Das Zugplakettcher der Mainzer Fastnacht für die Kampagne 2026 ist – ein Döschen. Statt einer Umhängefigur, wie es bislang meist Tradition war, stellte der Mainzer Carneval Verein (MCV) am Donnerstag ein kleines Becherchen aus Plastik als inoffizielle Eintrittskarte für den Mainzer Rosenmontagszug 2026 vor. Gewidmet ist das Zugplakettcher den Mainzer Hofsängern, der berühmteste Fastnachtschor der Republik feiert 2026 sein 100-jähriges Bestehen. Die Fans im Internet reagierten durchaus irritiert.

So sieht es aus, das Zugplakettcher 2026 für den Mainzer Rosenmontagszug: Becherchen mit Hofsänger-Mütze. - Foto: MCV
So sieht es aus, das Zugplakettcher 2026 für den Mainzer Rosenmontagszug: Becherchen mit Hofsänger-Mütze. – Foto: MCV

„Die Hofsänger im Gold’nen Mainz – seit 100 Jahr‘n die Nummer 1“ – so lautet das Fastnachtsmotto für die Kampagne 2026, und das aus einem guten Grund: Die Mainzer Fastnacht verneigt sich vor dem berühmtesten Chors der Republik, den Mainzer Hofsängern. Das 1926 gegründete Ensemble feiert im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Gegründet als Extra-Chor des Mainzer Konservatoriums, den „Musik-Hochschul-Sängern“, benannte sich der Chor 1934 in „Mainzer Hofsänger“ um. In diesem Jahr traten die Herren auch erstmals für den Mainzer Carneval-Verein auf – die Hofsänger des Prinz Carneval waren geboren.

Die Hochphase der Hofsänger begann so richtig nach dem Zweiten Weltkrieg: 1947 entstand das legendäre „Sassa“, 1955, im Herrschaftsjahr des Karnevalprinzen Alexander I., arrangierte Jakob Fischer den Song, der bis heute das Markenzeichen der Hofsänger ist: „So ein Tag, so wunderschön wie heute…“. Als die Berliner Mauer 1989 fiel, sangen die Menschen genau dieses Lied auf der Straße. „Mit scharfsinnigen Versen und musikalischem Witz spiegeln sie das Zeitgeschehen in bester Tradition der politisch-literarischen Fastnacht“, würdigt sie der MCV.

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Zugplakettcher für 2026: Becherchen mit Hofsänger-Mütze

Bekannt wurde die „Hofsänger“ aber natürlich vor allem durch die große Mainzer Fernsehfastnacht: 1955 standen die Sänger zum ersten Mal vor einer TV-Kamera, ausgerechnet bei der närrischen „Konkurrenz“ in Köln. 1956 waren sie dann auch bei „Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“ zu sehen, im bunten Kostüm der Fastnachtsfigur „Bajazz“ – und seither (bis auf ein einziges Mal) jedes Jahr. „Das närrische Herz der Mainzer Fastnacht“, nannte sie einmal Lars Reichow, das war bei der Verleihung des Mainzer Medienpreises 2020.

Die Mainzer Hofsänger in ihren bunten Bajazz-Kostümen am 11.11. auf dem Schillerplatz in Mainz. - Foto: gik
Die Mainzer Hofsänger in ihren bunten Bajazz-Kostümen am 11.11. auf dem Schillerplatz in Mainz. – Foto: gik

Klar, dass sich 2026 die Mainzer Fastnacht vor ihrem berühmten Aushängeschild verneigt, das Fastnachtsmotto ist ein teil davon, ein weiterer das Mainzer Zugplakjettcher. Das Umhängefigürchen dient traditionell zur Finanzierung des Mainzer Rosenmontagszuges, in diesem Fall dürfte es die Fans allerdings überraschen: Das Zugplakettcher ist keine Figur, auch kein Hofsänger, sondern ein Plastikbecherchen, auf dem stilisierte Hofsänger prangen. Als Hommage an die Bajazz-Kostüme ziert das Becherchen eine typische Hofsänger-Mütze mit Bommel, zu haben in vier verschiedenen Hutfarben.

„Das Zugplakettchen ist nicht nur ein schönes und begehrtes Sammelobjekt“, betonte der gerade wiedergewählte MCV-Präsident Hannsgeorg Schönig bei der Vorstellung am Donnerstag, „vielmehr ist es für jeden Narren, der am Zug teilnimmt, sozusagen die Eintrittskarte für den Rosenmontag.“ Gestaltet wurde das Becherchen von Fastnachter und Grafiker Peter Beckhaus, gefertigt wurde es erneut in der Region, von der Budenheimer Firma BERICAP, die bereits 1950 das allererste Zugplakettchen produziert hatte.

Weinprobiergläschen oder Tischfeuerwerk? Kritik der Fans

Der MCVV betonte, es handele sich um ein Weinprobiergläschens mit vierfarbbunter Kordel zum Umhängen. Viele Fans zeigten sich im Internet allerdings auf den ersten Blick entsetzt: Das erinnere doch eher „an einen Kindergartenbecher“,  monierten die einen, andere fühlten sich an Tischfeuerwerk erinnert – oder kommentierten, das sehe aus, wie der Becher einer Urinprobe, aber sicher nicht wie ein Weinprobierglas. „Also die Mainzer Hofsänger hätten etwas Würdigeres verdient“, kommentierte ein Facebook-Leser beim MCV.

Das Zugplakettcher lässt sich auch öffnen und tatsächlich als Becherchen verwenden. - Foto: MCV
Das Zugplakettcher lässt sich auch öffnen und tatsächlich als Becherchen verwenden. – Foto: MCV

Zu haben ist das Zugplakettcher ab dem 11.11. zum Preis von 6,- Euro – am 11.11. wird in Mainz traditionell Gott Jokus und der Fastnacht gewürdigt. Auf dem Mainzer Schillerplatz wird dann das Närrische Grundgesetz ausgerufen und rund um den Fastnachtsbrunnen getanzt und gefeiert. Offizieller Förderer des Zugplakettchens ist traditionell die Volksbank Darmstadt Mainz, die den Verkauf seit Jahren mit einem Gewinnspiel begleitet. Erhältlich ist die Plakette bei den Plakettenverkäufern, am Plakettenbus, in der MCV-Geschäftsstelle und in ausgewählten Filialen der Volksbank Darmstadt Mainz.

Info& auf Mainz&: Das Zugplakettcher sowie zahlreiche weitere Fastnachtsartikel findet ihr auch hier im MCV-Shop im Internet. Mehr zu den Mainzer Hofsängern lest Ihr hier bei Mainz&, das Programm zum 11.11.2025 gibt es hier:

Bühnen-Programm für den 11.11.2025 auf dem Mainzer Schillerplatz. - Grafik: MCV
Bühnen-Programm für den 11.11.2025 auf dem Mainzer Schillerplatz. – Grafik: MCV