Wie kann das römische Mainz besser vermarktet werden? Seit Jahren wird in Mainz über das Thema geredet, herausgekommen ist bisher nicht viel: ein Konzept zur Vermarktung des reichen antiken Erbes von Mainz gibt es bisher nicht. Nun legt der Verein „Rettet das Römische Mainz“ genau ein solches Konzept vor – es enthält Vorschläge zu Erlebnis-Inszenierungen und Kostümführungen, aber auch die Idee eines archäologischen  Freizeitparkes sowie kleine Archäologie-Ausstellungen in leer stehenden Läden in der Innenstadt. Im Mittelpunkt: das Alltagsleben im antiken Mogontiacum.

Vorstellung des Konzeptes "Römisches Mainz" im Mai mit den späteren Gründern des Vereins "Rettet das Römische Mainz". - Foto: gik
Vorstellung des Konzeptes „Römisches Mainz“ im Mai mit den späteren Gründern des Vereins „Rettet das Römische Mainz“. – Foto: gik

Im Juli hatte sich der neue Verein „Rettet das Römische Mainz“ gegründet, das Ziel: Die Präsentation des Römischen Erbes in Mainz nach jahrelangem Stillstand voranbringen. „Das Römische Erbe braucht einen unabhängig auftretenden Anwalt“, sagt der Präsident des Vereins, Christian Vahl. Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehören neben Vahl der ehemalige Mainzer Kulturdezernent Peter Krawietz, der langjährige Mainzer Denkmalpfleger Hartmut Fischer, heute im Verein für rheinische Denkmalpflege, sowie der frühere Landesarchäologe Gerd Rupprecht.

Im Mai hatten die Herren für ein veritables Erdbeben in Mainz gesorgt, als sie eine Broschüre mit einem Konzeptentwurf für die Präsentation des Römischen Erbes vorlegten – und das mit einer umfassenden Mängelliste rund um die antiken Denkmäler versahen. Rund um 32 öffentlich zugängliche römische Denkmäler zeigten sie Verschmutzungen und Schmierereien auf, mangelhafte Zugänglichkeit oder schlechte bis gar keine Ausschilderung.

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Alltagsgeschichte im Römerreich, Zusammenspiel Militär-Zivil

Doch die Broschüre prangerte nicht nur an, sie schaffte unter dem sperrigen Titel „Das provinzialrömische Erbe im Mainzer Stadtbild“ erstmals auch einen fundierten Konzeptansatz für die Präsentation und Vermarktung des antiken Erbes von Mainz. Das trägt natürlich die Handschrift des Ex-Landesarchäologen Rupprecht, dessen Ansatz: Während die Römerstadt Trier durch ihre große Bauten wie Porta Nigra oder Römerthermen geprägt sei, gebe es in Mainz „ein Jahrhunderte währendes und kulturhistorisch entscheidendes Zusammenspiel zwischen Militär- und Zivilgesellschaft“ – und das in einer einmaligen Form.

Ex-Landesarchäologe Gerd Rupprecht auf den Stufen der verschwundenen Jupitersäule bei einem Vortrag im Sommer 2025. - Foto: gik
Ex-Landesarchäologe Gerd Rupprecht auf den Stufen der verschwundenen Jupitersäule bei einem Vortrag im Sommer 2025. – Foto: gik

Es sei vor allem das Zusammenleben von römischem Militär und keltisch-germanischer einheimischer Bevölkerung, das sich in den Funden von Mainz und dem Charakter des antiken Mogontiacum widerspiegele, sagt Rupprecht. „Mainz ist eine Metropole gewesen, die beherrschend für den gesamten obergermanischen Limes war“, sagt Rupprecht im Interview mit Mainz&. Einheimische Kelten und Germanen seien bereits vor den Römern hier gewesen, die Stadt trage auch keinen römischen Kunstnamen wie die Colonia Köln – der Name Mogontiacum sei womöglich von dem keltischen Gott Mogon abgeleitet.

„Das ist ja das Besondere an dieser Stadt hier, dass schon im Namen eine einheimische Vergangenheit überliefert ist“, sagt Rupprecht, und betont: Das antike Mogontiacum sei „eine kribbelige Stadt gewesen“, von dem Handel auf dem Rhein und der Versorgung des Legionslagers auf dem Kästrich lebte. Und diese Alltagsgeschichte stellt Rupprecht nun auch in das Zentrum des am Montag präsentierten Tourismuskonzeptes, das unter seiner Leitung in einer Arbeitsgruppe entstand.

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Tourismuskonzept: Antikenfestspiele, Römerpfad, römischer Hafen

„Wir wollen Ideen planerischer Art veröffentlichen“, betonte Rupprecht gegenüber Mainz&, es gehe „um eine Ideensammlung, was man alles machen kann und machen soll“ – denn eines sei doch klar: „Wir müssen unbedingt nicht nur reden, sondern auch machen – es muss auch etwas geschehen.“ Im Römischen Mainz stecke viel Potenzial für eine Vermarktung, findet Rupprecht, das Tourismuskonzept sieht denn auch eine ganze Reihe von Maßnahmen vor. Dazu gehören etwa Erlebnis-Inszenierungen und Veranstaltungen in den vorhandenen antiken Stätten.

Römische Musik im römischen Theater im Sommer 2024 - solche Events sind Teil des Tourismuskonzeptes des Vereins "Rettet das Römische Mainz". - Foto: gik
Römische Musik im römischen Theater im Sommer 2024 – solche Events sind Teil des Tourismuskonzeptes des Vereins „Rettet das Römische Mainz“. – Foto: gik

So könnten etwa im antiken Römischen Theaterfestspiele nach Art der Antike stattfinden, die Umgebung der Jupitersäule vor dem Landtag zu Musikveranstaltungen oder Antikenfestspielen genutzt werden, die Wiese in der Nachbarschaft der Römersteine  in Zahlbach für Kinderfestspiele, oder auch der Zollhafen für antike Wasserspiele, schlagen die Verfasser des Konzeptes vor. Vom Bahnhof Römisches Theater ausgehend könnte ein „Römerpfad“ über das Bühnentheater hinauf zum Drususstein führen, entlang des Weges multimediale Stationen Stadtgeschichte und Alltag im antiken Mogontiacum erläutern.

Überhaupt brauche es neben Stelen mit Erklärungen neue, umfassende Online-Angebote, interaktiven Karten sowie virtuelle Rundgänge und Führungen, betonten die Autoren weiter. „Man könnte dabei auch mit Gerüchen, Geräuschen und Illuminationen arbeiten“, sagte Vahl im Gespräch mit Mainz& – so könnte es etwa am Rheinufer eine Station geben, wo über die Bedeutung des antiken Hafens für Militär, Alltagsleben und Handel mit geeigneten museumspädagogischen Konzepten informiert werde. „Man kann den Hafen wiederbeleben, wo die Schiffe gefunden wurden, und das mit Hafengeräusche wie Wellenschlag, Hammerschlägen oder Schmiedegeräuschen aus Werkstäten untermalen“, schlägt Vahl vor.

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Römische Gärten und Gaststätten, römische Frisuren und Genüsse

Ganz wichtig sei auch ein Illuminationskonzept für die antiken Denkmäler und Überreste: „Warum gibt es keine Beleuchtung nachts auf dem Weg oben am Römertheater vorbei?“, fragt Vahl, er kenne viele Menschen, die sich dort bei Nacht nicht sicher fühlten. Das gleiche gelte für andere antike Denkmäler: „Nachts verschwinden die Römersteine“, nennt Vahl ein weiteres Beispiel, „es gibt keinen Grund, warum man die nicht mit einem ansprechenden Farbkonzept erleuchten sollte – das würde auch Frauen helfen, die da nachts entlang wollen.“

Die Römersteine in Mainz-Zahlbach sind die Überreste einer antiken Wasserleitung, die einst auf den Kästrich führte. - Foto: gik
Die Römersteine in Mainz-Zahlbach sind die Überreste einer antiken Wasserleitung, die einst auf den Kästrich führte. – Foto: gik

Das Tourismuskonzept schlägt ferner „Römische Gärten“ in den Innenhöfen der Mainzer Neustadt vor, das sei ein Konzept, das schon einmal bei den Planungen für die Gartenschau-Bewerbung von Mainz angedacht gewesen sei, sagt Vahl: „Man könnte die ganzen zugepflasterten Flächen der Innenhöfe mit bepflanzten Terrakottatöpfen und Gartenlandschaften beleben.“ Überhaupt sei das Tourismuskonzept darauf gerichtet, zum Mitmachen zu animieren: „Wir sehen es als eine Einladung an alle“, sagt Vahl: „Viele Leute und auch viele Firmen wollen sich am Römischen Mainz beteiligen, sie wissen aber nicht wie, weil es kein Konzept gibt.“

In einer „Römerstadt Mainz“ könnte es denn auch römische Gaststätten mit Essen nach antiken Rezepten geben, ein Frisör römische Frisuren anbieten. „Menschen könnten römisches Leben darstellen aus der Sicht eines Handwerkers oder Hafenarbeiters“, sagt Vahl: „In einer Stadt, in der die Fastnacht hoch beliebt ist, könnten die Leute auch Interesse daran haben, etwa im Sommer so etwas darzustellen.“ Tatsächlich gibt es in anderen Römerstätten längst Initiativen, die etwa römische Legionen und deren Alltagsleben nachstellen – wie die Legio Prima Germanica – , in Mainz lässt so etwas bislang auf sich warten.

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Archäologisches Leerstandsmanagement und ein Römermuseum

Und schließlich schlägt das Tourismuskonzept vor, wie ein in letzter zeit eher weniger beachteter Ort zu einem neuen Zentrum für römische Geschichte werden könnte: „Die alte Ziegelei ist behutsam als Veranstaltungsort und Museum zu entwickeln, das die Brücke zwischen Römern bis in die Gegenwart schlägt“, heißt es dort. Tatsächlich ist die Alte Ziegelei in Mainz-Bretzenheim ein Kulturdenkmal aus der Zeit der Industrialisierung, aus einer ehemaligen Ziegelfabrik wurde ein Freizeit- und Kulturzentrum samt Ziegeleimuseum – und das umfasst eine Sammlung von mehr als 900 Dachziegeln und Backsteinen, die einen Zeitraum von 4000 Jahren umspannen, und damit auch die Römerzeit.

Ein römisches Essgeschirr aus rotem Ton, gefunden im Mainzer Zollhafen_: Alltagsgegenstände in Massen in den Archiven. - Foto: gik
Ein römisches Essgeschirr aus rotem Ton, gefunden im Mainzer Zollhafen_: Alltagsgegenstände in Massen in den Archiven. – Foto: gik

Vahl sagte nun zudem, in den Archiven der Archäologen schlummerten unendlich viele Funde aus der Antike, die nie gezeigt würden, anhand derer aber man das Alltagsleben im römischen Mainz sehr anschaulich zeigen könne. Eine Idee Rupprechts sei es denn auch, solche Alltagsgegenstände in leer stehenden Läden zu zeigen. „Es gibt so viele leere Schaufenster in Mainz“, sagt Rupprecht: „Aus den Beständen in den Magazinen ließen sich mit Leichtigkeit etwa ein Dutzend spannende Ausstellungsprojekte zusammenstellen.“ Gemeinsam mit dem Leerstandmanagement der Stadt könnte man so die leeren Schaufenster füllen, diese „closed-door-exhibitions“ würden die Altstadt noch attraktiver machen.

Gerade die Funde in der Mainzer Neustadt und zuletzt bei der Entdeckung der Canabae, der Lagervorstadt in der Mainzer Oberstadt, hätten mit ihren Funden gezeigt, „dass es im Römischen Mainz eine breite Mittelschicht gab: Menschen, die Handel und Handwerk, Gastwirtschaften und Waffenschmieden betrieben und damit zu Wohlstand kamen.“, betont Rupprecht: „Wir teilten in der Arbeitsgruppe die Überzeugung, dass wir über das Alltagsleben im Römischen Mainz ebenso spannende Geschichte erzählen können, wie über Bauwerke. Die Funde sprechen ja bereits. Wir müssen nur wieder lernen, ihnen zuzuhören. Damit könnten wir morgen anfangen.“

Info& auf Mainz&: Mehr zu dem Grundkonzept für die Präsentation des Römischen Mainz lest Ihr hier bei Mainz&.

Konzept fürs Römische Mainz: Legionslager, Wein, Handelszentrum – Neue Broschüre liefert Bestandsaufnahme zu römischen Denkmälern