Es ist ein friedlicher, aber auch ausgesprochen feuchter Rosenmontag in Mainz – in jeder Hinsicht: Rund 500.000 Menschen feiern trotz schlechten Wetters derzeit in der Mainzer Innenstadt den großen Rosenmontagszug und den Höhepunkt der Mainzer Fastnacht. Organisatoren und Polizei zogen am frühen Nachmittag eine positive Bilanz, wegen des schlechten Wetters waren allerdings deutlich weniger Zuschauer gekommen als im Vorjahr. In den Straßen herrscht Gott Jokus, die Narren feiern ausgelassen, der Zug rollt – meistens jedenfalls.

Der Mainzer Rosenmontagszug 2026 am Dom: Narretei auf allen Ebenen. - Foto: gik
Der Mainzer Rosenmontagszug 2026 am Dom: Narretei auf allen Ebenen. – Foto: gik

Es ist der insgesamt 122. Mainzer Rosenmontagszug seit Gründung des Mainzer Carneval-Vereins am 19. Januar 1838 und der 73. seit dem Zweiten Weltkrieg – vier Mal fiel der Zug nach 1945 aus: Wegen Sturm, Corona und dem Irak-Krieg. Das Motto 2026 verbeugt sich vor dem berühmtesten Fastnachtschor der Welt, den Mainzer Hofsängern, und ihrem Jubiläum: Am 14. Februar war die Gründung auf den Tag genau 100 Jahre her. „Die Hofsänger im Gold’nen Mainz – seit 100 Jahr‘n die Nummer 1“, lautet denn auch das Mainzer Fastnachtsmotto 2026.

Die Organisatoren hatten einen kürzeren und schnelleren Zug versprochen – und mussten doch zunächst Bangen: Am Vorabend setzte plötzlich dichter Schneefall ein, gegen Mitternacht waren die Straßen schneebedeckt und durchaus rutschig. „Ich habe heute Morgen um 5.00 Uhr überlegt: klappt das, müssen wir streuen?“, berichtete MCV-Zugmarschall Thorsten Hartel, doch die Einsatzkräfte hätten ihn beruhigt: Das werde schon.

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Wetter verunsicherte viele: In der Nacht fiel dicker Schneefall

Es wurde: Ab 3.00 Uhr stoppte der Schneefall, und zum Start des Zuges um 11.11 Uhr kam sogar kurz die Sonne heraus. Bei 8 Grad schmolz der Schnee dahin, hinterließ allerdings eine ausgesprochen nasse Umgebung. Es sei denn am Morgen in der Innenstadt auch nicht so richtig voll gewesen, sagte der Sprecher des MCV, Michael Bonewitz: „Offenbar haben die Leute ein wenig gewartet, das Wetter hat viele erst einmal verunsichert.“ Dann aber seien die Leute doch in die Stadt geströmt, „wir schätzen, dass wir die 500.000 geknackt haben.“

Die Narren brachten vierfarbbunte Farben in den trüben Tag. - Foto: gik
Die Narren brachten vierfarbbunte Farben in den trüben Tag. – Foto: gik

Das allerdings waren deutlich weniger Besucher als im Vorjahr, als mindestens 600.000 zum Rosenmontag nach Mainz kamen. Unter den Zuschauern waren denn auch auffällig viele Jüngere, das schlug sich auch bei den Jugendkontrollen von Polizei und Stadt Mainz nieder: Bis zum frühen Nachmittag wurden insgesamt 514 Personenkontrollen durchgeführt, davon 375 im Rahmen von Jugendschutzkontrollen. Mehr als 140 Liter Alkohol mussten dabei entsorgt werden, weil sie bei Minderjährigen gefunden wurden.

Die Mainzer Feuerwehr meldete derweil lediglich acht Personen, die wegen übermäßigen Alkohols versorgt werden mussten, zwei davon Minderjährige – das seien auffällig wenig. Bis 14.15 Uhr mussten zudem 88 Personen sanitätsdienstlich versorgt werden, in 60 Fällen habe es sich dabei lediglich um Bagatelleinsätze gehandelt, die man mit Pflaster oder Kühlpacks „erledigen“ konnte. 10 Personen mussten bisher zur weiteren Versorgung ins Krankenhaus gebracht werden. Es habe sich vorwiegend um Schnittwunden und Schmerzen nach Stürzen gehandelt, so die Feuerwehr weiter, schwer Verletzte gebe es bislang keine. Und: Auch den Einsatzkräften wurde friedlich und fröhlich begegnet.

 

Zügiger Zug: Zugente schon um 16.33 Uhr am Schillerplatz

Ein Vorfall allerdings sorgte kurzfristig für Unruhe bei den Einsatzkräften: Im Bereich der Mainzer Zitadelle konnte durch Einsatzkräfte der Polizei eine Drohne detektiert und lokalisiert, der Drohnenführer ausfindig gemacht werden, konnte in der Folge kontrolliert werden. Es habe sich aber keineswegs um einen terroristischen Angriff oder eine Ausspähaktion gehandelt, betonte Polizeisprecher Roberto Rinaldo – der Drohnenführer müsse nun aber wegen des Verstoßes gegen das Drohnenflugverbot mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen. Zwei Frauen mussten zudem aus einer Toilette befreit werden: Der Öffnungsmechanismus streikte.

Die Gesangstruppe "Eisbären" feierte in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum - und machte ganz Mainz "verliebt in die Eisbären"!. - Foto: gik
Die Gesangstruppe „Eisbären“ feierte in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum – und machte ganz Mainz „verliebt in die Eisbären“!. – Foto: gik

Insgesamt laufe der Zug flüssiger als im Vorjahr, hieß es vom MCV: „Mein Eindruck ist, dass es letztes Jahr viel mehr Lücken waren“, sagte Bonewitz, Allerdings bildeten sich am Nachmittag speziell beim Weg rund um die Mainzer Altstadt doch wieder große Lücken, eine Erklärung gab es dafür nicht. Probleme und Störungen seien keine bekannt, betonte Hartel: „Der Appell an die Vereine und Garden scheint angekommen zu sein, zügiger zu laufen.“ Tatsächlich erreichte die Zugente genau um 16.33 Uhr den Schillerplatz – das war eine Punktlandung.

Insgesamt hatte der Mainzer Rosenmontagszug in diesem Jahr 121 Zugnummern, rund 20 Gruppierungen hatte der MCV aus dem Zug geworfen, um der Überlänge Herr zu werden. Dennoch machten sich auch in diesem Jahr rund 9.200 Teilnehmer auf die 7,2 Kilometer lange Zugstrecke. Dank der bunten Wagen und der vierfarbbunten Garden war das trübe Wetter schnell vergessen, die Laune trübte ein ab 15.00 Uhr niedergehender Regenschauer auch nur kurz: „Die Fastnachter wollen laufen, egal wie das Wetter ist“, sagte Bonewitz: „Wir hatten Glück im Unglück.“

Info& auf Mainz&: Und gleich folgt auch noch eine Fotogalerie mit den schönsten Eindrücken vom Rosenmontag in Mainz 2026.