Das Kaufkraft-Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft sendet offenbar Schockwellen durch Mainz: Die Studie setzt das Durchschnitts-Einkommen einer Region in Verhältnis zu den regionalen Kosten, und da schnitt Mainz überraschend schlecht ab. Trotz hoher Wirtschaftsdynamik landete Mainz bei der Kaufkraft am Ende der Tabelle – die Linke sieht die Schuld dafür auch bei der Stadtpolitik: Sie verteuere das Leben ständig. Die FDP wiederum fordert einen „Bauturbo“, um endlich gegen die hohen Mieten anzugehen. Eine interessante Forderung kommt derweil aus Hessen: Die Jusos fordern ein 30-Euro-Ticket für den Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Deutschland steckt in der Kostenfalle, seit der Corona-Pandemie sind die Lebenshaltungskosten im Land drastisch gestiegen: Allein die Lebensmittelpreise sind seit 2021 um rund 30 Prozent gestiegen, sagt die Verbraucherzentrale in einer Auswertung – das stelle viele Verbraucher vor finanzielle Herausforderungen. Besonders bei Brot und Süßwaren, Kaffee, Tee und Kakao, aber auch bei Molkereiprodukten und Eiern sind die Preise um mehr als 30 Prozent explodiert, Speisefette und Speiseöle wurden gar um 64,3 Prozent teurer.
Doch das ist noch lange nicht alles: Die gestiegenen Grundnahrungsmittel verteuern auch den Döner und das Eis, dazu kommen gestiegene Kosten für die Krankenversicherung, höhere Ticketpreise für Busse und Bahnen sowie stark gestiegene Energiepreise- ebenso wie Handwerkerleistungen und Dienstleistungen. Für viele kommen dazu erhebliche Wohnungskosten mit Miete und Nebenkosten, gerade Mainz gehört seit Jahren zu den zehn teuersten Städten der Republik.
FDP Mainz: Stadt muss endlich den „Bauturbo“ zünden
Und das schlug sich nun bei einer Untersuchung zur Kaufkraft in Deutschland für Mainz ausgesprochen negativ nieder: Beim Kaufkraft-Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft landete Mainz weit abgeschlagen auf dem 374. von 400 Plätzen. Der wissenschaftlichen Berechnung zufolge haben die Mainzer demnach im Schnitt nämlich nur ein preisbereinigtes Kaufkraft-Einkommen von rund 25.000 Euro im Jahr zur Verfügung – und das, obwohl man bereits im vierten Jahr zur „dynamischsten Großstadt“ der Republik gekürt wurde.

Zum Vergleich: Die Nachbarstadt Wiesbaden Wiesbaden liegt mit 31.763 Euro preisbereinigtem Kaufkraft-Einkommen weit vor Mainz auf Platz 31. Der Grund für das schlechte Abschneiden von Mainz: Die Lebenshaltungskosten in Mainz seien überdurchschnittlich hoch, dazu kommen noch besonders hohe Wohnkosten – bei den Mieten landete Mainz in den vergangenen Jahren auf Platz 7 der teuersten Städte der Republik. Das Ergebnis: Mit einem in Mainz verdienten Einkommen kann man sich deutlich weniger leisten als in anderen Städten – die Mainzer sind weniger solvent.
Die Mainzer FDP forderte deshalb nun, Mainz müsse endlich den Bauturbo einschalten und die Vorlage des Bundes mutiger nutzen. „Die Fakten liegen auf dem Tisch: Es fehlt Wohnraum, Bauen dauert zu lange und für viele Menschen wird das Leben in Mainz immer teurer“, kritisierte FDP-Fraktionschefin Susanne Glahn. Wer daran ernsthaft etwas ändern wolle, müsse „schneller genehmigen, pragmatischer entscheiden und dafür sorgen, dass aus politischen Debatten endlich reale Wohnungen werden“, forderte sie – Mainz habe kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsproblem.
Glahn: Hohe Wohnkosten schwächen Leistungsfähigkeit der Stadt
Hohe Wohnkosten seien längst nicht mehr nur eine soziale Frage, sondern schwächten auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt, betonte Glahn, und reagierte damit auch auf die Berichterstattung zum Kaufkraft-Ranking: „Wenn ein wachsender Anteil des Einkommens für Miete oder Eigentum aufgewendet werden muss, sinkt die reale Kaufkraft der Bürger.“ Das treffe Familien, Berufstätige, Studierende, Auszubildende und ältere Menschen gleichermaßen und schwäche zugleich Einzelhandel, Gastronomie und die gesamte urbane Entwicklung.

Die FDP forderte deshalb, die Stadt müsse ihre eigenen Wohnungsbaugesellschaften stärken, private Initiativen ermutigen und zudem den „Bauturbo“ des Bundes mutiger nutzen. „Der Bauturbo des Bundes ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um in angespannten Märkten schneller zusätzlichen Wohnraum zu schaffen“, sagte FDP-Bauexperte Thomas A. Klann, und warnte: Mainz dürfe dieses Werkzeug „nicht mit so vielen Vorbedingungen versehen, dass aus Beschleunigung am Ende wieder Verwaltung wird. Wir brauchen mehr Tempo bei Aufstockungen, Nachverdichtungen, Baulückenschließungen, Umnutzungen und Projekten in integrierten Lagen.“
Die Mainzer Linke sieht die Schuld für die hohen Lebenshaltungskosten in Mainz aber auch bei der Stadtpolitik: „Die Stadt selbst dreht kräftig mit an der Spirale, die zu dieser Verteuerung führt“, schimpfte Linksfraktionschef Tupac Orellana, und verwies auf die Kostensteigerungen, die die Stadt Mainz wegen des neuerlichen Haushaltslochs auf den Weg gebracht hat. Dazu gehörten vor allem viele Kosten für Familien, zählte Orellana auf: „Die Abschaffung des 365-Euro-Tickets für Schüler, die Kosten für die Ganztagsförderung in den Grundschulen, die 1:1 an die Eltern weitergegeben wird, die Erhöhung der Eigenbeteiligung für das Kita-Essen.“
Linke: Stadt hat selbst an Kosten geschraubt, gerade für Familien
Aber auch Kosten wie die Verdoppelung der Eintrittspreise für Museen nannte Orellana als Beispiel – Mainz hatte im Zuge der Haushaltssanierung 2025 unter anderem die Grundsteuer und die Gewerbesteuer angehoben, eine Übernachtungsabgabe eingeführt und Zuschüsse zum stadteigenen Jobticket reduziert. Teurer wurden auch das Trinkwasser zum 1. Januar und die Tickets im Nahverkehr, dazu hob die Stadt Mainz 2025 die Preise für das Anwohnerparken in der Stadt drastisch an – um bis zu 400 Prozent.

All das seien Kosten, die den Einzelnen belasteten, um den städtischen Haushalt zu entlasten, kritisierte Orellana – und das Ende sei noch gar nicht erreicht: Weitere Sparmaßnahmen seien in Planung, denn auch die nächsten Haushalte der Stadt wiesen jeweils ein Defizit von rund 170 bis 180 Millionen Euro aus. „Dabei ist allen klar, dass die Stadt sich nicht gesundsparen kann“, betonte Orellana – das Problem sei ein strukturelles, weil Bund und Land den Städten und Kommunen immer mehr Aufgaben und Pflichten aufbürdeten, die aber nicht gegenfinanziert seien.
„Das eigentliche Problem liegt im System und dort muss es behoben werden“, forderte Orellana. Dazu komme noch der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die immense Kostensteigerung bei den Mieten in Mainz. „Der Stadtvorstand schmückt sich damit, Mainz sei die dynamischste Stadt Deutschlands – und blendet dabei die Lebensrealität der Mainzer komplett aus“, schimpfte Orellana, und reagierte damit auf die Mainz&-Berichterstattung.
Jusos Hessen-Süd schlagen 30-Euro-Monatsticket für RMV vor
Die Bundesregierung kündigte am Montag an, gegen die drastisch gestiegenen Spritpreise vorgehen zu wollen, mit einer Senkung der Energiesteuer auf Benzin um 17 Cent pro Liter. Ein spannender Vorschlag kam derweil aus Hessen: Die Jusos Hessen-Süd forderten am Dienstag ein 30-Euro-Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Das vergünstigte Ticket solle eine kosteneffiziente und umweltfreundliche Alternative für den täglichen Weg zur Arbeit oder Schule bieten, und die finanzielle Belastung durch gestiegene Energie- und Mobilitätskosten abfedern.

„Mobilität darf kein Luxus sein“, betonte Rodan Zeybek, Vorsitzender der Jusos Hessen-Süd. Ein 30-Euro-Ticket für das gesamte RMV-Gebiet sei „ein wirksamer Schritt, um Bürger spürbar zu entlasten und den öffentlichen Nahverkehr langfristig attraktiver zu gestalten.“ Dass es daran ein großes Interesse gebe, habe ja die Einführung des 9-Euro-Tickets im Sommer 2022 gezeigt, doch sein Nachfolger, das Deutschlandticket, koste heute mit 63 Euro siebenmal so viel. Viele Nutzer hätten daraufhin das Ticket gekündigt.
Doch selbst das teurere Ticket liege eine Monatskarte für Frankfurt mit mehr als 115 Euro noch weit darüber, Pendler zwischen Frankfurt und Wiesbaden zahlten sogar mehr als 237 Euro, das sei nicht nachvollziehbar, sagte Zeybek. Die hessische Landespolitik und der RMV müssten nun „schnellstmöglich ein 30-Euro-Ticket einführen, um die Menschen in der Rhein-Main Region von den Kosten der Energiekrise zu entlasten“ und ein „attraktives, einheitliches Angebot“ zu schaffen“, betonte er.
Info& auf Mainz&: Mehr zu den Preisexplosionen bei Lebensmitteln findet Ihr hier bei der Verbraucherzentrale Deutschland. Unseren ausführlichen Bericht zum Kaufkraft-Ranking des IW und dem Mainzer Abschneiden findet Ihr hier auf Mainz&.







