Vor knapp einem Jahr stellte das Land Hessen seine eigene Warn-App vor, inzwischen wurde das kleine Programm für Smartphones umfangreich ausgebaut: Die App HessenWARN enthält inzwischen auch eine praktische Übersichtskarte über Corona-Hotspots, sie warnt bei Unwettern, Polizeilagen, Erdbeben und Hochwasser, und sie informiert über Produktrückrufe bei Lebensmitteln. Seit Mittwoch ist die Warn-App nun um ein weiteres Feature reicher: Ein „Wildwarner“ warnt ab sofort Autofahrer, wenn das Risiko von Wildwechsel auf ihrer Strecke steigt – und das auch ganz ohne eigene Bedienung über die Fernsprechanlage des Autos.

Lebensmittelwarnung auf der HessenWARN-App. - Screenshot: gik
Lebensmittelwarnung auf der HessenWARN-App. – Screenshot: gik

HessenWARN wurde Anfang November 2019 vorgestellt, die App ist das wohl umfassendste Sicherheitsprogramm, das derzeit für Smartphones zur Verfügung steht. HessenWARN warnt nämlich nicht nur bei Katastrophen und Unwettern sowie bei polizeilichen Großlagen wie Terroranschlägen, bei Hochwasser oder Erdbeben – auch eine ganze Reihe andere Warnmeldungen sind in das Programm integriert. So informiert die App auch über Vorkommnisse im Bereich der Cybersicherheit wie etwa massive Spam-Wellen oder Virenattacken auf Computer. Auch über derzeit kursierende Betrugsmaschen wird informiert – und über wichtige Ereignisse an hessischen Schulen wie Schließungen.

„Für den Schutz der Bevölkerung zu sorgen ist Aufgabe des Staates“, betonte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) bei der Vorstellung des Programms. Er finde es sehr wichtig, dass die Menschen in Hessen ohne Umwege gut und umfassend über Gefahren in ihrer Nähe und konkrete Verhaltensweisen informiert würden. „Vor allem ist es in Zeiten sogenannter Fake News von zentraler Bedeutung, dass wir im Falle einer konkreten Bedrohung schnelle und verlässliche Informationen bieten“, betonte Beuth.

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Kategorien für Warnmeldungen in der hessenWARN-App. - Screenshot; gik
Kategorien für Warnmeldungen in der hessenWARN-App. – Screenshot; gik

Hessen bereichert damit die Landschaft der Warn-Apps allerdings um eine weitere Variante, wie bei Katwarn und NINA kann man auch bei hessenWARN eigene Orte definieren, für die man Warnungen erhalten möchte, zudem kann der Nutzer Warnmeldungen für alle Kategorien individuell einschalten oder deaktivieren. Die Kartenübersicht nutzt Hessen nun auch, um den Nutzern einen Überblick in der Corona-Pandemie zu verschaffen: Hier werden auch Corona-Warnungen eingespeist, die Karte zeigt, welche Landkreise hohe Fallzahlen haben – und die App erinnert noch einmal an die Hygiene- und Abstandsregeln.

Am Mittwoch schaltete das Hessische Innenministerium zudem eine weitere, bundesweit wohl einmalige Funktion der App frei: den Wildwarner. „Der digitale Wildwarner warnt Autofahrer bei der Fahrt durch Gefahrengebiete mit erhöhtem Wildwechsel und trägt dadurch essentiell zur Verkehrssicherheit bei“, sagte Innenminister Beuth. Bei mehr als 20.000 Wildunfällen im Jahr solle der Warner einen Teil dazu beitragen, die Verkehrssicherheit weiter zu erhöhen. Gerade in der bevorstehenden dunklen Jahreszeit kommen Wildunfälle besonders häufig vor.

Der Wildwarner enthält dabei eine Weckfunktion, die aktiv wird sobald der Verkehrsteilnehmer während der Dämmerung in ein Gebiet mit erhöhter Wildwechsel-Gefahr fährt. Das Feature errechnet mittels eines Algorithmus eine mögliche Wildwechselgefahr auf bestimmten Strecken, Grundlage dafür seien unter anderem Ort, Tages- und Jahreszeit sowie anonymisierte Unfalldaten, Umweltdaten und Nutzereingaben von erfahrenen Autofahrern und Jägern über das Start-Up wuidi.com. Der Wildwarner nutzt dann während der Fahrt die GPS-Ortung, damit anhand der Fahrtstrecke auf gefährliche Situationen hingewiesen werden kann, die durch Wild verursacht werden könnten.

Wildwarner in der Warn-App HessenWARN. - Screenshot: gik
Wildwarner in der Warn-App HessenWARN. – Screenshot: gik

Die Warnfunktion kann zudem durch eine Bluetooth-Kopplung direkt über die Freisprechanlage oder das Entertainment-System des Fahrzeuges ausgegeben werden, so dass der Autofahrer das Handy nicht von sich aus bedienen muss. Auch können die Benutzer der App entscheiden, dass sich der Wildwarner nur aktiviert, wenn zusätzlich zu Bluetooth eine Stromverbindung besteht, um die automatische Aktivierung bei geringem Akkustand zu verhindern. „Warnhinweise wie Verkehrszeichen werden bei häufig gefahrenen Strecken oft nicht mehr als solche wahrgenommen“, sagte Beuth. Durch die Weckfunktion von hessenWARN könne eine erhöhte Sensibilisierung erreicht werden.

Neu in der App ist zudem ein Notruf mit automatischer Positionsübermittlung auch als Widget auf dem Startbildschirm des Telefons. Damit könne Hilfe noch schneller und einfacher ausgelöst werden, betonte Beuth weiter: „Nutzer müssen zukünftig nicht mehr die App öffnen, um die Vorteile des Notrufs mit Positionsübermittlung nutzen zu können. Wer sich in einer Ausnahmesituation befindet, ob Unfall oder Straftat, braucht schnellstmöglich Hilfe.  Die Nutzung des Notrufes wird durch das Widget einfacher und schneller.

hessenWARN nutzt dabei den ungefähren aktuellen Standort, der akkuschonend über die Funkzelle ermittelt wird. Während des Notrufes wird dann eine genaue Standortübermittlung aktiviert und genutzt, die Übermittlung dieser Daten kann vom Nutzer jederzeit gestoppt werden. Sollte es zu einem ungewollten Verbindungsabbruch während des Notrufs kommen, werden noch für weitere 30 Minuten Standortdaten des Telefons übertragen, um gegebenenfalls notwendige Rettungs- und Hilfemaßnahmen zu koordinieren. In der nun weiterentwickelten App können Nutzer nun auch Standortdaten bundesweit abrufen – und sie auch außerhalb Hessens den Einsatzkräften von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr mitteilen, um dadurch noch schneller Hilfe zu erhalten.

Info& auf Mainz&: Die Sicherheits-App HessenWARN kann kostenlos in den üblichen Appstores des jeweiligen Telefonanbieters heruntergeladen und installiert werden. Mehr Informationen findet Ihr auch auf der Internetseite zur Warn-App hier beim hessischen Innenministerium.

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