Die närrische Kampagne steuert auf ihren Höhepunkt zu: Der Rosenmontagszug in Mainz steht vor der Tür! Pünktlich um 11.11. Uhr wird sich der närrische Lindwurm in Bewegung setzen, rund fünf Stunden lang ziehen dann Narren, Garden und Wagen durch die Innenstadt von Mainz – es ist nach Köln und Düsseldorf der drittgrößte Narrenumzug der Republik. Für dieses Jahr hatte sich der Mainzer Carneval Verein vorgenommen, den Zug kürzer und straffer zu halten, doch noch immer sind es rund 9.200 Teilnehmer und 121 Zugnummern. Highlight: Die närrischen Motivwagen.

Wenn die Trommeln dröhnen und die Garden marschieren - dann ist wieder Rosenmontag in Mainz. Hier die Füsiliergarde vor dem Staatstheater 2025. - Foto: gik
Wenn die Trommeln dröhnen und die Garden marschieren – dann ist wieder Rosenmontag in Mainz. Hier die Füsiliergarde vor dem Staatstheater 2025. – Foto: gik

Am morgigen Montag heißt es wieder: Der Zug rollt – zumindest ist das die Hoffnung. 2025 litt der Mainzer Rosenmontagszug unter jeder Menge Stockungen und großen Lücken, so zog sich der Narrenumzug mit rund 9.500 Teilnehmern bis in den Abend hinein – die Zugente erreichte den Schillerplatz erst gegen 18.00 Uhr, da wurde es bereits dunkel. Der Mainzer Carneval Verein (MCV) zog daraufhin die Notbremse: Der Zug müsse nun endgültig kürzer werden, verfügte der Verein – und schmiss viele langjährige Teilnehmer wie etwa die Bäcker, die Metzger oder die historischen Radfahrer aus dem Narrenreigen.

„Das machen wir ja nicht, um jemanden zu ärgern“, betonte Zugmarschall Thomas Hartelt vergangenen Dienstag noch einmal. Der Zug habe schlicht zu lange gedauert, die Aufstellungszone in der Mainzer Neustadt habe „keinen Zentimeter Platz mehr“ gehabt, die Polizei habe ihr Veto eingelegt und Änderungen gefordert. „Es hat am Ende viel zu lange gedauert, wir wären fast ins Dunkel gekommen“, sagte Hartelt: „Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, den Fokus auf die Mainzer Fastnachtsvereine und Garden zu legen.“ das sei „weder eine persönliche Angelegenheit“ gewesen oder eine Absage, weil jemand dem MCV nicht gefalle. „Es geht darum, das Fest handelbar zu halten“, unterstrich Hartelt.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

 

Rosenmontagszug kürzer, trotzdem 9.200 Teilnehmer

Dennoch werden sich nun auch am morgigen Montag dem Pan zufolge 9.258 Teilnehmer auf die 7,2 Kilometer lange Zugstrecke durch die Mainzer Innenstadt machen. Damit summieren sich alle Teilnehmer hintereinander auf immer noch 9 Kilometer Länge, wenn der erste am Schillerplatz ankommet, ist die Zugente also noch gar nicht gestartet. Zudem finden sich im Zug auch „fremde“ Wagen wie die Katjes GmbH oder die Schott AG – weil sie Sponsoren des Zuges sind.

Die Mainzer Hofsänger 2025 auf ihrem "Narrenschiff" im Rosenmontagszug - die Hofsänger fahren traditionell am Ende des Zuges. - Foto: gik
Die Mainzer Hofsänger 2025 auf ihrem „Narrenschiff“ im Rosenmontagszug – die Hofsänger fahren traditionell am Ende des Zuges. – Foto: gik

Es ist der insgesamt 122. Mainzer Rosenmontagszug seit Gründung des Mainzer Carneval-Vereins am 19. Januar 1838 und der 73. seit dem Zweiten Weltkrieg – vier Mal fiel der Zug nach 1945 aus: Wegen Sturm, Corona und dem Irak-Krieg.  Das Motto verbeugt sich vor dem berühmtesten Fastnachtschor der Welt, den Mainzer Hofsängern, und ihrem Jubiläum: Am 14. Februar war die Gründung auf den Tag genau 100 Jahre her. „Die Hofsänger im Gold’nen Mainz – seit 100 Jahr‘n die Nummer 1“, lautet denn auch das Mainzer Fastnachtsmotto 2026.

Los geht’s um 11.11 Uhr an der Ecke Boppstraße/Josefsstraße, gegen 12.15 Uhr wird die Tribüne vor dem Mainzer Staatstheater am Gutenbergplatz  erreicht, dann beginnt auch die Fernsehübertragung: Der SWR überträgt Zug live ab 12.10 Uhr im Ersten und im Fernsehprogramm des SWR, um 14.00 Uhr wechselt die ARD dann zum Kölner Zug, während das dritte Programm den Rosenmontagszug in Mainz in voller Länge überträgt – geplantes Sendeende ist 16.30 Uhr.

 

Motivwagen als Highlight, 63 Musikgruppen, 116 Wagen

Tatsächlich hofft der MCV, in diesem Jahr mit dem Zugende um 16.00 Uhr am Theater zu sein, den Schillerplatz würden die Letzten dann gegen 16.30 Uhr erreichen. Für einen zügigen Ablauf sollen in diesem Jahr Bereichsbeauftragte bei den Gruppierungen sowie strengere Vorgaben für Gruppen sorgen. Freuen können sich die Zuschauer auf 5.189 Teilnehmer zu Fuß, dazu 90 Fahnen- und Schwellkoppträger, 116 Närrische Wagen und Komiteewagen sowie 63 Musikgruppen mit 1.954 Musikern. Auch 40 Pferde sind im Zug dabei, die Tiere werden speziell auf den Rosenmontag vorbereitet und intensiv betreut.

Närrischer Motivwagen zu den abgeschafften Flamingos im Mainzer Stadtpark: Ersatz kommt durch OB Nino Haase (parteilos, vorne), Ex-Ob und Innenminister Michael Ebling (SPD) und Ex-Bürgermeister Günter Beck (Grüne). - Foto: gik
Närrischer Motivwagen zu den abgeschafften Flamingos im Mainzer Stadtpark: Ersatz kommt durch OB Nino Haase (parteilos, vorne), Ex-Ob und Innenminister Michael Ebling (SPD) und Ex-Bürgermeister Günter Beck (Grüne). – Foto: gik

Höhepunkt des Zuges sind natürlich die elf närrischen Motivwagen, die auch in diesem Jahr wieder die Politik gehörig aufs Korn nehmen: Da tanzt „Stormy Donald“ mit der Freiheitsstatue, Kapitän Merz schlingert in hoher See, verfolgt von Zombie Merkel, und die Bundeswehr jagt Drohnen mit Pfeil und Bogen. Mainzer Motive gibt es auch, der Lacher dürften die Flamingos vom Stadtpark sein. Ausführliche Infos zu den Motivwagen und Fotos von allen Motiven findet Ihr schon einmal hier bei Mainz&.

Die Vorbereitungen für den großen Narrenumzug gehen übrigens ein halbes Jahr vorher los, ein 27-köpfiges Team erstellt Termin- und Etatpläne, lädt Vereine und Gruppen zur Teilnahme ein, sichtet eingegangene Bewerbungen für die Zugteilnahme und schließt Verträge ab. Daneben sind mehr als 1.500 weitere Personen in den Rosenmontagszug eingebunden – von Mitarbeitern der Stadt Mainz über Polizeibeamte, Feuerwehrleute sowie Ärzte und Sanitätsdienste.

Halteverbotszonen in der Neustadt, traditioneller „Weckruf“ entfällt

Sicherheit wird denn auch an Rosenmontag groß geschrieben: Praktisch die gesamte Innenstadt ist Sperrzone, auf der gesamten Narrenmeile von Schillerplatz bis Höfchen gilt ein Glasverbot und übrigens auch ein Glasverkaufsverbot. Die gesamte Zugstrecke ist in insgesamt 67 Sektoren eingeteilt, „Sektorenschilder“ sollen helfen, im Notfall den Ort des Geschehens schneller und genauer zu lokalisieren und beschreiben zu können.

Die Zugente im Rosenmontagszug, gut beschützt von Polizei und Ordnern. - Foto: gik
Die Zugente im Rosenmontagszug, gut beschützt von Polizei und Ordnern. – Foto: gik

In der Mainzer Neustadt gelten weithin Halteverbotsbereiche – diese Straßen werden für die Aufstellung des Zuges benötigt. Achtung: Wer hier am Montagfrüh noch parkt, wird abgeschleppt! Den traditionellen „Weckruf“ der Stadt Mainz, die sonst immer mit Lautsprecher säumige Parker in aller Herrgottsfrüh warnte, gibt es nicht mehr – die Schlafenden wird es freuen. Die Kontrollen aber gibt es sehr wohl: Ab 5.00 Uhr in der Früh werden bereits Knollen verteilt und Abschleppwagen organisiert! Wem das widerfährt, kann sich unter der Telefonnummer 06131 /12-2181 nach dem Verbleib seines Wagens erkundigen.

Ab 7.00 Uhr werden dann die insgesamt zwei Kilometer weit reichenden 450 schweren und 300 leichten Sperrgitter aufgestellt, „von da an gibt es wachsende Beeinträchtigungen im Verkehrsgefüge, heißt es bei der Stadt Mainz. Ab 10.00 Uhr ist dann die Innenstadt von der Holzhofstraße bis zum Kaiser-Karl-Ring vollständig für den Individualverkehr gesperrt. Auch die Rheinstraße ist wegen des Aufbaus von Gittern zwischen der Theodor-Heuss-Brücke und der Salvatorstraße bereits um 8.30 Uhr geschlossen und wird voraussichtlich erst um 18.00 Uhr nach erfolgter Reinigung wieder geöffnet werden.

 

Drohnen- und Waffenverbot, Frauennotruf bietet Hilfe

Überwacht wird die Innenstadt zudem mit Drohnen und Videokameras, an den Einfahrtsstraßen sorgen Poller oder große Lkw für Sperren. Die Polizei werde wieder mehr als 1.000 Einsatzkräfte im Einsatz haben, hieß es im Vorfeld, für 58 erkannte Störer seien im Vorfeld Aufenthalts- und Betretungsverbote erlassen worden – das sei eine Verdoppelung der Zahl vom Vorjahr. Zur Kontrolle werden sogenannte „Superrekognizer“ eingesetzt, kontrolliert wird zudem ein allgemeines Waffentragverbot für den Veranstaltungsraum sowie im ÖPNV.

Guggemusiker werden natürlich auch wieder für schwungvolle Töne sorgen. - Foto: gik
Guggemusiker werden natürlich auch wieder für schwungvolle Töne sorgen. – Foto: gik

Die Polizei appelliert dringend, täuschend echte Anscheinwaffen mitzuführen – das könne gefährlich werden, weil solche Scheinwaffen einen Polizeieinsatz auslösen können. Zudem habe die Polizei jetzt auch eine verbesserte Drohnenabwehr im Einsatz, die Drohnen aufspüren und unschädlich machen könne – über Mainz gilt eine Drohnenflugverbot für die närrischen Tage. Kontrolliert wird auch wieder umfangreich in Sachen Jugendschutz, man werde frühzeitig Jugendliche mit verbotenen Alkoholika feststellen und diese vernichten, so die Stadt Mainz.

Wichtig für Frauen: Der Frauennotruf Mainz ist wie bereits in den vergangenen Jahren am Rosenmontag von 13.00 bis 21.00 Uhr ansprechbar – und auch in der darauffolgenden Zeit. Die Beraterinnen der Fachstelle zum Thema sexualisierte Gewalt sind am Rosenmontag telefonisch unter 06131 – 221213 sowie im Chat über den Messenger-Dienst Signal unter 0177 3237382 für alle, die in irgendeiner Weise mit Problemen konfrontiert sind, zu erreichen.

Kindernotaufnahme, Toiletten und medizinische Hilfe

Für Kinder, die beim Rosenmontagszug im Trubel des Geschehens verlorengehen sollten, bietet die Polizeidirektion Mainz in der Polizeiinspektion in der Weißliliengasse bis 17.00 Uhr seit vielen Jahren bereits einen Raum für Kinder an, wo diese sich bis zur Abholung durch die Eltern aufhalten können. Sollte sich die Abholung verzögern, werden die Kinder ab 17.00 Uhr in der Kindernotaufnahmestelle Juvente (früheres Städtisches Kinderheim), Gleiwitzer Straße 1, betreut. Die Polizeiinspektion ist telefonisch unter 06131 – 65 34 123, die Notaufnahmestelle selbst ist bis 14.00 Uhr unter 06131 – 90 60 982, ab 14.00 Uhr unter 06131 – 14 33 723 erreichbar.

Rosenmontag in Mainz - Helau! - Foto: gik
Rosenmontag in Mainz – Helau! – Foto: gik

Die Mainzer Feuerwehr ist ebenfalls mit rund 150 Einsatzkräften vor Ort, „wir haben einen besonderen Löschzug in der Altstadt, um Brände bedienen zu können“, berichtete der Sprecher der Mainzer Feuerwehr, Michale Ehresmann. Dazu kommen etwa 350 ehrenamtliche Kräfte aus dem Sanitätsdienst. Zur Versorgung der Besucher stehen 22 Rettungs- und 18 Krankentransportwagen bereit, entlang der Strecke sind 39 Fußtrupps unterwegs, um bei medizinischen Notfällen schnell eingreifen zu können.

Bei Problemen findet Ihr Hilfe in neun arztbesetzte Unfallhilfsstellen entlang der Strecke, hier können 110 Verletzte gleichzeitig untergerbacht und versorgt werden. Ergänzt wird das Konzept durch eine zentrale Ausnüchterungsstelle sowie ein Rettungsboot auf dem Rhein. 2025 wurden so rund 400 medizinische Versorgungen während des Rosenmontags durchgeführt, die meisten davon alkoholbedingte Notfälle oder kleinere Verletzungen – die Tendenz sei sinkend, so die Feuerwehr. Aber auch Herzinfarkte oder andere größere Probleme können hier behandelt werden.

 

23 Toiletten-Container, 72 Kabinen und 46 Stehurinale

Entlang der Zugstrecke bietet die Stadt Mainz im Jahr 2026 an 15 Standorten insgesamt 23 Toiletten-Container – vier davon barrierefrei -, ergänzt durch 46 Stehurinale an 18 Standorten. Die Stehurinale werden mit 72 Toilettenkabinen ergänzt, um an diesen Standorten auch ein Angebot für Frauen vorzuhalten. Der MCV stellt zusätzlich rund 50 Kabinentoiletten auf, 25 weitere Toiletten stehen am Theater, 50 Toiletten am Schillerplatz und in den Seitenstraßen weitere im Umfeld von Münsterplatz, Markt und Liebfrauenplatz. Bitte benutzt die auch – wildes Pinkeln kann mit 75 Euro Strafe teuer werden.

Achtung, die Zugente hat Nachwuchs bekommen! Sooo süß!! - Foto: gik
Achtung, die Zugente hat Nachwuchs bekommen! Sooo süß!! – Foto: gik

Mainz sieht sich also gut gerüstet für den Höhepunkt der Mainzer Fastnacht: „Unser Wunsch ist, dass wir friedlich feiern, die Freude feiern, die Demokratie und die Freude an der Narrenkritik“, sagte Ehresmann. Das Wetter indes hält sich derzeit noch bedeckt, die Wetterdienste warnen vor Regen und Schneefall sowie Glätte in der Nacht zu Rosenmontag. Erwartet werden in der Mainzer Innenstadt dennoch rund 611.000 Besucher – zur Anreise empfiehlt sich der ÖPNV.

Im Anschluss an den Rosenmontagszug beginnt auf dem Schillerplatz die „Rosenmondnacht“, die große Freiluftdisko zur Fassenacht. Bis 23.00 Uhr gibt es hier dann Programm auf der Bühne, auch auf dem Marktplatz sowie in zahllosen Kneipen und Narrhallen wird weiter gefeiert. Und wenn Ihr am Montag das Ede des Mainzer Rosenmontagszuges seht, schaut noch einmal ganz genau hin: Die Zugente hat nämlich Nachwuchs bekommen! Awwww…

Info& auf Mainz&: Alle Infos rund um Verkehr und Sicherheit findet Ihr noch einmal hier bei der Stadt Mainz.  Mehr zu den Närrischen Motivwagen des Rosenmontagszuges könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:

Mainzer Motivwagen 2026: Stormy Donald, Drohnenjäger Pistorius und Fritze Merz in schwerer See – Narren nehmen Politik aufs Korn