Auch im Jahr 2022 verdienen Frauen für die gleiche Arbeit noch immer weniger Geld – im Schnitt 18 Prozent, in Führungspositionen sogar bis zu 30 Prozent. Deutschland ist in Sachen Benachteiligung von Frauen ziemlich weit vorn, das ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Gewerkschaften und Stiftungen fordern deshalb auch dieses Jahr zum Internationalen Frauentag am 8. März und zum #EqualPayDay am 7. März wieder: Frauen müssen endlich gleichgestellt, Zeit, Macht und Geld endlich fair verteilt werden. Wie genau die Lage von Frauen in Rheinland-Pfalz ist, dazu hat das Statistische Landesamt gerade neue Zahlen herausgegeben. Viel getan hat sich nicht.

Zahlen zum Gender Pay Gap der Allbright Stiftung. - Screenshot: gik
Zahlen zum Gender Pay Gap der Allbright Stiftung. – Screenshot: gik

Alle Jahre wieder mahnen Politiker und Gewerkschaften zum Internationalen Frauentag am 8. März die Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft an – doch in der Realität tut sich weiter nur sehr langsam etwas: 18 Prozent weniger verdienen Frauen auch im Jahr 2022 noch immer für die gleiche Arbeit, in Führungspositionen beträgt der Lohnunterschied im Vergleich zu Männern sogar 30 Prozent, wie die AllBright Stiftung betont. Rechnet man den “Pay Gap” von 18 Prozent auf Tage um, dann haben Frauen auch vom 1. Januar an 66 Tage “umsonst” gearbeitet – also bis heute.

Deutschland habe damit einen der höchsten “Gender Pay Gap”s in Europa, betont die Stiftung weiter: Bei einem Vergleich unter 27 Ländern landete Deutschland gerade einmal auf Platz 24. Und dabei fragen Frauen genauso häufig nach einer Gehaltserhöhung wie Männer, betont man bei der Stiftung – nur ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Gehaltserhöhung auch bekommen, um 25 Prozent geringer. Bei Jüngeren ist der Gehaltsunterschied übrigens mit 8 Prozent noch relativ gering – ab einem Alter von 30 Jahren steigen die Unterschiede jedoch rasant an, haben Wirtschaftsforscher herausgefunden.

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Die deutsch-schwedische AllBright Stiftung ist eine politisch unabhängige und gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Stockholm und in Berlin, die sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft einsetzt. Zum heutigen Equal Pay Day hat die Stiftung einige der oben erwähnten Fakten zusammengestellt, und resümiert: Beim derzeitigen Veränderungstempo werde es noch mindestens 112 Jahre dauern, bis der Gender Pay Gap in den OECD-Ländern geschlossen ist.

Frauen verdienen bis heute deutlich weniger als Männer für die gleiche Arbeit, der Kampf um Gleichstellung geht weiter - hier eine Suffragette des 20. Jahrhunderts. - Foto: Frauenbüro Stadt Mainz
Frauen verdienen bis heute deutlich weniger als Männer für die gleiche Arbeit, der Kampf um Gleichstellung geht weiter – hier eine Suffragette des 20. Jahrhunderts. – Foto: Frauenbüro Stadt Mainz

Derweil fordern gerade auch Politiker zum Equal Pay Gap sowie zum morgigen Weltfrauentag unverdrossen weiter die Gleichstellung von Männern und Frauen. Die Lohnungleichheit sei “nicht hinnehmbar”, betonte etwa die rheinland-pfälzische Frauenministerin Katharina Binz (Grüne): “Die nach wie vor bestehende Lohnungleichheit ist ein Arbeitsauftrag, die Strukturen zu durchleuchten und zu ändern, die dafür verantwortlich sind.” Derzeit werde etwa in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Landesamt eine Studie erarbeitet, die der Frage nachgehe, warum Frauen weniger verdienten als Männer, teilte die Ministerin weiter mit. Diese detaillierte Übersicht solle “die Grundlage zur Entwicklung weiterer Maßnahmen und Strategien zum Abbau der bestehenden Entgeltungleichheit sein.”

Die Landesregierung habe fünf Beratungsstellen im Programm “Neue Chancen+” ins Leben gerufen, die Frauen in Rheinland-Pfalz individuell in allen Fragen zum beruflichen (Wieder-) Einstieg und der beruflichen Weiterentwicklung unterstützten. Bereits 2010 sei das Mentoring-Programm “Mehr Frauen an die Spitze!” entwickelt worden, das den Frauenanteil in Führungspositionen in der Landesverwaltung erhöhen soll.

Gender Pay Gap in Rheinland-Pfalz: enorme Lohn-Lücke im gehobenen Bereich. - Grafik: Statistisches Landesamt
Gender Pay Gap in Rheinland-Pfalz: enorme Lohn-Lücke im gehobenen Bereich. – Grafik: Statistisches Landesamt

Das Statistische Landesamt in Bad Ems teilte derweil mit Bezug auf die aktuellen Zahlen schon einmal mit: der Gender Pay Gap ist in Rheinland-Pfalz unverändert hoch. Hier im Bundesland verdienen Frauen im Schnitt 15 Prozent weniger als Männer für die gleiche Arbeit  – das ist aber nur der achtbeste Wert unter den Bundesländern. Ganz weit vorn liegen dabei die östlichen Bundesländer, in denen der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen im Schnitt nur bei 5 bis 7 Prozent liegt. Die größte Gehaltslücke gibt es in Baden-Württemberg und Bremen mit 22 Prozent sowie in Bayern mit 21 Prozent, Hessen liegt mit 18 Prozent genau im Bundesschnitt.

Im Vergleich zu 2010 habe sich der Verdienstabstand zwischen den Geschlechtern in Rheinland-Pfalz übrigens um sieben Prozentpunkte verringert, teilte das Statistische Landesamt weiter mit, der Grund: Für Frauen sind die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste seit 2010 stärker gestiegen als für Männer – nämlich für Frauen mit plus 30,8 Prozent, und für Männer mit plus 20,5 Prozent. Und dabei erreichen Frauen in Rheinland-Pfalz im Durchschnitt höhere Bildungsabschlüsse als Männer: Mehr als 43 Prozent der jungen Frauen verlassen die allgemeinbildenden Schulen mit dem Abitur in der Tasche, bei den jungen Männern sind es nur 33 Prozent. Außerdem werden 55 Prozent der bestandenen Abschlussprüfungen an Hochschulen von Frauen abgelegt.

Zahlen zum Vergleich zwischen Frauen (links) und Männern (rechts) in Rheinland-Pfalz. - Grafik: Statistisches Landesamt
Zahlen zum Vergleich zwischen Frauen (links) und Männern (rechts) in Rheinland-Pfalz. – Grafik: Statistisches Landesamt

Gleichzeitig sind an den Hochschulen im Land aber nur 24 Prozent der Professorenstellen mit Frauen besetzt, gleichzeitig sind aber fast 72 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen weiblich. Ein Grund für den Gender Pay Gap: Frauen sind viel häufiger nur in Teilzeit beschäftigt – mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen arbeitet Teilzeit (52 Prozent), bei den Männern beträgt die Teilzeitquote nur zehn Prozent. In der Konsequenz haben Frauen auch deutliche seltener Führungspositionen: Weniger als 30 Prozent der abhängig Erwerbstätigen in Führungspositionen sind weiblich.

Und: Knapp 80 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen – auch das ist ein hohes Armutsrisiko in unserer Gesellschaft. Interessant dabei auch: Statistisch gesehen sind 36,6 Prozent der Frauen in Rheinland-Pfalz ledig und nur 44,2 Prozent verheiratet – bei den Männern sind 45,8 Prozent ledig und 44,7 Prozent verheiratet. Mit 31,6 Jahren heiraten Frauen im Schnitt deutlich früher als Männer, die sich im Durchschnitt erst mit 34,1 Jahren ehelich binden. 7.800 Ehen wurden im Jahr 2020 geschieden.

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Ein Grund für die großen Gehaltsunterschiede ist aber auch weiter die Berufswahl bei Männern und Frauen: Der häufigste Ausbildungsberuf bei Mädchen ist noch immer die Erzieherin, gefolgt von Bürokauffrau und Sozialassistentin, Männer werden am häufigsten Elektroniker, Kraftfahrzeugmechatroniker oder Anlagenmechaniker – die von traditionellen Rollenbildern geprägte Berufswahl ist in Rheinland-Pfalz also weiterhin stark ausgeprägt. Immerhin: 42 Prozent der Frauen in Rheinland-Pfalz leben überwiegend von eigener Berufstätigkeit, bei den Männern sind es auch nur 51,7 Prozent – schockierend ist der Blick hingegen in die Einkommensgruppen.

Schwarze Frauen im Spielfilm "Hidden Figures" über US-Wissenschaftlerinnen in der Raumfahrt. - Foto: Cinestar
Schwarze Frauen im Spielfilm “Hidden Figures” über US-Wissenschaftlerinnen in der Raumfahrt. – Foto: Cinestar

So verdient ein angelernter Arbeitnehmer im Schnitt 2.789 Euro brutto im Monat, eine Frau hingegen in gleicher Position nur 2.308 Euro – das sind 481 Euro weniger. Bei Fachkräften beträgt der Unterschied 3.418 Euro für Männer zu 3.032 Euro für Frauen, bei Arbeitnehmern in gehobener Stellung wird die Lücke dann richtig groß: Männer verdienen hier im Schnitt 7.327 Euro, Frauen hingegen nur 6.065 Euro – das sind satte 1.262 Euro weniger.

“Zeit, Macht und Geld müssen endlich fairer verteilt werden”, fordert denn auch die neue Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Susanne Wingertszahn, und mahnt: Nicht nur die Corona-Pandemie habe Frauen besonders hart getroffen, auch der fundamentale Wandel in der Arbeitswelt – den man auch unter dem Begriff Transformation kennt – werde sich spürbar auf die Beschäftigung von Frauen auswirken. Frauen müssten deshalb “diesen Wandel aktiv mitgestalten”, die Transformation als Chance für die Gleichstellung gesehen werden.

Persiflage auf eine Hausfrau alten Stils in der Mainzer Fastnacht beim GCV, hier: Benno Hellmold. - Foto: gik
Persiflage auf eine Hausfrau alten Stils in der Mainzer Fastnacht beim GCV, hier: Benno Hellmold. – Foto: gik

“Wir erwarten von Politik und Wirtschaft, Frauen stärker einzubeziehen und das Jahrzehnt der Gleichstellung einzuläuten”, forderte Wingertszahn. Dazu gehöre, Tarifbindung und Mitbestimmung zu stärken und Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu überführen. Die Politik müsse aber auch Gleichstellungs-Checks für Gesetze, Maßnahmen und Programme verankern und unbezahlte Haus- und Sorgearbeit als Normalfall für alle Geschlechter spürbar vorantreiben.

Denn noch immer leisten Frauen deutlich mehr bei der Hausarbeit und vor allem der Kinderbetreuung als Männer – und auch die Pflege von kranken oder alten Angehörigen ist weit überwiegend Aufgabe der Frauen, wie der Verband VDK ganz aktuell mitteilt: Pflegearbeit werde zu über 60 Prozent von Frauen geleistet, viele könnten deshalb ihren Beruf nur in Teilzeit ausüben. “Frauen pflegen sich in die Altersarmut”, bilanzierte der VDK auf der Grundlage neuester Zahlen für Rheinland-Pfalz. Der Staat müsse hier dringend mehr tun, pflegende Angehörige bräuchten eine Lohnersatzleistung, bessere Rentenansprüche sowie den Anspruch, von ihrer Arbeit freigestellt zu werden und anschließend an ihre Arbeitsstelle zurückkehren zu können.

Passend zum Frauentag am 8. März rufen nun die Gewerkschaften gerade in den Erziehungsberufen zum Streik auf: Nach dem ergebnislosen Verhandlungsauftakt bei den bundesweiten Tarifverhandlungen für den kommunalen Sozial-und Erziehungsdienst wollten die Beschäftigten “nun öffentlich mit Nachdruck auf ihre Forderungen aufmerksam machen”, teilte der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hessen mit. Dazu werde die Gewerkschaft Ver.di die kommunalen Beschäftigten der Kitas, der sozialen Dienste und der Behindertenhilfe zu Warnstreiks aufrufen – es sei “mit reger Teilnahme zu rechnen.”

Info& auf Mainz&: Alle Zahlen des Statistischen Landesamtes zum Thema Frauen findet Ihr hier im Internet, darunter auch ein Faltblatt zum Download. Die Auswertung der Statistiker zum Gender Pay Gap findet Ihr hier im Internet. Die VdK-Pflegestudie zum Thema Frauen findet Ihr hier im Internet. Mehr zum Thema “Starke Frauen” könnt Ihr übrigens bei Mainz& lesen – in diesem Artikel zum Weltfrauentag 2019, und in dem Buch “Starke Frauen” von Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein, mehr dazu hier.

 

 

 

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