Wer vergangenes Wochenende auf dem Mainzer Weinmarkt unterwegs war, dem sind sie sicher schon begegnet: Die neuen Automaten mit der Aufschrift „Tableware Drop-Off only“. Dahinter verbirgt sich ein Pilotprojekt der Mainzer Marketinggesellschaft Mainzplus Citymarketing: Pfandautomaten für das Essgeschirr. Bereits im Vorfeld hatte die Mainzer Marketinggesellschaft auf die Neuerung hingewiesen, nun stellte sie das System noch einmal gesondert vor.

So sieht es aus, das neue Pfandsystem für Essgeschirr auf dem Mainzer Weinmarkt. - Foto: Mainzplus
So sieht es aus, das neue Pfandsystem für Essgeschirr auf dem Mainzer Weinmarkt. – Foto: Mainzplus

Bei Gläsern funktioniert es bereits problemlos und perfekt. Die Rückgabe auf Weinfesten an den Ständen der Winzer. Auf dem Mainzer Weinmarkt geht das besonders leicht, da die Stände einheitliche Weinmarkt-Gläser verwenden – nun soll das auch beim Essgeschirr gehen. In einem nach Angaben der Mainzplus Citymarketing „deutschlandweit einmaligen Pilotprojekt“ kommen in diesem Jahr beim Mainzer Weinmarkt erstmals neue Pfandautomaten zum Einsatz, bei denen das Essgeschirr zurückgegeben werden muss.

Wer vergangenes Wochenende auf dem Weinmarkt unterwegs war, und sich irgendwo etwas zu Essen gekauft hat, hat diesen Satz bestimmt schon gehört: „Wir nehmen das hier nicht mehr zurück, tut uns Leid – das müssen Sie bei den Automaten abgeben.“ Hundertfach dürften Betreiber von Essensständen diesen Satz in den ersten vier Tagen des Weinmarkts schon gesagt haben, denn die Neuerung wurde zwar im Vorfeld angekündigt, wirklich groß kommuniziert aber bisher nicht.

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Neues Pfandsystem für Geschirr soll Tonnen an Müll einsparen

Am Montag nun stellte die Mainzplus das neue System noch einmal extra vor. Das Mehrwegsystem wurde gemeinsam der Rent.Group AG entwickelt und umgesetzt, es soll dabei helfen, Tonnen von Müll und Wegwerfgeschirr einzusparen. Erstmals wurde es auf dem „Mainzer WeinUfer“ im Mai in einem Testlauf eingesetzt, damals wurden den Angaben zufolge rund 10.000 Einwegbehälter eingespart und eine Tonne Müll vermieden. Auf Großveranstaltungen werde „zu oft noch Einweggeschirr verwendet“, heißt es beim Veranstalter, manchmal gebe es auch „kleinteilige und umständliche Pfandlösungen, bei denen Gäste in Schlangen stehen und mit Münzgeld hantieren müssen.“

Acht solche Pfandautomaten sind auf dem Mainzer Weinmarkt verteilt, meist an Wegen und flankiert mit Mülltonnen. - Foto: gik
Acht solche Pfandautomaten sind auf dem Mainzer Weinmarkt verteilt, meist an Wegen und flankiert mit Mülltonnen. – Foto: gik

Vier Unternehmen hätten sich nun zusammengetan, um hier Abhilfe zu schaffen: Die Rent.Group, CircleCube, Koziol und Mainzplus haben ein einheitliches, automatisiertes Mehrwegmodell entwickelt. „Es berücksichtigt den gesamten Kreislauf, von der Geschirrausgabe über die Rücknahme nach dem Essen bis hin zur Reinigung“, heißt es dazu – so wolle man „ein Zeichen für ressourcenschonende Veranstaltungen setzen und solche Mehrwegsysteme zum Standard von Großveranstaltungen machen.“ Mit dem neuen System werde die Pfandhandhabe spürbar vereinfacht, Wartezeiten bei der Rückgabe reduziert und der aufwändige Spülprozess von Hand kann entfallen.

Das System basiert auf großen Boxen mit einer Tür, die öffnet man, stellt den Behälter hinein, schließt die Tür – und das System soll automatisch erkennen, welches Geschirr zurückgegeben wurde. Das Pfand wird dann in einem Ausgabeslot ausgegeben oder direkt auf die Kreditkarte gebucht. Voraussetzung ist ein einheitliches Mehrweggeschirr, die Standbetreiber müssten dadurch aber keine eigene Geschirr- und Spülinfrastruktur bereithalten – sie sparten Zeit und Personal, da keine Rücknahme und Reinigung der Behälter notwendig sind, betont man bei Mainzplus.

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Automaten sortieren Behälter, leiten sie der Reinigung zu

Die Automaten vor Ort sortieren die Behälter und leiten sie in Logistik- und Reinigungsprozesse weiter. Die Mehrwegbehälter werden vom Dienstleister wieder
mitgenommen und zentral gespült. „Im Ergebnis unterstützen geringere Abfallmengen und ein sauberes Gelände vor Ort die Ressourcenschonung der Veranstaltung, erleichtern die Organisation und steigern den Komfort für die Gäste“, wirbt man weiter. Im ganzen Mainzer Stadtpark sind insgesamt acht Automaten verteilt, man gehe davon aus, dass sich bei rund 300.000 Besuchern an acht Veranstaltungstagen damit bis zu 50.000 Einwegbehälter einsparen, und so bis zu fünf Tonnen Müll vermeiden ließen.

Vorstellung der neuen Pfandcontainer am Montag bei Mainzplus. - Foto: Mainzplus
Vorstellung der neuen Pfandcontainer am Montag bei Mainzplus. – Foto: Mainzplus

Entwickelt hat die modularen Pfandautomaten die Firma CircleCube, die Teller und Schalen kommen vom Hersteller Koziol und enthalten ein sogenanntes RFID-Element. Diese „Radio Frequency Identification“ (RFID) kann den Gegenstand ohne Berührung und ohne eigene Stromquelle erfassen, auslesen und zuordnen. Der Weg jedes einzelnen Geschirrteils könne so „im Hintergrund unauffällig nachvollzogen werden, vom Imbissstand zum Automaten und in die Spülstraße“, heißt es weiter. Dabei erkenne das System auch, ob das Pfand
schon erstattet wurde.

Koziol nutzt für die Behälter den Angaben zufolge umweltfreundliche, biozirkuläre Kunststoffe, die Rent.Group wiederum stellt den gesamten Kreislaufprozess sicher, in dem das Mehrwegmaterial bereitgestellt und wieder aufbereitet wird. „Wir streben eine flächendeckende Lösung zur Ressourcenschonung bei unseren Events an“, betont Mainzplus-Geschäftsführerin Katja Mailahn. Das Ergebnis sei „ein Mehrwegkonzept mit enormem Potenzial, das die Gäste beim Testlauf sehr gut angenommen haben.“

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Mehrweg bei Großevents: Mainzer Pilotprojekt soll Schule machen

„Mehrweg funktioniert bei Großevents, wenn die Rückgabe für die Gäste schnell geht und für den Veranstalter einfach bleibt“, sagt Florian Blümer, Geschäftsführer und Mitgründer von CircleCube. Beim Mainzer WeinUfer habe sich bereits gezeigt, wie das automatisierte Rücknahmesysteme lange Schlangen aufgelöst, Abläufe im Hintergrund vereinfacht und damit die Hürde für echte Kreislaufwirtschaft im Alltag abgebaut habe. „Wir konnten Daten sammeln, wie schnell und belastbar die Nutzung war und etwa, ob die Gäste Bargeld oder ihre Kreditkarte hierfür bevorzugen“, sagte Blümer – wer will, kann sich sein Pfand nämlich auch auf die Karte zurückbuchen lassen.

„Herstellen, kaufen, nutzen, wegwerfen ist die Vergangenheit – wir brauchen eine Nutzungswende“, betont Christian Eichenberger, Geschäftsführer der Rent.Group: „So sparen wir Rohstoffe und vermeiden Schadstoffemissionen. Damit uns das Weintrinken auch in 50 Jahren noch schmeckt.“ Der Weinmarkt ist denn auch der Testlauf für die erste Großveranstaltung, in Zukunft will Mainzplus das neue Mehrwegsystem auch bei weiteren Veranstaltungen einsetzen.

Info& auf Mainz&: Der Mainzer Weinmarkt geht an diesem Donnerstag weiter und findet noch bis zum Sonntag, den 06. September 2026 statt. Was es diesem Jahr alles an Neuerungen gibt sowie weitere Details zum Programm findet Ihr hier bei Mainz&.

90. Mainzer Weinmarkt 2026 mit vielen Neuerungen: Weinmarkt-Fässer, Weintalks im GWC-Village und Mehrwegsystem für Speisen