Die Vorweihnachtszeit war in diesem Coronajahr doch eher grau und düster: Keine Weihnachtsmärkte, kein bunter Budenzauber, kein Lichterglanz – da beschloss die Stadt Wiesbaden, ihre übliche Weihnachtsdeko auszuweiten. Seit dem 6. Dezember erstrahlt nun der Luisenplatz in Wiesbaden in wahrhaft herrschaftlichem Lichterglanz: Da tummeln sich edel gewandete Adelspaare rund um den erleuchteten Platz, Bäume erstrahlen in festlichem Rot, Büsche glitzern im Lichtermeer – und eine festlich erleuchtete Kutsche samt stolzem Ross zieht alle Augen auf sich.

Lichtinstallation auf dem Luisenplatz in Wiesbaden: Adlige, strahlender Bäume und Schneeflocken auf der Kirche. - Foto: gik
Lichtinstallation auf dem Luisenplatz in Wiesbaden: Adlige, strahlende Bäume und Schneeflocken auf der Kirche. – Foto: gik

Wiesbaden ist eines der ältesten Kurbäder Europas, die Grafen von Nassau residierten hier lange, um die Jahrhundertwende zog das „Nizza des Nordens“ gekrönte Häupter wie Kaiser Wilhelm II. und zahllose weitere europäische Adelshäuser bis hin zu russischen Zaren an. Nun scheint die alte höfische Zeit mit reich gewandeten Adligen und edlen Kutschen zurückgekehrt – die Lichtinstallation spielt mit Licht, Romantik und Erinnerungen.

Die Illumination stammt von der deutschlandweit bekannten Berliner Firma Boehlke Lichtdesign, die unter anderem den Kurfürstendamm und das Schloss Bellevue in Berlin in Szene setzt. Vor zwei, drei Monaten sei er von Freunden aus Wiesbaden angesprochen worden, berichtete Inhaber Andreas Boehlke gegenüber Mainz&: „Der Luisenplatz ist ein sehr geschichtsträchtiger Platz, die Motive besaßen wir schon – ich dachte mir, das könnte gut passen.“ Boehlke entwarf ein Illuminationskonzept und schickte es der Stadt, dann hörte er erst einmal lange nichts.

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Adelspaare in fürstlicher Kulisse: Illumination Luisenplatz Wiesbaden. - Foto: gik
Adelspaare in fürstlicher Kulisse: Illumination Luisenplatz Wiesbaden. – Foto: gik

Erst wenige Tage vor dem Start kam die Zusage: „Das war eine sehr kurzfristige Geschichte“, erzählt Boehlke: „Dienstags haben wir den Auftrag bekommen, dann haben wir das Material gepackt – und am Sonntagmittag waren wir fertig.“ Seit über 30 Jahren ist der gelernte Elektroinstallateur im Weihnachtssektor unterwegs, die Firma Boehlke Lichtdesign gründete der Großvater – in Berlin setzt er unter anderem den Ku-Damm in Szene und verantwortet das „Festival of Lights“.

Nun also setzte Boehlke auch den Wiesbadener Luisenplatz gekonnt in Szene, von der Stadt heißt es dazu, man habe 5.000 Euro zur Verfügung gestellt, die Firma Boehlke habe Leistungen im Wert von 10.000 Euro kostenfrei beigesteuert. „Ach was, das war viel mehr“, sagt Boehlke: „Ich habe einfach gesagt, ich mache mehr, weil wir gerne noch etwas tun wollten in diesem Jahr.“ Für die Stadt Wiesbaden war das außergewöhnliche Licht-Designkonzept ein Teil der besonderen Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt, die im Corona-Jahr Besucher anziehen und so auch den Einzelhandel unterstützen sollte.

Highlight der Illumination: Die riesige Kutsche samt edlem Ross. - Foto: gik
Highlight der Illumination: Die riesige Kutsche samt edlem Ross. – Foto: gik

Zumindest was die Besucher anging, gelang das auch: Der Luisenplatz wurde zum wahren Besuchermagneten, die Stadt musste wieder und wieder mahnen, Maskenpflicht und Abstandsregeln einzuhalten, zumal bis Mitte Dezember auch Glühwein am Rande des Platzes ausgeschenkt wurde. Man wolle im Teil-Lockdown den Menschen in dieser schwierigen Zeit noch etwas bieten, verteidigte der Wiesbadener Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) die Aktion.

Inzwischen hat der verschärfte Lockdown den Glühweinverkauf gestoppt, die Illumination selbst ist aber weiter zu sehen: Noch bis zum 6. Januar 2021 einschließlich tummeln sich Adlige im Lichterglanz auf dem Platz, scharrt das Pferd vor der Kutsche mit seinen Hufen. Und auch die Bonifatiuskirche ist Teil der Lichtinstallation: Über die Fassade der Kirche huschen immer wieder Sterne und Schneeflocken, während auf den Kirchturmspitzen Kreuze leuchten – herrschaftlicher Weihnachtsglanz eben.

Info& auf Mainz&: Die Lichtinstallation auf dem Luisenplatz in Wiesbaden ist noch bis einschließlich 6. Januar 2021 zu sehen. Bitte beachten: In der Wiesbadener Innenstadt gilt weiterhin eine Maskenpflicht, auch auf öffentlichen Plätzen. Und natürlich braucht es bei so einem Bericht vor allem eines – hier kommt unsere Fotogalerie:

 

 

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1 KOMMENTAR

  1. Wiesbaden war als Residenz- und Kurstadt schon immer eine ganz andere Nummer als die ehemalige Arbeiterstadt Mainz. Daher kommen auch die alten Berührungsängste, die sich bis heute gehalten haben. Als Meenzer Hausgeburt mit Luftschutzkeller- und Strohsackerfahrung muss ich zugeben, dass Mainz trotz Sitz der Landesregierung in Wahrheit „Provinzstadt“ ohne besondere Attraktionen geblieben ist. Mainz besteht fast nur aus Vororten. Ich kenne keine farblosere Stadt. Man soll halt nicht versuchen, mit großen Hunden „Pissen“ zu gehen.

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