt. Nach langen Jahren stellt nun ausgerechnet die Männerbastion GCV eine Frau mit Protokoller-Ansatz auf die närrischen Bretter – Hut ab, und künftig gerne mehr Feuer frei aus Frauenmunde!

Gärtner Vohmann ist derweil auf Öl gestoßen – erstmals führt GCV-Aktiver Marius Hohmann komplett allein durch die GCV-Kammerspiele, und legt als neuer Ölmulti „Marius Vohmann“ von Gonsenheim eine fantastische und wandlungsfähige Performance aufs Narrenparkett. Doch kaum sprudelt die Brühe, kündigen sich natürlich auch die ersten Probleme an: „Wenn ich hier eine gefährdete Tierart sehe, Hamster oder Flamingo…“, droht der Mann vom Ordnungsamt, ein herrlich knorziger Peter Büttner.

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Hat da jemand Hamster gesagt? „Nager, mein Name, Oliver Nager“, stellt sich prompt ein äußerst schlecht gelauntes Nagetier vor: „Ich bin kürzlich aus Hechtsheim hierher gezogen, ich bin naturgeschützt – und dann ist Essig mit Öl, mein Lieber“, droht der pelzige Nachbar, großartig gespielt von Johannes Emrich. Denn der Hamster hat die Nummer von Katrin Eder, die muss Gärtner Vohmann also erst einmal mit kostenlosen Ölwechseln für ihren neuen dicken SUV als Klimaschutzministerin bestechen…

Große Narrenkunst: die beiden Handwerker Jens Ohler und Andreas Müller. - Foto: gik
Große Narrenkunst: die beiden Handwerker Jens Ohler und Andreas Müller. – Foto: gik

Doch das ist erst der Anfang aller Probleme: Die Handwerker von der Firma Kalles – „Heinrich und Werner, wir pumpen alles!“ – sind ständig auf Einkaufstour oder machen Pause, anstatt endlich die Ölpumpe fertig zu stellen. Jens Ohler und Andy Müller setzen mit enorm viel Spielfreude die Handwerker-Persiflage in Szene, ein echtes Highlight der Ölwiesen-Szenerie. Mit den Handwerkern kommt auch Tilly mit ihrem Nagelstudio, Thorsten Spengler und Thorsten Schäfer servieren höchst närrische und schlüpfrige Nagel-Geschichten.

„Die Infrastruktur wächst“, stellt der Mann mit der Wurst auf dem Kopf fest: Klar, die Fleischworschtathleten haben „Immer was zu Naschen“ dabei, und servieren viel gute Laune für den proppevollen Saal. Später schaut auch noch die „Quellkartoffel“ Maurice Müller vorbei, während die Erdbeerkönigin prompt zur Erdölkönigin mutiert: Newcomerin Julia Gehrlein träumt von Gonsenheim als Stadtstaat mit Königin Mazola I. und konstatiert: „Das Ende der Erdbeere ist gar nicht schlimm, im Kreppel war noch nie Erdbeermarmelade drin.“

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Auf der Ölwies‘ geben sich inzwischen allerlei Besucher die Klinke in die Hand: Das Ölwies-Ballett kommt zum Trainieren, das GCV-Ballett hat eine wunderbare Elvis-Hommage im Gepäck – schließlich ist Gärtner Vohmann zum texanischen Ölmulti mutiert. Aus einem versteinerten Ei schlüpft „Küken“ Julia Döring, und selbst das Gemüse rockt „Voll auf die Elf“ ab.

Rasante Polit-Schelte: Christoph Seib und Marius "Vohmann" als Öl-Multi aus Verlegenheit. - Foto: gik
Rasante Polit-Schelte: Christoph Seib und Marius „Vohmann“ als Öl-Multi aus Verlegenheit. – Foto: gik

In Gonsenheim schmiert derweil „Ölprinz“ Franz Brunswig Schienen, Türen und sogar Fersen – der Rest der öligen Ballade ist unaussprechlich und zutiefst närrisch, und folgt dem Motto: „Denn jeder weiß in Gonsenheim, der Ölprinz liebt’s zu schmieren.“ Er ist nicht der einzige dubiose Gast: Christian Blindner von der „Fahr doch Porsche“-Partei wittert ein gutes Geschäft für sein Aktiendepot und schlägt gleich mal die Gonsbachvertiefung samt Öl-Hafen vor.

Christoph Seib legt eine furiose Polit-Nummer aufs Parkett, geißelt die Bundes-Ampel und stößt im Dutzend auf Bundesschlumpf Olaf an: „Cum Ex!“ Und dann dichtet der Seib noch schnell die Nationalhymne um, wegen der Zeitenwende, und weil die ja ohnehin „alle paar Jahre einen neuen Text“ bekommt – heraus kommt eine bitterböse Hymne auf „Einigkeit im Recht auf Wirtschaft für die Industrienation“, ein ganz starkes Highlight.

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Verraten und verkauft werden auch die „Indianer“ auf dem benachbarten Ölwies-Grundstück, das natürlich ein Investor kaufen will – Chrissy und Sebastian Grom schimpfen auf Rothäute ohne Charakter und Rückgrat und gegen den Unsinn von der „kulturellen Aneignung“: „Die Bayern sind doch auch nicht beleidigt, wenn sich halb Meenz in Dirndl und Lederhosen wirft, und auf dem Oktoberfest vollsäuft“, konstatiert Sebastian Grom.

Klima-Kleber Thomas Becker und Katharina Greule, misstrauisch beäugt von Ordnungsmann Peter Büttner. - Foto: gik
Klima-Kleber Thomas Becker und Katharina Greule, misstrauisch beäugt von Ordnungsmann Peter Büttner. – Foto: gik

Gekauft ist hingegen mittlerweile der Hamster – Ölmulti Vohmann hat ihn schlicht mit einem Wohn-Bau im Garten seiner Villa samt Nussbäumchen und Pool zum Umzug bestochen. „So langsam hab ich’s raus, wie man hier in Meenz Geschäfte macht“, sagt der Ölmagnat zufrieden. Und da naht – endlich! – der Ölturm samt Förderpumpe, doch oh weh: Am Mast klebt sich völlig aus Versehen ein dappischer Fastnachtspräsident fest! „Der Kram babbt“, sagt er verwirrt: „Das ist mir jetzt sehr unangenehm…“

Und schon klebt eine Klima-Aktivistin daneben: „Kommt alle auf die Ölwiese, der erste hat sich schon festgeklebt!“ Es ist der Auftakt zu einer furiosen Narren-Nummer unterm Ölturm, die mal eben die Klima-Kleber als Klima-Klamauk entlarvt, grandios gespielt von GCV-Programmchef Thomas Becker und Katharina Greule, die ihre Herkunft aus dem Hause Emrich einfach nicht verleugnen kann. Da bleibt im Saal kein Auge trocken.

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Doch es geht fast noch besser: „Helau“ trifft „Halal“, die Scheichs aus Katar haben Durst und wollen Öl: „Wir ham‘ Spaß, wir ham Gas!“ singen die Gäste aus Nahost, und prompt fällt der Herr Minister vor ihnen auf die Knie. Wen stört es da schon, dass die Herren Despoten in ihrer Folterkammer „ein bisschen Schmerz muss sein“ singen, und bekennen. „So ein Scheich, der wird die Freiheit nie versteh’n!“

Scheichs im Fußballfieber: Die Schnorreswackler als Öl-Einkäufer aus Katar. - Foto: gik
Scheichs im Fußballfieber: Die Schnorreswackler als Öl-Einkäufer aus Katar. – Foto: gik

Die Schnorreswackler geben die Scheich-Division aus Katar, die trifft auf die GCV-Satiriker-Truppe „Herpes House Band“ – heraus kommt eine der bösesten Parodienummern, die es je auf einer Narrenbühne gegeben hat. Denn die Herren Despoten müssen ja bei Laune gehalten werden, also werden sie mit einer Fastnachtssitzung amüsiert, bei der Ali, der Sharia-Nachtwächter seine Reime drechselt, und der Muezzin vom Hohen Dom zu Mainz mit „Helau-Akba“ grüßt – die Größen der Meenzer Fastnacht werden gnadenlos durch den Kakao – pardon: das Öl – gezogen.

„Endlich, die erste komplett sündenfreie WM“, schwärmt da Gonsbachthemen-Moderator Lars Scheichow, und schafft gleich mal in vorauseilendem Gehorsam die Meinungsfreiheit ab: „Was bringt uns denn die Meinungsfreiheit? Coronaleugner, Kartoffelbrei auf geilen Kunstwerken und jeden Abend Markus Lanz!“ Nicht zu ertragen – für die Lachmuskeln. Da hätten selbst die legendären Briten-Komiker von Monthy Python ihre Freude gehabt: „Always look on the bright side…“, singen die Gonsbach-Scheichs.

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Ölmulti Vohmann schmiert inzwischen die Ortsvorsteherin mit Öl, damit sie aus Tempo 30 Tempo 70 macht, die feiert prompt öffentlich „das ölige Jahrtausend“ und verkündet: Gonsenheim kündigt die Verträge zur Eingemeindung nach Mainz, wird Freistaat und führt den Gonsbachtaler ein – Rudi Hube macht als flegelhafte Ortsvorsteherin eine bombastische Figur mit sehr viel Vorbau, derweil das Original daneben steht.

Nanu? Flegel & Flegel mit Rudi Hube und dem original: Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU, rechts). - Foto: gik
Nanu? Flegel & Flegel mit Rudi Hube und dem original: Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU, rechts). – Foto: gik

Ortschefin Sabine Flegel hat sichtlich Spaß an ihrem Double, spielt gut gelaunt die Nummer mit – und erweist einmal mehr die Weisheit des alten Mainzer Fastnachtsmottos: „Nur wer sich selbst zum Narren macht, der feiert echte Meenzer Fassenacht.“ Am Ende sind ohnehin alle Träume perdu, die Ölquelle löst sich in Esso auf – „Sie haben die Zuleitung zur Zapfsäule Nummer drei angezapft!“ – und der Ölmulti schuldet nun dem Benzinkonzern 11.111 Euro…

Die äußerst flexiblen Fernsehreporter schulen ihren stummen Statisten Andreas Bockius vom Baum zum Sänger um, und schmettern dann eben das Lied vom Schoppen. Die Gefahr ist abgewendet, „Gunseum wird nicht im Öl versinken“, seufzt der verhinderte Ölmulti. Schade eigentlich – der Putin hätt‘ so schön dumm geguckt…

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