Das ist mal ein starkes Comeback: Die ehrwürdige Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ erwies sich am Freitagabend als Abräumer des Abends. Durchschnittlich 4,35 Millionen Zuschauer verfolgten die Live-Übertragung der traditionellen Fastnachtssitzung über fast vier Stunden hinweg, das meldet die Branchenzeitschrift DWDL. Das waren über eine halbe Million Zuschauer mehr als vor einem Jahr und reichte für starke 21,7 Prozent Marktanteil – damit schlug die Fernsehsitzung sogar „König Fußball“ und Olympia.

Kam sehr gut an im Publikum und auf den Schirmen: Florian Sitte als "Till" unter der Narrenkappe, dem Symbol der freien Narrenrede bei Mainz bleibt Mainz. - Foto: gik
Kam sehr gut an im Publikum und auf den Schirmen: Florian Sitte als „Till“ unter der Narrenkappe, dem Symbol der freien Narrenrede bei Mainz bleibt Mainz. – Foto: gik

Die Ausgangslage war alles andere als gut: 2025 war „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ bei den Quoten regelrecht abgestürzt. Lediglich 3,85 Millionen Zuschauer wollten im Februar 2025 die damals vom SWR ausgerichtete Fastnachtssitzung sehen –  das war ein neuer Tiefstwert in der Geschichte der Übertragungen. Bis 2021 waren noch mehr als fünf Millionen mit dabei, bis 2018 mehrfach über sechs Millionen – damit stürzte die „Mutter aller Fernsehsitzungen“ in eine Krise.

Woran es genau lag, blieb unklar, ein Blackout zu Sitzungsbeginn half sicher nicht, dazu hagelte es Kritik im Netz – für eine Jubiläumssendung sei das „einfach zu schlecht“ gewesen, lautete der Tenor. Die Sorgen in diesem Jahr waren deshalb groß: Würde das Flaggschiff der Mainzer Fastnacht weiter abwärts schlingern? Und was würde das für die Zukunft bedeuten? Dazu kam, dass ausgerechnet am Freitagabend parallel das Bundesligaspiel Mainz 05 gegen Dortmund im Fernsehen übertragen wurde, und auch noch Olympia lief – die Nervosität im Vorfeld war groß.

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Exzellente Quote für Mainz bleibt Mainz: Tagessieg in der Primetime

Am Samstag dann die Überraschung: „Mainz bleibt Mainz“ fuhr hervorragende Quoten ein – und das nicht nur bei der älteren Zielgruppe. Mit durchschnittlich 4,35 Millionen Zuschauern habe die Fernsehsitzung ihr „Quoten-Tief vom Vorjahr deutlich überwinden können“, meldete der Branchendienst DWDL: Das seien über eine halbe Million mehr als vor einem Jahr gewesen, und mit einem Marktanteil von starken 21,7 Prozent der höchste Wert seit sieben Jahren.

Neue Frauenpower für "Mainz bleibt Mainz": Protokollerin Christina Grom (ganz links) sowie die vier Mädels vom Frauenmuseum hatten beim Finale richtig Spaß. - Foto: gik
Neue Frauenpower für „Mainz bleibt Mainz“: Protokollerin Christina Grom (ganz links) sowie die vier Mädels vom Frauenmuseum hatten beim Finale richtig Spaß. – Foto: gik

Mehr noch: „Beim jungen Publikum erzielte die TV-Sitzung sogar den höchsten Marktanteil seit noch viel längerer Zeit: 440.000 Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren entsprachen tollen 11,3 Prozent, womit das ZDF die Rekorde der jüngeren Vergangenheit noch einmal überbieten konnte“, so die Experten weiter. „König Fußball“ kam dagegen nur auf rund 2,02 Millionen Zuschauer, selbst die zweite Hälfte des Spiels sahen noch knapp zwei Millionen. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erzielte das Fußballspiel Marktanteile von 12,5 und 11,8 Prozent.

Selbst die Olympischen Spiele konnte die Fernsehsitzung schlagen: Zwar wollten mehr als vier Millionen Zuschauer den Skeleton-Wettbewerb nach 21.00 Uhr in der ARD sehen, doch auch das reichte nur für Platz zwei: Den Tagessieg in der Abend-Primetime ab 20.15 Uhr fuhr die Mainzer Fastnachtssitzung ein. Im Vorjahr hingegen hatte „Mainz bleibt Mainz“ noch weit abgeschlagen auf einem peinlichen Patz 7 rangiert, die Zuschauer gaben einer ganz regulären Krimifolge des „Staatsanwalts“ sowie einer SOKO Leipzig-Folge den Vorzug.

 

Gefeierte Redner, allen voran „Moguntia“ Johannes Bersch

In diesem Jahr hingegen gab es rundum großes Lob für die Mainzer Sitzung: „Rundum gelungen“, „tolle Redner“, „super tolle Veranstaltung, bin begeistert“ – so lautete die große Mehrheit der Kommentare im Internet. „Die Sendung war der Hammer“, befand ein Mainz&-Leser gar, „dieses Mal war es sehenswert, weiter so“, lauteten viele Rückmeldungen. „Die beste Sitzung seit Jahren“, kommentierte manch einer gar – und auch Rückmeldungen wie „viel besser als die Mombacher Bohnebeitel“ gab es.

Gefeiert für seinen Vortrag: Johannes Bersch als "Moguntia". - Foto: gik
Gefeiert für seinen Vortrag: Johannes Bersch als „Moguntia“. – Foto: gik

Gefeiert wurden vor allem die politischen Redner: Johannes Bersch als „Moguntia“ erwies sich einmal mehr als der Abräumer: „Ich könnte eine ganze Sitzung nur mit Johannes Bersch sehen“, schwärmte ein Fan, ein anderer fühlte sich gar an den legendären „Boten vom Bundestag“, Jürgen Dietz, erinnert: „Wenn jemand jemals Jürgen Dietz das Wasser reichen kann, dann Johannes Bersch“, lautete ein Kommentar. Mit Thomas Beckers „Zeitgeist“ taten sich die Zuschauer trotz eines grandiosen Einstands schwerer, Christina Grom bekam als erste Protokollerin in der Bütt gemischte Reaktionen: Während die einen ihren Vortrag feierten, kritisierten viele Gestik und Stimmmodulation als übertrieben.

Aber auch Florian Sitte als „Till“ kam sehr gut an, gleich mehrfach erhielt Sitte stehende Ovationen mitten im Vortrag. Manch einer vermisste allerdings das geschliffene Versmaß seiner Vorgänger, inhaltlich aber gab es viel Lob für den nachdenklichen Klartext des Narren mit dem Spiegel – gerade auch für die Worte des „Till“ zum neu erstarkenden Antisemitismus auch von linker Seite. Auch beim „Obermessdiener“ gab es Lob, es sei sein „bester Vortrag seit Jahren“ gewesen, befanden diverse Zuschauer – der sichtlich angeschlagene Gesundheitszustand von Andreas Schmitt löste bei vielen aber große Sorgen aus.

Abschied vom „Hobbes“ und 100. Geburtstag der Hofsänger

Der 100. Geburtstag der Mainzer Hofsänger sowie der Abschied von Hansi Greb nach 45 Jahren als „Hobbes“ von der Fastnachtsbühne gingen da fast ein wenig unter – außer bei den Aktiven selbst: Als Greb von der Rostra zurück hinter die Bühne kam, wurde er dort von lautstarkem Beifall der anderen Aktiven empfangen, was deutlich hörbar in den Saal schallte. Auch zu den Musiknummern gab es wenig Rückmeldungen – auch wenn der Start mit den trommelnden Schnorreswacklern begeistert gefeiert wurde.

Original und Fälschung: Jürgen Wiesmann, der "Echte Ernst Lustig" links und der Mainzer OB Nino Haase rechts. - Foto: Stadt Mainz
Original und Fälschung: Jürgen Wiesmann, der „Echte Ernst Lustig“ links und der Mainzer OB Nino Haase rechts. – Foto: Stadt Mainz

Überhaupt wurde die Sitzung als rasant und schwungvoll empfunden, was ja auch eine Aussage ist. Als weniger stark wurde die „Museums“-Nummer der GCV-Frauen empfunden, als herausragend wiederum Jürgen Wiesmann als „Ernst Lustig“. Der traf auf einen „Doppelgänger“, der Mainzer OB Nino Haase (parteilos) war als Ernst Lustig“ gekommen, sein Wiesbadener Kollege Mende als Maler des bei Taylor Swift Fans so beliebten „Orphelia“-Gemäldes.

Auch im Saal des Kurfürstlichen Schlosses zu Mainz selbst war die Stimmung hervorragend: Die Gäste feierten ausgelassen, darunter zahlreiche Promis. Unter den Zuschauern waren unter anderem der Politikwissenschaftlicher Karl-Rudolf Korte, Komiker Hans-Joachim Heist – bekannt aus seiner Rolle als „Gernot Hassknecht“ – sowie auffällig viele Fernsehschaffende, von ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten über ZDF-Hauptstadtstudioleiterin Diana Zimmermann bis hin zu ARD-Fernsehintendant Florian Hager und natürlich ZDF-Chef Norbert Himmler.

Kloppo gefeiert, Klöckner gut aufgelegt – und begehrter Amthor

Zahlreich vertreten war auch die Politik, allerdings vor allem auf Landesebene: fast das gesamte rheinland-pfälzische Ampel-Kabinett scharte sich um Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD), der zudem Saarland-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) zu Gast hatte. Gefeiert vom Saal wurde hingegen auch eine sichtlich gut aufgelegte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die CDU-Politikerin kam im schicken Charleston-Kleid, aber ohne ihren neuen Partner Jörg Pilawa.

Heimlicher Star des Abends: CDU-Staatssekretär Philipp Amthor (rechts), hier mit zwei Mainzer Hofsängern sowie CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder (ganz links). - Foto: gik
Heimlicher Star des Abends: CDU-Staatssekretär Philipp Amthor (rechts), hier mit zwei Mainzer Hofsängern sowie CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder (ganz links). – Foto: gik

Vor Fastnachts-Ikone Margit Sponheimer verneigte sich gar die ganze einmarschierende Narrenschar, die berühmte Fastnachtssängerin durfte während des Hobbes-Vortrags eine kurze Sequenz ihres Mega-Hits „Gell, du hast mich gelle gern“ singen – ansonsten genoss die 83-Jährige den Abend in „ihrem“ närrischen Wohnzimmer. Für Aufsehen und Selfie-Alarm in Serie sorgte der wohl berühmteste Gast des Abends: Fußball-Trainerikone Jürgen Klopp kam mit Gattin und im Cowboy-Kostüm und wurde im Saal mit „Jürgen, Jürgen“-Rufen gefeiert, als der „Till“ ihn um ein Haar zum Kanzler ausgerufen hätte – würde „Kloppo“ nicht in Wiesbaden wohnen.

Einer aber stahl bei der Nachsitzung in den Gewölbe des Schlosses allen die Show: Alle, einfach alle, von den Hofsängern bis zum Ballett wollten ein Foto mit Philipp Amthor. Der 33-Jährige CDU-Politiker und Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung war neben Klöckner der einzige Bundespolitiker, den es in diesem Jahr zur Fernsehsitzung gezogen hatte – und gab Mainz& am Rande ein kleines Exklusivinterview.

 

Philipp Amthor: „Niveauvoll, toller Witz, richtig gut Stimmung“

„Das war für mich heute eine Premiere, aber eine großartige Premiere“, sagte Amthor, der in einer Husaren-Uniform auftauchte. Einen Gag gab es auch auf Amthors Kosten: „Er freut sich riesig, hier zu sein“, lästerte die „Moguntia“, heute darf er mal länger aufbleiben.“ Den Gag hatte allerdings die „Heute Show“ erfunden, in der Amthor Dauergast ist. „Ich finde, es ist wichtig, dass man als Politiker auch über sich selbst lachen kann“, betonte Amthor noch, „Humor und Schlagfertigkeit sind wichtige Eigenschaften in der Politik und im persönlichen Umgang.“

Aber natürlich nutzte der Politik-Profi die Gelegenheit auch, Werbung für den Spitzenkandidaten der CDU bei der Landtagswahl im März zu machen : „Ich bin vor allem gekommen, um Gordon Schnieder zu unterstützen, den ich sehr schätze“, sagte Amthor. Von Mainz und der Fastnacht zeigte sich der Norddeutsche gleichwohl höchst angetan: „Es wurde ein sehr, sehr guter Abend“, sagte Amthor: „Niveauvoll, toller Witz, richtig gut Stimmung – das hat Spaß gemacht.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur großen Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ lest ihr auch noch einmal hier auf Mainz&. Und hier unsere Fotogalerie mit den Promis des Abends!