Vor genau einem Jahr startete der Abriss des alten Gutenberg-Museums in Mainz, beim Startschuss für den Neubau am Liebfrauenplatz war viel von einem „Start in neue Zukunft die Rede“ – doch tatsächlich wachsen in der Mainzer Stadtpolitik die Sorgen: Ist der Neubau des Gutenberg-Museums überhaupt nicht finanziert? Die Gutenberg Stiftung schlägt nun Alarm, hinter den Kulissen drohe „ein finanzielles und organisatorisches Fiasko“, warnt die Stiftung. Auch im jüngsten Stadtrat blieben Fragen zur Finanzierung und Trägerschaft offen.

Das alte Gutenberg-Museum mit dem Schellbau aus den 1960er Jahren im Frühjahr 2024. - Foto: gik
Das alte Gutenberg-Museum mit dem Schellbau aus den 1960er Jahren im Frühjahr 2024. – Foto: gik

Seit Ende Mai 2025 wird der alte Museumsbau am Liebfrauenplatz in Mainz abgerissen, an gleicher Stelle soll bis 2032 ein moderner Neubau für das „Weltmuseum der Druckkunst“ entstehen. „Heute können wir fürs Gutenberg-Museum sagen: Die Zukunft hat begonnen“, betonte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) beim Startschuss für das Mega-Bauprojekt, der damalige Innenminister und Ex-OB Michael Ebling (SPD) brachte zum Baustart die gute Nachricht mit, der Neubau komme für eine Förderung nach dem Landeshauptstadtansatz in Frage.

Doch schon 2025 musste die Stadt Mainz einräumen: Der auf rund 108 Millionen Euro Kosten taxierte Neubau sei nicht durchfinanziert. 81,2 Millionen Euro brutto veranschlage man als reine Baukosten, das sei aber nur „eine Grobkostenschätzung“, hieß es damals. Knapp neun Millionen Euro kamen zudem für den Umzug und das Ausweichquartier im Reichklarakloster hinzu, knapp 15 Millionen soll die Neugestaltung der Innenräume, das sogenannte „Szenografie-Konzept“ kosten – dafür gibt es inzwischen eine Förderung des Bundes.

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Ist das neue Gutenberg-Museum gar nicht durchfinanziert?

Doch wie will die Stadt Mainz die Kosten für das Großprojekt insgesamt aufbringen? Die bis Februar 2026 amtierende Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) hatte stets betont, der Neubau des Museums sei finanziert, doch im Februar musste Grosse im Stadtrat auf Anfrage der CDU einräumen: Bislang betrage sich die über den Landeshauptstadtzuschuss angedachte Fördersumme auf etwa 20 – 25 Millionen Euro – die Baukosten schätze man inzwischen auf rund 89,9 Millionen Euro.

Das Konzept für die Ausstellung im neuen Gutenberg-Museum, genannt Szenographie-Konzept, soll rund 15 Millionen Euro kosten. - Grafik: facts and fiction
Das Konzept für die Ausstellung im neuen Gutenberg-Museum, genannt Szenographie-Konzept, soll rund 15 Millionen Euro kosten. – Grafik: facts and fiction

Für die Finanzierung des Szenographie-Konzeptes – also praktisch der Innenausstattung – habe man im Oktober 2025 beim Bundesförderprogramm „KulturInvest 2024“ eine Fördersumme in Höhe von 7,4 Millionen Euro beantragt, das Konzept selbst ist allerdings doppelt so teuer. Für die Sanierung des von der Stadt gekauften „Hotel Schwans“ habe die Stadt Mainz noch einmal Interesse auf rund 1,22 Millionen Euro beim Bundes-Sonderförderprogramm „Denkmalschutz Sonderprogramm“ bekundet – doch weitere Fördersummen nannte Grosse nicht.

„Zur finanziellen Unterstützung des Gesamtprojektes gab es eine Kontaktaufnahme mit der Europäischen Investitionsbank (EIB)“, heißt es in der Antwort weiter – dabei handele es sich aber um die Bereitstellung eines möglichen vergünstigten Kredits. Im Stadtrat Anfang Mai antwortete Grosses Nachfolger Ludwig Holle (CDU) nun auf Anfrage der FDP, der Stand der Gesamtfinanzierung sei „nach wie vor aktuell“ – allerdings soll es für das Hotel Schwan jetzt nur rund 1,03 Millionen Euro Förderung geben.

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Förderquote für den Neubau: bislang gerade einmal 27 Prozent

Zugleich räumte Holle allerdings auch offen ein: Für die anfallenden Kosten hat die Stadt Mainz bislang nicht einmal ein Drittel der Summe als Fördermittel eingeworben. Den zu erwartenden rund 104,9 Millionen Euro – ohne Ausstattungskosten – stünden bislang an „beantragten oder noch zu beantragenden Fördermitteln“ lediglich rund 28,48 Millionen Euro gegenüber – das entspreche einer Förderquote von 27 Prozent. „Die Verwaltung befindet sich derzeit weiterhin in der Ermittlung bzw. Konkretisierung der Kosten in den aufgezeigten Bereichen „Bau“ und „Ausstattung / Szenografie““, antwortete Holle weiter: „Ebenso werden derzeit weitere Fördermöglichkeiten eruiert.“

Wird das neue Gutenberg-Museum zur Dauerbaustelle? Die Gutenberg-Stiftung warnt vor einem "Fiasko". - Foto: gik
Wird das neue Gutenberg-Museum zur Dauerbaustelle? Die Gutenberg-Stiftung warnt vor einem „Fiasko“. – Foto: gik

Für Sorgenfalten sorgte es da, dass im neuen Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD auf Landesebene das Gutenberg Museum mit keinem Wort erwähnt wird – nun schlägt die Gutenberg Stiftung in Mainz Alarm. „Hinter den Kulissen droht ein finanzielles und organisatorisches Fiasko“, warnt die Stiftung in einer Mitteilung an die Presse: Die zukünftige Trägerschaft sowie der Betrieb des „Weltmuseums der Druckkunst“ seien „völlig ungeklärt“, „Stand heute sind die Finanzierung der Ausstattungen und der Betrieb des Museums ab dem Jahr 2032 nicht gesichert“.

Tatsächlich wird das „Weltmuseum der Druckkunst“ bis heute als Teil eines städtischen Amtes geführt, eine Neuausrichtung der Trägerschaft seit Beginn der Debatten über den Neubau gefordert – doch passiert ist: nichts. Das sorgte bereits im November 2025 auf einer Bürgerinformationsveranstaltung zu dem neuen Museum für kritische Fragen, auf die Dezernentin Grosse damals antwortete: Man habe Ende September „ein sehr wichtiges Treffen“ mit dem Land gehabt, man baue „sukzessive Strukturen auf, wie eine Trägerschaft aussehen“ könne – aber die nächsten 1,5 Jahre stehe dazu nichts an.

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Trägerschaft fürs Museum bis heute ungeklärt

Das Gespräch am 22. September 2025 war offenbar das letzte Gespräch zum Thema Trägerschaft Gutenberg-Museum mit der damaligen Kulturministerin Katharina Binz (Grüne), mit dabei waren auch die Museumsleitung sowie Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). Zum Ergebnis teilte Grosse im Stadtrat aber lediglich mit: Man habe weiter „das Ziel einer gemeinsamen Trägerschaft von Stadt und Land für das Museum“ – angedacht sei die Gründung einer gemeinsamen Stiftung. „Die Gesprächsfäden“ auf dem Weg dahin würden „weiterhin nachdrücklich verfolgt.“

Bei der Gutenberg-Stiftung fordert man nun nachdrücklich schnelles Handeln. Der neue Baudezernent Holle müsse umgehend Verhandlungen mit dem Land aufnehmen, fordert der Stiftungs-Vorsitzende Günter Jertz – zudem wolle die Stiftung den Oberbürgermeister an seine Versprechen aus dem OB-Wahlkampf erinnern: Haase hatte damals stets vom Gutenberg Museum als „Aushängeschild der Stadt“ geschwärmt und die Entwicklung einer neuen „Marke Gutenberg“ versprochen. Die Stiftung will nun am 9. Juni auf einer Pressekonferenz ausführloch über ihre Bedenken und Forderungen informieren.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Gutenberg-Museum, dem Neubau und der Interimsausstellung findet Ihr hier im Internet. Mehr zur Kritik an der Neuaufstellung des Gutenberg-Museums, haben wir hier auf Mainz& berichtet:

Gutenberg-Museum in Mainz: Weiter kein neues Konzept zur Trägerschaft des Weltmuseums der Druckkunst in Sicht