Mainz& politisch: Anfang August sperrte die Stadt Mainz per "Modalfilter" den unteren Teil der Großen Bleiche, die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) jubelte jüngst, es sie dort jetzt "viel ruhiger". In der Tat: Die grüne Dezernentin hat damit der Innenstadt den Stecker gezogen. Das wird massive Auswirkungen auf den Einzelhandel und die Gastronomie haben, Mainz wird zur Disneyworld mit Marktfrühstück - das "Endgame" für eine lebendige Mainzer Innenstadt hat begonnen. Und OB Nino Haase (parteilos) sowie die Mainzer CDU? Sind abgetaucht oder klatschen Beifall. Eine kommentierende Analyse von Mainz& zur Verkehrspolitik in Mainz.

Leere Mainzer Fußgängerzone mit Blick auf den Dom: Wie solle die Kunden die Mainzer Innenstadt noch erreichen? - Foto: gik
Leere Mainzer Fußgängerzone mit Blick auf den Dom: Wie solle die Kunden die Mainzer Innenstadt noch erreichen? - Foto: gik

Es gibt zwei große Mythen, die die Grünen in Mainz und auch Teile der Mainzer SPD wie Monstranzen vor sich hertragen: Die Mainzer Innenstadt müsse "autofrei werden", und man müsse "endlich weg von einer autogerechten Stadt." Das werde "die Aufenthaltsqualität steigern", den Menschen endlich erlauben, in Ruhe mit dem Rad zu fahren, und auch - man höre und staune - den Einzelhandel glücklich machen, schließlich zeigten alle Untersuchungen, dass der Einzelhandel von autofreien Einkaufszonen profitiere.

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Die Anhänger dieser Thesen müssen jetzt ganz stark sein, denn sie sind um ein paar Jahrzehnte in der Zeit stecken geblieben. Fakt ist nämlich: Die Mainzer Innenstadt ist längst autofrei. Das Dinge nennt sich Fußgängerzone, und reicht vom Münsterplatz oder Neubrunnenplatz über die Römerpassage bis zum Brand. Auch die Ludwigsstraße ist seit Jahrzehnten für den individuellen Autoverkehr gesperrt, in der Mainzer Augustinerstraße fährt schon lange kein Auto mehr, auf den Domplätzen ebensowenig. Um die Innenstadt herum gibt es noch genau einen Ring für Autofahrer: Rheinachse, Kaiserstraße und Altstadttangente. Das war's.

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Die Mainzer Innenstadt "autofrei machen"? Das ist sie längst

Damit dürfte Mainz eine der größten Fußgängerzonen und vor allem eine der größten autofreien Innenstadtzonen überhaupt besitzen. Wer jetzt noch fordert, man müsse "die Innenstadt autofrei machen", der legt die Axt an die letzten Möglichkeiten ihrer Erreichbarkeit - und genau das passiert gerade. Mit der Sperrung des unteren Bereichs der Großen Bleiche zum Rhein hin hat die grüne Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger nichts weniger als die Axt an die Lebendigkeit und Erreichbarkeit der Mainzer Innenstadt gelegt.

Bei Open Street Map sieht man sehr gut das Innenstadtgefüge von Mainz: Rot, Gelb oder Orange sind Straßen, auf denen man in die Innenstadt gelangt, oder durchfahren kann. Grau ist der gesamte Bereich ohne Autos, weiß sind kleine Stichstraßen oder verkehrsberuhigte Anwohnerstraßen. - Screenshot: gik
Bei Open Street Map sieht man sehr gut das Innenstadtgefüge von Mainz: Rot, Gelb oder Orange sind Straßen, auf denen man in die Innenstadt gelangt, oder durchfahren kann. Grau ist der gesamte Bereich ohne Autos, weiß sind kleine Stichstraßen oder verkehrsberuhigte Anwohnerstraßen. - Screenshot: gik

Warum das so ist? Nun, ein Blick auf den Stadtplan von Mainz genügt da eigentlich. In den vergangenen Jahren sind nämlich bereits die Zufahrtswege in die Mainzer Innenstadt massiv eingeengt worden. Das begann mit dem Umbau der Mainzer Boppstraße und der Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 20 in Teilen, damit wurde jeglicher Verkehr aus Richtung Mombach und dem Mainzer Norden auf die Rheinallee verdrängt. Die Rheinachse ist seither die einzige Zufahrt zur Mainzer Innenstadt für alle, die aus der nördlichen Neustadt kommen, aus Mombach, Budenheim oder über die Schiersteiner Brücke, oder aus dem Süden via Weisenau.

Die Mombacher Straße hilft da nur bedingt, denn sie leitet den Verkehr in Richtung Innenstadt auf Nadelöhr Nummer zwei: Die Alicenbrücke. Die Brücke über den Hauptbahnhof samt ihrem Zubringer Saarstraße ist das wohl wichtigste Einfallstor in Richtung Innenstadt für Mainz, schon jetzt staut sich hier der Verkehr regelmäßig bis hinauf zur Universität - das betrifft die Einzugsgebiete Hartenberg-Münchfeld, Bretzenheim, Gonsenheim, Finthen, Drais, Lerchenberg und Marienborn, und da sind Pendler aus dem rheinhessischen Hinterland noch gar nicht mitgerechnet.

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Blockade Binger Straße: Zufahrt zu sechs Parkhäusern in der City

Diese Einfallsachse in Richtung Innenstadt aber wurde die vergangenen zwei Jahre durch die Baustelle in der Binger Straße massiv ausgebremst - Ergebnis: Parcusstraße und Gärtnergasse wurden zum Nadelöhr, auf dem über weite Strecken gar nichts mehr geht. Hat man bei der Stadt daraus gelernt? Mitnichten: Stattdessen wird die Binger Straße jetzt durch die neue "Zeitinsel" der Straßenbahnhaltestelle ausgebremst, denn diese "Zeitinsel" heißt nichts anders als: Der Verkehr wird per roter Ampel komplett zum Halten gebracht, und das zigfach pro Stunde. Wer einen fließenden Verkehr haben will, plant so etwas nicht.

Mit dieser Baustelle begann der große Umbau der Mainzer City hin zu einer Blockade des Individualverkehrs - Foto: gik
Mit dieser Baustelle begann der große Umbau der Mainzer City hin zu einer Blockade des Individualverkehrs - Foto: gik

Das Problem dabei: Die Binger Straße war und ist nicht einfach irgendeine Straße in die Innenstadt - sie ist auch die Zufahrtsstraße zu nichts weniger als sechs Parkhäusern: Schillerplatz unter dem Proviantamt, Theater und Kronberger Hof, aber auch die Parkhäuser Römerpassage, am Kaufhof sowie im Bleichenviertel unter der Mainzer Volksbank sind auf dem direkten Weg am schnellsten über Binger Straße und Große Bleiche erreichbar. Worin liegt also der Wert darin, ausgerechnet die Wege zu Parkhäusern zu verbauen und möglichst schwierig zu gestalten?

Die Antwort liegt in Ideologie-Mythos Nummer zwei: "Mainz muss sich endlich von der autogerechten Stadt verabschieden." Das wird einem allen Ernstes noch immer von Grünen und SPD-lern entgegen geschleudert. "Autogerechte Stadt - echt jetzt? Wo, bittesehr ist Mainz denn noch eine "autogerechte Stadt"? Wo sind denn die großen Autoschneisen durch die Stadt, auf denen der Autoverkehr Vorrang hat? Die Rheinachse mit Rheinallee und Rheinstraße etwa - nur, weil es dort zwei Spuren pro Richtung gibt?

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