Sie sind für viele ein wichtiger Baustein von Mobilität in Mainz, ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen: E-Scooter sind beliebt und werden auch immer häufiger angeschafft. Doch mit der steigenden Zahl der Elektro-Roller ist auch die Zahl der Unfälle explodiert: 2025 gab es 38 Prozent mehr Unfälle mit E-Scootern – und 38 Tote. Auch in Mainz stieg die Zahl der Unfälle mit E-Scootern um rund ein Viertel gestiegen, der TÜV-Verband fordert nun mehr Sicherheit, vor allem durch baulich getrennte Wege für Räder und E-Scooter.

Die ersten E-Scooter in Mainz, damals von der Marke Tier, im August 2019. - Foto: gik
Die ersten E-Scooter in Mainz, damals von der Marke Tier, im August 2019. – Foto: gik

Es war am 7. August 2019, als Mainz eine Premiere erlebte: 100 mintgrüne E-Scooter tauchten auf den Mainzer Straßen auf, das Berliner Unternehmen Tier war damals das erste, das die kleinen Elektroflitzer zum Leihen anbot. Die Scooter wurden schnell zum beliebten Mobilitätsfaktor, Nutzer schätzen die Vorteile: die unkomplizierte Verfügbarkeit, das schnelle Aufspringen, das Überbrücken kurzer Wege in die City oder zwischen Haltestellen.

Seit Anfang März hat die Stadt Mainz allerdings die Zahl der Leih-Scooter stark eingeschränkt, seither sind nur noch 300 Leih-Scooter in der Innenstadt erlaubt, die zudem auf einer von 25 festgelegten Parkplätzen abgestellt erden müssen – die Attraktivität wurde damit eingeschränkt. Trotzdem werden die kleinen Flitzer weiter rege genutzt, dazu haben inzwischen auch viele Privathaushalte eigene E-Scooter angeschafft, gerade um in Baustellen-geplagten Mainzer Stadtverkehr mobil zu sein.

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Schon 1,4 Millionen private E-Scooter, 38 Prozent mehr Unfälle

Nach Angaben des statistischen Bundesamts gab es im Jahr 2023 bereits rund 1,4 Millionen E-Scooter in deutschen Haushalten – Tendenz steigend. „E-Scooter werden längst nicht mehr nur ausgeliehen, sondern sind zunehmend teil privater Fuhrparks“, sagte nun Robin Zalwert, Referent New Mobility beim TÜV-Verband. Der TÜV-Verband legte am Donnerstag Unfallzahlen speziell zum Bereich E-Scooter vor, und da heißt es: Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden ist im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent gestiegen.

E-Scooter von Leihformen in einer der neuen Parkzonen in der Mainzer Innenstadt. - Foto: gik
E-Scooter von Leihformen in einer der neuen Parkzonen in der Mainzer Innenstadt. – Foto: gik

Demnach gab es 2025 insgesamt 16.496 Unfälle mit E-Scootern, bei denen Menschen verletzt wurden – meist die Scooter-Fahrer selbst. 2024 waren es noch 11.944 Unfälle mit E-Scootern und Personenschaden gewesen, damit habe sich die Zahl dieser Unfälle mehr als verdreifacht. Erhoben werden Unfälle mit E-Scootern erst seit 2021, damals zählte die Statistik 5.535 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Noch erschreckender: 2025 kamen dabei 38 Menschen ums Leben.

Auch in Mainz heißt es bei der Mainzer Polizei, die Unfallbeteiligung von „Elektrokleinstfahrzeugen“ sei in den vergangenen vier Jahren stetig gestiegen – und zwar genau im Bundesschnitt. Nach Angaben der polizeilichen Unfallstatistik gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz – also inklusive Teilen von Rheinhessen – insgesamt 193 Unfälle mit E-Scootern, das waren 40 mehr als im Jahr zuvor und ein Anstieg von 26,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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Ein Toter nach E-Scooter-Unfall 2025 in Mainz

Die Zahl der Unfälle, bei denen mindestens eine Person verunglückte, stieg allerdings um um 38 Prozent von 108 auf 149, dabei waren 127 der Verunglückten selbst Fahrer der E-Scooter. Überhaupt verursachten diese zu 63,7 Prozent ihre Unfälle selbst, meist blieben die Betroffenen leicht verletzt, Schwerverletzte gab es im Raum Mainz insgesamt 17 – und einen Toten: Am 14.10.2025 verstarb in Mainz ein 48-jähriger Fahrer eines Elektrokleinstfahrzeuges, ab dem Unfall war niemand anderes beteiligt, der Mann war alkoholisiert.

Ein E-Scooter steht mitten auf einem Radweg in Mainz - eine Szene aus der Vergangenheit. - Foto: gik
Ein E-Scooter steht mitten auf einem Radweg in Mainz – eine Szene aus der Vergangenheit. – Foto: gik

Zum Vergleich: Im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz 2025 gab es insgesamt 29 Tote, darunter waren vier Fußgänger, vier Radfahrer sowie fünf Motorradfahrer. Die Unfallzahlen mit E-Scootern befänden sich damit zwar noch „auf einem niedrigen Gesamtniveau“, stellten aber gleichwohl eine „Risikogruppe der Zukunft“ dar, bilanziert die Mainzer Polizei. So sieht man das auch beim TÜV: „Seit ihrer Einführung im Jahr 2019 sind E-Scooter Teil der Alltagsmobilität geworden“, die steigenden Unfallzahlen aber „sollten wir nicht als zwangsläufig hinnehmen“, mahnt Zalwert, und fordert Nachbesserungen in Punkto Verkehrssicherheit, Regeln und Prävention.

Die Unfallstatistik zeige deutlich, dass viele Unfälle vermeidbar seien – denn zu den häufigsten Ursachen zählten falsche Straßennutzung und Fahrten unter Alkoholeinfluss. „Wer alkoholisiert fährt, auf dem Gehweg unterwegs ist oder einen E-Scooter zu zweit nutzt, gefährdet sich und andere“, warnt Zalwert. Deshalb müssten die Regeln der Straßenverkehrsordnung sowie Bußgelder und strengere Haftungsregeln für die Anbieter auch konsequent durchgesetzt werden.

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TÜV fordert baulich getrennte Wege für E-Scooter und Räder

Vor allem fordert der TÜV denn auch sicherere Räume für E-Scooter und übrigens auch gleich für Fahrräder: „Wir brauchen Straßen, auf denen sich die verschiedenen Verkehrsarten sicher begegnen können“, fordert Zalwert, es brauche „baulich getrennte und durchgängige Wegen für Fahrräder und motorisierte Kleinstfahrzeuge“. Verkehrssicherheit lasse sich nur erreichen, wenn die Infrastruktur allen Verkehrsmittel sichere Wege zur Verfügung stelle und Konflikte im Straßenraum reduziere.

Rad-Piktogramm auf der Straße statt getrennter Radweg: Verkehrspolitik in Mainz. - Foto: gik
Rad-Piktogramm auf der Straße statt getrennter Radweg: Verkehrspolitik in Mainz. – Foto: gik

Das ist das Gegenteil der Verkehrspolitik in Mainz: Hier werden Fahrräder und damit auch E-Scooter bevorzugt mit den Autos auf die gleiche Fahrbahn geschickt, mittels Piktogrammen wird ein gemeinsamer Verkehrsraum für alle geschaffen. Das Verkehrsdezernat will damit den Autoverkehr ausbremsen, viele Radfahrer fühlen sich indes damit hochgradig unsicher, gerade wenn enge Straßen gleichzeitig auch von Bussen befahren werden. Beim TÜV mahnt man derweil, jeder zweite verunglückte E-Scooter-Fahrer habe sich bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw verletzt.

Zudem fordert der Verband, stärker gegen illegales Tuning privater E-Scooter vorzugehen. Es gebe da „einen besorgniserregenden Trend“, sagte Zalwert: „E-Scooter werden per App, Software oder technischen Umbauten manipuliert und erreichen statt der zulässigen 20 km/h Geschwindigkeiten von 40 km/h oder mehr.“ Für solche Geschwindigkeiten seien die Fahrzeuge aber nicht ausgelegt, auch gebe es keine Helm- oder Führerscheinpflicht – das  erhöhe das Risiko schwerer Unfälle erheblich.

„Illegale Manipulationen müssen deshalb konsequent aufgedeckt und geahndet werden“, fordert der TÜV-Verband, dafür brauche es gezielt punktuelle Straßenkontrollen der Polizei. Und schließlich müssten E-Scooter auch fester Bestandteil der Verkehrserziehung werden: „Fahrsicherheitstrainings, ähnlich der Radfahrausbildung, während der Schulzeit können insbesondere jungen Nutzern helfen, Risiken besser einzuschätzen und ihr Fahrzeug sicher zu beherrschen“, sagt der TÜV-Experte und betont: „E-Scooter sind gekommen, um zu bleiben, jetzt müssen wir dafür sorgen, dass sie ein sicherer Teil unseres Mobilitätsmixes sind.“

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