Die Weinlese hatte ja mitten im Hochsommer begonnen, nun ist sie schon vorbei. Am Montag beendeten auch die spät erntenden Winzer ihre Weinlese. Im Keller der Winzer reifen jetzt Trauben mit besonderem Potenzial: der Weinjahrgang 2015 könnte ein ganz Großer werden. Hohe Traubenmostgehalte, tiefreife, gelbliche Beeren, ja sogar Rosinen-artige Trauben – in den Lesebütten der Winzer fanden sich in diesem Jahr außergewöhnliche Qualitäten. „Besser geht’s eigentlich nicht“, heißt es beim Weingut Braunewell in Essenheim. Mainz& war da.

Christian Braunewell mit Lesegut Riesling Teufelspfad und Weinbergen - Foto Kirschstein
Christian Braunewell mit Riesling-Trauben aus dem Teufelspfad – Foto: gik

„Das wird mal ein goldgelber Riesling“, sagt Christian Braunewell. Im Glas hat der Jungwinzer aus dem rheinhessischen Essenheim gerade eine orangerote Flüssigkeit, es ist Riesling aus der Lage Teufelspfad. Noch ist der Oktober gerade einmal zwei Drittel herum, doch bei Braunewells ist die Lese schon im Keller – wie bei den allermeisten Winzern. Der Teufelspfad war der letzte Weinberg der Lesesaison 2015, und die verspricht Außergewöhnliches: 2015 könnte ein ganz großer Jahrgang werden. „Wir haben extrem viele edelsüße Weine gelesen“, berichtet Braunewell: „Spätlesen, Auslesen, Trockenbeerenauslesen, alles das.“ Damit waren sie nicht die einzigen: Im Weingut Dr. Hinkel in Framersheim wurde vergangenes Wochenende eine Huxelrebe-Trockenbeerenauslese mit 239 (!) Grad Oechsle geerntet – ein echter Brummer.

„Der Weinjahrgang 2015 hat das Potenzial, ein richtig großer zu werden“, heißt es auch beim Deutschen Weininstitut (DWI) in Mainz. Sehr aromatische und kerngesunde Trauben mit überdurchschnittlichen Mostgewichten sind das Ergebnis eines Bilderbuchsommers: Das heiße Wetter machte den Weinstöcken herzlich wenig aus, besonders die älteren Anlagen kamen mit ihren tiefen Wurzeln trotz hoher Trockenheit gut zurecht.

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Braunewell Riesling Kalkstein 2015 - Foto Braunewell
Reben gesund, Trauben 1a – der Riesling von Braunewell im Teufelspfad – Foto: Braunewell

Dann kam im September ein Regeneinbruch, die Ernte schien im Regen zu ertrinken. Doch weit gefehlt: „Wir hatten danach drei bis vier Wochen trockenes, kühles und windiges Wetter“, berichtet Braunewell, „das war optimal, damit keine Pilze wachsen können.“ Und so reifte in den Weinbergen beinahe heimlich ein Weinjahrgang heran, der zu den besten des Jahrzehnts werden könnte.

„Wir haben bei den Burgundersorten wenig Säure und viel Frucht, dafür beim Riesling hohe Säure aber reife Aromen“, berichtet Braunewell, „besser geht es eigentlich nicht.“ In Essenheim, das ist gleich hinterm Mainzer Lerchenberg, reifen die Weine auf Kalkböden, Meeresböden aus der Urzeit. Es ist der perfekte Boden für moderne, mineralische und leichte Weißweine.

Die Mineralstoffe aus dem Boden kitzeln, das Terroir im Wein schmeckbar machen – die Brüder Christian und Stefan Braunewell sind typisch für den Aufbruch der jungen rheinhessischen Weinszene in den vergangenen Jahren. Alte Weinbau-Traditionen werden hier mit Experimentierfreude gemischt, heraus kommen etwa spannende Sauvignon Blancs oder besondere Grauburgunder. Bei Braunewells machen sie aber auch Spitzensekte: der Blanc de Blanc Chardonnay Sekt brut wurde vom Weinmagazin falstaff zu den fünf besten Sekten Deutschlands gewählt.

Aber auch die Spätburgunder sind hier preisgekrönt: der 2012er Spätburgunder Teufelspfad gewann gerade Gold beim internationalen Wettbewerb Mondial des Pinots in der Schweiz. Und der Riesling vom Teufelspfad belegte beim renommierten Wettbewerb best of riesling mit 91 Punkten einen Spitzenplatz. Wobei uns der 2013er Riesling „Blume“ ja sogar noch besser geschmeckt hat: Vielschichtig im Geschmack, sanfte, unaufdringliche Blumenaromen, rassiger Riesling-Mineralik – ein absoluter Topwein! Aber auch den Riesling in der Literflasche solltet Ihr nicht ignorieren: für 4,80 Euro gibt’s hier einen feinen Einstiegswein.

Christian Braunwell - Erste Fassprobe im Weinkeller
Jetzt beginnt das große Probieren im Keller: der Ausbau der Wein im Fass – Foto: gik

2015 kann aber auch ein großes Rotweinjahr werden, Dank des heißen Sommers. Im Herbst habe es zwar viel geregnet, sagt Braunewell, „aber die Reben standen super.“ Vor drei Jahren ernteten sie bei Braunewells zum letzten Mal einen Riesling im November, die Zeiten sind vorbei. Moderne Methoden wie frühe Traubenselektion reduzieren den Ertrag und bringt eine höhere Aromenkonzentration in den verbleibenden Trauben – das beschleunigt aber auch die Reife und damit die Lese.

Das Ergebnis sind aber auch sinkende Erntemengen: Zwischen 8,8 und 8,9 Millionen Hektolitern schätzt das DWI die diesjährige Erntemenge, das sind noch einmal etwas weniger als 2014. Für die Weinszene ist das aber immer noch eine Erntemenge im Schnitt der vergangenen Jahre.

In Essenheim ziehen die Trauben vom Teufelspfad noch ungekeltert 24 Stunden mit Stielen und vollständigen Trauben auf der Maische, das löst zusätzliche Aromen und Mineralstoffe aus den Trauben und senkt dadurch auch später die Säure im Wein. „Das ist genau das, was wir wollen“, sagt Braunewell zufrieden: „rassige, gehaltvolle Rieslinge.“

Info& auf Mainz&: Das Weingut Braunewell im rheinhessischen Essenheim findet Ihr im Internet genau hier. Die Preise liegen zwischen 4,80 Euro für den Liter- und rund 20,- Euro für den Spitzen-Weißwein. Braunewell-Weine könnt Ihr aber auch am Wochenende in Mainz probieren – beim Weinforum Rheinhessen in der Rheingoldhalle.

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