Es ist eine ausgesprochen einfache und schnelle Art, mit der Polizei in Kontakt zu kommen: Seit einem Jahr gibt es nun die Onlinewache der rheinland-pfälzischen Polizei. Seit dem 6. Dezember 2018 können Bürger dabei im Internet Strafanzeigen erstatten, Hinweise übermitteln oder Lob und Beschwerde loswerden. Die Erfahrungen sind positiv: Rund 13.000 Strafanzeigen gingen im ersten Jahr bereits online ein, in anderen Ländern wie Hessen sind es noch deutlich mehr: Dort verzeichnete die Onlinewache im Jahr 2017 rund 38.000 Vorgänge.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz vor einem Laptop. - Foto: gik
Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz vor einem Laptop. – Foto: gik

In Hessen gibt es bereits seit 2005 eine Online-Wache der Polizei, gemeldet wurden dort 2017 rund 38.000 Vorgänge. Die Bürger meldeten vor allem Diebstähle und Betrugsdelikte, also etwa Onlineauktionsbetrug oder Fahrraddiebstähle. Weitere eigene Unterpunkte der Onlinewache sind Handydiebstahl, Nötigung im Straßenverkehr oder EC-Karten-Betrug. Rheinland-Pfalz startete gemeinsam mit dem Saarland zum 6. Dezember 2018 ebenfalls eine Online-Wache, zum ersten Jahrestag meldete die Polizei den Eingang von rund 13.000 Strafanzeigen. Darunter waren 5400 Betrugs- und 2000 Diebstahlsdelikte sowie 1400 Sachbeschädigungen und 4100 andere Strafanzeigen. Daneben wurden 1300 Hinweise über die Onlinewache an die Polizei übermittelt.

Die Onlinewache biete den Bürgern die Möglichkeit, in einfach gelagerten Fällen über das Internet und damit schnell, zeit- und ortsunabhängig Strafanzeigen zu erstatten oder Hinweise zu geben, heißt es beim rheinland-pfälzischen Innenministerium. Die Palette reiche vom gehackten Girokonto über das gestohlene Fahrrad bis zum Betrug beim Online-Einkauf, etwa weil bestellte Ware nicht geliefert wurde. Im Durchschnitt verzeichne die Onlinewache rund 1.200 Eingänge im Monat. Das dokumentiere die gute Akzeptanz durch die Bürger, Anzeigen und Hinweise kommen aber auch aus dem ganzen Bundesgebiet und aus dem Ausland.

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Das Angebot werde dabei keineswegs nur von der jüngeren Generation genutzt, betont das Ministerium – das Angebot werde von der breiten Bevölkerung genutzt. Befürchtungen über einen Missbrauch der Onlinewache hatten sich schon nach einem Vierteljahr zerstreut: Beim überwiegenden Teil der Vorgänge wurden „nachvollziehbare Anliegen der Bürger mitgeteilt.“

Polizeistreife vor dem Polizeipräsidium am Mainzer Goetheplatz, hier ist auch eine Wache der Mainzer Polizei. - Foto: gik
Polizeistreife vor dem Polizeipräsidium am Mainzer Goetheplatz, hier ist auch eine Wache der Mainzer Polizei. – Foto: gik

Dass die Zahlen aber noch weit hinter denen anderer Länder zurückbleiben, könnte an der bislang geringen Bekanntheit des Angebots liegen: 70 Prozent der Mainzer etwa hatten im Dezember 2019 noch nie von der Online-Polizeiwache gehört. Auch die optische Umsetzung im Netz wirkt bislang alles andere als modern und wenig besucherfreundlich. Nach den ersten Klicks kommt man auf eine Seite, auf der man die Kategorie auswählen kann, um die es geht: Diebstahl, Betrug, Sachbeschädigung oder anderes. Danach öffnet sich ein offizielles Formular im Browser – bei dem man erst einmal umfangreich belehrt wird, dass man ab jetzt „Zeuge in einem Strafverfahren“ ist – was eher abschreckend wirkt. Die Sprache ist hochgradig bürokratisch, bürgerfreundlich ist anders…

Man habe in den vergangenen Monaten die Technik und die auszufüllenden Formulare weiterentwickelt, um die Anwendung noch benutzerfreundlicher zu gestalten, teilte das Ministerium weiter mit. Für die Zukunft sei ein weiterer Ausbau des Angebots geplant: So soll die Möglichkeit des Uploads von Anlagen geschaffen werden. Damit werden die Bürger die Möglichkeit haben, ergänzend zur Strafanzeige auch Dokumente oder sonstige Unterlagen elektronisch an die Polizei zu übermitteln.

Die eingehenden Strafanzeigen und Hinweise würden durch das Landeskriminalamt möglichst zeitnah gesichtet. Für das Melden von Verkehrsunfällen und anderen aktuellen Ereignissen, die ein sofortiges polizeiliches Handeln erforderten, sei die Onlinewache hingegen nicht geeignet – und auch nicht für Notrufe jeder Art. Für etwas weniger dringliche Fälle erspart die Onlinewache jedoch den unter Umständen zeitaufwändigen Besuch auf einer Wache – erst einmal. Die Anzeigen werden nämlich an die jeweils zuständige Polizeistelle weitergeleitet und dort bearbeitet – dann kann der Bürger noch einmal zur Vernehmung und weiteren Fragen einbestellt werden.

Für die Erstanzeige kann man jedoch bei der Onlinewache erst einmal bequem zuhause alle Informationen und Angaben sortieren. für die Eingabe in ein Formular hat man 90 Minuten Zeit. Ein Fragebogen führt den Anzeigesteller durch die Meldung, neben persönlichen Angaben werden auch Tathergang, Tatort und Tatzeit sowie zahlreiche weitere Details abgefragt. Zum Schluss kann der Antragsteller das zuständige Polizeipräsidium angeben und erhält seinerseits ein Online-Aktenzeichen für Rückfragen.

In Hessen sieht man bei dem dortigen gut ausgebauten Onlineangebot noch einen weiteren Vorteil: Besonders hilfreich sei die Online-Wache für Mehrfachnutzer wie Kaufhäuser oder Verkehrsbetriebe, heißt es hier. Diese müssten oft wiederholt Strafanzeigen etwa wegen Ladendiebstahl erstatten, die Online-Wache bietet in Hessen deshalb registrierten Nutzern die Möglichkeit, sich in einem geschützten Bereich dafür Vorlagen zu erstellen. Diese Vorlagen könnten abgespeichert und bei Bedarf wieder aufgerufen werden, so könne man sich zeitaufwändiges Ausfüllen von Papiervordrucken per Hand ersparen.

Info& auf Mainz&: Die Onlinewache der Polizei Rheinland-Pfalz findet Ihr hier im Internet, einen Überblick über die Kategorien sowie einen Link zu weiteren Informationen gibt es auf dieser Unterseite.

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