Sie haben es schon wieder getan: 2025 hatte eine Fastnachtssitzung Premiere, die zum ersten Mal in der Mainzer Fastnachtsgeschichte nur von Frauen gestemmt wurde – es wurde eine Sensation. 2026 war nun die Frage: Geht das auch zwei Mal? Würde die GCVrau das Niveau der gefeierte Premiere halten können? Der Spoiler vorab: Oh ja. Das gelang in diesem Jahr sogar noch etwas besser als zuvor, weil die Frauen des Gonsenheimer GCV jetzt noch konsequenter auf eigene Kräfte aus der Mainzer Fastnacht setzten – es wurde ein genialer Abend.

Auf geht's zur zweiten GCVrau - mit grandiosen Stimmen und ganz viel Frauen-Power. - Foto: gik
Auf geht’s zur zweiten GCVrau – mit grandiosen Stimmen und ganz viel Frauen-Power. – Foto: gik

Der Abend beginnt mit einem Dankeschön: „Danke für Euch“, sagt Teresa Betz, „Danke, dass Ihr uns in wenigen Minuten ausverkauft ausverkauft habt!“ In der Tat: Vor einem Jahr hatte der Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) ein Experiment gestartet: Eine Sitzung, gemacht ausschließlich von Frauen, und zwar hinter wie auf der Bühne, aber für ein gemischtes Publikum – das gab es in der Mainzer Fastnacht noch nie. Und siehe da: Wo jahrelang angeblich Frauenmangel bei den Aktiven herrschte – wie Männer gerne behaupteten – platzte die Bühne auf einmal vor talentierten Frauen-Narren.

Die Premiere platzte wie eine Bombe in die Mainzer Narrenlandschaft, so groß war der Erfolg, dass die zweite Ausgabe am 3. Januar 2026 in ganzen 40 (!) Minuten ausverkauft war. Und das, obwohl der GCV das Kartenkontingent noch einmal kräftig aufgestockt hatte. Und so barst das Alte Postlager am Mainzer Hauptbahnhof schier aus allen Nähten, riesige Bildschirme an der Decke sorgte dafür, dass auch die hinteren Ränge gute Sicht auf die Bühne hatten, und die Band spielt: „Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin, ein Meenzer Mädchen bin!“

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Frauenpower bei politischen Protokoll: „Herr, schmeiß Hirn hernieder“

Die Moderation übernahm wieder Teresa Betz, und das mit einer Frische und Pointiertheit, dass sich manch ein Sitzungspräsident gerne eine Scheibe abschneiden dürfte. Aber Männer haben an diesem Abend ohnehin nichts zu sagen: „Danke, dass Ihr nichts dagegen habt, mal einen Tag lang nichts zu sagen“, sagte Betz süffisant – und begrüßt als Erstes die First Lady von Rheinland-Pfalz, Barbara Schweitzer. „Schön, dass sie ihren Mann mitgebracht hat, der zufällig der Ministerpräsident ist“, sagte Betz dann noch – es ist Wahlkampf in Mainz, und so gibt sich nicht nur Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) die Ehre, sondern mit vier weiteren Ministern gleich auch noch sein halbes Kabinett.

Erste weibliche Protokollerin der Fastnacht: Chrissy Grom mit Charme und Biss. - Foto: gik
Erste weibliche Protokollerin der Fastnacht: Chrissy Grom mit Charme und Biss. – Foto: gik

Doch Betz interveniert: „Ich muss mal streng mit Ihnen sein, liebe Politiker, da wird jetzt nicht über Politik geredet! Das übernehmen wir nämlich auf der Bühne!“ Zuständig dafür ist allen voran die Protokollerin: Chrissy Grom, seit 2025 im Dienst des GCV erste weibliche Protokollerin der Mainzer Fastnacht, hält in diesem Jahr nun auch zum ersten Mal ihre offizielle Narrenrückschau bei der GCVrau – ein exzellent gereimter Rückblick auf das Politikjahr.

Grom geißelt da vor allem Fehlbesetzungen und Nieten im politischen Berlin unter Neu-Kanzler Friedrich Merz, klagt über einen gewissen Fraktionschef mit „Spahn-Vorstellungen“ und teuren Maskendeals, und konstatiert: „Dass in Berlin die Energie seit Langem fehlt, das war uns allen hier im Land – schon vor dem Stromausfall bekannt.“ Auch US-Präsident Donald Trump nimmt sich die Protokollerin vor, und fleht: „Drum, Herr, schmeiß Hirn auf ihn hernieder, versuch es einfach immer wieder“ – vielleicht nütze es ja etwas, wenn man dafür eine Gutenberg-Biel nehme…

 

Doch auch die lokale Mainzer Politik bekommt ihr Narrenfett weg, vor allem das Hickhack um Tempo 30 auf den Hauptverkehrsstraßen von Mainz geißelt die Protokollerin: „Die Begrenzung war seit Jahren illegal – ja, wollen die uns für dumm verkaufen?“, fragt Grom, und fordert: „Sorgt lieber mal an einer Stelle, in Meenz für eine Grüne Welle“ – der Saal dankt es mit donnerndem Applaus. „In Wiesbaden gibt’s kein Geschiss, die fahren halt als Kompromiss, mit Tempo 40 ganz gelassen, zufrieden dort durch ihre Gassen“, rät die Narrenfrau: „Wir müssten uns, es ist zum Schämen, an Wiesbaden ein Beispiel nehmen!“

Kerstin Blitz liefert ein tollen Politik-Rückblick ab. - Foto: gik
Kerstin Blitz liefert ein tollen Politik-Rückblick ab. – Foto: gik

Die Lokalpolitiker nimmt auch „Carola Kurier“ alias Kerstin Bitz ordentlich in die Mangel, nimmt die verschwundenen Flamingos aufs Korn und lässt kein gutes Haar an der von der Stadtspitze so hoch angepriesenen Drohnenshow bei der Mainzer Johannisnacht: „Wir sahen blasse Bilder, von Weck, Worscht und Wein, viel mehr fiel den Machern zu Meenz halt nicht ein“, lästert sie: „Die Drohnenshow war nett, las ich häufig – nett war vom wem noch mal die kleine Schwester?“ Herrlich ihr Zugplakettcher in XXL – da passt dann endlich mal eine ordentlicher Meenzer Schoppe rein.

Fehler im Reim gehen allein auf das Konto dieser Autorin, Bitz nämlich reimte sich perfekt durch die Weltgeschichte von Papst bis Trump, Putin und Stadtbild-Debatte, und spricht den Frauen im Saal aus dem Herzen, wenn sie sagt: „Und ich werde schnell panisch, wenn ein Mann nachts im Dunkeln press hinter mir geht: Sind seine Gedanken auch sauber und rein, als Frau kann ich leider nie sicher mir sein.“ Drum, liebe Herren: Bitte nachts die Straßenseite wechseln!

Amazonen, Schobbesisters und Frauengold pur

Neu auf der Bühne der GCVrau ist auch Katharina Hamann: Die gebürtige Mainzerin musste leider nach Hamburg auswandern und fragt sich jetzt, „warum bloß hat das Lachen dort keinen Erfolg?“ Also muss die Mainzerin als heroische Narren-Amazone den Nordlichtern Gott Jokus nahe bringen und Anleitung für Lackmuskelsport geben, und all das tut Hamann mit närrischer Leichtigkeit, toller Mimik und fein gedrechseltem Narrenwitz – eine echte Entdeckung der Kampagne 2026! Da steht der Saal, spendet Standing Ovations und singt „oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht geseh’n!“

Tatsächlich ist es wieder einmal ein Abend voller Entdeckungen in weiblicher Narretei, das betrifft auch die Sparte Musik: Die „Schobbesisters“ stehen ebenfalls erstmals auf der Narrenbühne, der reine Frauenchor aus elf tollen Stimmen hatte sich in der Kampagne 2025 als Background-Chor für das Duo „Dobbelbock“ gebildet, nun starten die Damen als „Schobbesisters“ selbst durch – und rocken sofort mit ihren Songs den Saal. Wollt Ihr selbst sehen? Könnt Ihr: Hier in unserem Video auf dem Mainz&-Facebook-Kanal.

Eine Bank in Sachen Gesang ist auch Laura Heinz, die trotz Schwangerschaft über die Bühne fegt und mit „Mainzer Nächte sind anders“ den Saal zum Kochen bringt. Dass die Sängerin auch hochgradig schauspielerisches und komödiantisches Talent hat, zeigte sich erstmals bei der GCVrau 2025 – in diesem Jahr legt Heinz noch einen drauf: Gemeinsam mit Lea Heymann, Marie Döngi und Kati Greule präsentiert sie eine farbenfrohe Museums-Nummer mit Frauen-Bildern durch die Jahrhunderte – grandios! Wir sagen nur: „Frauengold – an allen Tagen!“

Keuschling, Mimöslin und Prinzessin: Dreigesitrnin auf Meenzerisch

„Auf alle Frauen im Universum!“ stößt auch das Gardeballett der Füsiliergarde an, die „Wirbelschnorries“ zeigen, dass auch Garde Frauensache ist. Apropos Ballett: Das Kinderballett der Füsiliergarde wird gleich zu Beginn der GCVrau mit einem verliebten „awww“ begrüßt, und mitten zwischen den süßen Mädels tanzt tatsächlich auch ein kleiner Bub – er ist wirklich der einzige Mann, der an diesem Abend auf die Bühne darf. „Die anderen Jungs trauen sich das einfach nicht“, sagt der achselzuckend.

Herrlich närrisches Dreigestirnin bei der GCVrau. - Foto: gik
Herrlich närrisches Dreigestirnin bei der GCVrau. – Foto: gik

Ansonsten tauchen Männer nur als Running Gags auf, gespielt von Frauen natürlich – glossiert als Generation Z-Bubi oder Herbert, der Bauer auf der Suche nach einer Frau, die Gags allerdings sind manchmal ein bisschen „lost“. Das Gegenstück zum Kinderballett ist das eigene GCVrau Ballett, die gereiften Damen, die im vergangenen Jahr ein urkomisches Rollator-Ballett präsentierten, bezaubern in diesem Jahr mit einer unglaublichen Enten-Wellness-Nummer – wir sagen nur: „Die Ente bleibt im Wasser!!“

Den Vogel aber schießt in diesem Jahr eine ganz neue Gruppierung ab: Birgit Feller, Kristin Becker, Kristin Räpple und Jenny Heininger ziehen als stilechte „Dreigestirninnen“ erst einmal ausführlich durch den Saal ein, und legen dann auf der Bühne eine grandiose Parodie aufs Kölner Dreigestirn hin – mit „Keuschling“ statt Jungfrau, Mimöschen Bauer und natürlich der Prinzessin. Der Saal tobt, und Teresa Betz macht auch anderen Newcomern Mut, sich auch auf die Bühne zu trauen: „Ihr müsst nicht perfekt sein, holt Euch Hilfe und probiert es“, rät sie: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, da kommt nur das Konfetti her.“

Gänsehaut pur mit Laura Müller

Zu den Newcomerinnen des Jahres 2025 gehörte Allegra Bob, die mit ihrer grandiosen Nummer den Hähnchengrill von Drais zum Leben erweckte – in diesem Jahr tut sich Bob mit der Fortsetzung unerwartet schwer. Das aber liegt womöglich an der Uhrzeit – es ist inzwischen schon 23.19 Uhr -, wahrscheinlich aber noch mehr an der Frau, die zuvor auf der Bühne stand.

Laura Müller hat nach ihrer Sensationsnummer im Vorjahr erneut eine absolute Gänsehaut-Nummer im Gepäck: Mit „Helau hier aus Mainz am Rhein, geliebte fünfte Jahreszeit“ sorgt Laura für den emotionalen Höhepunkt der GCVrau – Video dazu hier! – danach geht eigentlich nur noch: Finale. Und frau summt selig, „wir gehn nie wieder, sie spielen schon wieder unsre Lieblingslieder…“

Info& auf Mainz&: Die Fotogalerie zur zweiten GCVrau müssen wir leider nachliefern, die „Stehung“ ruft! Und wenn Ihr Euch jetzt wundert, warum der Bericht so spät kommt: Eine längere Erkrankung hat leider eine ganze Weile Mainz&-Berichte verhindert… sorry dafür.