Krise im Wildpark Mainz-Gonsenheim: Mehrere der Tiere in dem kleinen Wildpark sind aktuell schwer erkrankt, wie die Stadt Mainz am Mittwoch mitteilte. Der Grund: falsches Futter durch Besucher. Trotz der Hinweisschilder komme es immer wieder zu verbotenen Fütterungen – mit gravierenden Folgen für die Tiergesundheit, klagt die Stadt Mainz. Betroffen seien Ziegen, Mufflon, Rot- und Damwild, die Stadt erklärt nun, welches Futter okay ist, und was unbedingt vermieden werden muss.

Der Wildpark wurde in den 1950er-Jahren von der Jägerschaft Gonsenheim gegründet und als Gehege mit Hirschen und Wildschweinen eingerichtet. In den 70er-Jahren kamen Käfige und Volièren für kleinere Raubtiere wie Luchse, Füchse und Vögel hinzu, hauptsächlich Fasane, Hühner und Tauben. Ziel war immer, einen Freizeit- und Erholungsraum am Rande des Lennebergwalds für Groß und Klein zu schaffen und den Besuchern „die Möglichkeit zu geben, die heimische Tierwelt in ihrem Artenreichtum kennen zu lernen und Tiere zu beobachten“, wie es auf der Homepage heißt.
Heute leben hier Ziegen, Wollschweine und Schafe in einem großen Gehege, dazu gibt es nach wie vor Rothirsche, Damhirsche, Mufflons und Wildschweine. Doch gerade die Besucher werden immer wieder zum Problem, denn: Immer wieder füttern gerade Familien mit Kindern die Tiere gut gemeint mit Gras oder Gemüse von zuhause – und richten damit große Schäden an. Denn: „Das Füttern mit ungeeigneten Lebensmitteln hat häufig fatale gesundheitliche Konsequenzen für die Tiere“, warnt Revierleiterin Jaimie Lau.
Abgestimmte Futterpläne halten Tiere im Wildpark gesund
Alle Tiere im Wildpark verfügen nämlich über individuell abgestimmte Futterpläne, die sich am Gesundheitszustand, dem Alter sowie der körperlichen Konstitution der jeweiligen Tiere orientieren. „Zusätzliche oder ungeeignete Nahrung kann dieses Gleichgewicht erheblich stören und im schlimmsten Fall zu schweren Erkrankungen führen“, warnt Lau – und genau das ist derzeit der Fall: Einige Ziegen, Mufflons und Rehe sind zurzeit schwer erkrankt, weil sie von Besuchern falsch gefüttert wurden – und das trotz der Hinweisschilder.

Denn erlaubt ist das Füttern ausschließlich mit dem Futter aus den bereitgestellten Futterautomaten, darin werden Futter vorgehalten, das bewusst so konzipiert wurde, die Tiere bedarfsgerecht zu versorgen, betont Lau. Sind die Automaten leer, wurde die vorgesehene Tagesration bereits verfüttert – ein Nachfüttern mit sonstigen Pflanzen und Lebensmitteln durch Besucher sei ausdrücklich nicht erwünscht. Insbesondere die Pflanzen in und um den Wildpark seien teilweise giftig und dürften keinesfalls an Tiere verfüttert werden.
„Immer wieder höre ich die Aussage, ‚es sind doch nur ein paar Karotten‘ oder ‚Gras fressen sie auch im Gehege'“, sagt die Revierleiterin. Was die Besucher aber nicht beachteten sei, welche Auswirkungen die zusätzliche Fütterung habe, wenn diesen Gedanken ganz viele Personen hegen. Denn besonders an Wochenenden seien viele hunderte Besucher vor Ort, „die Menge der zusätzlichen Fütterung ist mitunter ein großes Problem“, betont Lau.
Achtung: Füttern mit Gras, Gemüse und Brot verboten!
Und gerade die Fütterung von Gras sei ganz falsch: „Das Gras ist im Umkreis des Wildparkes stark von Hundekot und Hundeurin belastet“, betont Lau: „Selbst wenn die Hundehaufen aufgesammelt werden, bleiben Rückstände im Gras, was zu schweren Erkrankungen der Tiere führt.“ Auch wüchsen zwischen den Gräsern einzelne giftige Pflanzen, die von den Besuchern nicht erkannt würden. „Auch wenn das zu traurigen Gesichtern von Kindern führt, bitten wir Sie den Kindern zu vermitteln, dass nur gesunde Tiere weiterhin gefüttert und im Wildpark angeschaut werden können“, bittet Lau.

Wer den Wildpark unterstützen möchte, kann Futterspenden, wie Gemüse und Obst, das nicht verschimmelt und nicht verdorben ist, am Minizoo im Fach abgeben. Das Wildpark-Team verfüttert die Spenden dann im Rahmen des täglichen Futterplans. Es könne jedoch kein Brot mehr angenommen werden, da im Wildpark keine Wildschweine mehr gehalten werden, an die das Brot verfüttert werden kann, betont das Team weiter. Allen anderen Tieren schade die Fütterung von Brot und sonstigen Backwaren.
„Wir freuen uns über die zahlreichen Besucher, und möchten allen einen schönen Aufenthalt ermöglichen“, betont der bei der Stadt zuständige Abteilungsleiter Norbert Rudloff: „Gleichzeitig hat das Wohl unserer Tiere für uns höchste Priorität. Daher müssen wir konsequent auf das Fehlverhalten hinweisen.“
Info& auf Mainz&: Mehr zum Wildpark Gonsenheim, den Tieren und seiner Geschichte sowie den Öffnungszeiten findet ihr hier im Internet.






