Ende Juli sperrte die Stadt Mainz mit einem „Modalfilter“ die Durchfahrt durch den unteren Bereich der Großen Bleiche in Richtung Rhein, seither dürfen hier nur noch Busse, Taxis und Fahrradfahrer entlang – doch das war noch nicht alles: Die Stadt blockierte auch die Zufahrt von der Großen Bleiche zum Platz vor dem Mainzer Landtag per Poller ab. Nun stellt sich heraus: Der Mainzer Landtag wusste davon: nichts. Man sei in die Planungen weder eingebunden noch darüber informiert worden, teilte der Landtag am Mittwoch auf Mainz&-Anfrage mit.

Der untere Teil der Großen Bleiche am Landtag in Richtung Rhein ist seit Ende Juli 2026 für jeglichen Individualverkehr gesperrt - hier dürfen nur noch Linienbusse, Taxen und Fahrräder lang. - Foto: gik
Der untere Teil der Großen Bleiche am Landtag in Richtung Rhein ist seit Ende Juli 2026 für jeglichen Individualverkehr gesperrt – hier dürfen nur noch Linienbusse, Taxen und Fahrräder lang. – Foto: gik

Die Sperrung des unteren Teils der Großen Bleiche zwischen Flachsmarkt und Peter-Altmeier-Allee wurde Ende Juli mitten in den Sommerferien überraschend vom Mainzer Verkehrsdezernat umgesetzt, nachdem der Stadtrat im Juni für den sogenannten „Modalfilter“ gestimmt hatte – nach Mainz&-Informationen mit den Stimmen der Kenia-Koalition, aber bei Enthaltung von zwei CDU-Stadträten. Der „Modalfilter“ erlaubt nun nur noch Linienbussen der Stadt die Durchfahrt, dazu Taxen und Fahrrädern – für den Individualverkehr, aber auch für Reisebusse ist die Durchfahrt damit gesperrt.

Das sorgt für erheblichen Ärger in Mainz, denn dieser untere Teil der Großen Bleiche war bislang vor allem eines: Ein enorm wichtiger Abfluss für den Autoverkehr aus der Innenstadt und speziell aus dem Bleichenviertel. Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) verteidigt die Sperrung indes mit der neuen Straßenbahnstrecke durch die Binger Straße: Man müsse so verhindern, dass die Straßenbahn an der Binger Straße im Stau stecken bleibe, durch die Maßnahme werde „der Durchgangsverkehr auf der Großen Bleiche genommen.“

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Untere Große Bleiche: Wichtiger Verkehrs-Abfluss aus der Innenstadt

Die Sperrung der Großen Bleiche im unteren Teil blockiere vor allem den Verkehr, der bisher aus der Großen Bleiche, der Flachsmarktstraße und angrenzenden Straßen in Richtung Theodor-Heuss-Brücke und Mainzer Süden abgeflossen sei, kritisieren indes der Verein „Unser Mainz in Rheinhessen“ gemeinsam mit den Mainzer Innenstadtvereinen, und schimpft: „Verkehr verdrängen ist noch keine Verkehrsplanung.“ Der Verkehr in der Großen Bleiche sei mitnichten einfach nur Durchgangsverkehr, wer dort ein konkretes Ziel habe, „verschwindet nicht dadurch, dass ihm der direkte Weg genommen wird“, schimpft Thomas A. Klann, FDP-Politiker und Vorstand von „Unser Mainz in Rheinhessen“.

Karte der Stadt Mainz zu den neuen Verkehrsbeziehungen and er Großen Bleiche: Die grünen Pfeiler suggerieren, man könne in der Großen Bleiche problemlos fahren, doch das ist nicht der Fall. Die weiteren Pfeiler zeigen genau, welcher Druck jetzt auf der Kreuzung Flachsmarkt/Bauhofstraße und Große Bleiche liegt. - Karte: Stadt Mainz
Karte der Stadt Mainz zu den neuen Verkehrsbeziehungen and er Großen Bleiche: Die grünen Pfeiler suggerieren, man könne in der Großen Bleiche problemlos fahren, doch das ist nicht der Fall. Die weiteren Pfeiler zeigen genau, welcher Druck jetzt auf der Kreuzung Flachsmarkt/Bauhofstraße und Große Bleiche liegt. – Karte: Stadt Mainz

Das zeigen auch Zahlen des Verkehrsdezernats selbst: Nach Verkehrszählung der Stadt bewegten sich bislang am Tag von der Gärtnergasse in die Große Bleiche hinein rund 6.100 Kfz – auf Höhe des Landesmuseums auf der Großen Bleiche waren es dann noch rund 4.400 Fahrzeuge in derselben Richtung zum Rhein hinunter. Rund 3.000 Fahrzeuge fuhren pro Tag die Strecke am Landtag entlang weiter Richtung Rhein – das spricht gegen einen massiven Durchgangs- und für einen Zielverkehr – etwa zum Mainzer Stadthaus oder zu den Großbanken – , der anschließend auch wieder aus der Straße heraus muss.

Mit der neuen Regelung muss der Verkehr nun den Umweg durch über die Kaiserstraße nehmen, oder sich durch die Flachsmarktstraße und die Bauerngasse zum Rhein hinunter quälen – der Verkehr wird damit in dicht bebaute Anliegerstraßen abgedrängt, während entlang des gesperrten Stücks der Großen Bleiche kein einziges Wohnhaus steht. Besucherbusse, die auf den „Platz der Republik“ vor dem Mainzer Landtag wollen, müssen nun durch die Zeughausgasse fahren – und damit durch eine verkehrsberuhigte Spielstraße am Haus der Jugend und am Museumskomplex Naturhistorisches Museum / Gutenberg Museum entlang.

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Zufahrt blockiert: Landtag nicht informiert oder einbezogen

Denn: Das Verkehrsdezernat hatte völlig überraschend auch die Zufahrt von der Großen Bleiche zum Landtag gesperrt: Zwei Reihen Poller verhindern dort nun jeden Auto- oder auch Busverkehr. Nun stellt sich heraus: Auch der Landtag selbst wurde von dieser Entwicklung komplett überrascht. „In die konkreten Planungen und die aktuelle Umsetzung der Verkehrsmaßnahmen ist der Landtag nicht eingebunden worden“, teilte die Pressestelle von Landtagspräsident Matthias Lammert am Mittwoch auf Anfrage der Internetzeitung Mainz& mit.

Poller riegeln seit Anfang August die Zufahrt von der Großen Bleiche in Richtung Deutschhausplatz und Mainzer Landtag ab: Hier verkehrten sonst Besucherbusse, Medienvertreter sowie Besucher des Landtags und Dienstlimousinen der rheinland-pfälzischen Landesregierung in Richtung Staatskanzlei. - Foto: gik
Poller riegeln seit Anfang August die Zufahrt von der Großen Bleiche in Richtung Deutschhausplatz und Mainzer Landtag ab: Hier verkehrten sonst Besucherbusse, Medienvertreter sowie Besucher des Landtags und Dienstlimousinen der rheinland-pfälzischen Landesregierung in Richtung Staatskanzlei. – Foto: gik

Mehr noch: Der Landtag wurde von der Maßnahme noch nicht einmal informiert. Dem Landtag seien „lediglich Unterlagen von Juni 2026 bekannt gewesen“, die sich auf den Ideenwettbewerb für die Gestaltung des Mainzer Regierungsviertels bezogen hätten, sagte Pressesprecher Marco Sussmann weiter. Und diese Unterlagen hätten zwar „Änderungen hinsichtlich des sogenannten ‚Motorisierten Individualverkehrs'“ vorgesehen – dass die Zufahrt zum Landtagsvorplatz aber blockiert werden sollte, ging daraus offenbar nicht hervor.

Stattdessen habe es in den Unterlagen geheißen, eine Zufahrt zu der Tiefgarage Deutschhausplatz sei „ebenso möglich wie Liefer- und Rettungsverkehr, Busverkehr sowie Fuß- und Radverkehr, auch sogenannter Quell- und Zielverkehr wurde nicht ausgeschlossen“, so der Landtag weiter. Man habe zudem in einem Kolloquium zum Ideenwettbewerb am 22. Mai 2026 „auf die erforderliche Erreichbarkeit von und die Beibehaltung kurzer Wege zwischen Abgeordnetenhaus und Landtag insbesondere für Abgeordnete, Landesregierung und Besucherinnen und Besucher hingewiesen“, so Sussmann weiter.

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Landtag: Stadt noch im Mai auf Thema Erreichbarkeit hingewiesen

Im Nachgang sei dazu „keine weitere Beteiligung oder Information des Landtags über die beabsichtigten Maßnahmen“, erfolgt, vor allem auch sei der Landtagsverwaltung „auch kein Informationsschreiben zugesandt worden, wie es dem Vernehmen nach Ende Juli 2026 Anlieger erhalten haben sollen.“ Im Klartext: Der Landtag mit seinen rund 200 Mitarbeitern und seinem Parlament, zu dem regelmäßig zahlreiche Experten und Kommunalpolitiker aus dem ganzen Land anreisen, dazu Minister der Landesregierung mit ihren Dienstlimousinen, wurde bei der Blockade seiner Zufahrt nicht eingebunden und noch nicht einmal informiert.

Im Landtag löste das offenbar auch Ärger aus: Das Parlament müsse „selbstverständlich für alle Bürgerinnen und Bürger leicht und barrierearm erreichbar sein“, kritisiert man im Landtag. Man wolle nun „zeitnah in Gesprächen mit der Stadt Mainz für alle Seiten zufriedenstellende Lösungen finden.“ Wie die aussehen könnten, sagte der Landtagssprecher nicht – viele Möglichkeiten gibt es auch gar nicht: Zum Deutschhausplatz führen genau drei Straßen – die Petersstraße, die als Einbahnstraße nur vom Platz weg führt, die Straße am Deutschhausplatz, die zur Mitternacht führt, und eben die Große Bleiche.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Sperrung der Großen Bleiche für den Individualverkehr und die Hintergründe lest Ihr auch noch einmal ausführlich hier auf Mainz&:

Sperrung Große Bleiche in Mainz Richtung Rhein: Autofahrer verwirrt, Mainzer stinksauer – Haben die Mainzer für diese Sperrung gestimmt?