Sie sind das Highlight des Mainzer Rosenmontagszuges, und in diesem Jahr mit besonderer Spannung erwartet: 11 Motivwagen schickt der Mainzer Carneval-Verein (MCV) auch in diesem Jahr auf die närrische Reise am Rosenmontag durch Mainz. Am Dienstag wurde das Geheimnis um die Motive gelüftet, und da zeigt sich: Die Mainzer Narren nehmen viel hohe Politik aufs Korn. Da tanzt „Stormy Trump“ mit der Freiheitsstatue, Kapitän Merz schlingert in hoher See, verfolgt von Zombie Merkel, und die Bundeswehr jagt Drohnen mit Pfeil und Bogen. Mainzer Motive gibt es auch, der Lacher dürften die Flamingos vom Stadtpark sein.

Schon im September des Vorjahres beginnen beim Mainzer Carneval Verein (MCV) die Planungen für die närrischen Motive im Mainzer Rosenmontagszug, die großen dreidimensionalen Karikaturen sind das Markenzeichen der Mainzer Narren. Man werde mit den aktuellen Themen 2026 auch „für einen bundesweiten Effekt sorgen“, zeigte sich MCV-Präsident Hannsgeorg Schönig zuversichtlich – dabei fällt auf, dass in Mainz in diesem Jahr ein Motiv fehlt: Der russische Präsident Wladimir Putin glänzt durch Abwesenheit.
Das habe aber nichts mit dem Prozess gegen den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly zu tun, versicherte Schönig im Gespräch mit Mainz&: „Wir hatten schon mehrfach Motive zu Trump“, man habe „eine gewisse Redundanz“ vermeiden wollen. Tatsächlich habe das Thema Putin/Ukraine im vergangenen Herbst schlicht nicht so weit oben gestanden, sagte Schönig, als dann die Meldungen zum Tilly-Prozess kamen, habe der MCV nicht mehr reagieren können. „Unsere Solidarität zu Tilly steht“, versicherte Schönig zugleich.
Stormy Donald: „Miss Liberty brutal zerdrückt“
Die Mainzer Narren konzentrieren sich in der Tat mehr auf Bundespolitische Themen – und auf Donald Trump. Der US-Präsident nämlich wagt als „Stormy Donald“ ein höchst anzügliches Tänzchen mit der Freiheitstatue, das mehr nach Vergewaltigung aussieht, als nach Freude und Fröhlichkeit… „Stormy“ ist dabei natürlich eine Anspielung auf den Prozess um sexuelle Belästigung gegen Trump, und weckt zugleich Anspielungen auf den aktuellen Epstein-Skandal.

„Miss Liberty brutal zerdrückt, weil Donald ihr zu Leibe rückt“, reimen die Mainzer Narren dazu: „Anstand, Sitte und Moral, sind ihm dabei herzlich egal!“ Und gleichzeitig pulverisiert Donald dabei auch Recht und Demokratie, kritisieren die Narren – man wende sich damit auch bewusst gegen „die zunehmend autoritäre Regierungsform“ des US-Präsidenten. „Die Freiheitsstatue war einmal eine Verheißung“, hieß es am Dienstag, im Angesicht von ICE und Donald sei davon nicht mehr viel übrig.
Ja, Freiheit, Demokratie und Frieden – dafür machen sich die Mainzer Narren so deutlich stark wie selten zuvor. „In einer Zeit, in der das freie Wort in der Welt nicht so geführt werden kann, verteidigen wir auch ein Stück unsere Freiheit und die Demokratie“, betonte die Mainzer Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung der Motive: „Es ist der Narr, der Wahres spricht – und das brauchen wir für unserer Gesellschaft, unsere Demokratie und unsere Freiheit.“
Rassistische Hundewiese, Kapitän Fritze mit Zombie im Rücken
Besonders klar wird das an einem ungewöhnlichen Wagen: Unter dem Stichwort „Hundewiese – wir dürfen draußen bleiben“ kritisieren die Narren scharf und klar neue rassistische Tendenzen. Umzäunt von Stacheldraht bewacht da ein geifernder deutscher Schäferhund die Hundewiese, auf der nur Reinrassige zugelassen sind… „Wenn manch Entwicklung, wie ne Pest, sich ausbreit‘ und nicht stoppen lässt“, reimen dazu die Narren, „ist alles anders dies statt klasse, das gab’s schon einmal – Stichwort: Rasse.“

„Wir sind der Meinung, Deutschland hat ein Problem“, erklärte dazu am Dienstag der Kreativkreis des MCV – es gebe „viel zu viele Bürger, die bereit sind, die demokratische Mitte zu verlassen und Rechtsextreme zu wählen.“ Anstelle von Vielfalt und Freiheitlichkeit erwarte die Menschen dabei aber „ein völkisches Denken“, und das sei „eine Gefahr für unsere Demokratie“. Es ist das Plädoyer der Mainzer Narren gegen neuen Rassenwahn und Ausgrenzung, und für eine offene, friedliebende und freie Nation.
Ansonsten steht bei den Narren viel Bundespolitik im Fokus, neu dabei: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) feiert seine Premiere im Mainzer Rosenmontagszug und steht als „Kapitän Fritze“ an Deck. Aber ach, das Schlauchboot ist bereits Leck, der Kanzler in schwerer See liegt es am bleischweren Sack mit (gebrochenen) „Versprechen“, oder vielleicht am Zombie im Rücken? Der nämlich trägt höchst verdächtig die Züge von Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die ganz im „Fluch der Karibik“-Stil das Schlauchboot sabotiert…
Boris und die Drohnenabwehr – und Söders Schlachtfest
Probleme hat auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): Der kämpft unverdrossen mit Pfeil und Bogen gegen Drohnen, doch in seinem Rücken baut sich eine völlig neue Bedrohung auf… gerüstet sehen die Narren die Bundeswehr dafür nicht. Die Bundeswehr wiederum braucht so dringend Personal, dass nun sogar die Oma mit ihrem „Kampfrollator“ anrollt – das letzte Aufgebot. Bei der Umsetzung haben sich die Wagenbauer des MCV in diesem Jahr allerlei Gimmicks einfallen lassen: Da geht die Drohne in Rauch auf und versprüht Blitze, und Trumps Tänzchen mit Miss Liberty dreht sich tatsächlich auf dem Wagen.

Hypnotische Drehungen verführt auch die Schlange Kaa: Sie hat den armen Mogli fest im Würgegriff, die Schlange aber steht für die großen Media-Konzerne von TikTok über Meta bis Alphabet und ihre verheerende Wirkung gerade auf die Kleinsten: „Vertraust Du ihnen allzu sehr, gibt’s daraus kein Entkommen mehr“, warnen die Narren. Bedröppelt guckt auch der deutsche Fußball, denn King ist jetzt ein anderer: Die Basketballer mit ihren Sensationstiteln.
Aktuell glossiert wird zudem CSU-Chef Markus Söder – ihn nehmen die Narren als Food-Influencer aufs Korn: „Worscht gegen Wokeness“, lautet der Titel des Motivwagens, auf dem Söder ein wahres Schlachtfest feiert: „soederisst polarisiert, ’schmerzfrei‘, sabbernd, ungeniert!“ finden die Narren, das sei populistische Volkstümelei.
Grandioses Flamingo-Comeback und Mainzer Stadtbild-Probleme
Der Mainzer Lokalpolitik widmen sich in diesem Jahr drei Wagen: Da füllt der „Schambes“ die Konfetti-Kanone aus der Bestattungsurne, ein Kommentar zum neuen rheinland-pfälzischen Gestattungsgesetz – die Kanone wird im Rosenmontagszug tatsächlich Konfetti speien…. Das „Meenzer Stadtbild“ hingegen ist wirklich ein Problem: die tausend blinkenden Baustellen-Lichtlein und Ampeln machen die Mainzer wahnsinnig, und der Dom schaut besorgt auf das Chaos. „Die Mainzer sind total genervt, wie hier mit den Baustellen umgegangen wird“, kritisieren die Narren – das sei nur noch mit Ironie zu ertragen. wenn überhaupt.

Das Highlight der Motivwagen im Rosenmontagszug dürfte aber aus Mainzer Sicht ein anderer Wagen sein: Die Flamingos sind wieder da! Nur tragen die rosa Vögel im Mainzer Stadtpark jetzt die Züge von OB Nino Haase (parteilos), in trauter Eintracht mit Innenminister und Ex-OB Michael Ebling (SPD) und dem grünen Ex-Bürgermeister Günter Beck… „Kaum waren die Flamingos weg, da dachten Ebling, Haase, Beck: Ganz Meenz vermisst das Federvieh, drum stelle mir uns selber hie.“
Die Umsetzung ist schlicht großartig, der Wagen ein bissiger Kommentar der Narren zur rigorosen Abschaffung der geleibten Mainzer Flamingos durch die grüne Umweltdezernentin Janina Steinkrüger – und Achtung: Die artgerechte Haltung der „neuen“ Flamingos überwacht denn auch eine sehr grantige grüne Kröte mit dem Namen Janina…
Rosenmontag und Tanz auf der LU: Große Bühne für die Motivwagen
Rund 200.000 Euro netto Euro kosten den MCV jedes Jahr die Herstellung der Motivwagen, in diesem Jahr steuerte erstmals die Mainzer Fastnacht eG – ein Zusammenschluss Mainzer Fastnachtsvereine und Garden – rund 90.000 Euro bei. Ihren großen Auftritt haben die Wagen nun am kommenden Montag, den 16. Februar 2026, wenn ab 11.11 Uhr der närrische Lindwurm durch die Straßen von Mainz rollt.
Es wird der 122. Rosenmontagszug seit der Gründung des Mainzer Carneval-Vereins 1838 e. V., und der 73. nach dem Zweiten Weltkrieg. Erwartet werden dazu rund 600.000 Zuschauer in der Innenstadt von Mainz. Die Mainzer können die Kunstwerke des MCV-Wagenteams rund um Wagenbauer Stefan Hieke aber schon vorher bestaunen: Am Fastnachtssonntag beim „Tanz auf der LU“.
Info& auf Mainz&: Alle Infos zum Mainzer Rosenmontagszug 2026 und zur Straßenfastnacht erzählen wir Euch später auf Mainz&. Hier kommt jetzt erst einmal unsere Fotogalerie zu den Motivwagen:







