Die Stadt Mainz sieht sich ja immer als goldene Stadt mit hoher Lebensqualität und einer gut betuchten Bevölkerung, doch die Realität sieht offenbar anders aus: In Sachen Kaufkraft gehört Mainz zu den Schlusslichtern in der Republik. Das ergab nun das Kaufkraft-Ranking des Instituts der Deutschen Wirtschaft: Dort liegt Mainz gerade einmal auf Platz 374 von 400. Denn Mainz gehört zu den teuersten Regionen der Republik, das führt dazu, dass sich die Mainzer im Schnitt nur deutlich weniger leisten können als in anderen Regionen. Deutlich weiter vorn: Wiesbaden und der Landkreis Mainz-Bingen.

Die Zeiten für Konsum und Kaufkraft sind in Mainz derzeit nicht rosig, zu spüren ist das in der Mainzer Innenstadt - hier eine leere Fußgängerzone. Das Foto entstand bereits vor ein paar Jahren. - Foto: gik
Die Zeiten für Konsum und Kaufkraft sind in Mainz derzeit nicht rosig, zu spüren ist das in der Mainzer Innenstadt – hier eine leere Fußgängerzone. Das Foto entstand bereits vor ein paar Jahren. – Foto: gik

Ende 2025 schlossen in Mainz gleich mehrere alteingesessene Geschäfte in der Mainzer Innenstadt ihre Tore, darunter der Kinderladen Wirth. Inhaber Demmler machte dafür die Verkehrssituation in Mainz, aber auch den ins Internet und zu Großhändlern abgewanderten Kundenstrom verantwortlich, eine neue Studie zeigt nun: Offenbar ist es auch mit der Kaufkraft der Mainzer nicht wo weit her, wie die Stadt Mainz gerne glauben lässt.

Zum vierten Mal in Folge sei Mainz zur dynamischsten Stadt Deutschlands gewählt worden, jubelte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) Ende 2025 nach der Vorstellung des jüngsten Rankings der „Wirtschaftswoche“. Da spielten zwar noch immer die Effekte des Corona-Gewinners BionTech eine große Rolle, aber Mainz punkte eben auch bei Produktivität, Arbeitsmarkt und Lebensqualität, freute sich Haase auf Facebook.

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Mainz beim Kaufkraft-Ranking unter den Schlusslichtern

Doch nun zeigt eine neue Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: Die Mainzer können sich mit ihrem Geld viel weniger leisten als Bewohner anderer Regionen – beim Kaufkraft-Ranking des IW landet die Landeshauptstadt ganz weit hinten. Nach der Berechnung haben die Mainzer im Schnitt nämlich nur ein preisbereinigtes Kaufkraft-Einkommen von rund 25.000 Euro im Jahr – und landen damit gerade einmal auf Platz 374 von 400 Regionen in Deutschland.

Teure neue Wohnungsbauten wie hier im Mainzer Zollhafen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Mieten und Wohnungskosten in Mainz explodieren lassen - übrigens unter SPD-Regierung. - Foto: gik
Teure neue Wohnungsbauten wie hier im Mainzer Zollhafen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Mieten und Wohnungskosten in Mainz explodieren lassen – übrigens unter SPD-Regierung. – Foto: gik

Das ist ein echter Schlag ins Mainzer Selbstbewusstseins-Kontor, denn Mainz landet damit weit hinter anderen Großstädten und Regionen – selbst in strukturschwachen Regionen wie Pirmasens, bundesweites Schlusslicht bei den Finanzen, haben die Bewohner mit 25.287 Euro etwas mehr Kaufkraft-Geld in der Tasche als die Mainzer. Im bekanntermaßen reichen Landkreis Mainz-Bingen sind es sogar rund 35.800 Euro, der Landkreis landet damit bundesweit auf Platz 9 beim Kaufkraft-Ranking.

Für das Ranking setzte das IW das Einkommen einer Region ins Verhältnis zu den regionalen Preisen für Konsumgüter und Dienstleistungen, vor allem das Thema Wohnen und Miete spielt hier eine wichtige Rolle. 2023 bezifferte das IW in einer großen Studie gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) genau diese Lebenshaltungskosten neu: Mit wissenschaftlichen Methoden wurde dabei ein neuer Preisindex entwickelt, der Wohn- und Lebenshaltungskosten wie Miete, Strom, Gas und Lebensmittel für alle 400 Kreise und kreisfreien Städte transparent vergleicht.

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Mainz: Platz 13 der teuersten Regionen, nicht nur bei Mieten

Und dabei zeigte sich schon 2023: Mainz gehörte zu den 20 teuersten Regionen Deutschlands und kam mit einem Preisindex von 109.6 auf Platz 13. Das war sogar teurer als die Nachbarstadt Wiesbaden (Platz 19), der Hochtaunuskreis (Platz 18), die Stadt Köln (Platz 14) oder die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf (Platz 16). Eine entscheidende Rolle spielten dabei die Wohnkosten, rügte damals schon die IW-Studie, doch ein Blick in die Studie zeigte: Auch ohne Wohnkosten sind die Lebenshaltungskosten in Mainz hoch.

Nach dem Aus für den Kinderladen Wirth steht die Ladenfläche derzeit leer, der Besitzer möchte verkaufen - doch das gestaltet sich schwierig. - Foto: gik
Nach dem Aus für den Kinderladen Wirth steht die Ladenfläche derzeit leer, der Besitzer möchte verkaufen – doch das gestaltet sich schwierig. – Foto: gik

Das hat Folgen für die Kaufkraft: Dabei liegen die Mainzer im bundesweiten Vergleich weit hinten – die Basis waren auch hierbei Zahlen aus 2023. Das heißt nichts anderes, als: Einwohner in Mainz sind von den Lebenshaltungskosten so unter Druck, dass sie sich vieles weniger leisten können als die Bewohner anderswo – zu spüren bekommen dürften das Gastronomie, Kultureinrichtungen, aber eben auch Geschäfte und Handel.

Zum Vergleich noch ein weiteres Beispiel: Auf Platz 4 des Kaufkraft-Rankings landet die Kleinstadt Neuwied am Rhein, denn hier steht den Einwohnern eine Kaufkraft von rund 37.400 Euro zur Verfügung, das sind mehr als 12.000 Euro mehr als in Mainz. Und von Schlusslichtern  wie Ludwigshafen (23.144 Euro, Platz 395) und Kaiserslautern (23.070 Euro, Platz 397) trennen Mainz nur wenige Euro. Viele Großstädte schnitten nicht zuletzt wegen ihrer hohen Wohnkosten schlecht ab, konstatiert das IW – doch selbst die Großstadt Frankfurt landet mit einem Kaufkraft-Einkommen von 25.691 vor Mainz auf Platz 358.

Wiesbaden liegt gar mit 31.763 Euro auf Platz 31, und damit weit vor der Nachbarstadt – beides sind Landeshauptstädte mit vielen Ministerien, Mainz hat dazu Großunternehmen wie Schott, Werner & Mertz sowie eben das Pharmaunternehmen BionTech in seinen Stadtgrenzen. Dass diese Unternehmen nicht mehr zu einer besseren Kaufkraft in Mainz beitragen, dürfte aufhorchen lassen – und widerspricht der gerne hervorgehobenen Wirtschaftsdynamik.

Info& auf Mainz&: Dieser Artikel enthält stellenweise deutlich wertende Elemente und verbindet damit analytische Elemente mit reinen Fakten – das nur zur Erklärung. Das ganze Kaufkraft-Ranking des IW samt methodischer Erläuterungen findet Ihr hier im Internet, den neuen Preisindex für die Lebenshaltungskosten hat das IW hier erläutert.