Die Wirtschaft in Rheinhessen kommt nicht aus der Durststrecke: In der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen stürzt die Stimmung in der Wirtschaft regelrecht ab. Der Konjunkturklimaindex für den Frühsommer 2026 erreichte gerade einmal noch 81 Punkte – das ist schlechter als zu Zeiten der Corona-Pandemie. Der Frust wächst, denn Entlastung ist einfach nicht in Sicht – größte Risiken: die hohen Energiepreise und neue Sorgen um Rohstoffpreise. Was die Wirtschaft jetzt von der neuen Landesregierung fordert.

Seit zwei Jahren schlagen die Wirtschaftsunternehmen bundesweit nun deutlich Alarm, bereits im Februar 2024 warnte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK vor der größten Wirtschaftskrise seit mehr als 20 Jahren. Der Alarm komme aus allen Branchen, Deutschland drohe tief in die Rezession zu rutschen, hieß es vor zwei Jahren, auch aus Rheinhessen – die Hauptgründe seien unverhältnismäßig hohe Energiekosten, drastisch steigende Löhne, anhaltende Inflation sowie eine wachsende Konjunkturflaute im Inland.
Im Januar 2025 dann klagte der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer in Rheinland-Pfalz, Arne Rössel, die Konjunkturdelle habe sich zu einer handfesten Rezession ausgewachsen. Die Gründe: Die hohen Energiekosten, überbordende Bürokratie, eine zu hohe Steuerlast, aber auch katastrophale Zustände auf Brücken, Straßen und Schienen. Im Oktober 2025 hieß es dann: Die Wirtschaft sei nun „am Kipppunkt“, die Rückgänge in den Unternehmen alarmierend – eine Drittel der Unternehmen plane weniger Investitionen und Stellenabbau. Die Probleme: Schwächelnder Inlandskonsum, hohe Arbeitskosten, hohe Energie- und Rohstoffpreis.
Wirtschaftsklima in Rheinhessen: Schlechter als zu Corona-Zeiten
Passiert ist seither: nichts. Die viel versprochenen Reformen zur Entlastung der Wirtschaft finden einfach nicht statt. Zwar führte die schwarz-rote Bundesregierung einen Industriestrompreis ein, doch der nützt den meisten Unternehmen überhaupt nichts – 99,3 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind kleinere und mittlere Unternehmen und gehören damit zum Mittelstand, für sie ist der Industriestrompreis überhaupt nicht vorgesehen. Für Selbstständige, Handwerker und Gastronomieunternehmen gilt er gleich gar nicht, sie sind es aber, die unter den horrenden Energiepreisen mit am meisten leiden.

Statt Entlastung aber gibt es derzeit permanent neue Belastungen für die Firmen: Der Zollkrieg mit den USA brachte neue Zollhürden und damit sinkenden Absatz in vielen Branchen, dazu kommt nun auch noch der Iran-Krieg, der für sprunghaft gestiegene Rohstoffpreise sorgt – Deutschland droht eine neue Inflationsspirale mit steigenden Preisen, auch in Supermärkten.
Die Folge: Das Konjunkturklima hat sich im Mai spürbar verschlechtert, der IHK-Konjunkturklimaindex stürzte in der jüngsten Befragung regelrecht ab. Der Klimaindex sank gegenüber dem Jahresbeginn um zwölf Punkte auf nur noch 81 Punkte – das ist ein neuer Negativrekord. Das ist sogar schlechter als zu Corona-Zeiten, als der IHK-Konjunkturklimaindex bei 88 Punkten lag – das galt damals als verheerend. Inzwischen liegt der Klimaindex seit vier Jahren durchgehend unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten – Deutschland steckt tief in der Rezession.
„Wirtschaft sendet starke Alarmsignale“, Hauptproblem: Energie
„Unsere Unternehmen senden sehr starke Warnsignale – konkrete Impulse und Lösungen müssen jetzt endlich kommen“, fordert denn auch der Mainzer IHK-Präsident Marcus Walden. Immer mehr Betriebe verschöben Investitionen, weil Energiepreise und politische Rahmenbedingungen bislang wenig planbar seien. In der Umfrage bewerteten nur 23 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 45 Prozent als befriedigend und 32 Prozent als schlecht.

Noch pessimistischer blicken die Unternehmen auf die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate: Nur 11 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus, 50 Prozent erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage und 39 Prozent befürchten einen Rückgang. Und wieder liegen auf Platz eins der größten Geschäftsrisiken die Energie- und Rohstoffpreise: satte 68 Prozent sehen hier ein großes Risiko für ihr Geschäft – in ganz Rheinland-Pfalz sind es sogar 77 Prozent.
Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen folgen bei den Unternehmen direkt dahinter auf Platz zwei (64 Prozent in Rheinhessen), auf Platz drei liegen inzwischen die Arbeitskosten (59 Prozent) – dabei schlägt auch die jüngste Anhebung des Mindestlohns zu Buche. Weiteres Risiko: die stagnierende Inlandsnachfrage (56 Prozent).
Verschärfte Probleme bei Finanzen, hohe Kosten, Insolvenzgefahr
Die Folge: die Unternehmen fahren ihre Investitionspläne immer weiter zurück – und sie kommen in immer größere finanzielle Schieflagen. 44 Prozent der Unternehmen in Rheinhessen geben inzwischen an, negative Auswirkungen auf ihre aktuelle Finanzlage zu spüren: darunter verzeichnen 22 Prozent Eigenkapitalrückgänge, 20 Prozent Liquiditätsengpässe und 12 Prozent zunehmende Forderungsausfälle. Sechs Prozent befürchten eine Insolvenz.

Die logische Folge: Nur 21 Prozent der Betriebe planen höhere Investitionen, 43 Prozent wollen ihr Niveau beibehalten und 36 Prozent ihre Investitionen zurückfahren. Und die Talfahrt geht durch alle Branchen, selbst die Industrie, in Rheinland-Pfalz lange Zeit Konjunkturmotor der Wirtschaft, verliere weiter an Zugkraft“, warnt Arne Rössel von der AG der IHKs: Hier fiel der Konjunkturklimaindex um 14 Punkte auf 82 Punkte. Im Handel liegt der Index gar nur noch bei 70 Punkten, auch das Gastgewerbe bleibt den Angaben zufolge stark unter Druck – der Index liegt hier bei 66.
„Viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz stehen massiv unter Druck. Hohe Kosten, geopolitische Unsicherheiten und schwache Nachfrage nehmen die Planungssicherheit und zunehmend auch den Optimismus“, klagte Rössel. Die Forderungen der Wirtschaftsvertreter sind deshalb klar und werden immer drängender: „Damit die pessimistischen Erwartungen nicht zur Realität werden, braucht die Wirtschaft jetzt eine handlungsfähige Landesregierung, die Entscheidungen trifft und Wachstumsimpulse setzt“, fordert Rössel: „Ohne klare Impulse droht eine weitere Verschärfung der Rezession!“
Forderung an Landesregierung: Sichtbare Schritte in 100 Tagen
Die neue Landesregierung könne „ganz schnell für Verlässlichkeit sorgen“, heißt es bei der IHK weiter: Bürokratie abbauen, Genehmigungen beschleunigen und die Energiekosten am Standort spürbar entlasten, das seien jetzt notwendige Maßnahmen. Die Mainzer IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede sieht zudem auch gerade die Unsicherheit als Bremsklotz: „Ob Exportgeschäft in der Industrie oder Handel vor Ort – die Unruhe an den Märkten sorgt für Zurückhaltung. Entscheidend ist jetzt Tempo: Die neue Landesregierung muss in den ersten 100 Tagen sichtbare Schritte auf den Weg bringen, damit Investitionen wieder anspringen.“
Die Konjunkturumfrage der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz wurde im Zeitraum vom 10. bis 30. April 2026 durchgeführt. Teilgenommen haben 1.027 Unternehmen aller Größen und Branchen mit insgesamt rund 190.000 Beschäftigten. In Rheinhessen wurden dabei insgesamt 717 Unternehmen aller Größen und Branchen befragt. Mehr zur Wirtschaftslage in Rheinhessen sowie den ganzen Konjunkturbericht für Rheinland-Pfalz vom Frühsommer 2026 findet Ihr hier im Internet.
Info& auf Mainz&: Mehr zu den Forderungen der Wirtschaft an die neue Landesregierung in Mainz könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:







